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30 Tage - 30 Previews: Milwaukee Brewers

 
Autor: Johannes Knuth Freitag, 27. März 2009
 

brewers_small.gif2008 war ein Jahr der Meilensteine für die Milwaukee Brewers. Zum ersten Mal seit 1982 erreichten sie wieder die Meisterschaftsendrunde, zum ersten Mal seit 1992 feierten sie wieder deutlich mehr Siege als Niederlagen. Das Unternehmen hat sich derart viel Geschichte in Form von vielen Superstars viel kosten lassen. Zahlreiche tragende Stützen aus dieser Zeit haben ihre Zelte in Milwaukee aber längst wieder abgebrochen. Das drückt die Brewers nun wieder in unaufgeregtere Gefilde zurück, sprich: aus der Meisterschaftsrunde heraus.

Rückblick auf 2008

Am 28. September des vergangenen Jahres schlug Ryan Braun einen Homerun für die Milwaukee Brewers. Dieser Sachverhalt ist an sich nichts Besonderes. Braun hat in der abgelaufenen Saison 37 Homeruns geschlagen und sich als einer der besten Spieler seiner Zunft etabliert. Doch dieser Homerun am 28. September war anders. Er kam im achten Inning, beim Spielstand von 1:1 gegen die Chicago Cubs, und weil Braun mit seinem Schlag auch gleichzeitig den 3:1-Endstand erzielte, sicherten sich die Brewers nach der regulären Saison (Bilanz: 92-70) zum ersten Mal seit 1982 wieder einen Platz in der Endrunde, den MLB-Playoffs.

Dass die Brewers in den Playoffs schon in der ersten Runde am späteren Meister aus Philadelphia scheiterten, lag wohl auch an der Meisterschaftsrunde selbst. Die Playoffs, das war das omnipräsente Wunschziel der aller Beteiligter gewesen, alles hatte man darauf zugeschnitten. Anfang Juli, als die Bilanz der Brewers ins Positive stieg (49-40), kam CC Sabathia nach Milwaukee. CC warf sieben Mal in der Saison über die volle Distanz (Complete Game). Sabathia sprang auch in die Bresche, als die Brewers im September ihren Playoff-Platz noch zu verspielen drohten. Innerhalb der letzten neun Saisontage stand er drei Mal neun Durchschnitte lang auf dem Mound – er gewann zwei Mal, darunter auch das Saisonfinale gegen die Cubs. Doch nachdem die Brewers ihr Ziel erreicht hatten, wussten sie anscheinend nicht, wie sie weitermachen sollten. Sabathia gab in seinem Playoff-Auftritt fünf Punkte in weniger als drei Abschnitten ab, darunter einen Grand-Slam-Homerun von Philadelphias Shane Victorino. Milwaukee unterlag mit 1:3-Spielen. 

Transfers

Zugänge
Braden Looper (Free Agent, STL)
Trevor Hoffman (Free Agent, SD)
Jorge Julio (Free Agent, ATL)
Chase Wright (Trade, NYY)
Casey McGehee (Off-Waivers, CHC)

Abgänge
CC Sabathia (Free Agent, NYY)
Guillermo Mota (Free Agent, LAD)
Gabe Kapler (Free Agent, TB)
Ben Sheets (Free Agent)
Brian Shouse (Free Agent, TB)
Eric Gagne (Free Agent)
Salomon Torres (Karriereende)

Stolze 290 Pfund bringt CC Sabathia an Körpergewicht auf die Waage und so gewichtig wie Sabathia ist auch das Loch, das der ehemalige Brewer mit seinem Abgang nach New York in die Pitchingabteilung reißt. Das Loch wird noch größer, wenn man die übrigen Abgänge der Brewers mit in die Waagschale wirft. Neben dem besten Brewers-Pitcher (Sabathia) hat auch der zweitbeste (Sheets) Milwaukee verlassen. Neuzugang Braden Looper kann zwar viele Innings absolvieren (199 in 2008), doch er wird sich strecken müssen, um überhaupt einen der abgewanderten Starter zu ersetzten. Ähnliches trifft auf Neu-Brewer Jorge Julio und die ehemaligen Brewer Guillermo Mota und Salomon Torres zu. Immerhin erhält Julio Unterstützung vom Spieler mit den meisten Saves in der MLB-Geschichte. Trevor Hoffman avancierte mit 41 Jahren zum bedeutendsten Neueinkauf der Brewers.

Starting Lineup

2B Rickie Weeks
SS J.J. Hardy
LF Ryan Braun
1B Prince Fielder
RF Corey Hart
CF Mike Cameron
3B Bill Hall
C Jason Kendall

Während die Pitchingabteilung kräftig Federn ließ, blieb die Startaufstellung den Brewers komplett erhalten. Die Chancen stehen allerdings gut, dass sich dies bald ändern könnte. Bill Hall hat seinen Posten an der dritten Base noch nicht sicher. Gleich drei Nachwuchsspieler – die Linkshänder Mat Gamel, Mike Lamb sowie Casey McGehee – wollen Hall den Platz in der Startformation streitig machen. Rickie Weeks, einst gefeierter Hoffnungsträger der 2003er Draft, steht nach einer durchwachsenen Saison (.234 AVG, 115 Strikeouts, 15 Errors) unter gesonderter Beobachtung. Und Corey Hart ist nur dann ein effektiver Schlagmann hinter dem Duo Fielder-Braun, wenn er seine schwache zweite Saisonhälfte 2008 vergessen macht (.239 AVG insgesamt, .173 AVG im September).

Bank

OF Tony Gwynn Jr.
SS Craig Counsell
3B Mat Gamel
3B Mike Lamb
3B Casey McGehee
SS Alcides Escobar
C Mike Rivera

Neben Rickie Weeks (siehe Starting Lineup) steht auch Tony Gwynn Jr. im Fokus der sportlichen Leitung. Gwynn wurde in der Talentauswahl 2003 gleich hinter Weeks ausgewählt, hat sich bisher aber nur in den Nachwuchsmannschaften der Brewers durchgesetzt. Mittlerweile ist Gwynn Jr. dem Farmsystem entwachsen. Im Major-League-Kader der Brewers ist aber noch nicht wirklich angekommen. Sollte der Sohn des Hall-of-Fame-Mitglieds Tony Gwynn nicht bald einen Platz auf der Brewers-Bank finden, ist seine Zukunft mit dem Klub ungewiss.

Starting Rotation

Yovani Gallardo 
Braden Looper
Dave Bush
Jeff Suppan
Manny Parra

Nein, Neuzugang Braden Looper kann die abgewanderten Leistungsträger CC Sabathia und Ben Sheets nicht alleine ersetzten. Doch ja, mit Looper haben die Brewers nun zumindest die größten Löcher in ihrer Starting Rotation beseitigt. Ohne Looper hatte Milwaukee nämlich fünf Starter, denen es aber an Erfahrung und wohlmöglich auch ein wenig an Ausdauer fehlte. Die einzige Ausnahme war Chris Capuano. Der muss seinen Ellenbogen aber noch bis Anfang Mai schonen. Mit Neuzugang Looper muss Seth McClung nun nicht mehr in der Rotation aushelfen, steht im Notfall aber bereit. Darüber hinaus muss Manager Ken Macha die schwere Last für seine Pitcher auf mehrere Schultern verteilen. Zwei geeignete Kandidaten dafür sind Yovani Gallardo und Manny Parra. Beide waren in der vergangenen Spielzeit verletzt (Gallardo) oder teilweise formschwach (Parra), beide sollten sich tunlichst zurückmelden.

Bullpen

CL Trevor Hoffman
SU Carlos Villanueva
SU Mitch Stetter
RP Jorge Julio
RP David Riske
RP Todd Coffey
RP RJ Swindle

Was haben Guillermo Mota, Salomon Torres und Jorge Julio gemeinsam? Alle Drei wurden schon mal von den Brewers verpflichtet, bei allen Drei löste die Verpflichtung nicht allzu viel Rummel aus. „Under the radar signings“ nennen die Amerikaner das. In der vergangenenSpielzeit tauchten Torres und Mota nach ihrer stillen Ankunft aber bald auf dem Radar auf. Torres überzeugte während der gesamten Saison, Mota war einer der besten Relief Pitcher der Brewers. 2009 möchte Milwaukee dieses Kunststück mit Jorge Julio wiederholen. Unterstützung erhält er von R.J. Swindle (1.58 ERA in 194 Minor-League-Spielen) und von Trevor Hoffman (siehe Zu- und Abgänge). Sollte sich Hoffman mit seinen 41 Jahren als Auslaufmodell erweisen, wird Carlos Villanueva Hoffmans Closer-Rolle übernehmen.

Talente

Hoffnungsvolle Nachwuchspitcher muss man im Farmsystem der Brewers derzeit mit der Lupe suchen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Brewers in Transfers wie jenem von CC Sabathia nach Milwaukee immer wieder junge Werfer abgaben. Einer der wenigen Hoffnungsträger ist Chase Wright, der im vergangenen Jahr eine 10-Bilanz (2.72 ERA) für drei Farmteams der New York Yankees ansammelte. Deutlich besser sieht es auf den übrigen Postionen im Feld aus. Vor allem im Infield ist das Angebot so groß, dass manch talentierter Feldspieler schon jetzt auf die MLB-Bühne drängt. Der 22-jährige Alcides Escobar beeindruckte die sportliche Leitung der Brewers, als er in der vergangenen Saison .329 schlug sowie acht Homeruns, 76 RBI und 34 Stolen Bases in 131 Spielen für Huntsville (AA) verzeichnete. Sollte Shortstop J.J. Hardy ausfallen, wäre Escobar Ersatzmann Nummer eins. Beeindruckt war die sportliche Leitung auch mal von Third Baseman Mat Gamel (.329 AVG, 19 HR, 96 RBI in 127 Spielen für Huntsville). Als Gamel im September eine Ellenbogenverletzung erst nach langem Zögern einräumte, erhielt die Begeisterung einen Dämpfer.

Ausblick auf 2009

Den Brewers wird in etwa genau das widerfahren, was Mannschaften gerne widerfährt, wenn sie in einer Saison (erfolgreich) alles auf eine Karte gesetzt haben: Sie werden in der kommenden Saison schlechter abschneiden und nicht die Playoffs erreichen. Die komplette Pitcher-Abteilung ist einfach zu ausgedünnt im Vergleich zum Vorjahr. So viel Qualitätsverlust werden die übrigen Mannschaftsteile nicht auffangen. Der totale Absturz bleibt aber aus, weil Milwaukee die Startformation erhalten blieb und die Stammspieler von den Jungen mächtig Druck bekommen. Da sollte es manchem Etablierten leichter fallen, seine schwache Vorsaison vergessen zu machen. 

Kommentare
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Basti
(Publisher) 28-03-2009 02:12
Sehr gutes Preview Johannes



Der totale Absturz wird wohl nicht erfolgen, weil noch Houston und Pittsburg in der Division spielen
:-) Spass...



Auch wiederum wie bei Houston eine fast schon total wackelige Rotation, die nur auf den ersten
Kollaps wartet und alles bricht zusammen...
 
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Willitouch
(Registered) 29-03-2009 18:38
Ich sehe da viel Potential in beide Richtungen.



WENN die Offensive ein bessere Auge beweist, WENN Yovani Gallardo fit bleibt und die Erwartungen
erfüllt, WENN Manny Parra sein Talent konstant in gunte Ergebnisse umsetzt, WENN der Rest der
Rotation solide pitcht, WENN Julio Mota und Shouse ersetzen kann und WENN Trevor Hoffmann nochmal ne
gute Saison dranhängt, dann sind zumindest die Reds und Cardinals in Reichweite.



Wenn aber Hoffmann inzwischen doch zu alt ist, die Rotation kollabiert und die Offense bei all ihrer
Power immer noch so viel ausstriket wie 2008, dann landen vielleicht doch nur die Pirates hinter den
Brewers.



Ich denke, insgesamt wird man wohl eine positive Bi...
 
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