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30 Tage - 30 Previews: Florida Marlins

 
Autor: Christoph May Donnerstag, 19. März 2009
 

marlins_small.gifIn „30 Tage – 30 Previews“ geht es heute um den Discounter der Major League Baseball: die Florida Marlins. Mit dem deutlich niedrigsten Etat der Liga schaffen es die Marlins immer wieder, durch den regelmäßigen Zustrom junger Talente eine schlagkräftige Mannschaft aufs Feld zu schicken. Auch in diesem Jahr haben sie sich wieder von einigen alten Eisen – für die Marlins sind das Spieler in den frühen 30ern – getrennt und dafür junge Spieler verpflichtet. Ob das bewährte System, mit einem jungem Kader und wenig Geld den maximalen Erfolg herauszuholen, in diesem Jahr aufgeht, muss allerdings in einer rundum verbesserten National League East bezweifelt werden.

Rückblick auf 2008

Der junge Kader und eine wacklige Starting Rotation waren die Hauptargumente, die vor der vergangenen Saison gegen die Florida Marlins sprachen. Doch wieder einmal übertraf die Mannschaft aus Süd-Florida alle Erwartungen und ärgerte die großen Clubs der National League East – und das trotz eines Mini-Etats von nur etwas über 20 Millionen US-Dollar. Nachdem Mitte August, als die Marlins nur zwei Spiele hinter den Mets lagen, die Sensation Postseason noch in greifbarer Nähe war, verlor die Mannschaft zum Saisonende etwas an Schwung. Aber dennoch: für ein Team, dem vor der Saison niemand etwas zutraute, konnte sich die Bilanz von 84 Siegen und 77 Niederlagen – die drittbeste in der jungen Geschichte der Franchise – durchaus sehen lassen.

Der Spieler, der dieses Abschneiden überhaupt erst möglich gemacht hat, war Hanley Ramirez. Der Marlins-Shortstop setzte mit seinen 33 Home Runs und 35 Stolen Bases die Hauptakzente in der Offensive. Aber auch Second Baseman Dan Uggla hatte mit 32 Home Runs wieder ein starkes Jahr. Zudem konnte Jorge Cantu seine Karriere in Miami wiederbeleben. Generell kann man sagen, dass die Marlins 2008 vom long ball lebten. In dieser Kategorie landeten sie auf Rang zwei der National League. Während die Offensive also rund lief, sorgten Pitching und Defense für eine Menge Sorgenfalten auf Manager Fredi Gonzalez' Stirn. Über die gesamte Saison gesehen war Ricky Nolasco der einzige Starting Pitcher, der vollends überzeugen konnte. Die Ausfälle von Josh Johnson und Anibal Sanchez, die zusammen gerade einmal auf knapp 140 Innings kamen, belasteten die Starting Rotation schwer. Aber auch die 117 Errros der Marlins-Defensive, der dritthöchste Wert der MLB, verhinderten eine noch bessere Bilanz.

Transfers

Zugänge:
IF Emilio Bonifacio (WSH, Trade)
RP Scott Proctor (LAD, Free Agent)
RP Leo Nunez (KC, Trade)
RP Dan Meyer (OAK, Waivers)
RP Jose Ceda (CHC, Trade)

Abgänge:
1B Mike Jacobs (KC, Trade)
LF Josh Willingham (WSH, Trade)
OF Luis Gonzalez (Free Agent)
C Matt Treanor (DET, Vertrag aufgelöst)
SP Scott Olsen (WSH, Trade)
SP Mark Hendrickson (BAL, Free Agent)
RP Kevin Gregg (CHC, Trade)
RP Arthur Rhodes (CIN, Free Agent)

Beim Blick auf die Transfers zeigt sich, dass die bekannten Namen eindeutig bei den Abgängen zu finden sind. Dies passt in das Schema der sich ewig verjüngenden Marlins, die wegen knapper Kassen teure Verpflichtungen meiden. Stattdessen versuchen sie, etablierte Spieler noch rechtzeitig zu traden, bevor diese den Free-Agent-Status erreichen. Dass die Marlins diese Strategie mit erstaunlicher Konsequenz betreiben, zeigt sich dieses Jahr. Denn mit Jacobs, Willingham und Treanor wurden gleich drei Stammspieler aus dem Offensiv-Lineup abgegeben. Hinzu kommen mit Kevin Gregg der letztjährige Closer und mit Scott Olson einer ihrer besten Starting Pitcher der vergangenen Jahre. Von den Neuverpflichtungen darf man sich keine Wunderdinge erwarten. Bonifacio ist als Bankspieler eingeplant, und von den zahlreichen Relief-Pitchern haben nur Proctor und Nunez einen Platz im Kader sicher.

Starting Lineup

CF Cameron Maybin
C John Baker
SS Hanley Ramirez
3B Jorge Cantu
2B Dan Uggla
RF Cody Ross
LF Jeremy Hermida
1B Gaby Sanchez
Starting Pitcher

Fredi Gonzalez hat in der Offseason eingesehen, dass die überragenden Leistungen von Hanley Ramirez in der Rolle als Leadoff-Hitter ein Stück weit verschenkt werden. Folgerichtig lässt der Manager seinen besten Schlagmann in der kommenden Saison an drei schlagen. Mit Top-Talent Cameron Maybin als neuem Nummer-1-Hitter folgt der Verein quasi zwangsläufig der Devise, junge Spieler schon früh in die Verantwortung zu nehmen. Neben dem 21-jährigen Maybin sieht es so aus, als würde auch das Lokaltalent Gaby Sanchez seine Chance als Starter an der ersten Base bekommen. Allerdings ist hier noch nicht das letzte Wort gesprochen: mit Dallas McPherson steht ein schlagstarker Spieler mit größerer Minor-League-Erfahrung ebenfalls bereit. Eine weitere Veränderung im Vergleich zum Vorjahr gibt es auf der Catcher-Position, die in der neuen Saison John Baker ausfüllen wird. Durch gute Leistungen nach seiner Berufung in das MLB-Team im Juli vergangenen Jahres hat sich Baker diese Rolle erspielt. Ohne Mike Jacobs und Josh Willingham geht dem Lineup der Marlins sicherlich ein gewisses Maß an Erfahrung und Power verloren. Auf seine Defensive wird sich Fredi Gonzalez aber wahrscheinlich ein wenig besser verlassen können.

Bank

IF Wes Helms
IF Emilio Bonifacio
IF/OF Robert Andino
OF Brett Carroll
C Mike Rabelo

Derzeit versuchen die Marlins, Bonifacio und Andino einige Spielzeit im Outfield zu geben. Sollten sich diese Versuche als erfolgreich erweisen, könnte Brett Carroll noch aus dem Kader gestrichen und z.B. von McPherson ersetzt werden. Auch Mike Rabelos Platz ist noch nicht hundertprozentig sicher, da die Marlins offenbar immer noch auf der Suche nach einem Backup-Catcher mit größerer Erfahrung sind. Das Team muss die Saison ohne Alfredo Amezaga beginnen, der sich bei der World Baseball Classic – er war für Mexiko dabei – eine Knieverletzung zuzog. Wenn er Mitte bis Ende April wieder zur Mannschaft dazustößt, muss einer der aufgelisteten Reservisten vermutlich weichen.

Starting Rotation

Ricky Nolasco
Josh Johnson
Chris Volstad
Anibal Sanchez
Andrew Miller

Im Gegensatz zum Vorjahr gehen die Marlins mit einer nahezu verletzungsfreien Starting Rotation in die Saison. Nimmt man alle fünf Pitcher zusammen, dann ist das Leistungsvermögen enorm. Inwiefern die junge Rotation dieses Vermögen umsetzen kann, wird der entscheidende Faktor für den Erfolg des Starting Pitching sein. Ricky Nolasco, der nach seinem Wechsel vom Bullpen in die Rotation glänzte, muss beweisen, dass sein starkes Jahr 2008 (15-8, 3.52 ERA) keine Ausnahme war. Bei Josh Johnson spielt nach überstandener Tommy-John-Surgery immer ein gewisses Verletzungsrisiko mit. Seine Leistungen nach seiner Rückkehr im Sommer lassen aber eine optmistische Prognose für die neue Saison zu. Mit Chris Volstad feierte 2008 ein weiterer junger Pitcher sein Debüt im Dress der Marlins, von dem man sich in diesem Jahr einiges erwarten kann. Die großen Unsicherheitsfaktoren in der Marlins-Rotation sind Anibal Sanchez und Andrew Miller, die zwar beide über enormes Talent verfügen, dieses im vergangenen Jahr aber einfach nicht umsetzen konnten. Wenn die Starting Rotation in der National League East mithalten will, muss zumindest einer der beiden eine eindeutige Leistungsverbesserung zeigen.

Bullpen

CL Matt Lindstrom
SU Scott Proctor
SU Leo Nunez
Logan Kensing
Renyel Pinto
Taylor Tankersley/Dan Meyer
Jose Ceda/Ryan Tucker

Von allen Mannschaftsteilen ist der Bullpen der Marlins vermutlich am schwersten einzuschätzen. Zum jetzigen Zeitpunkt sieht das Relief-Pitching wie eine der Schwächen des Clubs aus. Zumal mit Matt Lindstrom, der sich bei der World Baseball Classic an der Schulter verletzte, womöglich der Closer des Teams zu Saisonbeginn ausfällt. Als Ersatz für Lindstrom könnten zunächst Scott Proctor oder Leo Nunez fungieren. Während Proctor eigentlich nicht das Zeug zum Closer hat, könnte sich Nunez zu einem Hoffnungsträger des Bullpen entwickeln. Der aus Kansas City gekommene Rechtshänder konnte sich bei den Royals im Vorjahr etablieren und wird sicher auch bei den Marlins zur Stammkraft werden. Wie der Rest des Bullpen am Opening Day aussehen wird, ist derzeit noch nicht richtig zu durchblicken. Logan Kensing, Renyel Pinto und Taylor Tenkersley können sich gute Chancen auf einen Platz ausrechnen. Noch ist aber nichts sicher, sodass im Spring Training im Moment der Kampf um die letzten drei bis vier Plätze tobt.

Talente

Wenn es den Marlins an einem nicht mangelt, dann ist es ein exzellent aufgestelltes Farm System. Hinter Maybin und Sanchez, die sich in der neuen Saison wohl in Richtung MLB verabschieden, wartet eine lange Reihe hoffnungsvoller Nachwuchsspieler. Von all denen muss man das größte Talent vermutlich Outfielder Mike Stanton zuschreiben, dessen 39 Home Runs Rang zwei in den Minor Leagues im vergangenen Jahr bedeuteten – und das mit 18 Jahren! Aber auch First Baseman Logan Morrison, Third Baseman Matt Dominguez und Catcher Kyle Skipworth sind Top-Talente, die in den meisten Listen der 100 besten Prospects auftauchen. Ein Spieler, der momentan vielleicht etwas näher vor seinem Durchbruch in den Major Leagues steht, ist Ryan Tucker. Bei seinen kurzen Einsätzen für die Marlins konnte er sein Potenzial noch nicht ganz umsetzen. Auf dem AA-Level hat er allerdings schon bewiesen, dass er das nötige Rüstzeug für einen guten Major-League-Pitcher besitzen könnte.

Ausblick auf 2009

Ein Blick auf die Transfers der Marlins genügt, um ihre Chancen für die neue Saison zu bemessen. Die Mannschaft hat wenig an Substanz gewonnen, jedoch gleich fünf etablierte Kräfte abgegeben. Wenn man das mit den Rivalen in der National League East vergleicht, die im Winter kräftig aufgerüstet haben, muss man bezweifeln, ob die Marlins ihre Vorjahresleistung wiederholen können. Zweifellos zählen sie zu den talentiertesten Mannschaften der gesamten Liga. Mit Hanley Ramirez haben sie einen der besten Baseballspieler überhaupt in ihren Reihen. Doch bei vielen Spielern ist es doch recht ungewiss, ob sie in die Nähe ihres vollen Leistungsvermögens gelangen können. Nur wenn das geschieht, sind die Marlins wieder vorne dabei. Durch die Vielzahl an jungen Spielern ist es aber eher unwahrscheinlich, dass alle Spieler an ihre Leistungsgrenze gehen. Für die Marlins, die sich wieder einmal im Neuaufbau befinden, könnte es ein Übergangsjahr werden. Mit einem Team, das erneut alle Gegner überrascht, sollte man nicht rechnen.

Kommentare
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rbi
(Registered) 20-03-2009 12:02
Großes Lob an die Scouts der Marlins. Wenn man bedenkt das eigentlich jedes Jahr neue junge Spieler
in den Major League Kader aufrutschen, könnte man meinen das das Farmsystem bis aufs letzte
ausgedünnt sein müsste! Das Gegenteil ist hier aber der Fall, man hat immer noch eins der besten
Farmteams der gesamten Liga und gerade im Hitting Bereich sucht es seinesgleichen! Wenn nächsten
Montag endlich die Stadionfrage geklärt wird und das neue Stadium kommt, dann werden rosige Zeiten
in Miami anbrechen, da man endlich auch mal ein paar größere Brötchen backen kann! 8)



Die Mets zittern ja schon förmlich nach ihren 2 September-Gaus, wenn sie den Namen Marlins hören und
auch die Phillies sollten nicht...
 
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