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Die World Series 2010

 
Autor: Marcus Blumberg Montag, 25. Oktober 2010
 

thisDie Baseball-Saison ist so gut wie vorbei, doch der Höhepunkt steht noch vor der Tür. Die World Series startet am Mittwoch, wenn die Texas Rangers und San Francisco Giants aufeinandertreffen.

Willkommen zu This Week in Baseball. Jetzt mal ernsthaft, wer hatte wirklich vor der Saison damit gerechnet, dass an diesem Mittwoch die San Francisco Giants die Texas Rangers in Spiel eins der World Series empfangen werden? Ich jedenfalls nicht und auch sonst keiner aus unserer Redaktion, wie ein Blick auf unsere Predictions beweist…

An dieser Stelle will ich einmal kurz aufzeigen, wie beide bis hierhin gekommen sind, jedoch nicht in allen Einzelheiten, sondern nur die aus meiner Sicht wichtigsten Punkte. Beginnen wir mit den Giants, die dank des höchst seltenen Sieges der NL-All-Stars Heimrecht haben.

San Francisco Giants

Erstmals seit 2002 stehen die Giants wieder in der World Series. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass sich der langwierige Wiederaufbau von General Manager Brian Sabean endlich ausgezahlt hat. Seit Barry Bonds 2007 sein letztes Spiel gemacht hat, nahm der GM viele Veränderungen vor, die vielleicht nicht alle sinnvoll waren, sich im Endeffekt aber vielleicht doch auszahlten.

LIncecum
"The Freak" (CC-BY) Foto von SD Dirk

Die beste Tat war sicherlich der Aufbau dieser Pitching Rotation. Leute wie Tim „Big Time Timmy Jim“ Lincecum und Matt Cain muss man erst mal finden und auch geduldig an ihnen festhalten! Dem gegenüber steht natürlich ein Barry Zito mit einem Deal, der auch nach einigen Jahren noch katastrophal aussieht. Er steht nicht einmal im Kader für die Playoffs. Und erwähnt sein muss auch Jonathan Sanchez, den viele am Anfang der letzten Saison schon getradet hätten.

Dann nennen wir Buster Posey, der ihnen irgendwie in den Schoß gefallen ist, da z.B. die sonst so treffsicheren Tampa Bay Rays ihn im Draft übersehen hatten. Glück gehört also auch dazu. Als nämlich der junge Catcher im Laufe dieser Saison aus den Minors geholt wurde, überzeugte er sofort und war sowas wie eines der fehlenden Puzzlestücke für eine sonst eher lahmende Offense.

Und dass Cody Ross ein Glücksgriff wurde, habe ich ja schon erwähnt. Nicht ohne Grund wurde er zum MVP der NLCS gewählt. Er verdrängte u.a. einen Jose Guillen, der ebenfalls im Laufe des Jahres zum Team stieß, weil ihn die Royals nicht mehr wollten – eine Parallele zu Ross, den die Marlins aufgegeben hatten. Dieser Jose Guillen war bisher aufgrund seiner schwachen Defense nicht im Kader, doch ich könnte mir vorstellen, dass er in der World Series wertvoll sein könnte – in den Spielen drei bis fünf gibt es einen Designated Hitter!

Doch wie kam dieses Team nun konkret in die World Series? Sicherlich mit überragendem Pitching und Hartnäckigkeit. Sie haben keine überragende Offensive, zumal auch noch einige etablierte Kräfte schwächelten. Ich denke da in erster Linie an Pablo Sandoval oder auch an Andres Torres. Doch das wurde kompensiert durch wichtige Hits zur rechten Zeit, wie etwa von Juan Uribe, der etwa den entscheidenden Home Run in Spiel sechs schlug. Und der Bullpen war auch zumeist stabil, was nicht zuletzt am „Mental Assassin“ Brian Wilson lag, der bis auf seinen Blown Save in der NLDS keinerlei Probleme hatte.

Texas Rangers

Die Rangers haben der Aufbauarbeit von Nolan Ryan vieles zu verdanken. Nicht nur brachte er dem Team eine neue Philosophie, ein neues Selbstbewusstsein, er flößte der gesamten Operation auch eine gewisse Aggressivität hinzu. Bestes Beispiel dafür der Trade für Cliff Lee, der eigentlich schon auf dem Weg in die Bronx war. Man ging in die Vollen und gab das First-Base-Talent Justin Smoak ab, was die Mariners schließlich dazu bewegte, den Deal mit den Yankees platzen zu lassen und das Pitching Ace nach Texas zu schicken. Dies wiederum war sicher der entscheidende Trade in diesem Jahr, aber nicht der einzige wichtige.

Man denke da etwa an den Deal für Bengie Molina. Der kam pikanterweise von den Giants und hatte dort nur noch die Aufgabe, seinen Nachfolger Buster Posey einzuarbeiten. Diese Aufgabe war erfüllt und so wurde er entbehrlich. Die Rangers schlugen zu, sicherten sich einen Catcher, der sowohl offensiv wie defensiv denen überlegen war, die da noch so rumliefen. Spätestens nach seinem Home Run gegen die Yankees in Spiel vier der ALCS hat sich der Trade deutlich ausgezahlt! Nebenbei war seine Erfahrung natürlich auch hilfreich, die Pitcher besser zu machen.

Das Pitching ist der nächste wichtige Punkt. Ihre Rotation besteht ja nicht nur aus Cliff Lee. C.J. Wilson spielte eine riesen Saison als Starter, nachdem er jahrelang zwischen Setup-Man und Closer im Bullpen pendelte. Dieser nahtlose Übergang war beeindruckend und so eigentlich nicht zu erwarten. Colby Lewis verbrachte einige Zeit in Japan und überzeugte dann mit einer soliden Saison und zwei starken Auftritten gegen die Yankees. Tommy Hunter zählt zu der Fraktion der jungen Pitcher, die unter Ryans Regie zielstrebig herangeführt werden sollen.

Was die Offensive angeht, muss man nicht viel sagen. Josh Hamilton ist wohl der größte MVP-Kandidat der American League und war auch in der ALCS nicht zu stoppen. Ihm zur Seite stehen ein rehabilitierter Vladimir Guerrero, den die Angels abgeschrieben hatten und Nelson Cruz, der nur schwer auszumachen ist. Zudem ist Michael Young gerade kaum auszukriegen und da selbst Elvis Andrus häufig auf Base kommt, greift hier ein Rädchen ins andere.

Ausblick

Ich gebe ja immer gerne Prognosen ab, so auch heute. Pauschal bin ich der Meinung, dass die Rangers die bessere Offensive haben mit größeren Power-Hittern. Doch die Giants haben eine insgesamt noch bessere Pitching Rotation und den besseren Bullpen – letzteres ist wohl die größte Schwäche der Rangers, die aber aufgrund der Starter-Leistungen in der ALCS nicht ins Gewicht fiel. Außer im ersten Spiel. Groß wird sicherlich gerade Spiel eins zwischen Lincecum und Lee!

Ich denke, wir können uns auf eine enge Serie freuen, wobei der „Desperation-Faktor“ bei beiden Teams etwa gleich sein sollte. Die Rangers sind zwar zum ersten Mal in der World Series, die Giants – jedenfalls seit sie in Kalifornien weilen – haben diese aber auch noch nie gewonnen, insofern sind beide bis in die Haarspitzen motiviert.

Und beim Momentum erkenne ich auch keinen klaren Unterschied, da beide Teams den amtierenden Champion der jeweiligen Liga geschlagen haben. Bleibt also nur das Argument, die American League ist stärker als die National League. Doch hat nicht die NL das All-Star Game gewonnen und somit Heimrecht?! Dies wiederum birgt im AT&T Park zumindest das Problem, dass die Rangers ohne Guerrero auftreten müssen – seine Knie verbieten eigentlich Einsätze im Outfield. Das wäre ein Vorteil für die Giants.

Bleibt noch das alte Motto, „Offense wins Games, Defense wins Championships“. Im Baseball steht Pitching im Vordergrund, dieses Jahr ist unzweifelhaft das Jahr des Pitchers und somit sind die Giants leicht im Vorteil. Ich tippe also auf einen Gesamtsieg der Giants und hoffe auf sieben spannende Spiele.

PS: Diese können wir in Deutschland übrigens pünktlich zu Beginn der World Series im HD-Format genießen, denn am Mittwoch startet ESPN America HD bei sky. Wenn ihr das also empfangen könnt, schaut rein. Es lohnt sich!

Kommentare
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Basti
(Administrator) 25-10-2010 14:35
Zu den Predictions: Ein paar meiner anderen Tipps für die Awards (und natürlich auch die der anderen
Redakteure) kommen ja ganz gut hin :)

Immerhin gehörte ich zu den drei wenigen Tippern, die die Rangers in der AL West vorne gesehen haben
:)

Also der Bullpen der Giants hat super Zahlen in der Regular Season verbucht, von denen man sich sehr
leicht blenden lässt...in der Postseason sind sie schon mehrfach im Pen zusammen gebrochen, was
allerdings völlig nebensächlich ist, weil sie einfach ihre Spiele trotzdem irgendwie gewonnen haben
:)

Darauf kommt es an, egal was die Zahlen sagen oder wie gut man ist, die Spiele muss man irgendwie
heimgurken, ob man nun überzeugt oder nicht...
 
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Basti
(Administrator) 25-10-2010 14:40
Mein Tipp: Rangers in 5, weil ich glaube, dass die Offense sich am Ende gegen den Trend durchsetzen
wird...Cliff Lee wird beide Starts gewinnen und zum World Series MVP ernannt, ausser ein Offensiv
Spieler schlägt 4-5 Home Runs nochmal über den Zaun, was auch nicht auszuschliessen ist.

Zu "Mental Assasin" Brian Wilson hier noch das legendäre Interview bei Jim Rome :)

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Marcus Blumberg

 
blumberg2 Marcus Blumberg ist 25 Jahre alt und mit der Leitung der Redaktion bei Baseballinsider.de beauftragt. Des Weiteren bloggt er, aktualisiert das TV-Programm und führt die wöchentliche Kolumne This Week in Baseball.
Neben dem Germanistik- und Philosophie-Studium in Göttingen arbeitet der Yankees-Fan als stellvertrender Chefredakteur für AmericanFootballinsider.de und ist dort für den Inhalt verantwortlich.