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Damon, Manny und ein weißer Ritter
Die letzte Woche verlief eher schleppend, doch davor sorgten sowohl die Tampa Bay Rays als auch die Toronto Blue Jays für Aufsehen. Beide tätigten Transfers, die weitreichende Konsequenzen mit sich bringen, wobei wohl die Kanadier den besseren Deal gemacht haben.
Willkommen zu This Week in Baseball. Heute widme ich mich den Verpflichtungen von Johnny Damon und Manny Ramirez sowie dem Trade, der Vernon Wells aus Toronto zu den Los Angeles Angels of Anaheim geschickt hat.
Rays
Tampa verlor bekanntlich Carl Crawford an die Red Sox, so dass sie eine Planstelle im Left Field zu besetzen hatten. Eigentlich war dafür Youngster Tim Jennings vorgesehen, doch nun fand man eine erfahrenere Alternative – Johnny Damon. Jennings wird wohl nun im Right Field spielen, doch darum soll es heute nicht gehen.
Damon ist mittlerweile 37 Jahre alt und spielte eine ziemlich enttäuschende Saison in Detroit. Im Grunde waren alle seine Zahlen schlechter als in der Vorsaison, was wohl darauf zurückzuführen war, dass er den Großteil seiner Spiele im gigantischen Comerica Park absolvierte und nicht mehr im Yankee Stadium, dessen Right Field maßgeschneidert war für Damons Schwung. Insofern sollten zumindest seine Home-Run-Zahlen im Tropicana Field wieder ansteigen.
Allerdings wirft diese Entscheidung schon ein paar Fragen auf. Damon soll im Left Field spielen. In der vergangenen Saison spielte er genau 33-mal im Left Field, viermal im Center Field und 98-mal als Designated Hitter. Soll heißen: Es ist zweifelhaft, ob er der Belastung im Outfield über eine ganze Saison noch gewachsen ist.
Darüber hinaus war seine Defense schon in seinen letzten Jahren bei den Yankees fraglich. Vergleicht man dies nun mit Crawfords Reichweite dort draußen, wird das ein erheblicher Niveauabfall. Nun verfügt Crawford auch nicht über den besten Wurfarm, doch bei ihm durfte man davon ausgehen, dass er nahezu jeden Flyball, der in sein Areal flog, herunter pflückte. Bei Damon dagegen könnten einige Bälle zu Abenteuern werden. Offensiv ist Damon in seiner jetzigen Verfassung sicherlich eine klasse schlechter als sein Vorgänger.
Und dann kam Manny. Manny Ramirez war auf der Suche nach einem neuen Team und hatte nach Auskunft von Agent Scott Boras mehrere Anfragen. Dies darf man jedoch bezweifeln, da er gerade einmal zwei Millionen US-Dollar verdienen wird in der kommenden Saison. Das klingt nicht gerade nach der Standard-Boras-Philosophie, nach der immer der Höchstbietende den Zuschlag erhält. Wenn die Rays also das meiste geboten haben, wird es nicht so wahnsinnig viele Alternativen gegeben haben.
Im Gegensatz zu Damon, sehe ich Mannys jetziges Leistungsvermögen nicht als Problem an. Er kann immer noch effektiv und konstant den Schläger schwingen. Außerdem wird er endlich als Vollzeit-DH spielen können, seine grundsätzlich schwache Verteidigung wird also kein Problem sein. Bei ihm sind aber andere Bedenken angebracht. Das bringt uns wieder zu seinem Gehalt, denn Manny ist ein Typ, der eigentlich nur wegen des Geldes spielt. Wie wird er also auf dieses für ihn doch sehr überschaubare Salär reagieren? Konzentriert er sich nur aufs Spiel oder wird er beleidigt sein und seine typische Manny-Show abziehen? Ich bin sehr gespannt, welchen Manny wir auf und neben dem Spielfeld sehen werden. Dies könnte entscheidenden Einfluss auf dieses sonst so junge Team haben.
Blue Jays
Kommen wir zu den Blue Jays. Diese hatten noch aus der Zeit von General Manager J.P. Ricciardi mit dem Vertrag von Vernon Wells einen riesigen Klotz am Fuß. 2008 einigten sich beide Parteien auf einen Siebenjahreskontrakt in Höhe von 126 Millionen US-Dollar. Damit war der Spieler im Grunde nicht zu traden, so dass der Franchise für die kommenden vier Spielzeiten finanziell doch ein wenig die Hände gebunden waren. Der Vertrag war so strukturiert, dass er erst jetzt richtig teuer wird. 2011 stehen 23 Millionen Dollar zu Buche und in den drei weiteren Jahren jeweils 21 Millionen.
Außerdem war auch Ricciardi für den Monster-Deal mit Alex Rios verantwortlich. Der ging seinerzeit ebenfalls über sieben Jahre und war mit knapp 70 Millionen Dollar ebenfalls stattlich dotiert. Auch hier wird der Kontrakt erst 2011 richtig teuer. Von diesem Problem befreite Ricciardi die Franchise noch in seiner Amtszeit, nämlich im September 2009, als die Chicago White Sox einen Waiver-Claim für Rios abgaben. Die Blue Jays nutzten diese Gelegenheit und gaben den Spieler bereitwillig und ohne Gegenleistung ab. Blieb also nur noch Wells, der von 2011 bis 2014 insgesamt 86 Millionen verdienen wird.
Der neue GM, Alex Anthopolous, hatte also diesen Vertrag von seinem Vorgänger übernommen und musste damit leben. Doch auch dieses Mal kam scheinbar ein weißer Ritter auf dem edlen Ross herbei geritten und befreite die Jays aus ihrer Not. Der Ritter ist als Tony Reagins bekannt, seines Zeichens General Manager der Angels. Und er handelte im Auftrag von Arte Moreno, dem Besitzer der Franchise. Mir ist zwar nicht so ganz klar, wie man solch einen Vertrag fast vollständig schlucken kann, wenn man halbwegs für zurechnungsfähig gehalten werden will, aber auf der anderen Seite gab man auch einem Gary Matthews Jr. seinerzeit einen Fünfjahresvertrag…
Ich glaube, die Blue Jays hätten auch einen Sack voll Baseballs und Schlägern als Gegenleistung angenommen, bloß um Wells‘ Vertrag loszuwerden. Insofern waren Catcher Mike Napoli und Outfielder Juan Rivera schon ein ordentlicher Ertrag. Rivera wird im Outfield oder als DH des Teams spielen, während Napoli gleich nach Texas weitergereicht wurde für Relief Pitcher Frank Francisco. Außerdem sendeten die Jays noch ca. fünf Millionen US-Dollar nach Kalifornien.
Eines ist aber klar: Die Jays sind der große Gewinner dieser Transaktion, denn Wells hätte locker ein Fünftel oder mehr der Gehaltsliste des Teams vereinnahmt. Und das Problem ist nun vom Tisch, so dass man den sinnvollen Neuaufbau zielstrebig vorantreiben kann. Abgesehen davon, spielte Wells nicht annähernd entsprechend seines Gehalts in den letzten paar Jahren. Dies kann sich zwar noch ändern, doch rein wirtschaftlich war der Deal ohnehin hirnrissig für die Blue Jays.
Marcus Blumberg
Marcus Blumberg ist 25 Jahre alt und mit der Leitung der Redaktion bei Baseballinsider.de beauftragt. Des Weiteren bloggt er, aktualisiert das TV-Programm und führt die wöchentliche Kolumne This Week in Baseball. Neben dem Germanistik- und Philosophie-Studium in Göttingen arbeitet der Yankees-Fan als stellvertrender Chefredakteur für AmericanFootballinsider.de und ist dort für den Inhalt verantwortlich.
klar, wenn die grad mal in Schwung kommen...
(22-05-2012 15:26)Joey Hollow
Irgendwann sollten die Reds auch sehen, daß sie zumindest einmal ausprobieren, ob Chapman das Zeu...
(22-05-2012 11:27)Rene
Ohje wie lächerlich Sean Marshall den Closerjob wegzunehmen...ein Blown Save und ein BABIP von.500
(22-05-2012 10:36)Basti
Vielleicht sollte man eine Amnestie einführen: Wenn man so schnell fährt, wie man werfen kann, is...
(22-05-2012 09:05)Willitouch
Lawrie ging halt gegen den Schiedsrichter - und der ist nunmal absolut tabu. Das ist nicht nur im...
(22-05-2012 09:03)Willitouch