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Ein Hauch von Boss

 
Autor: Marcus Blumberg Montag, 24. Januar 2011
 

thisDie New York Yankees haben in der letzten Woche für viele überraschend Rafael Soriano verpflichtet. Überraschend deshalb, weil diese Verpflichtung eigentlich schon öffentlich ausgeschlossen wurde. Und sie wurde auch nicht auf üblichem Wege durchgeführt sondern ohne aktives Zutun des General Managers.

Willkommen zu This Week in Baseball. Wir müssen natürlich in der heutigen Ausgabe für den Soriano-Deal reden, denn dieser verspricht weitreichende Konsequenzen mit sich zu bringen. Wie diese aussehen könnten, versuche ich in den folgenden Zeilen zu beleuchten.

Nicht lange vor der Verpflichtung von Rafael Soriano verkündete Brian Cashman, seines Zeichens General Manager des Teams, dass er nicht vorhabe, seinen Erstrundenpick im diesjährigen Draft zu verlieren. Dies hieß im Umkehrschluss, dass eine Verpflichtung von Soriano aufgrund dessen Type-A-Status ausgeschlossen war. Zudem war zu hören, dass Cashman nicht bereit war, besonders viel Geld in einen Setup-Man zu investieren.

Rafael_Soriano
Soriano: Stein des Anstoßes (CC-BY-SA) Foto von Keith Allison

So viel zum durchdachten Part dieses Unterfangens. An dieser Stelle übernahmen dann jedoch die Teamoberen in Person von Hal Steinbrenner und Randy Levine. Die beiden bekamen wohl so langsam kalte Füße, da immer noch keine komplette Rotation parat steht und auch der Bullpen weiterhin eher wackelig aussah, zumindest was das achte Inning anging. Also stellten sie die Hypothese auf, dass eine klare Verstärkung des Bullpens den Druck auf die Starter lindern könnte. Soriano war der mit Abstand beste Reliever auf dem Markt, also schlugen sie zu – ohne Cashmans Beteiligung, aber wohl mit seinem Wissen.

Hier gibt es jetzt mind. drei Dinge, die man näher betrachten muss. Den Vertrag an sich, die Theorie, die hinter der Verpflichtung steht und natürlich die Konsequenzen daraus für die weitere Zusammenarbeit zwischen Cashman und den Yankees.

Der Vertrag ist ein weiterer Beweis dafür, was für ein Fuchs Super-Agent Scott Boras doch ist. Er hatte in diesem Fall kein wirkliches Druckmittel, errang für seinen Klienten aber dennoch einen Deal, der ein klarer Gewinn für den Pitcher ist, während die Yankees das gesamte Risiko tragen. Es ist ein Dreijahresvertrag, der max. 35 Millionen US-Dollar kostet. Die Jahresgehälter belaufen sich auf zehn, elf und 14 Millionen. Der Spieler darf aber den Kontrakt nach der ersten oder zweiten Saison auflösen, würde dann zusätzlich 1,5 Millionen US-Dollar kassieren.

Das heißt also, wenn er seine überragende Vorsaison bestätigen kann, wäre es sinnvoll, den Vertrag nach 2011 zu kündigen und einen noch höher dotierten Deal anderswo zu unterschreiben. Spielt er dagegen schlecht, wird er zum millionenschweren Klotz am Bein für das Team. Klar könnten die Yankees das auffangen, doch wer zahlt schon gern zweistellige Millionenbeträge für einen nutzlosen Relief Pitcher?

Der zweite Punkt ist der Gedanke, dass ein starker Bullpen eine Rotation besser macht. Die Frage ist aber, wer denn bis dahin das Schiff auf Kurs hält. Wie kommt man denn überhaupt ins siebte bzw. achte Inning mit einer Führung? Hier müssen dann eben doch die Starter eine gute Rolle spielen. Bei CC Sabathia ist das kein Problem, doch bei Phil Hughes und A.J. Burnett war Konstanz bisher nicht die stärkste Eigenschaft. Wer dahinter pitcht, steht außerdem noch in den Sternen. Die Idee mit den de Facto zwei Closern ist gut, aber wirklich zu Ende gedacht scheint der Plan nicht.

Und dann wäre da noch Brian Cashman, dem eigentlich seit seinem vorletzten Vertrag die volle Kontrolle über die Baseballoperation zugesichert ist. Er war gegen den Deal, Hal Steinbrenner überstimmte ihn und machte es ganz einfach selbst. Das erinnerte schon ein wenig an seinen Vater, der dies im Grunde jedes Jahr abzog, ohne sich große Gedanken über langfristige Konzepte zu machen. Cashman wiederum hatte zuletzt auch nicht nur Glücksgriffe, wie die Verpflichtungen von Nick Johnson oder Javier Vazquez deutlich machten. Aber die Führungsriege sprach ihrem GM bereits das volle Vertrauen aus, man stehe weiterhin geschlossen hinter ihm.

Mit einem Messer in der Hand?! Immer, wenn solche öffentlichen Vertrauensbekundungen kommen, sollte der davon Begünstigte auf der Hut sein, denn wenn alles in Ordnung ist, muss man solche demonstrativen Erklärungen doch gar nicht abgeben. Man will eigentlich Ruhe haben in der Organisation, aber solche selbst entzündeten Störfeuer drohen das ganze Jahr über zu lodern. Besonders, wenn es nicht läuft und der sportliche Erfolg ausbleibt. Der Soriano-Deal könnte eine Ausnahme sein, er könnte aber auch der Anfang vom Ende für Cashmans Zeit in New York sein. Sein Vertrag läuft am Saisonende aus.

Kommentare
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Basti
(Administrator) 24-01-2011 15:32
Soriano hat in dem Vertrag keine No-Trade-Klausel eingebaut:

Das heisst man könnte ihn ja für einen elitären Starting Pitcher im Verlauf der Saison abgeben,
vieleicht war das ja der Plan...und ansonsten könnte man evtl. vorzeitig verlängern und ihm die
Closer-Roller schmackhaft machen, sollte Mo irgendwann mal sich entscheiden in Rente zu gehen :)

So würde man auf jeden Fall keine Gefahr laufen ihn abgeben zu müssen durch die Ausstiegsklausel und
man hat ein letztes Ass im Ärmel auf dem Trade-Markt...

PS: Die Johnson-Verpflichtung kann man ihm nicht ankreiden,aber ich stimme Dir zu,dass die Yankees
ab 2012 wohl einen neuen GM haben werden...
 
Erich
(Publisher) 25-01-2011 18:16
Basti, deine Theorie hat nur einen Haken. Du musst ein Team finden, das einen elitären Pitcher für
Soriano samt seines spielerfreundlichen Vertrages abgibt ;)
 
re:
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Basti
(Administrator) 25-01-2011 19:29
Erich schrieb:
Basti, deine Theorie hat nur einen Haken. Du musst ein Team finden, das einen elitären Pitcher für
Soriano samt seines spielerfreundlichen Vertrages abgibt ;)


Nee finde ich gar nicht, wenn von heute auf morgen ein Closer in der NL ausfällt...was man da letzte
Saison alles an Tausch-Material durch die Gegend geschoben hat. Ich denke damit kompensieren sie
dann auch z.B. den verlorenen Pick indirekt.

Warten wir es ab =)
 
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Marcus
(Administrator) 26-01-2011 00:27
Die Yankees werden Soriano nicht traden. Der ist der Setup-Man!
 
Erich
(Publisher) 26-01-2011 18:59
Und Cashman der GM... ;)
 
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DDP
(Registered) 26-01-2011 21:30
Vielleicht werden sie aber bald Cashman absägen, wenn er weiterhin solche Leute wie Bartolo Colon
unter Vertrag nehmen. :s
 
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Nico
(Registered) 26-01-2011 22:58
Versteh ich auch nicht ganz den Zug....Aber die 900.000 $ können sie in NY wohl verschmerzen...Auch
die Andeutung Jeter würde seiner Meinung nach im Laufe seines neuen Vertrags nicht auf die
Third-Base sondern ins Outfield wechseln, ist schon recht komisch...
 
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Basti
(Administrator) 26-01-2011 23:09
Nee sorry ich versteh nicht so ganz eure Logik - MINOR LEAGUE DEAL:

Im Spring Training darf er zeigen was er kann (wie z.B. Prior) und dann wird entschieden, ob er
einen Vertrag erhält oder nicht, wenn er den MLB-Kader schafft. Einfach risikolos und man hat nix zu
verlieren...weil halt Bartolo Colon da steht, denkt man gleich es wäre schlecht, ich finds OK.

Im Spring Training erhalten pro Club ca. 20 Spieler so Einladungen...

@Jeter: Hat wohl wirklich mit der eingeschränkten Athletik zu tun, aber seien wir mal ehrlich:
Egal wo, man kann sich Jeter nicht irgendwo anders verstellen...mir fällts jedenfalls schwer.

 
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Marcus Blumberg

 
blumberg2 Marcus Blumberg ist 25 Jahre alt und mit der Leitung der Redaktion bei Baseballinsider.de beauftragt. Des Weiteren bloggt er, aktualisiert das TV-Programm und führt die wöchentliche Kolumne This Week in Baseball.
Neben dem Germanistik- und Philosophie-Studium in Göttingen arbeitet der Yankees-Fan als stellvertrender Chefredakteur für AmericanFootballinsider.de und ist dort für den Inhalt verantwortlich.