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Remo Gebert

Pitcher-Wins: Kein Sieg der Tradition

Die Statistik, Pitchern persönliche Wins zuzuschreiben, entstammt aus der Anfangszeit des Baseballs. Aus dem 19.Jahrhundert. Als keine Helme und keine Handschuhe getragen wurden. Vieles hat sich jedoch mit den Jahren verbessert - es wurde eingesehen, dass es sinnvoller ist, etwas zu ändern: Helme für die Hitter, Handschuhe für die Fielder.

Die Wins jedoch sind geblieben. Aus Tradition. Aus mit dieser Tradition!

Win-Loss-Statistiken für Pitcher verbreiten noch immer Faszination. Stephen Strasburg (Foto von Arturo Pardavila III, CC) steht derzeit bei 11-0 und hat diesen Mythos der Perfektion. Er spielt tatsächlich eine gute Saison (2.71 ERA) - in seinen vier sieglosen Starts weist er jedoch einen unterdurchschnittlichen 4.05 ERA auf und könnte mit weniger Run-Support auch eine nur noch gute 11-3-Bilanz haben. Das ist die Zufälligkeit des Win-Loss-Records.

Bartolo Colon gewann aufgrund dieser Zufälligkeit sogar einen Cy-Young-Award. 2005 wies er für die Angels einen 3.48 ERA in 222 Innings auf. Rational betrachtet kein Vergleich zu Johan Santana's 2.87 ERA in 231 Innings für die Twins. Und doch gewann Colon den Award für den besten Pitcher der American League, weil der Dominikaner die ominöse Schwelle von 20 Siegen überwand (21-8). Santana's 16-7-Bilanz konnte gegen einen 21-fachen Sieger im Auge der Stimmgeber nicht mithalten. Dass die Angels und nicht Colon der eigentliche Sieger in den 21 Spielen waren, wurde größtenteils ignoriert. Kevin Millwood von den Indians hatte im Übrigen mit einem 2.86 ERA den ligaweiten Bestwert in 2005, aber mit einer 9-11-Bilanz wurde ihm natürlich jegliche Anerkennung verwehrt.

Ein Win für einen Starting Pitcher geht weit über seine eigene Verantwortung hinaus: Wenn die Offensive gar nicht oder zur falschen Zeit punktet oder der Bullpen eine Führung hergibt, ist ein Win für den Starter unmöglich. Dodgers-Ace Clayton Kershaw (Foto von Arturo Pardavila III, CC) konnte davon in dieser Saison bereits ein Klagelied singen: Er pitchte starke 7.2 Innings bei nur einem zugelassenen Run gegen die Mets, für welche im Übrigen der Win-Experte Bartolo Colon startete. Mit einer 2:1-Führung wurde Kershaw durch Adam Liberatore ersetzt, welcher prompt ein RBI-Triple zuließ und Kershaw damit den Win verwehrte. Die Dodgers erzielten im folgenden Inning zwei Runs, gewannen das Spiel und der Win ging an Liberatore (0.1 IP, 1 H), da er zuvor für das letzte Out im achten Inning gesorgt hatte. Kershaw könnte aufgrund dieses Spiels nicht die berüchtigte Grenze von 20 Wins erreichen, was in einem knappen Cy-Young-Award-Rennen mit Strasburg und Jake Arrieta durchaus entscheidend sein kann. Arrieta im Übrigen bekam kürzlich trotz einer sehr schwachen Leistung (5 IP, 5 ER) den Win zugeschrieben - dank 11 Runs von seiner Offensive. Auch hier taucht sie schamlos auf, die Zufälligkeit des Win-Loss-Records.

Während Arrieta den sagenumwobenden Win unberechtigterweise verbuchen konnte, gab es in dieser Spielzeit einige der stärksten Pitching-Leistungen, die jedoch mit keinem Win "gekrönt" wurden: Julio Teheran (7.0 IP, 0 ER, dazu 9 Ks), Matt Shoemaker (7.1 IP, 0 ER, dazu 12 Ks) und Drew Smyly (8 IP, 0 ER, dazu 12 Ks) konnten sich trotz hervorragender Leistungen keinen Win auf ihr Konto schreiben lassen, obwohl sie die bestmöglichen Voraussetzungen gaben. Dies sind auch keine Einzelfälle: In der Saison 2015 gab es 63 Fälle, in denen ein Starting Pitcher mindestens sieben Innings warf, keinen Run abgab - und natürlich keinen Win erhielt!

Win-Loss-Statistiken sind einfach und klassisch - und werden deswegen gern als Leistungsindikator gesehen. Obwohl diese Bilanz bei einem Blick auf diverse andere Pitcher-Statistiken (IP, ERA, WHIP, K/BB etc.) völlig wertlos ist, kann man sich deren Wirkung aufgrund der Gewohnheit nur schwer entziehen. 21-8 sieht einfach imposanter aus als 16-7, und dennoch können beide Win-Loss-Werte sehr irreführend sein. Baseball ist oftmals wie das Leben, und auch hier sieht man Parallelen: Weil die Gewohnheit und Tradition ein Muster vorgibt, wird dieses so weitergeführt. Dem kann man sich nur durch regelmäßiges Bewusstmachen der Wertlosigkeit des Musters entziehen.

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