www.o2online.de
 

Wer ist online?

 
Kein Insider online
Gäste: 58
 
 

Neue Kommentare

 
 
 

Neuester Insider

 
 
 

Die heimliche Weltmeisterschaft kann beginnen

 
Autor: Christoph May Mittwoch, 04. März 2009
 

wbc09_200x215.jpgMit dem ersten Pitch eines japanischen Werfers beginnt am Donnerstag um 10:30 Uhr (MEZ) in Tokio die World Baseball Classic 2009. Von da an heißt es: drei Wochen internationaler Spitzen-Baseball. Eine Auswahl der besten Spieler der Welt wird sich, auf 16 Mannschaften verteilt, in Japan, Mexiko, Kanada, Puerto Rico und den USA messen. Die Finalrunde schließlich findet im Dodger Stadium von Los Angeles statt, wo am 23. März  ermittelt wird, wer Japan als zweiter WBC-Sieger nachfolgt. Eine Vorschau auf das Turnier.


Obwohl es erst das zweite Turnier dieser Art ist, kann man die World Baseball Classic wegen ihrer hochkarätigen Besetzung bereits als die heimliche Weltmeisterschaft des Sports bezeichnen. Der Erfolg der Erstlings vor drei Jahren hat auch für das zweite Turnier die Erwartung eines spannenden Turniers geweckt, das als interessante Alternative zu den bisweilen eher lahmen Spielen des Spring Trainings aufwartet und das Baseball-Frühjahr damit aufwertet.

Die Erwartungen wurden übertroffen

Zunächst wurde die WBC jedoch eher kritisch betrachtet – besonders in den USA. Vielleicht liegt es daran, dass die Gewinner der heimischen Ligen bereits als „world champions“ bezeichnet werden, dass in den Vereinigten Staaten stets eine große Skepsis gegenüber Weltmeisterschaften und ähnlichen Events herrscht. Nach der World Baseball Classic 2006 mussten aber selbst die strengsten Kritiker eingestehen, dass die erste Austragung ein beachtlicher Erfolg war. In vielerlei Hinsicht übertrafen die Spiele die vorher geäußerten Erwartungen. Die Fernsehquoten waren in den USA und international erstaunlich hoch, die Zuschauerzahlen mit im Durchschnitt 19 000 Fans beachtlich und auch die Qualität der Spiele sehr ordentlich für die frühe Phase des Baseballjahres.

Zur Überraschung vieler waren es aber nicht die USA oder die Dominikanische Republik mit ihren Star-Ensembles aus MLB-Akteuren, die am Ende das Rennen machten, sondern die Mannschaft aus Japan. Das Team aus Fernost konnte sich im Finale gegen die Kubaner durchsetzen, die ihren Status als Baseballgroßmacht der Unbekannten weiter zementieren konnte. Zu verdanken hatten die Japaner ihren Triumph besonders Turnier-MVP Daisuke Matsuzaka, dessen internationaler Stern mit dem Turnier so richtig aufging. Die große Enttäuschung der ersten „Classic“ waren die US-Amerikaner, die lediglich auf dem 8. Rang landeten und dafür viel Häme einstecken mussten.

Die USA gehen mit hohen Ambitionen in das Turnier

Die Blamage von 2006 wollen die USA in diesem Jahr natürlich vergessen machen. Damit das gelingt, haben sie die Anstrengung unternommen, ein ausgeglicheneres Team als vor drei Jahren aufzustellen. Manager Davey Johnson hat bewusst großen Wert darauf gelegt, dass das Team beim Pitching zwischen Rechtshändern und Linkshändern und in der Offensive zwische Power-Hittern und Kontakt-Hittern gut ausbalanciert ist. Natürlich sind mit Peavy, Jeter, Braun oder Rollins auch wieder jede Menge klingende Namen dabei. Die USA werden 2009 auf jeden Fall hochmotiviert sein, um den Beweis anzutreten, dass das Heimatland des Baseballs international die klare Nummer 1 ist.

Dass dieses Unterfangen nicht einfach wird, zeigt ein Blick auf die Aufstellungen einiger Konkurrenten. Die Finalisten der letzten Auflage, Japan und Kuba, sind selbstverständlich auch bei diesem Turnier wieder hoch zu handeln. Ebenfalls große Chancen rechnen sich die equipos aus der baseballverrückten Karibik und aus Südamerika aus. Die Dominikanische Republik hat eine besonders erlesene Auswahl an Superstars mit dabei. Alleine das Infield mit Alex Rodriguez, Jose Reyes, Hanley Ramirez, Robinson Cano und David Ortiz spricht da schon für sich. Die Mannschaft aus Puerto Rico verfügt zwar über weniger Star-Power, ist aufgrund des Heimvorteils und wegen ihrer Ausgeglichenheit aber sicher auch zu beachten. Gleiches gilt für Venezuela, das auf internationalem Parkett trotz vieler MLB-Spieler aber meist leer ausgegangen sind.

Regeländerungen und Kritik

Obwohl die gleichen Länder wie 2006 antreten, werden wir keine exakte Kopie der letzten World Baseball Classic erleben. Das wird allein schon daran liegen, dass der Sieg der Japaner, die in das Finale einzogen, obwohl sie in den ersten beiden Runden zwei Mal gegen Korea verloren hatten, zu  Änderungen am Spielmodus geführt hat. Die Vor- und Zwischenrunde werden nun im Double-Elimination-Modus gespielt. Das bedeutet, dass eine Mannschaft nach zwei Niederlagen in der Gruppe ausscheidet, was viele spannende K.O.-Spiele garantiert. Einen genauen Überblick auf das neue Format gibt es hier. Ebenfalls eine Änderung wurde an den Pitch Counts vorgenommen, durch die die Spieler vor Überarbeitung geschützt werden sollen. In der ersten Runde wurde die erlaubte Anzahl jedoch von 65 Pitches auf 70 angehoben, in der Zwischenrunde von 80 auf 85 und in der Finalrunde von 95 auf 100.

Bei vielen MLB-Managern, die der WBC ohnehin schon kritisch gegenüber stehen, könnte diese Regeländerung auf Kritik stoßen. Sie monieren, dass viele Akteure in der Frühsaison schon versuchen, ihre hundertprozentige Leistung abzurufen, obwohl sie dafür noch gar nicht bereit sind. Genau dieses Problem äußerte Cardinals-Manager Tony LaRussa 2006, als sein Pitcher Ricardo Rincon nach seinem WBC-Auftritt für Mexiko auf die Disabled List  musste und seitdem lediglich vier Innings in den Major Leagues gepitcht hat.

Der frühe Termin und der Ehrgeiz der Spieler, für ihr Heimatland alles geben zu wollen, hat für einige Spieler sicherlich schlimme Konsequenzen. Doch wann sonst könnte eine WBC stattfinden? Nach der Saison sicherlich nicht, denn kein Verein will seinen Pitcher nach 200+ Innings weiterwerfen sein. Und mitten in der Saison wäre vermutlich auch niemand bereit, für das Turnier eine Pause einzulegen, wenn das selbst bei Olympia nicht möglich ist. Die Wahrheit ist, dass es nur einen guten unter den vielen schlechten Terminen geben kann – und der liegt im März.

A-Rod und die Job-Sucher

Neben der Frage, wer in diesem Jahr das Turnier gewinnen wird, gibt es noch einige weitere interessante Entwicklungen rund um die WBC. Da wäre zum Beispiel die A-Rod-Saga, die sich nun im Camp der Dominikanischen Republik fortsetzen wird. Das interessante daran ist, dass Rodriguez' Steroid-Geständnis in seiner Heimat für eher wenig Lärm gesorgt hat. Denn die Einnahme von Steroiden wird in der Dominikanischen Republik weithin geduldet. Das Land hat einfach größere Probleme als das Aufspüren von Dopingsündern. Die große Zahl der Reporter und das enorme Medieninteresse könnte trotzdem zu einer Belastung für die Dominikaner werden. Ein Vorteil jedoch: Manager Felipe Alou kennt sich mit solchen Situationen aus, schließlich hat er die San Francisco Giants zu Zeiten eines Barry Bonds trainiert und wird wohl wissen, wie man eine Mannschaft aus solchem Trubel heraushält.

Eine weitere Besonderheit der World Baseball Classic ist dieses Mal, dass sie als eine Art Bewerbungszeugnis für viele Spieler dient, die noch keinen Vertrag in der MLB bekommen haben. Darunter sind auch viele bekannte Namen. Da wäre zunächst Ivan „Pudge“ Rodriguez zu nennen, dessen Karriere in den letzten beiden Jahren einen rapiden Abstieg erlebt hat. Pudge will im Trikot von Puerto Rico beweisen, dass er mindestens als Backup-Catcher noch seine Qualitäten hat. Und auch eine weitere Legende aus der Karibik schickt sich an, sich noch einmal für höhere Aufgaben zu empfehlen. Gemeint ist Pedro Martinez, der für die Dominikanische Republik antritt. Pedro hat bereits angekündigt, dass er sich durch seine Leistungen bei der WBC einen guten Vertrag sichern will. Hoffentlich reichen seine Leistungen auch dafür aus.

Falls jemand ein Spiel von Puerto Rico sieht und einen Spieler namens Bernie Williams im Outfield entdeckt, dann soll hiermit bestätigt werden: ja, es ist der langjährige Yankees-Star Bernie Williams, der seine Karriere im Prinzip schon beendet hatte. Bei Williams gilt aber eher die Liebe zum Baseball und zu seinem Vaterland als Grund für seine Teilnahme als ein Comeback-Versuch.

Wer sich noch einmal genau über jeden Pool informieren möchte, sollte bei unseren Previews vorbeischauen, die die einzelnen Teams vorstellen und die Erwartungen an die Gruppe bewerten (Pool A , Pool B , Pool C , Pool D ). Den Spielplan für alle Gruppen gibt es hier.


Wer die Spiele der World Baseball Classic ab morgen dann live verfolgen möchte, hat in Deutschland dazu zwei Möglichkeiten: MLB.TV wird jedes Spiel übertragen. Und auch ESPN America bietet eine sehr umfangreiche Berichterstattung an. Die Möglichkeiten, dieses sehr gut besetzte Turnier der besten Baseball-Nationen ausgiebig zu verfolgen, sind also gegeben. Man sollte sie nutzen.

Kommentare
RSS
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

MLB