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Gedanken zur Trade-Deadline

 
Autor: Marcus Blumberg Montag, 01. August 2011
 

thisDer Juli ist vorbei, somit auch die Chance auf Trades von Spielern auf dem direkten und unkomplizierten Weg. Einige große Namen haben neue Teams gefunden, die dadurch evtl. entscheidend besser dastehen als vorher.

Willkommen zu This Week in Baseball. Die Non-Waiver-Trade-Deadline ist verstrichen, es gab noch einige interessante Transaktionen und da ist es an der Zeit, hierzu ein paar Wertungen abzugeben.

Pirates

Beginnen wir mit den Pirates, die wie jedes Jahr zu dieser Zeit aktiv waren am Transfermarkt. Doch anders als sonst, müssen sich die Fans in Pittsburgh nicht über Abgänge von halbwegs brauchbaren Spielern ärgern. Stattdessen werden ihnen neue Gesichter präsentiert – Leute, die man als Veteranen bezeichnen kann. Ja, die Pirates haben sich mit Trades verstärkt. Und zwar für die laufende Saison! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, denn ich persönlich habe so etwas in all der Zeit, die ich nun schon mit Baseball verbringe, noch nicht erlebt!

Für die erste Base kommt Derrek Lee, zuletzt in Diensten der Baltimore Orioles. Er kann auf ausgeprägte NL-Central-Erfahrung verweisen, spielte er doch einige Jahre bei den Cubs. Er sollte dem Team defensiv wie offensiv weiterhelfen. Zudem gelang es, Outfielder Ryan Ludwick aus San Diego zu ergattern. Er wiederum begann seine Karriere mit durchaus ansprechenden Leistungen bei den Cardinals, somit ebenfalls in der Division der Pirates.

Das Pitching Pittsburghs konnte sich ohnehin schon sehen lassen, nun scheint auch die Offense ausgeglichener daherzukommen. War man bisher vor allem von Andrew McCutchen und mit Einschränkungen von Garrett Jones abhängig, so hat man jetzt zwei kompetente Schläger mehr im Lineup.

Nun wird es auch mit diesen Neuzugängen nicht eben leichter, die Playoffs zu erreichen. Aber man zeigt eine Bereitschaft, das Team so zu verstärken, dass man wenigstens mal wieder eine positive Bilanz vorweisen könnte. Beide Spieler sind Leihspieler, werden also im Winter Free Agents sein. Dennoch ist es als Signal an Fans und Konkurrenz zu verstehen, dass man in Zukunft wieder angreifen will.

Astros

Das Ziel der Astros war klar. Sie wollten die Gehaltsliste drastisch von derzeit knapp 77 auf nur noch ca. 60 Millionen Dollar kürzen. Nun gelang es, die zwei Positionsspieler loszuwerden, die am ehesten zu transferieren waren: Hunter Pence ging nach Philadelphia, Micha

el Bourn zu den Braves. Dadurch spart Houston im kommenden Jahr geschätzte 15 bis 17 Millionen Dollar ein. Diese Schätzung basiert darauf, dass beide noch ein Jahr unter Teamkontrolle stehen und durch Arbitrationsverfahren sieben (Bourn) bzw. zehn (Pence) Millionen Dollar erhalten dürften.

Finanziell ist dies also sicherlich eine enorme Erleichterung. Ob es sportlich auch ordentlich kompensiert wurde, wird sich zeigen. Die Braves schickten etwa Jordan Schafer nach Texas. Dieser überzeugte bisher nicht in der MLB, braucht aber vielleicht nur einen Tapetenwechsel und geringere Erwartungen als in Atlanta. Die Phillies wiederum entsandten nur Talente aus niedrigeren Levels, so dass hier eine abschließende Bewertung auf sich warten lässt.

Den teuren Pitcher Wandy Rodriguez hingegen werden die Astros erst einmal behalten müssen. Sein Vertrag (3 Jahre, 34 Millionen) blieb das größte Hindernis in einem möglichen Transfer. Hinzu kam die Haltung der Astros, den Spieler nur abzugeben, wenn das neue Team den Großteil (wie man hört, nahezu alles) des Gehalts gezahlt hätte und zudem noch eine Reihe von hochwertigen Talenten geschickt hätte. Da erscheint es wenig verwunderlich, dass niemand anbiss. Der nächste Schritt ist nun, den Linkshänder auf die Trade-Waiver-Liste zu setzen. Hier sollte er locker durchgehen, denn niemand wird das Risiko eingehen, auf seinem massiven Vertrag sitzen zu bleiben!

Rockies

Die Colorado Rockies sind in diesem Jahr kein Playoffkandidat, also entschlossen sie sich, ihren besten Starter, Ubaldo Jimenez, abzugeben. Dieser Schritt erscheint aber nachwievor äußerst fragwürdig. Sein Vertrag ist ein Paradebeispiel für Teamfreundlichkeit. Er wird 2012 überschaubare 4,2 Millionen Dollar verdienen. Zusätzlich enthält sein Kontrakt zwei Club-Optionen für jeweils deutlich unter zehn Millionen pro Jahr. Aus welchem Grund gibt man einen solchen Spieler so frühzeitig ab?

Die zwei populärsten Theorien beziehen sich auf seine Einstellung und seine Gesundheit. Es gibt Quellen, die besagen, Jimenez wäre unzufrieden mit der Teamführung, weil sowohl Troy Tulowitzki als auch Carlos Gonzalez hochdotierte Vertragsverlängerungen erhalten haben, er jedoch nicht. Damit erklären besagte Quellen auch den zeitweiligen Leistungseinbruch des 27Jährigen.

Die andere Theorie lautet, dass Jimenez gewisse Probleme habe. Sei es mit seiner Wurfbewegung oder eben aufgrund von gesundheitlichen Schwierigkeiten. Festzumachen sei dies an der Geschwindigkeit seines Fastballs. Zu Beginn des letzten Jahres erreichte dieser ca. 98 Meilen pro Stunde. In dieser Spielzeit pendelt er sich dagegen bei ca. 94 ein. Das erscheint gravierend.

Zu letzterer Betrachtung passt, dass Colorado den Yankees etwa verweigerte, vor einem möglichen Tauschgeschäft ein MRT der Schulter machen zu lassen. Auch ein Einblick in die medizinischen Unterlagen wurde abgelehnt.

Die Indians wiederum sahen hierin kein Problem und waren sogar bereit, einen großen Preis zu zahlen. Sie schickten insgesamt vier Spieler, darunter zwei ehemalige Nummer-eins-Picks. Ein Preis, den man wohl nur für ein Pitching Ace bezahlt. Die Yankees sahen in ihm keines, die Indians dagegen schon. Sicherlich ist die Definition für ein solches vage, besonders wenn man bedenkt, dass die AL East ein anderes Pflaster als die AL Central oder die NL West ist, aber ob Jimenez so viele Talente wirklich wert ist, muss doch zumindest kritisch beäugt werden.

Cardinals

St. Louis will es offenbar wissen. Ihre Einkaufstour brachte ihnen mit Edwin Jackson einen hochtalentierten Pitcher und mit Rafael Furcal einen starken Leadoff-Hitter ein. Während der Preis für Jackson letztlich hoch war – Colby Rasmus hätten nicht viele für einen Leihspieler veräußert – genügte für Furcal ein Minor-League-Talent. Beide sollten den Cardinals gut zu Gesicht stehen im Endspurt um die NL Central.

Giants

Der Titelverteidiger hat sich also wie erwartet die Dienste von Carlos Beltran gesichert. Mit ihm ist nun endlich jemand da, der den Verlust von Buster Posey zumindest offensiv kompensieren kann. Zudem kam am Sonntag noch Orlando Cabrera dazu. Wie das Infield damit aussehen wird, darf gespannt beobachtet werden. Sowohl Miguel Tejada als auch Cabrera können Shortstop spielen, Cabrera zudem noch an der zweiten und dritten Base. Gleiches gilt für Jeff Keppinger, der aus Houston kam. In jedem Fall verfügen die Giants nun über eine bessere Bank als noch zu Wochenbeginn.

Rangers

Das klare Problem der Rangers war der wacklige Bullpen. Mit Mike Adams und Koji Uehara ist diese Schwäche nun eindeutig zur Stärke geworden. Man bezahlte zwar auch gesalzene Preise, doch das Farmsystem der Franchise gilt als eines der am tiefsten besetzten in der gesamten MLB.

Red Sox

Boston sorgte zwar nicht für großes Aufsehen, aufmerken ließen sie aber dennoch. Zunächst sah ein Trade für Rich Harden sehr wahrscheinlich aus, dann entschloss man sich dagegen, weil medizinische Bedenken bestanden. Anschließend sicherten sich die Red Sox die Dienste von Erik Bedard. Wer findet den Fehler?!

Aber im Ernst: Ich bin wahrlich kein Arzt, aber selbst ich hätte ohne Sichtung der Unterlagen auf Zweifel an Hardens Gesundheit verweisen können. Was also hat Boston da erwartet? Gleiches gilt im Übrigen auch für Bedard, der mind. genauso prädestiniert ist für längere Verletzungspausen. Zudem scheint Bedard nicht mit dem Rampenlicht klarzukommen, wie einige Scouts kürzlich berichteten.

Yankees

Die New York Yankees haben erstmals seit 1999 keinen einzigen Trade im Juli vollzogen. Woran lag es, möchte man fragen. Nun, wie General Manager Brian Cashman richtig bemerkte, gab es nichts auf dem Markt, das klar besser erschien als das bereits vorhandene Spielermaterial. Dem stimme ich voll und ganz zu!

Es gibt keine Garantien, dass ein Jimenez entscheidend stärker pitchen würde als zum Beispiel Freddy Garcia und Bartolo Colon. Gleiches darf über Wandy Rodriguez gesagt werden. Warum also das halbe Farmsystem veräußern, wenn man einen ähnlichen Ertrag viel günstiger bekommen kann? Und die Forderung der Rockies, Jesus Montero, Dellin Betances und Ivan Nova in einen Trade zu involvieren, darf man getrost als ganz schlechten Scherz abtun.

Manchmal sind die besten Trades diejenigen, die man nicht macht. Hier könnte dies der Fall sein.

Kommentare
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Benni
(Registered) 01-08-2011 14:00
Also insbesondere bei den Indians und Ubaldo bin ich voll und ganz Deiner Meinung! Es gab zwra auch
Kommentare und Meinungen, die diesen Trade für die Indians für gut befunden haben (beispw. kein
Coors-Field mehr), aber die Krankengeschichte ist schon sehr komisch! Und ob er wirklich wieder die
Leistung von der ersten Hälfte (!!!) der letzten Saison erreicht, ist schon fragwürdig! Ansonsten
finde ich den Bedard-Deal den Knüller schlechthin! Und als Jaysfan, aber auch als objektiver
Beobachter, finde ich den Rasmus-Deal einen Steal der Jays! Die wahren Verlierer bei diesem Deals
sind m.A. die White Sox!
 
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Fenway
(Registered) 01-08-2011 13:05
Für die Red Sox gab es keine andere Wahl! Beckett und Lester stehen außer Frage, aber was ist mit
Buchholz? Man weiß es nicht! Lackey ist ne Wundertüte schlechthin und über Miller will ich gar nicht
sprechen! Aceves wäre ein Kandidat als Starting Pitcher, aber in seiner aktuellen "Rolle"
geht er voll auf. Den Rest muss man abwarten! Schlägt Bedard voll ein, wird man Theo loben. Geht die
Sache in die Hose, kommt die Frage, was man sich bei diesem Trade gedacht hat.

P.S. Für Buchholz ist die Saison wohl gelaufen - Stressfraktur!
 
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Basti
(Administrator) 01-08-2011 14:10
Schöner Schlusssatz :)

Das bringt das ganze auf den Punkt, trotzdem wünsche ich Dir viel Spaß mit Freddy Garcia und Big Fat
Bartolo Colon in den Playoffs :)
 
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Marcus
(Administrator) 01-08-2011 14:26
Ich bin mir im Klaren darüber, dass die Yankees nicht für die Playoffs gerüstet sind. Aber es gab
auch nichts auf dem Markt, was daran etwas geändert hätte.
 
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Basti
(Administrator) 01-08-2011 14:32
Sicherlich und deswegen wäre ein Gamble a la Bedard oder dergleichen es einfach nicht wert gewesen.

Garcia und Colon zeigten sich beide zuletzt richtig stark, das wäre ja echt n Ding, wenn die ihre
Form einigermaßen in den Oktober retten. Ausschliessen tu ich es jedenfalls nicht.
 
Erich
(Publisher) 01-08-2011 18:04
Die Astros haben sich m. Meinung nach unter Wert verkauft. Aus Braves-Sicht finde ich den
Bourn-Trade sehr gut, da keine der Top-Prospects abgegeben werden mussten. Eigentlich
unverständlich, denn da hätte ich aus Sicht der Astros darauf gepocht, dass einer der 4 Pitcher im
Paket ist. Auch die Phillies mussten Brown nicht "Opfern" und erhlaten nun mit Pence einen
Top-Outfielder für drei Jahre.
 
RedSoxTheBest
(Registered) 01-08-2011 19:09
mir hat echt gut gefallen das die royals keinen einzigen trade gemacht haben :)
sie haben alle ihre top prospects noch :)
 
re:
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Basti
(Administrator) 01-08-2011 21:46
RedSoxTheBest schrieb:
mir hat echt gut gefallen das die royals keinen einzigen trade gemacht haben :)
sie haben alle ihre top prospects noch :)


Nicht ganz korrekt: Wilson Betemit ging zu den Tigers :)

Aber sie haben noch zwei Prospects mehr erhalten dafür ;)

Not bad...
 
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Benni
(Registered) 02-08-2011 08:45
Aber warum haben sie Francoeur und Cabrera behalten?! Das ist mir ein wenig unklar! So wie beide
derzeit drauf sind, hätten sie sicherlich einen guten Gegenwert bekommen! Und insbesondere Francoeur
hätte ich getraded, da er sicherlich nächstes Jahr wieder schlechter ist!
 
Xristjan
(Registered) 02-08-2011 12:07
Jahr für Jahr komme ich zu dem Schluss, dass viele Last-Minute-Deals nicht sinnvoll erscheinen. Da
werden Top-Prospects verschenkt, um sich ein Ex-Ace oder ein ewiges Talent zu ergattern... Aber es
gab auch einige sinnvolle Trades. Vor allem scheinen die Rangers, Braves und Phillies alles richtig
gemacht zu haben. Und was die Red Sox betrifft: offenbar hat man eine Vorliebe für anfällige
Pitcher.
Andererseits ist Bedard, wenn er gesund bleibt, eine gute Wahl: ein Lefty mit einem ERA knapp über 3
- wenn er das beibehält, ist das ok, weil die Red Sox auch in der Postseason in jedem Spiel für
mindestens 5, 6 Runs gut sind.
Ähnliches gilt für die Yankees: Die Offensive ist im Grunde nicht zu stoppen,...
 
Xristjan
(Registered) 02-08-2011 12:08
P.S. Was glaubt ihr, wie viele Niederlagen die Astros kassieren? :)
 
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Marcus Blumberg

 
blumberg2 Marcus Blumberg ist 25 Jahre alt und mit der Leitung der Redaktion bei Baseballinsider.de beauftragt. Des Weiteren bloggt er, aktualisiert das TV-Programm und führt die wöchentliche Kolumne This Week in Baseball.
Neben dem Germanistik- und Philosophie-Studium in Göttingen arbeitet der Yankees-Fan als stellvertrender Chefredakteur für AmericanFootballinsider.de und ist dort für den Inhalt verantwortlich.