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Jeter, Lee und die Zukunft

 
Autor: Marcus Blumberg Montag, 08. November 2010
 

thisSeit gestern ist der Markt eröffnet, jedes Team darf mit jedem Free Agent nach Lust und Laune verhandeln. Für die New York Yankees stellen sich in diesem Winter gleich mehrere große Fragen bzgl. ihrer eigenen Free Agents, aber auch die anderer Teams.

Willkommen zu This Week in Baseball. Die Giants haben die World Series gewonnen und das vollkommen verdient. Glückwunsch dazu! Doch damit ist die vergangene Saison auch schon vorbei. Es gilt, den Blick nach vorne zu richten und die erste Aufgabe für die General Manager der Teams lautet nun, ihre Teams für die kommende Saison zu bauen. Sehr spannend wird diese Aufgabe gerade für Brian Cashman von den Yankees, denn er muss in diesem Jahr schwere Entscheidungen treffen, die weitreichende Konsequenzen haben werden.

Lee

Das Hauptziel der „Bronx Bombers“ ist allen bekannt. Sie wollen Pitcher Cliff Lee um (fast) jeden Preis haben. Dafür werden sie entsprechend bieten – haben sie vielleicht sogar bei Veröffentlichung dieser Ausgabe schon getan. Doch über den Linkshänder zu reden, erübrigt sich eigentlich, denn was er dem Team bringen könnte, ist ohnehin bekannt. Weniger wahrscheinlich sind dagegen Leute wie Jayson Werth oder Carl Crawford.

Werth ist eigentlich zu alt und mit Jesus Montero (siehe unten) bekommt man wohl den zusätzlichen Rechtshänder ins Lineup. Und Crawford ist eigentlich nur eine athletischere Version von Brett Gardner mit einer besseren Schlagfähigkeit und etwas mehr Power. Dafür wird man aber keine 100 Millionen ausgeben. Viel spannender sind die weiteren Personalien.

Jeter

Ganz oben auf der Liste steht der Captain, Derek Jeter. Sein Zehnjahresvertrag über 189 Millionen US-Dollar ist ausgelaufen. Er will in New York bleiben, das Team will ihn halten. Doch hier endet auch schon die Übereinkunft. Das Problem sind nämlich die Formalitäten – konkret: Wie viel für wie lange?

Unbestätigten Berichten zufolge könnte der Shortstop einen Vertrag über sechs bis sieben Jahre verlangen, um im selben Jahr wie Alex Rodriguez, nämlich 2017, aufzuhören. Damit einher geht natürlich auch die Gehaltsforderung. Man vermutet, dass er gerne weiterhin nördlich der 20-Millionen-Dollar-Grenze jährlich entlohnt werden möchte. Sein Agent Casey Close erklärte unlängst, dass Jeters Wert für die Organisation gar nicht zu beziffern wäre aufgrund seiner Verdienste für die Yankees auf dem Platz und außerhalb des Sports.

Derek_Jeter
Das Gesicht der Yankees (CC-BY-SA) Foto von Keith Allison

Das mag sicher richtig sein, doch Jeter wird demnächst 37 und seine letzte Saison war wohl die schlechteste, die er in seiner Hall-of-Fame-Karriere absolviert hat. Zudem muss man kein Prophet sein, um anzunehmen, dass seine Leistungsfähigkeit in den nächsten Jahren weiter zurückgeht. Hinzu kommt, dass er deutlich an Reichweite in der Defensive verloren hat. Ohne jetzt auf irgendwelche Statistiken zu schauen, fallen mir viele Situationen ein, in denen mir auffiel, dass er einige Bälle durchließ, die ein anderer (jüngerer) Shortstop gefangen hätte.

Von daher wären eine Gehaltskürzung und ein kürzerer Vertrag sicher nicht undenkbar. Außerdem muss man zumindest theoretisch – ich denke die Yankees werden dies in den Verhandlungen auch ansprechen – überlegen, was Jeter auf dem offenen Markt bekommen würde. Ich behaupte mal, dass dort sicherlich nicht viele Teams Schlange stünden und mehr als zehn Millionen pro Jahr über einen kurzen Zeitraum bieten würden. Viele Organisationen können es sich nämlich nicht leisten, alternde große Namen fürstlich zu entlohnen.

Beste Beispiele dafür sind sicherlich Vladimir Guerrero oder auch World-Series-MVP Hideki Matsui, die mit Einjahresverträgen abgespeist wurden. Die beiden leiden unter chronischen Knieproblemen, verfügen aber über Schlagkraft, die einen Job als Designated Hitter rechtfertigen. Jeter dagegen schlug nach August nur noch zwölf Extra-Basehits und 80 % seiner Hits waren Singles. Niemand will so einen als DH. Und ein 37Jähriger als Shortstop ist auch schwer vermittelbar, wenn man mal Omar Vizquel ausklammert, der defensiv überragend ist.

Auf der anderen Seite spricht aber Jeters Schlagleistung letztlich doch für ihn. Trotz seiner schwachen Saison erzielte er 111 Runs und kam auf 179 Hits – beides Bestwerte für Shortstops. So schlecht er also für seine Verhältnisse war, überragte er dennoch die meisten anderen Spieler seiner Position in offensiver Produktion – mit Ausnahme von Troy Tulowitzki und Hanley Ramirez versteht sich. Insofern ist es auch eine Frage der Alternative. Wen sollten die Yankees sonst Shortstop spielen lassen? Es wird immer wieder Eduardo Nunez genannt, aber erstens ist der offensiv eine Klasse schlechter und zweitens macht er defensiv noch zu viele Fehler.

Für den Moment wird Nummer 2 also der Shortstop der Yankees bleiben. Für wie lange ist aber die Frage! Ein Positionswechsel in absehbarer Zeit sollte eine Option sein, wenn der Vertrag entsprechend lang wird. Ideal fände ich einen Deal über drei Jahre und ca. 50 Millionen US-Dollar. Das ist immer noch um Längen mehr als jeder andere Shortstop bekommt, aber nicht so viel, dass den Yankees dadurch Budgetprobleme entstünden. Ich bezweifle allerdings, dass Jeter so einen Vertrag unterschreibt…

Rivera & Pettitte

Weniger problematisch werden die Verhandlungen mit dem besten (Postseason-)Closer und dem Pitcher mit den meisten Postseason-Siegen.

Mariano Rivera wird wohl weitermachen und einen Vertrag über ein bis zwei Jahre bekommen. Ideal wäre ein Jahr, denn er wird 41. Bei Andy Pettitte ist die Entscheidung erneut, Yankees oder Karriereende? Eine Tendenz habe ich noch nicht vernommen, aber ich denke, ein neuer Einjahresdeal ist realistisch.

Finanzielle Flexibilität

Zum Schluss möchte ich noch ein paar Gedanken zur Zukunft äußern, da viele der Meinung sind, die Yankees haben sich übernommen bzw. werden sich übernehmen mit der Fülle an Riesenverträgen. Rodriguez, Mark Teixeira, CC Sabathia haben allesamt Verträge über 100 Millionen-Dollar. Hinzu kommt A.J. Burnett, der nur knapp darunter liegt. All das könnte zum Problem werden, da selbst die Yankees ein Budget haben. Jedoch muss man folgendes Bedenken…

Andy Pettitte wird nicht mehr ewig pitchen. Wenn er aufhört, fällt ein zweistelliger Millionenbetrag aus der Gehaltsliste. Ersetzen könnte ihn eines der vielen Toptalente aus den Minors, wie Manny Banuelos, Dellin Betances oder gar Andrew Brackman. Diese wiederum wären zunächst sehr günstig im Gehalt. Das spart also etwas ein.

Jorge Posadas Vertrag läuft nach der kommenden Saison aus. Damit fallen weitere 13 Millionen US-Dollar weg. Für Ersatz ist schon gesorgt, denn offenbar übernimmt Jesus Montero schon in diesem Jahr den Starter-Job – und sollte der sich defensiv nicht durchsetzen, stehen mit Austin Romine, J.R. Murphy oder Gary Sanchez weitere hoffnungsvolle Talente Gewehr bei Fuß. Auch das wird Kosten senken.

Im Outfield werden Nick Swisher und Curtis Granderson auf absehbare Zeit überschaubar bezahlt und für die Zeit danach kommt einem der Name Slade Heathcott in den Sinn, der sich bestimmt gut machen würde im Right oder Left Field.

Zudem wurde zuletzt über eine zeitnahe Versetzung von Alex Rodriguez auf den DH-Spot spekuliert. Auch wenn ich diese Personalie als nicht so akut ansehe, ist es eine Überlegung wert. Als Ersatz könnte Jeter die dritte Base bemannen wie einst Cal Ripken Jr. in Baltimore oder „A-Rod“ selbst. Das würde Platz schaffen für einen jüngeren Shortstop, der nicht unbedingt Nunez heißen muss. Alternativ könnte Brandon Laird die „Hot Corner“ besetzen. Der überragte in diesem Jahr in den Minors. Jede dieser Möglichkeiten zöge Gehaltseinsparungen nach sich.

Letztlich haben also die Yankees durchaus gute Perspektiven für die Zukunft und sollten trotz der ganzen Megaverträge gut gerüstet sein. Eine Verpflichtung von Cliff Lee würde es zudem erleichtern, den ein oder anderen jungen Pitcher in die Rotation einzubauen hinter Sabathia und eben Lee.

Kommentare
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Basti
(Administrator) 08-11-2010 15:15
Zu Jeter sollte man vll. mal erwähnen, dass 1992 die Orioles und Cubs ihre beiden Ikonen Cal Ripken
und Ryne Sandberg ebenfalls nochmal in ihren letzten Verträgen regelrecht überbezahlt haben. Das
waren damals die mit Abstand am höchstdotiertesten Verträge und Jeter ist ebenfalls "die
Ikone" der Yankees schlechthin.

Ich finde den Vergleich eigentlich ganz passend, wenn man das als Grundlage nimmt müsste er nochmal
10 Jahre/200 Millionen erhalten, was ich mir allerdings auch beim besten Willen nicht mehr
vorstellen kann...

Wenn Jeter fit genug bleibt, dann schafft er keine 3000, sondern 4000 Hits. Ich vermute eher, dass
er früher aufhört, als dass er eigentlich müsste...
 
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Fenway
(Registered) 09-11-2010 23:00
Thema Lee: Lee wird zu den Yankees gehen und auch wenn es etwas komisch klingen mag, hat das auch
was gutes! (aus Red-Sox-Sicht in Bezug auf Crawford oder Werth) ;)

Jeter: Auch wenn seine Leistung im letzten Jahr nicht so berauschend war, werden die Yankees ihn
trotzdem fürstlich entlohnen. Die Yankees haben das Kleingeld und werden deswegen kein Fass
aufmachen.

P.S. Kann mir mal einer sagen, warum gerade Jeter in diesem Jahr den Gold Glove bekommen hat? Das
wird wohl niemand verstehen.
 
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Basti
(Administrator) 10-11-2010 08:38
Ja nicht nur Jeter ist total lächerlich...ich hab aber nichts anderes erwartet... ;)

Ebenso hätte man man einem wie Daric Barton auf First Base so einen Handschuh echt mal verpassen
sollen, aber nein man stürzt sich auf die sogenannten Stars, die egal wie gut oder eher schlecht sie
spielen die Gold Gloves geschenkt bekommen!

Gott sei Dank!! Franklin Gutierrez von den Mariners gewinnt endlich mal einen...das wurde auch
Zeit...wenn der bei den Yankees spielen würde, wäre es schon sein vierter oder fünfter dieses Jahr.
 
Rene
(Publisher) 10-11-2010 08:54
Von den Yankees hätte mMn kein einziger den Gold Glove bekommen dürfen. Cano macht zwar spektakuläre
plays, dafür versemmelt er wieder die einfachsten Sachen von Zeit zu Zeit. Aber man sieht wieder:
gold gloves are won with bats und Spieler und Trainer haben keinen Schimmer von Defense...
 
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Basti
(Administrator) 10-11-2010 09:00
Cano und Teixeira waren beide überragend, das geht schon in Ordnung...bei Tex meckern halt viele
wegen seines miesen UZR 2010 rum, allerdings ist der Wert sowas von ungenau und man sollte hier
grundsätzlich mindestens immer drei Jahre im Durchschnitt als groben Richtwert sehen.

Bitte hier nicht weiter über Gold Gloves diskutieren ;) Hab soeben die News reingestellt...

LG
S
 
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DDP
(Registered) 10-11-2010 15:52
Guter Artikel, Marcus!
Stimme auch bei allen zu, außer bei der Debatte ums Outfield. Ich würde einen Trade von Granderson
bevorzugen und dafür Gardner ins CF stellen. Crawford dann ins LF und das sieht gut aus.
Bei Slade Heathcott denke ich, dass er noch wohl 2 Jahre von der MLB entfernt ist, aber sicher wohl
das beste OF-Prospekt im System.
Bei den genannten Pitchern (Betances, Banuelos oder Brackman; ich würde noch Nova nennen) wird wohl
bestimmt einer dabei sein, der sich als Front-Rotation Pitcher durchsetzen kann. Die anderen kann
man immer noch als Tradechips nutzen.
Über kurz oder lang wird wohl auch Romine Cervelli ersetzen. Besserer Bat und wohl auch besser in
der defensive.
 
re:
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Marcus
(Administrator) 10-11-2010 15:57
DDP schrieb:

Über kurz oder lang wird wohl auch Romine Cervelli ersetzen. Besserer Bat und wohl auch besser in
der defensive.

Gerade besser in der Defensive! Cervelli sah auf dem Gebiet richtig schlecht aus im letzten Jahr!
Der hat für mich gar keine Daseinsberechtigung mehr.
 
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Basti
(Administrator) 10-11-2010 16:56
Er kocht glaub ich ganz lecker Pasta im Spring Training :D

Kann der sonst noch was ?!
 
re: re:
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DDP
(Registered) 11-11-2010 12:09
Marcus schrieb:
[quote=DDP]
Über kurz oder lang wird wohl auch Romine Cervelli ersetzen. Besserer Bat und wohl auch besser in
der defensive.

Gerade besser in der Defensive! Cervelli sah auf dem Gebiet richtig schlecht aus im letzten Jahr!
Der hat für mich gar keine Daseinsberechtigung mehr.[/quote]

Naja, Cervellis Gamecalling ist schon überdurchschnittlich gut und CC und AJ haben gerne mit ihm
gepitcht.
Seine Defensive war aber scheußlich, da gebe ich dir Recht. Dazu auch zuviele mental errors.
Montero hab ich jetzt einige male gesehen als er in AAA gecatcht hat und sein Arm ist wirklich gut.
An seiner Throwing Motion muss noch gearbeitet werden, aber er hat ne Kanone.
 
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Marcus Blumberg

 
blumberg2 Marcus Blumberg ist 25 Jahre alt und mit der Leitung der Redaktion bei Baseballinsider.de beauftragt. Des Weiteren bloggt er, aktualisiert das TV-Programm und führt die wöchentliche Kolumne This Week in Baseball.
Neben dem Germanistik- und Philosophie-Studium in Göttingen arbeitet der Yankees-Fan als stellvertrender Chefredakteur für AmericanFootballinsider.de und ist dort für den Inhalt verantwortlich.