Chicago White Sox
Chicago White Sox
1894 - 1901
Als die Chicago White Stockings 1901 den Spielbetrieb in der neu gegründeten American League aufnahmen, zählten sie bereits zu den etablierten Organisationen im Baseballgeschäft. Das Team war jahrelang Mitglied der Western League, dem Vorgänger der American League. Als Sioux City Cornhuskers und in St. Paul (ab 1894) hatten sie nur teilweise Erfolg. Besitzer Ban Johnson transferierte den Club 1901 nach Chicago und machte ihm zu einem der Gründungsmitglieder, der von ihm gegründeten neuen Major League. Aufgrund des langen Namens taufte die Presse die White Stockings alsbald auf den weniger sperrigen Namen "White Sox". 1903 vollzog die Clubführung offiziell den Namenswechsel.
Auch sportlich hatte man wenig Grund zur Klage. 1901 gewannen die White Sox ihren ersten American League Titel. Fünf Jahre später konnten sie den ersten World Series Titel feiern. Die American League hatten sie mit 93 Siegen für sich entscheiden können und man traf auf den Stadtrivalen von der North Side. Sie bezwangen die Cubs in sechs Spielen und feierten den ersten Titel. Ausschlaggebend waren die starken Pitcher Frank Owen, Ed Walsh, Nick Altrock, Doc White, Roy Patterson und Frank Smith, die den schlechtesten Schlagdurchschnitt der American League (.230) mit einem Team-ERA von 2.13 vergessen machten.
1917 - 1920
Nach einer eher durchwachsenen Phase, erreichte man 1917 mit einer Bilanz von 100-54 erneut die World Series. Sie hatten die American League mit der besten Offensive (656 erzielte Runs) und mit den stärksten Pitchern (ERA 2.13) dominiert. Den National League Champion New York Giants konnten sie in sechs Spielen in die Knie zwingen.
Das reichte Besitzer Charles Comieskey und er begann zu sparen. Er verweigerte Bonuszahlungen an seine Spieler und lag im Streit mit ihnen. Zwei Jahre später erreichten die White Sox erneut die World Series. Gegner waren die Cincinnati Reds und was folgte zählt zu den größten Skandalen im Sport.
Die Wut der Spieler auf ihren knauserigen Vorgesetzten entlud sich 1919. First Baseman Chick Gandil, als Kleinkrimineller mit zwielichtigen Kontakten gesegnet, vereinbarte mit einem Freund und Buchmacher, die bevorstehende Endspielserie gegen die Reds absichtlich zu verlieren. Im Gegenzug wurden ihm und seinen eingeweihten Mitspieler hohe Geldbeträge versprochen. Gandil konnte sieben seiner Kollegen gewinnen, darunter die Star-Pitcher Lefty Williams und Eddie Cicotte, sowie Publikumsliebling Joe "Shoeless" Jackson. Das Konzept schien zunächst aufzugehen, als die White Sox mit einem ungewohnt schwachen Cicotte auf dem Mound das erste Spiel deutlich mit 1:9 verloren. Doch als die ersten Gerüchte über einen möglichen Skandal aufkamen und die Zahlung der Schmiergelder ausblieben, wurden die Beteiligten nervös. Es kamen Zweifel auf, das es richtig war, absichtlich zu verlieren. Dennoch setzten sich die Reds am Ende mit 5-3 in der best-of-nine Serie durch. Journalisten und Beobachter der World Series konnten mit den Fragen, die sie stellten, eine Untersuchung auf den Weg bringen, die schließlich die Geständnisse von einigen der Beteiligten hervorbrachte. Alle sieben Spieler wurden auf Lebenszeit vom Baseball suspendiert. Zudem wurde mit dem Richter Kenesaw Mountain Landis der erste Commissioner berufen, der unabhängig überwachen sollte, das die Regeln in der MLB eingehalten werden. Die Medien benannten die White Sox in Black Sox um.
1921 - 1970
Folgerichtig fiel der skandalumwitterte Club in den nächsten zwei Jahrzehnten in ein tiefes Loch. Charlie Robertsons Perfect Game am 30. April 1922 bildete einen der wenigen Lichtblicke. Mit der Übernahme des Unternehmens durch Bill Veeck 1958 schienen sich die Vorzeichen allerdings zu ändern. Veeck, ein Meister der spektakulären Inszenierungen, brachte Feuerwerke nach jedem Homerun, explodierende Anzeigetafeln und sogar einen zwergwüchsigen Spieler (Eddie Gaedel) nach Chicago. Und auch auf dem Spielfeld brannte die junge Mannschaft, gespickt mit zahlreichen Veteranen, 1959 ein wahres Feuerwerk ab. Anstelle von den "Black Sox" war in der Presse nur noch von den aufregend spielenden "Go-Go-Sox" die Rede. Sie gewannen die American League 1959 mit einer Bilanz von 94 Siegen bei 60 Niederlagen. Nach 40 Jahren erreichten sie zum vierten Mal die World Series. Einem klaren 11:0-Erfolg in Spiel eins gegen die Los Angeles Dodgers folgten vier Niederlagen in den kommenden fünf Spielen und der Titel ging an die Westküste.
In den kommenden Jahren blieben den White Sox weitere Angriffe auf die Baseballkrone verwehrt. Sportlich gesehen lag dies vor allem an der Titeldynastie der New York Yankees. Selbst 98 Siege in der 1964er Saison waren nicht genug, da die Bronx Bombers ihrem Divisionsrivalen den begehrten Playoff-Platz mit einem Sieg Vorsprung wegschnappten. Für zusätzliche Unruhe abseits des grünen Rasens sorgten erste Versuche, das Unternehmen 1969 nach Milwaukee zu verkaufen. Der sportliche Erfolg war dem Team unterdessen vollständig abhanden gekommen. 1970 war mit 106 Niederlagen der Tiefpunkt erreicht.
1975 - 1993
1975 rettete die Übernahme durch den früheren Besitzer Bill Veeck vor einem Umzug nach Seattle. Veeck machte während seiner zweiten Amtszeit da weiter, wo er 14 Jahre zuvor aufgehört hatte. So ließ beispielsweise 1976 die Spieler bei hohen Temperaturen in Bermudahosen spielen. Sportlich verbesserte man sich nicht. Das Schauspiel war nur von kurzer Dauer. Denn Milliardär Jerry Reinsdorf kaufte den maroden Club 1980.
Er verpflichtete Stars wie Carlton Fisk und das Team verbesserte sich stetig. Motiviert durch das 50jährige Jubiläum des Allstar-Games in Chicago, gewannen sie 1983 mit 99 Siegen die AL West Division. Tony La Russa wurde zum Manager des Jahres ernannt. Seine Spieler Ron Kite und LaMarr Hoyte wurden mit Rookie of the Year und Cy Young Awards dekoriert. In der American League Championship Series war der Traum von einer fünften World Series aber schon ausgeträumt. Man unterlag den Baltimore Orioles in vier Spielen.
Aber wie schon nach den Erfolgen zuvor rutschte man in die Mittelmäßigkeit ab. Erneut gab es Umzugsgerüchte, diesmal nach Florida. Die Fans mobilisierten alle Kräfte und drängten die Stadt Chicago zum Bau des neuen Comiskey Parks. Zu Beginn der Saison 1991 konnte dieser vor 42191 Zuschauer eröffnet werden. Eine neue Mannschaft um First Baseman Frank Thomas (41 Home Runs, 106 erzielte Runs, 128 RBI) gewann 1993 (94-68) den Divisionstitel. In der ersten Playoffrunde war wieder Endstation. Die Toronto Blue Jays bezwangen sie in sechs Spielen. Ein Jahr später standen sie erneut an der Spitze der Tabelle, doch der Spielerstreik machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Thomas wurde in beiden Jahren zum MVP im Junior Cirquit ernannt.
2000 - 2007
Bis zur Jahrtausendwende mussten sie sich mit der Verfolgerrolle in der Al Central Division zufrieden geben. Zudem machte man Schlagzeilen, weil man der NBA-Legende Michael Jordan einen Minor League Vertrag gab, sich aber nicht durchsetzen konnte und zu den Chicago Bulls zurückkehrte.
Die beiden Slugger Magglio Ordonez (32 Home Runs, 126 RBI) und Frank Thomas (43 Home Runs, 143 RBI) führen das Team 2000 zum Gewinn der AL Central Division. Doch nach der ersten Playoffrunde gegen die Seattle Mariners (0-3) mussten sie erneut ein frühes Saisonende beklagen.
2005 konnten sie, 88 Jahre nach dem Skandal um die Black Sox, erneut einen World Series Titel einfahren. Mit 99 Siegen entschieden sie die AL Central für sich. In den Playoffs treten sie als klarer Außenseiter an, überzeugen aber mit einer überaus starken Starting Rotation. Nach Erfolgen gegen die Boston Red Sox (3-0) und Los Angeles Angels (4-1) trafen sie auf die Houston Astros. Auch dort machten sie kurzen Prozess und ließen mit vier Siegen in den ersten vier Spielen keinen Zweifel aufkommen. Mark Buehrle (ERA 3.12), Freddy Garcia (ERA 3.87), Jose Contreras (3.61) und Jon Garland (3.50) gewannen während der regulären Saison jeweils mindestens 14 Spiele und glichen so manch schwache Offensivleistung des Teams aus.
Da Schlüsselspieler wie Garcia, Contreras und Co. danach aber nicht an ihre alten Leistungen anknüpfen kann, versankt der Club wieder im Mittelmaß. Spieler wurden abgegeben und man befindet sich erneut in einem Umbruch. Einzig der No-Hitter von Mark Buehrle im Frühjahr 2007 sorgte für Freude bei den Fans an der South Side.
Namen, Ballparks, Erfolge, Awards ...
Team-Namen:
Sioux City Cornhusters 1894 - 1900
Chicago White Stockings 1901 - 1902
White Sox seit 1903
Ballparks:
Southside Park 1901-1910
Comiskey Park 1910-1990 (1910-12, 1962-75 White Sox Park)
U.S. Cellular Field seit 1991 (1991-2002 Comiskey Park II)
Manager:
Clark Griffith 1901-1902
Nixey Callahan 1903-1904
Fielder Jones 1904-1908
Billy Sullivan 1909
Hugh Duffy 1910-1911
Nixey Callahan 1912-1914
Pants Rowland 1915-1918
Kid Gleason 1919-1923
Johnny Evers 1924
Eddie Collins 1925-1926
Ray Schalk 1927-1928
Lena Blakburne 1928-1929
Donie Bush 1930-1931
Lew Fonseca 1932-1934
Jimmy Dykes 1934-1946
Ted Lyons 1946-1948
Jack Onslow 1949-1950
Red Corriden 1950
Paul Richards 1951-1954
Mart Marion 1954-1956
Al Lopez 1957-1965
Eddie Stanky 1966-1968
Les Moss 1968
Al Lopez 1968-1969
Don Gutteridge 1969-1970
Bill Adair 1970
Chuck Tanner 1970-1975
Paul Richards 1976
Bob Lemon 1977-1978
Larry Doby 1978
Don Kessinger 1979
Tony LaRussa 1979-1986
Doug Rader 1986
Jim Fergosi 1986-1988
Jeff Torborg 1989-1991
Gene LaMont 1992-1995
Terry Bevington 1995-1997
Jerry Manuel 1998-2003
Ozzie Guillen seit 2004
Erfolge:
World Series Gewinner: 1906, 1917, 2005
American League Champion: 1901, 1906, 1917, 1919, 1959, 2005
Division Champion: 1983, 1993, 2000, 2008
Hall of Famer:
Luis Aparicio SS, Luke Appling SS, Red Faber P, Nellie Fox 2B, Ted Lyons P, Ed Walsh P, Ray Schalk C, John Clarkson P, Eddie Collins 2B, George Davis SS
Retired Numbers:
2 Nellie Fox 2B
3 Harold Baines OF
4 Luke Appling SS
9 Minnie Minoso OF
11 Luis Aparicio SS
16 Ted Lyons RHP
19 Billy Pierce LHP
42 Jackie Robinson
72 Carlton Fisk C
Awards:
MVP:
1959 Nelie Fox 2B
1972 Dick Allen 1B
1993 Frank Thomas 1B
1994 Frank Thomas 1B
Cy Young:
1959 Early Wynn RHP
1983 LaMarr Hoyt RHP
1993 Jack McDowell RHP
Rookie of the Year:
1956 Luis Aparicio SS
1963 Gary Peters LHP
1966 Tommie Agee OF
1983 Ron Kittle OF
1986 Ozzie Guillen SS
Manager of the Year:
1983 Tony La Russa
1990 Jeff Torborg
1993 Gene Lamont
2000 Jerry Manuel
2005 Ozzie Guillen

