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Die Krise ist vorbei!

 
Autor: Marcus Blumberg Montag, 20. Dezember 2010
 

thisFinanzkrise? In der MLB? Keine Spur mehr davon! Die Teams waren sehr freigiebig auf dem Free-Agent-Markt und haben sich nicht lumpen lassen, die Extra-Meile zu gehen – oder besser: den Extra-Dollar locker zu machen.

Willkommen zurück zu This Week in Baseball. Ihr werdet es gemerkt haben, die letzte Ausgabe dieser Kolumne liegt schon ein wenig zurück. Ich hatte Prüfungsstress und musste mein Hauptaugenmerk auf die Beendigung meines Studiums legen. Jetzt ist dieses Thema erledigt und ich habe vorläufig wieder mehr Zeit, mich auch mit Baseball zu befassen. Insofern fange ich heute damit an, mal die interessantesten Transaktionen der letzten Wochen Revue passieren zu lassen.

Jayson Werth

Hätte man mich gefragt, welch einen Vertrag Jayson Werth bekommen würde – wohl gemerkt vor den Winter Meetings – so hätte ich wohlwollend von fünf Jahren gesprochen für ca. 90 Millionen Dollar. Insofern war ich doch ziemlich überrascht, als ich die Nachricht hörte, dass es letztlich sieben Jahre und 126 Millionen Dollar wurden. Er ist 31 Jahre alt und seine letzte Saison war nicht gerade brillant. Zudem hatte er noch nie 100 RBI in einer Saison. Ich verstehe natürlich, dass die Nationals endlich mal Eindruck auf dem Transfermarkt machen wollten, nachdem ihnen z.B. Mark Teixeira vor zwei Jahren trotz bestem Angebot einen Korb gab. Doch dieser Deal ist unverantwortlich, da er den restlichen Markt negativ beeinflusst hat.

Carl Crawford

Besonders hat Carl Crawford vom Werth-Deal profitiert. Er ist jünger und athletischer und hat außerdem den größeren Namen. Insofern war es klar, dass Crawford einen noch höher dotierten Vertrag erhalten würde. Er unterschrieb für sieben Jahre und 142 Millionen Dollar

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Wahnsinns-Deal für Crawford (CC-BY-SA) Foto von Keith Allison

bei den Boston Red Sox. Was ist eigentlich schockierender? Dass Crawford so einen Deal überhaupt bekommt oder, dass er solch einen Deal von den erklärtermaßen kleinen Red Sox erhält, die damals auf Teixeira verzichtet hatten, weil Agent Scott Boras ca. acht Millionen mehr verlangte als die Red Sox boten?!

Dass sie den Left Fielder bekommen haben ist zu loben, denn er wird besonders in den ersten Jahren seines Vertrages eine echte Bereicherung für dieses Team sein. Doch der Vertrag an sich ist schlicht und ergreifend hirnrissig! Besonders, wenn man bedenkt, dass die Angels gerade mal 108 Millionen geboten hatten. Und wenn man ehrlich ist, dann ist Crawford nur eine deutlich athletischere und stärkere Version von Brett Gardner – der verdient dieses Jahr ca. 900.000 Dollar.

Crawford hat noch nie in seiner Karriere 20 Home Runs in einer Saison geschlagen und das Right Field im Fenway Park wird dieses Unterfangen nicht gerade wahrscheinlicher machen. Ich für meinen Teil würde keinem Spieler 20 Millionen pro Jahr zahlen, wenn er nicht in die Kategorie Power Hitter einzuordnen ist. Punkt.

Cliff Lee

Cliff Lee ist das beste Beispiel für einen Spieler, der komplett falsch eingeschätzt wurde von allen sogenannten Insidern. Jeder, den man fragte, wollte ganz genau wissen, dass Lee ein Spieler sei, der zum Höchstbietenden gehen würde. Einer, der auch wirklich keinen Cent auf dem Tisch liegen lassen würde. Und dann ließ er im Grunde garantierte 30 Millionen auf dem Tisch der Yankees…

Letzten Endes wird die Differenz deutlich geringer, wenn er entsprechend in Philaldelphia pitcht und damit die Option für ein sechstes Jahr greift, aber er verzichtet in jedem Fall doch auf Geld. Stattdessen geht er lieber zurück zu dem Team, bei dem er sich wohl fühlte und das ihn letztlich zu einer der schlechtesten Organisationen in der Liga überhaupt geschickt hat. Den letzten Part muss er allerdings ganz schnell wieder vergessen haben. In jedem Fall verhielt er sich komplett entgegen der allgemeinen Erwartung und entschied sich für die Phillies, die nun wohl die beste Rotation seit Jahrzehnten haben und wohl kaum zu stoppen sein werden in der National League – doch dazu mehr zur neuen Saison.

Adrian Gonzalez

Dass die Red Sox früher oder später ihr Hauptziel, Adrian Gonzalez, bekommen würden, war eigentlich jedem klar. Jetzt ist es ihnen gelungen und es fällt schwer, nicht schon wieder darauf hinzuweisen, dass sie keineswegs überzahlt haben. Statt einen Daniel Bard, Jose Iglesias oder sonst einen der Toptalente neben Kasey Kelly zu bekommen, begnügten sich die Padres mit Leuten, von denen wir wohl nie mehr hören werden. Schade eigentlich, Chance vertan! Die Red Sox wiederum haben nun ihren First Baseman für die Zukunft. Er wird demnächst einen neuen Vertrag erhalten, der ihm auch in etwa Crawford-Gehalt beschert – vielleicht auch etwas mehr. Insofern haben die Red Sox mal eben knapp 300 Millionen in zwei Spieler investiert – nicht übel für ein Team in einem kleinen Markt…

Reliever

Joaquin Benoit bekam einen Dreijahresvertrag, Scott Downs unterschrieb für drei Jahre und nun auch noch Jesse Crain und Matt Guerrier. Allesamt Middle-Relief-Pitcher und trotzdem erhalten sie garantierte Dreijahresverträge. Das ist einfach unglaublich und unverantwortlich! Kaum eine Position unterliegt solchen Formschwankungen wie die der Reliever! Und wie wichtig kann denn ein Reliever schon sein, dass man ihn mit Verträgen über mehrere Jahre ausstattet? Eigentlich gibt es pro Bullpen nur einen unverzichtbaren Arm – den des Closers! Gibt man einem solchen einen längeren Vertrag, ist das nur gerechtfertigt, denn hat man mal einen guten gefunden, will man ihn auch halten! Davon gibt es nicht so viele. Doch alle sonstigen Bestandteile eines Bullpens sind austauschbar. Es gibt Relief Pitcher wie Sand am Meer. Wieso machen die Verantwortlichen eigentlich Jahr für Jahr denselben Fehler und verteilen diese dummen Verträge?

Also diese Geschäfte machen letzten Endes eines ganz deutlich: Finanzielle Probleme können die Teams der Major League Baseball definitiv nicht haben! Anders sind diese neuen Verträge nicht zu erklären. Zudem werden die Gehaltslisten einiger Teams gewaltig steigen. Darunter natürlich die der Red Sox und Phillies. Und das hat wiederum den positiven Nebeneffekt, dass man in Boston nun nicht mehr mit erhobenem Zeigefinger nach New York schauen und ihnen vorwerfen kann, sie würden sich Titel erkaufen. Denn wenn man im Glas Haus sitzt…

Zum Schluss wünsche ich noch allen Lesern dieser Seite ein Frohes Weihnachtsfest!

Kommentare
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Willitouch
(Registered) 20-12-2010 10:30
Zitat:
Es gibt Relief Pitcher wie Sand am mehr.
Sand am Meer, würde ich behaupten ... ;)
 
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Fenway
(Registered) 20-12-2010 11:56
Crawford ist der erste Spieler, den die Red Sox mehr als 20 Mio. im Jahr geben! A-Gon wird danach
Folgen...! Und wer noch?

Trotzdem ist das noch ein Witz, wenn man das mit dem Evil Empire vergleicht! ;)
 
Rene
(Publisher) 20-12-2010 18:49
"Crawford ist der erste Spieler, den die Red Sox mehr als 20 Mio. im Jahr geben!"

Nö, dem guten alten Manny haben sie auch 20 Mille pro Jahr gegeben...
 
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Basti
(Administrator) 20-12-2010 17:56
LOL Marcus:

Boston != Kleiner Markt :D

Der war gut...

Wegen Relief Pitching: Da habe ich mir letztes Jahr schon so meine Gedanken gemacht, als Brandon
Lyon für drei Jahre von Detroit nach Houston ging. Das ganze nimmt inzwischen unmenschliche
Ausmaße...
 
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Marcus
(Administrator) 20-12-2010 12:14
Die Red Sox betonten immer, dass sie mit den Yankees finanziell nicht mithalten könnten. Diese Leier
hört man von Red Sox Fans immer wieder. Jetzt können sie die echt knicken, zumal deren Payroll
aktuell sogar höher ist als die der Yankees...
 
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Cecil_Rhodes
(91.67.246.xxx) 20-12-2010 12:30
Naja komm. Was die Fans betonen oder nicht... dass Boston ein mega big player ist, ist wohl
unbestritten. Und wie du schon sagst, späestens jetzt können sie das auch offiziell in die
Stadionzeitungen schreiben.

@ Basti: Lyon ging VON Detroit
 
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Marcus
(Administrator) 20-12-2010 15:13
Natürlich sind die ein Big Player. Doch jetzt können sie das nicht mehr leugnen. Und das ist auch
gut so!
 
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Nico
(Registered) 20-12-2010 13:04
....ich würde Crawford nicht mit Gardner in einem Atemzug nennen. Er ist schon von anderer Qualität.
Ansonsten gebe ich dir vollkommen recht, was den zu hoch dotierten Vertrag angeht....
 
Michael
(Registered) 20-12-2010 13:18
Ein Artikel, der tief blicken lässt in die geschundene Seele der Yankee-Fans.
 
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Fenway
(Registered) 20-12-2010 14:19
Als ob die Yankees nicht auch Crawford einen ähnlichen Vertrag angeboten hätten! Ihre Priorität lag
ganz klar bei Lee. Hätte Lee sich früher entschieden, hätten die Yankees Crawford geholt bzw. ein
ernsthaftes Angebot gemacht.
 
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Marcus
(Administrator) 20-12-2010 15:10
Die Yankees hatten kein Interesse an Crawford. Sie sahen ihn als das, was ich geschrieben hab - eine
bessere Version von Gardner. Und dafür einfach zu teuer.

Das Essen mit Cashman und Crawford war nur ein Bluff, um den Preis in die Höhe zu treiben - Mission
geglückt.
 
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Fenway
(Registered) 20-12-2010 16:26
Alles reine Spekulation ;) , aber wenn ich mir die Aussagen so durchlese, muss ich Michael wohl
Recht geben! ;)
 
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Basti
(Administrator) 20-12-2010 17:58
Hätte mich auch stark gewundert, wenn zwei Red Sox Fans nicht einer Meinung sind ;)

EDIT: @Cecil - Hast recht, Lyon ging VON Detroit nach Houston...auch nach einem relativ soliden
Jahr, scheint die neue Masche zu sein...
 
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Marcus Blumberg

 
blumberg2 Marcus Blumberg ist 25 Jahre alt und mit der Leitung der Redaktion bei Baseballinsider.de beauftragt. Des Weiteren bloggt er, aktualisiert das TV-Programm und führt die wöchentliche Kolumne This Week in Baseball.
Neben dem Germanistik- und Philosophie-Studium in Göttingen arbeitet der Yankees-Fan als stellvertrender Chefredakteur für AmericanFootballinsider.de und ist dort für den Inhalt verantwortlich.