Atlanta Braves
Atlanta Braves
1871 - 1912
Die Atlanta Braves wurden bereits im Jahr 1871 als Boston Red Stockings gegründet. Der Kern der Mannschaft bestand aus dem aufgelösten Team der Cincinnati Red Stockings, die als erstes organisiertes Profiteam der Baseballgeschichte gelten. Frühe Stars des Clubs waren Second Baseman Ross Barnes und Pitcher Al Spalding, dessen Name durch die von ihm gegründete Sportartikelmanufaktur bis heute in aller Munde ist. Die Red Stockings waren Gründungsmitglied der National Association of Baseball Players, welche sie in den fünf Jahren ihres Bestehens beinahe nach Belieben dominierten. Danach wechselten sie in die neugegründete National League.
In den letzten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts blieben die inzwischen in Beaneaters umbenannten Bostoner eines der stärksten Teams der Liga, mussten jedoch nach dem Aufkommen der American League mit ansehen, wie einige ihrer Topspieler zu den Stadtrivalen der Americans wechselten. Als man 1907 aus Furcht vor Infektionen die rote Farbe aus den Stutzen verbannte, verlor man schnell auch den früheren Clubnamen an die bereits sehr populären Neulinge: während die Red Sox ihre Bezeichnung bis heute behielten, dauerte es noch bis 1912, dass aus den Beaneaters die Doves, Rustlers und schließlich die Braves geworden waren. Der Name spielte auf den politischen Einfluss des Eigentümers James Gaffney an, der wegen seiner engen Verbindungen zur demokratischen Wahlkampfmaschine als "the Brave of Tammany Hall" bekannt war.
1914 - 1948
Das Jahr 1914 stand ganz im Zeichen des "Miracle" von Boston. Die Braves starteten mit einer unterirdischen Bilanz von 4-18 und waren noch am Nationalfeiertag mit nur 26 Siegen gegenüber 40 Niederlagen auf dem direkten Weg zu einer verkorksten Saison, nur um in den nächsten Wochen 41 von 53 Spielen zu gewinnen. Doch selbst nachdem man im September die New York Giants an der Spitze der National League abgelöst hatte, ging die Mannschaft als klarer Underdog in die World Series gegen Connie Macks Philadelphia A's. Umso größer war die Überraschung, als die Braves durch den ersten Sweep in der Geschichte des Endspiels zwischen National und American League den begehrten Titel in die Massachusetts Bay holten.
Die folgenden Jahre bis 1953 brachten den Braves nur wenig Erfolg. Auch der neue Besitzer Emil Fuchs konnte das inzwischen heruntergewirtschaftete Team nicht zurück auf die Gewinnerstraße bringen. In einer fast schon verzweifelten Aktion gelang es ihm 1935, einen altersschwachen Babe Ruth von den New York Yankees abzuwerben, der neben seiner Tätigkeit als Batter auch in die Führungsriege des Clubs einstieg. Doch während Ruth noch immer ein bemerkenswerter Schlagmann war, konnte er kaum mehr um die Bases laufen und war auch als Fielder völlig ungeeignet. Nachdem sich seine Manager-Träume zerschlagen hatten, verabschiedete er sich noch im Laufe der Saison mit drei Home Runs in seinem letzten Spiel vom aktiven Sport, während die Braves in der gleichen Spielzeit mit 38-115 die drittschlechteste Bilanz der Baseballgeschichte ablieferten. Im Laufe der 1940er fing sich der zwischenzeitlich Boston Bees genannte Club wieder und zog Dank des eindrucksvollen Pitchings von Warren Spahn und Johnny Sain 1948 in die World Series ein, die jedoch in sechs Spielen gegen die Cleveland Indians verloren ging.
1953 - 1965
Nach vier weiteren mittelmäßigen Jahren hieß es, Abschied von Boston zu nehmen. 1953 erhielt die Clubleitung die Erlaubnis, nach Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin umzuziehen, wo die Braves von einer begeisterten Bevölkerung empfangen wurden. In ihrer ersten Saison spielten sie vor einer Rekordkulisse von 1,8 Millionen Zuschauern und wurden zum Vorbild der A's, Dodgers und Giants, die allesamt im Laufe der folgenden fünf Jahre ihr angestammtes Domizil an der Ostküste verließen.
Auch sportlich lief es in Milwaukee immer besser, was nicht zuletzt mit der grandiosen Offensivleistung von Hank Aaron und Eddie Mathews zusammenhing. Zusammen erzielten die beiden Ausnahmespieler über 1.200 Home Runs, von denen 850 in die Zeit des Milwaukee-Gastspiels der Braves fielen. 1957 gewann die Mannschaft dank eines Walk-Off-Home-Runs von Aaron gegen die zweitplatzierten St. Louis Cardinals die NL-Trophäe. Sie bezwangen die Yankees mit ihren Stars Mickey Mantle, Whitey Ford, Yogi Berra und Co. in der World Series. Ein Jahr später trafen sich die beiden Teams erneut, doch die Braves verloren dieses Mal.
1966 - 1978
Die folgenden Jahre brachten den Braves abwechselnd Hochs und Tiefs. Während Aaron andeutete, dass er eine ernsthafte Gefahr für Babe Ruths Home Run-Rekord war, und Spahn gegnerische Schlagmänner nach Belieben dominierte, konnte der Rest der Mannschaft das hohe Niveau der späten 1950er nicht halten. Eine Investorengruppe um den neuen Besitzer William Bartholomay suchte nach einem größeren Fernsehmarkt und ließ sich 1966 von Atlantas Bürgermeister Ivan Allen mit einem neugebauten Stadion in die Hauptstadt Georgias locken, wo die Braves bis heute ihre Heimat haben.
Der Erfolg auf dem Platz ließ jedoch auf sich warten. 1967 schloss das Team zum ersten Mal seit seinem Wegzug von Boston die Saison mit einer negativen Bilanz ab. So waren es lediglich die Einzelleistungen Hank Aarons, die die Fans regelmäßig in Verzückung versetzten. Im damals höchstgelegenen Schlagmann-freundlichen Atlanta Stadium gelang es ihm, seine Statistiken so zu verbessern, bis ihm schließlich am Ende der Spielzeit 1973 nur noch ein Home Run zur Allzeit-Bestmarke fehlte. Es folgte die Winterpause, die von einem enormen öffentlichen Druck auf Aaron gekennzeichnet war. Der aber blieb äußerlich gelassen und steckte selbst Morddrohungen weg, um zu Beginn der neuen Saison erst mit Ruth gleichzuziehen und ihn am 8. April endlich zu überholen. Er beendete seine Karriere schließlich mit 755 Home Runs.
1976 markierte die nächste Zeitenwende für die Braves. Ted Turner, ein aufstrebender Medienmogul, kaufte den Club und lieferte ihm gleichzeitig mit seinem Network eine hervorragende Plattform zur staatenübergreifenden Vermarktung. Die Braves waren die erste Mannschaft, die regelmäßig vor einem nationalen Fernsehpublikum spielte, was ihr den Beinamen "Americas Team" und bis heute eine weit verstreute Anhängerschaft einbrachte. Nachdem sich Turner selbst als Manager versucht hatte, diese Position aber wegen eines Verstoßes gegen die Statuten der MLB schon nach einem Spiel wieder aufgeben musste, nahm mit Bobby Cox 1978 eine der größten Trainerlegenden des modernen Baseball im Dugout Platz. Der cholerische, zumindest aber stets streitbare Cox hält zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht nur den Rekord aller Cheftrainer an Platzverweisen durch die Schiedsrichter, sondern betreute die Braves mit einer kurzen Unterbrechung bis heute.
1991 - 2009
So sehr Atlanta während der 1980er im Mittelmaß der National League zu versinken drohte, so überlegen beherrschte es seine Konkurrenz in den 1990ern und den frühen Jahren des neuen Jahrtausends. Zwischen 1991 und 2005 gewannen die Braves ihre Division 14 Mal in Folge. Ursache dafür waren sicherlich zum Teil die Millionen, die Turner seinem General Manager Schuerholz zur Verfügung stellte. Mehr noch zahlte sich jedoch die gewissenhafte Arbeit von Pitching Coach Leo Mazzone aus, der mit Tom Glavine, Steve Avery und John Smoltz drei der dominantesten Werfer des vergangenen Jahrzehnts in die Major Leagues führte. Als 1993 auch noch Greg Maddux dazu stieß, hatten die Braves eine selten da gewesene Rotation. Gemeinsam mit zahlreichen talentierten Schlagmännern um Chipper und Andruw Jones herum, führten die Pitcher ihr Team zu fünf National League Titeln und 1995 schließlich zum Gewinn der World Series gegen die Indians. Damit sind die Braves das einzige Team der Baseballgeschichte, das den begehrten Titel in drei unterschiedlichen Städten (Boston, Milwaukee, Atlanta) holen konnte.
Seit 2005 ist es ein bisschen stiller geworden um Atlanta. Zwar gelang es, das Niveau der Mannschaft durch die Eingliederung mehrerer junger Spieler relativ stabil zu halten, doch erreichten die Braves im Folgejahr zum ersten Mal seit 1991 nicht die Playoffs. Die beiden anderen Großgewichte in der NL East Division, die New York Mets und die Philadelphia Phillies, betrieben großen finanziellen Aufwand, um an den Braves vorbeizuziehen. Das Management wollte bei dem Wettrüsten, aufgrund der ungeklärten Besitzerfrage nicht mitmachen und verlor so ein wenig den Anschluss. Die Time Warner Gruppe, die den Club bereits 1996 im Zuge des Turner Network Kaufs übernommen hatte, verkaufte das Team im Februar 2007 an Liberty Media. Die beiden potentiellen Hall of Famer Tom Glavine und John Smoltz verliessen 2009 den Club, während Greg Maddux Nummer 31 retired wurde.
Namen, Ballparks, Erfolge, Awards ...
Team-Namen:
Boston Red Stockings 1876-1882
Boston Beaneaters 1883-1906
Boston Doves 1907-1908
Boston Pilgrims 1909-1911
Boston Braves 1912-1935
Boston Bees 1936-1940
Boston Braves 1941-1952
Milwaukee Braves 1953-1965
Atlanta Braves seit 1966
Ballparks:
South End Grounds 1876-1914
Braves Field 1915-1952
Milwaukee County Stadium 1953-65
Fulton County Stadium 1966-1996
Turner Field seit 1997
Manager:
Harry Wright 1876-1881
John Morrill 1882
Jack Burdock 1883
John Morrill1883-1886
King Kelly 1887
John Morrill 1887-1888
Jim Hart 1889
Frank Selee 1890-1901
Al Buckenberger 1902-1904
Fred Tenney 1905-1907
Joe Kelley 1908
Mike Bowerman 1909
Harry Smith 1909
Fred Lake 1910
Fred Tenney 1911
Johnny Kling 1912
George Stallings 1913-1920
Fred Mitchell 1921-1923
Dave Bancroft 1924-1927
Jack Slattery 1928
Rogers Hornsby 1928
Judge Fuchs 1929
Bill Donovan 1930-1937
Casey Stengel 1938-1943
Bob Coleman 1944-1945
Del Bissonette 1945
Billy Southworth 1946-1951
Tommy Holmes 1951-1952
Charlie Grimm 1952 -1956
Fred Haney 1956-1959
Chuck Dressen 1960-1961
Birdie Tebbetts 1961-1962
Bobby Bragan 1963-1966
Billy Hitchcock 1966-1967
Ken Silvestri 1967
Lum Harris 1968-1972
Eddie Mathews 1972-1974
Clyde King 1974-1975
Connie Ryan 1975
Dave Bristol 1976-1977
Ted Turner 1977
Dave Bristol 1977
Bobby Cox 1978-1981
Joe Torre 1982-1984
Eddie Haas 1985
Bobby Wine 1985
Chuck Tanner 1986-1988
Russ Nixon 1988-1990
Bobby Cox 1990-Present
Erfolge:
World Series Gewinner: 1914, 1957, 1995
National League Champion: 1877, 1878, 1883, 1891, 1892, 1893, 1897, 1898, 1914, 1948, 1957, 1958, 1991, 1992, 1995, 1996, 1999
Division Champion: 1969, 1982, 1991, 1992, 1993, 1995, 1996, 1997, 1998, 1999, 2000, 2001, 2002, 20003, 2004, 2005
Hall of Famer:
Hank Aaron RF, Phil Niekro P, Billy Hamilton CF, Tommy McCarthy RF, Kid Nichols P, Rabbit Maranville SS, Eddie Mathews 3B, Warren Spahn P, Hugh Duffy CF
Retired Numbers:
3 Dale Murphy OF
21 Warren Spahn LHP
31 Gregg Maddux RHP
35 Phil Niekro RHP
41 Eddie Mathews 3B
42 Jackie Robinson
44 Hank Aaron OF
Awards:
MVP:
1914 Johnny Evers 2B
1947 Bob Elliot 3B
1957 Hank Aaron OF
1982 Dale Murphy OF
1983 Dale Murphy OF
1991Terry Pendelton 3B
1999 Chipper Jones 3B
Cy Young:
1957 Warren Spahn LHP
1991 Tom Glavine LHP
1993 Greg Maddux RHP
1994 Greg Maddux RHP
1995 Greg Maddux RHP
1996 John Smoltz LHP
1998 Tom Glavine LHP
Rookie of the Year:
1948 Alvin Dark SS
1950 Sam Jethroe OF
1971 Earl Williams C
1978 Bob Horner 3B
1990 David Justice OF
2000 Rafael Furcal SS
Manager of the Year:
1991 Bobby Cox
2004 Bobby Cox
2005 Bobby Cox
