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World Baseball Classic Vorschau: Pool D

 
Autor: Christoph May Montag, 02. März 2009
 

wbc09_200x215.jpgIn der Karibik wird die World Baseball Classic wohl so sehnsüchtig erwartet wie in keiner anderen Region. Schließlich ist Baseball dort in vielen Ländern der Nationalsport – und wird mit einer Menge Emotionen verfolgt. Besonders der Fall ist dies in der Dominikanischen Republik und Puerto Rico. Eine ekstatische Stimmung wird also garantiert sein, wenn im Hiram Bithorn Stadion von San Juan, der Hauptstadt von Puerto Rico, die Spiele des Pool D ausgetragen werden. Neben dem Gastgeber Puerto Rico und der Dominikanischen Republik, dem Halbfinalisten der letzten WBC, sind in der Gruppe auch noch Panama und die Niederlanden vertreten. Mit Carlos Beltran, Jose Reyes, Hanley Ramirez oder Carlos Lee erwarten die Fans in Pool D eine ganze Menge großer Namen.

Dominikanische Republik

Nach drei Vorrundensiegen gegen Venezuela, Italien und Australien sah es bei der ersten Auflage der World Baseball Classic so aus, als könne die Dominikanische Republik ein ernstes Wort um den Titel mitsprechen. Doch im Halbfinale folgte die Ernüchterung. Als Favorit zog man gegen die Kubaner mit 1:3 den Kürzeren. In diesem Jahr will es das Team von der Karibikinsel besser machen. Der Druck, der auf der Mannschaft lastet, ist jedoch enorm. Manager Felipe Alou, selbst ein großer Spieler und langjähriger Manager bei den Expos und Giants, hat es geschafft, ein Ensemble von Major League-Stars davon zu überzeugen, für das Heimatland an der WBC teilzunehmen. Entsprechend groß sind auch die Erwartungen in der baseballverrückten Dominikanischen Republik.

Der größte Coup gelang Alou mit der Verpflichtung von Alex Rodriguez, der vor drei Jahre noch für die USA aufgelaufen war. Da seine Familienwurzeln in der Dominikanischen Republik liegen, entschied sich der Yankees-Star in diesem Jahr für sein ursprüngliches Herkunftsland. Neben Rodriguez liest sich auch der Rest des Infields wie ein einziges All-Star-Team. Bei den Shortstops hat Felipe Alou die Wahl zwischen den beiden derzeit womöglich besten Spielern auf dieser Position: Jose Reyes und Hanley Ramirez. Für Miguel Tejada wird da wohl nur die Rolle als Backup an der dritten Base übrig bleiben. Und auch die rechte Seite des Infields ist stark besetzt. Robinson Cano an der zweiten und David Ortiz an der ersten Base garantieren jede Menge Power.

So stark das Infield ist, so mittelmäßig ist im Verhältnis dazu das Outfield der Dominikaner besetzt. Mit Jose Guillen, Willy Taveras und Nelson Cruz werden zwar drei gute MLB-Spieler auflaufen. Im Line-Up der Mannschaft werden sie aber wohl eher Nebenrollen spielen. Als Reserve-Outfielder steht auch Felipe Alous Sohn Moises bereit, der allerdings eher als Pinch Hitter zum Einsatz kommen wird. Ebenfalls eher durchschnittlich sieht es auf der Catcher-Position aus, wo Miguel Olivo und MLB-Veteran Alberto Castillo auflaufen werden.

Die Starting Rotation der Dominikanischen Republik wird von drei jungen Spielern angeführt. Klarer Leader hier ist Edinson Volquez von den Reds, der im letzten Jahr eine überragende Saison spielte. Ebenfalls sehr talentiert, in der frühen Saisonphase aber vielleicht eher Wackelkandidaten sind Volquez' Teamkollege Johnny Cueto und Ubaldo Jimenez von den Rockies. Mit Pedro Martinez steht dahinter noch ein Veteran bereit, der den Pitching Staff sicherlich durch seine Erfahrung bereichern kann. Eine wichtige Stütze fehlt der Rotation aber: Francisco Liriano wird nicht an der WBC teilnehmen.

Eine weitere Stärke der Mannschaft wird sicherlich der Bullpen sein. Mit Tony Pena von den Diamondbacks und Jose Arredondo von den Angels stehen gleich zwei potenzielle Closer parat. Dazu kommen die erfahrenen Reliever Juan Cruz und Damaso Marte und die durch den Pitch Count besonders wichtigen Middle Reliever Rafael Perez, Jose Veras und Edwar Ramirez.

Niederlande

Als klarer Außenseiter gehen die Niederlande in die Gruppenphase. Dabei sind sie doch eigentlich ein wenig erfolgsverwöhnt, schließlich haben sie bereits 20 Mal die Europameisterschaft gewinnen können. Doch eine Europameisterschaft ist – bei allem Respekt – eben doch keine World Baseball Classic, wo es für die Niederlande bei der ersten Teilnahme auch nicht zum Weiterkommen reichte. Dennoch hatten sie damals einen gewaltigen Grund zu jubeln, als Shairon Martis einen No-Hitter in sieben Innings gegen Panama warf. Die schlechte Nachricht für 2009: Martis, inzwischen in der Nationals-Organisation, hat das Turnier abgesagt. Und auch zwei weitere bekannte niederländische Baseballspieler – oder besser: Baseballer von der Antillen-Insel Curacao – werden nicht auflaufen. Andruw Jones wird nicht mitspielen ebenso wie Starter Jair Jurrjens. Dabei muss gesagt, werden, dass letzterer Ausfall wohl schwerer wiegt, wenn man Jurrjens' starkes letztes Jahr betrachtet.

Ohne den Starter der Braves wird die Starting Rotation von Rick VandenHurk angeführt, der bei den Marlins bisher noch nicht so recht erfolgreich war. Ebenfalls dabei ist mit Sidney Ponson ein alter Bekannter aus der MLB. Dahinter muss man aber schon eine Weile nach bekannten Namen suchen. Zwar haben die Niederländer noch einige Minor Leaguer dabei, insgesamt aber wird der Pitching Staff bei der starken Konkurrenz überfordert sein.

Ähnlich sieht es auf den anderen Positionen aus. Mit Wladimir Balentien von den Mariners hätten die Niederländer einen jungen Outfielder mit Major League-Erfahrung zur Verfügung gehabt. Im Kader ist er aber nirgendwo zu finden. Stattdessen werden mit Outfielder Greg Halman und Third Baseman Yurendell DeCaster wenigstens zwei Spieler mit Erfahrung in den oberen Minor Leagues für die Niederländer auflaufen. Dazu kommt mit Sharlon Schoop ein talentierter Shortstop aus der Giants-Organisation. Ein offensives Feuerwerk darf man von Team Niederlande bei dieser World Baseball Classic aber eher nicht erwarten.

Panama

Etwas unglücklich verlief der Auftritt von Panama bei der World Baseball Classic 2006. Gegen Puerto Rico (1:2) und Cuba (6:8) gab es jeweils knappe Niederlagen, bevor gegen die Niederlande das bereits erwähnte „No-Hit-Debakel“ ihrem Turnier ein unrühmliches Ende setzte. Und die Vorzeichen für dieses Jahr sehen nicht besser aus, denn der beste Spieler, den das kleine Land in Mittelamerika jemals hervorgebracht hat, wird erneut nicht teilnehmen. Gemeint ist Mariano Rivera, der das Yankees-Camp seinem Nationalteam vorzieht.

Dennoch muss man den Bullpen als Stärke der Mannschaft bezeichnen, denn Panama hat seine beiden Mannys dabei: Manny Corpas von den Rockies und Manny Acosta von den Braves. Eine späte Führung wäre bei diesen starken Bullpen-Armen wohl gut aufgehoben. Aber genau hier liegt das Problem. Die Mannschaft hat im Kader keinen Starting Pitcher, der der Herausforderung WBC gewachsen sein dürfte. Einige Pitcher haben zwar Minor League-Erfahrung. Die Statistiken weisen aber keinen dieser Pitcher als wirkliche Option für große Aufgaben aus. So wird es vermutlich an Bruce Chen liegen, der bis 2007 in der MLB aktiv war, die Rotation der Panamaer anzuführen. Eine wenig Erfolg versprechende Aussicht.

Die Offensive von Team Panama wird klar von All-Star-Outfielder Carlos Lee angeführt. Er ist der Dreh- und Angelpunkt des Angriffs, ohne dessen gute Leistungen Panama aussichtslos sein wird. Begleitet wird Lee im Outfield von Ruben Rivera, der in den neunziger Jahren mehrere Jahre in den Major Leagues verbrachte. Ein Spieler, der überraschen könnte, ist Concepcion Rodriguez, der in der Braves-Organisation im vergangenen Jahr eine gute Saison spielte – allerdings auf A-Level.

Ein weitere bekannter Name im Kader der Panamaer ist Phillies-Catcher Carlos Ruiz, der in der Offensive neben Carlos Lee sicherlich die Hauptlast tragen muss. Lange Zeit sah es so aus, als würde sich Ruiz gegen sein Heimatland entscheiden. Doch Martin Torrijos, der Präsident von Panama, meldete sich höchtspersönlich und überzeugte ihn mit Erfolg von der Notwendigkeit, für die Mannschaft Panamas zu spielen.

Puerto Rico

Der schärfste Konkurrent der Dominikaner in Pool D dürfte Puerto Rico sein, zumal sie bei den Spielen in San Juan Heimvorteil genießen. Im Jahr 2006 hatte das Team aus dem Karibikstaat keine Probleme in der Vorrunde und fertigte dort sogar den späteren Finalisten Kuba ab. In der zweiten Runde konnte man vor heimischen Fans allerdings nicht mehr glänzen und schied aus. Mit einem starken Kader haben die Puerto-Ricaner durchaus die Chance, noch weiter im Turnier vorzustoßen.

Puerto Rico tritt mit einem sehr ausgeglichenen Kader an, der mit zahlreichen Major-League-Stars gespickt ist. Im Outfield werden mit Carlos Beltran und Alex Rios zwei große Namen auflaufen. Zusammen mit Bernie Williams, der noch einmal die Baseballschuhe schnürt, und Hiram Bocachica, der im letzten Jahr in Japan für Furore sorgte, hat die Mannschaft vermutlich das stärkste Outfield der Gruppe.

Auch im Infield kann das Team von Manager Jose Oquendo, der lange Jahre für die Cardinals spielte, auf einige bekannte Namen vertrauen. Da wäre vor allem Beispiel Carlos Delgado zu nennen, der im Team die Leader-Rolle einnehmen wird. Der Rest des Infields wird wohl mit Felipe Lopez (2B), Mike Aviles (SS) und Ramon Vazquez (3B) besetzt sein und somit gestandene Major-League-Spieler aufweisen.

Dass die WBC auch als Sprungbrett für einen neuen Vertrag dienen kann, sieht man bei einem von Puerto Ricos Catchern. Denn hier hofft Pudge Rodriguez, sich durch gute Leistungen doch noch einen MLB-Vertrag zu erhamstern. Wie viel Spielzeit er bekommen wird, ist jedoch fraglich, da er mit Yadier Molina und NL Rookie of the Year Geovany Soto zwei sehr gute Catcher vor sich hat. Rodriguez, Molina und Soto werden die Pitches einer ebenfalls prominenten Starting Rotation empfangen, die von Neu-Brave Javier Vazquez angeführt wird. Dahinter werden mit Ian Snell und Jonathan Sanchez zwei talentierte junge Pitcher auf den Mound steigen.

Eine kleine Schwäche könnte der Bullpen von Puerto Rico sein. Dieser verfügt zwar mit Javier Lopez, Pedro Feliciano und J.C. Romero über durchaus gute Pitcher. Aber insgesamt fehlt es Team Puerto Rico ein wenig an einem Closer auf absolutem Top-Level.

Erwartungen

Mit der Dominikanischen Republik und Puerto Rico sind in Pool D ein absoluter und ein heimlicher Turnierfavorit vertreten. Aufgrund der Star-Power muss man die Dominikaner als den Gruppenfavoriten ansehen. Doch auch Puerto Rico ist durchaus zu beachten. Sie stellen eine sehr ausgeglichene Mannschaft, die an einem guten Tag den Konkurrenten aus der Dominkanischen Republik durchaus schlagen kann. Die Chancen von Panama auf ein Weiterkommen sind sehr begrenzt, bei einer guten Tagesleistung von Carlos Lee und Carlos Ruiz aber zumindest im Bereich des Möglichen. Die Niederlande müssen bei der WBC ohne ihre besten Baseballspieler auskommen. Die Qualität der Mannschaft erscheint mit dieser Aufstellung nicht ausreichend zu sein, um ernsthaft um die Qualifikation für die nächste Runde mitspielen zu können. Aufgrund des Heimvorteils von Puerto Rico und der ungeheuren Stärke der Dominikanischen Republik wäre es beinahe eine Sensation, wenn eine dieser beiden Mannschaften nicht weiterkommen sollte.

Spielplan

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