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Auf leisen Sohlen

 
Autor: Johannes Knuth Montag, 26. Juli 2010
 

sliderDie Hitter hauen weniger Homeruns, die Pitcher werden immer stärker, Jamie Moyer spielt noch immer Baseball - das waren die Trends der Vorrunde in der MLB. Und noch ein Trend am Rande: Es wird weniger gejubelt. Die Erklärung dazu heute bei Sidearm Slider.

buchstabeass der Mensch aus seinen Fehlern lernt, ist hinlänglich bekannt, schon Buddah wies sein Gefolge darauf hin, die eigenen Missgeschicke als großes Glück zu begreifen: „Betrachte den, der deine Fehler dir enthüllt, als erzähle er dir von einem verborgenen Schatz“, sagte Buddah, und das mit dem Schatz darf man durchaus wörtlich nehmen. Auf einer Internetseite teilte die Nutzerin „Inselgraf“ der WWW-Gemeinde einst mit, ihr Nachwuchs habe zu Beginn seiner menschlichen Laufbahn herzhaft in die Steckdose gelangt, woraufhin er sich Sekundenbruchteile später verdattert auf dem Hosenboden wiedergefunden haben. Mittlerweile verdient der gereifte Mann seine monatlichen Schätze mit Steckdosen. Er ist Elektroniker.

Wie kommt es zu derart wundersamen Wandlungen? Englische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass uns dabei ein Frühwarnsystem im Gehirn hilft. Sobald wir mit einer Handlung konfrontiert werden, mit der wir in der Vergangenheit nicht so prickelnde – oder im Falle des Steckdosengreifers sehr prickelnde Erfahrungen gemacht haben – teilt  uns der Warn-Schaltkreis mit, mit der Steckdose oder sonstigen schädlichen Dingen doch bitte etwas vorsichtiger umzugehen. Das alles spielt sich stromschlagartig schnell ab, gerade mal 0,1 Sekunden benötigt das Gehirn, haben die Wissenschaftler ausgerechnet (was ein Magazin dann im Internet veröffentlichte, woraufhin Nutzerin „Inselgraf“ unter jenem Artikel die Geschichte ihres Sohnes verewigte).

Ist doch (k)ein Beinbruch

Dieser Mechanismus greift freilich auch bei Baseballspielern, in der Major League Baseball stellen sie das seit nun fast zwei Monaten alle paar Tage unter Beweis. Was war passiert? Ende Mai beging Kendry Morales von den Los Angeles Angels den Fehler, einen Walk-Off-Grand-Slam-Homerun - eine Offensivleistung so mächtig wie das Wort Walk-Off-Grand-Slam-Homerun - mit einem herzhaften Sprung in die Arme seiner Mitspieler zu zelebrieren. Morales sprang, er landete, er fiel, seine Teamkameraden beugten sich nach unten. Da wussten sie noch nicht, dass sich der 27-Jährige das Bein zertrümmert hatte und wahrscheinlich für den Rest der Saison ausfällt.

ReimoldWalkOff
Kommt ein Reimold gefolgen: Nolan Reimold nach einem Walk-Off-Homerun (CC-BY-SA - Foto von Keith Allison)

Seit diesem Vorfall wurden zahlreiche weitere Walk-Off-Homeruns gehauen, bei denen die Spieler, so sehen es die Spielregeln vor, nach ihrem spielentscheidenden Schlag alle Bases umrundeten und auf die Traube der wartenden Mitspieler  zuliefen. Ihren Kameraden mit einem Hechtsprung entgegenzufallen, das ließen die Homerun-Helden im Gedenken an Kendry Morales aber lieber bleiben. Sidearm-Slider hat die Top fünf der besten alternativen Jubeltechniken zusammengetragen.

Platz 5: Der sanfte Segelanflug. Erst feuerte James Loney einen Pitch von Mets-Schmeisser Oliver Perez aus dem Stadion, dann drosselte er kurz vor dem Spielerknäuel plötzlich das Tempo, breitete beide Arme leicht aus und segelte ganz sanft, bis er auf der Home Plate landete. Applaus, aber bitte bleiben sie angeschnallt, bis wir das Dugout erreicht haben. 

Platz 4: Auf leisen Sohlen. „The Zimminator“, tönte der Reporter der Nationals. Ryan „Zimminator“ Zimmerman hatte gerade einen Homerun zum 6:5-Endstand seiner Nationals geschlagen. Und wie feierte der mächtige Zimminator an der Home Plate? Er schlich. Schlich, als sei er auf dem Weg ins Badezimmer und wolle das Baby im Schlafgemach nebenan nicht aufwecken. Gute Nacht, Zimmi.

Platz 3: Der Stier und sein Matador. Sechs Runs im Rückstand, noch ein Durchgang zu spielen, da glaubte auch Ryan Howard nicht mehr so recht an einen Sieg seiner Phillies. Wenige Minuten später drosch Howard einen Ball hinter die Leftfield-Begrenzung, Philadelphia hatte die Partie gegen die Cincinnati Reds tatsächlich noch gedreht. Mit Howard gingen alle Gäule durch, wie ein Stier rannte er in das Rudel der wartenden Mitspieler. Leidtragender war Matador Shane Victorino, dem Howard den Trikotkragen aufschlitzte. Olé!

Platz 2: Wie die Vorväter. Zwei Tage vor Howards Homerun hatte Brian Schneider den Phillies bereits zu einem Walk-Off-Sieg gegen die Reds verholfen. Als Schneider noch die Bases umkurvte, schnappte sich Shane Victorino Schneiders Knüppel, wartete auf den Held des Abends und empfing ihn mit mehreren Stockstößen, als ramme er einem gegnerischen Soldaten im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg das Bajonett in die Magengrube. Gerüchten zufolge soll Schneider die böswillige Attacke aber überstanden haben.

Platz 1: Wenn der Schein trügt. Der Schlag, weit über hundert Meter. Der Jubellauf, wie ein Sprint. Der Helm, er reißt ihn sich vom Kopf und schmeißt ihn fast vom Spielfeld. Der Anlauf, drei Schritte, kraftvoller Absprung, er wird doch nicht...nein, er wird nicht. Ike Davis hüpfte dann doch noch ganz sacht in die Arme der Mitfeiernden, nachdem er die San Diego Padres mit einem Walk-Off-Ihr-wisst-schon besiegt hatte.

Daher der Aufruf an die baseballinsider.de-Gemeinde: Wer einen technisch einwandfreien Walk-Off-Homerun-Jubelsprung eines MLB-Spielers nach dem 29. Mai aufstöbert, kriegt vom Autor die Praxisgebühr für die Behandlung einer Sportverletzung spendiert!

Kommentare
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Basti
(Publisher) 28-07-2010 09:46
Du hast Chris Coughlan vergessen :)

Dieser hat sich "auf leisen Sohlen" angeschlichen, um seinem Kollegen Wes Helms die Creampie
zu verpassen und sich am linken Meniskus verletzt...unfassbar, wobei man sich heuzutage alles
verletzen kann...
 
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Johannes
(Publisher) 28-07-2010 14:12
Video?
 
re:
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Basti
(Publisher) 28-07-2010 15:03
Johannes schrieb:
Video?


Nur das hier...sieht schon ungesund aus wie er da reinspringt...AUA.
Posted image


HIER IST DAS VIDEO :)

Spielt aber keine Rolle, weils kein Walk-Off-Home-Run war ;)
 
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Johannes
(Publisher) 28-07-2010 16:53
au mann :-D
 
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Kolumnen - Sidearm Slider

Johannes Knuth

 
johannes65x90Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider.
Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.