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Senator ruft zum All-Star-Boykott auf

 
Autor: Marcus Blumberg Montag, 17. Mai 2010
 

thisArizona hat ein neues Gesetz verabschiedet, dass es sehr viel leichter macht, illegale Einwanderer aufzuspüren und loszuwerden. Vor diesem Hintergrund findet im kommenden Jahr das MLB All-Star Game in Phoenix, AZ statt und ein Senator fordert nun, dieses zu boykottieren und damit ein Zeichen zu setzen.

Willkommen zu This Week in Baseball. In dieser Woche beschäftige ich mich mit einem weniger erfreulichen Thema, das nur bedingt mit Sport zu tun hat.

Die Rede ist von der Forderung des US-Senators Robert Menendez (New Jersey), dass All-Star Game 2011 in Arizona zu boykottieren. Grund dafür ist das neue Einwanderungsgesetz in besagtem Bundesstaat, das es den Behörden im Grunde ermöglicht, jeden noch so ausländisch wirkenden Bürger zu belästigen und um Einwanderungspapiere zu bitten. Eine extreme Schikane also. Viele sehen hierdurch sogar Menschenrechte verletzt und fordern nun die Spielerunion der MLB, die MLBPA, auf, demonstrativ nicht am nächstjährigen All-Star Game teilzunehmen.

Doch warum gerade die MLB? Zunächst einmal ist dies eine der beliebtesten Sportligen der USA und somit eine große Plattform. Wie wir wissen, ist Sport eine der größten Bühnen, um Menschen verschiedenster Herkunft zusammenzubringen und dementsprechend wird die Aufmerksamkeit sein, die diesem Ereignis gewidmet wird. Einen solchen Boykott würde man also nur schwerlich ignorieren können und da jeder wüsste, wer dafür verantwortlich wäre, würde auch der Druck auf die Regierung in Arizona steigen.

Ein weiterer Grund für die Wahl dieses Events ist natürlich die Tatsache, dass die MLB den mit Abstand höchsten Anteil an Latein-Amerikanern von allen großen Sportligen in den USA hat. Und genau auf diese Menschen zielt das Gesetz ja ab. Gezielt will man natürlich die illegalen Einwanderer aus Mexiko eindämmen, zumal die nur eine Grenze entfernt sind. Aber ich denke mal, dass sich nicht nur Mexikaner hier benachteiligt fühlen, sondern auch Menschen aus vielen anderen Ländern.

Überhaupt stellt sich die Frage, wie gern in Zukunft noch andere Ausländer überhaupt für ein Sportteam aus Arizona spielen wollen, wenn sie immer damit rechnen müssen, von der Polizei aufgehalten zu werden. Gleiches gilt auch für Spieler von Gästeteams. Können die sich dann eigentlich noch unbeschwert in Phoenix und Umgebung vor und nach den Spielen bewegen? Natürlich zielt das Gesetz nicht darauf ab, Sportler zu stören – jedoch tragen solche fernab des Spielfeldes auch nicht ihre Trikots, so dass sie nicht für jedermann sofort erkannbar sind – sondern es ist vielmehr auf „normale“ Menschen ausgerichtet. Den Sportlern wird es aber nicht egal sein – sollte es jedenfalls nicht.

Commissioner Allan H. „Bud“ Selig hat sich zunächst dazu entschlossen, die Forderungen des Senators einfach zu ignorieren. Dies ist sein gutes Recht. Ich denke aber, er spielt jetzt einfach auf Zeit. Das All-Star Game 2011 ist noch fern und die Hoffnung ist da, dass bis dahin Gras über die Sache gewachsen ist. Doch was ist, wenn dies eben nicht eintritt und Spieler ernsthaft einen Spielverzicht in Erwägung ziehen? Dann hätten wir das Statement in Richtung Regierung des Bundesstaats. Sportlich wäre dies auch problematisch, denn wie wir alle wissen, zählt das Spiel und entscheidet über das Heimrecht in der World Series. Es wäre sicher nicht von Vorteil, würde das Spiel dadurch an Qualität verlieren, dass Spieler absichtlich fern bleiben.

Wie wahrscheinlich ein solch drastischer Schritt wäre, vermag ich nicht zu beurteilen, vor allem nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Es gäbe auch friedlichere Wege, ein Statement zu machen. Ein schönes Beispiel sehen wir im Basketball, speziell in der NBA. Dort gibt es schon seit einigen Jahren Aktionsabende, in denen die Teams mit dem Zusatz „Los“ beim Namenszug auf den Trikots auflaufen, wie etwa „Los Suns“. Damit spielten die Phoenix Suns kürzlich auch in den Playoffs als Reaktion auf die Gesetzesverabschiedung. So etwas wäre auch im Baseball möglich – am letzten Freitag sahen wir dies sogar schon auf den Trikots der Florida Marlins. Und gerade bei einem All-Star-Game müsste eine ähnliche Aktion doch auch machbar sein.

Was außerdem gegen einen Boykott spricht ist einfach die Haltung, dass man den Sport nicht zu politischen Zwecken missbrauchen darf. Der Sport muss unabhängig bleiben und von jeglichen Politikinteressen frei sein. Dies sollte auch hier gelten. Man kann gerne sein Missfallen über gerade dieses Gesetz äußern, dafür aber einem solch großen Ereignis fernzubleiben, ist der falsche Weg.

Kommentare
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Rene
(Publisher) 17-05-2010 13:01
1) Was oben über das Gesetz steht, stimmt einfach nicht. Das ist Wissen aus vierter Hand, das im
Endeffekt von Leiuten stammt, die das Gesetz nicht gelesen haben und eine gewisse Stimmung
verbreiten wollen. Also bitte nicht der weitverbreiteten Propaganda aufsitzen: im Gesetz steht
explizit drinnen, daß ein sog. "lawful contact" vorkommen muß und dazu ein "reasonable
suspicion" vorliegen muß, der sich nicht nur auf Nationaliät, Hautfarbe usw beschränkt. Außerdem
sind Einwanderer schon durch Bundesgesetze verpflichtet, Papiere bei sich zu tragen. Was hier
passiert ist, daß ein Staat sagt, er setzt Bundesgesetze selbst um, weil die Feds sich nciht drum
kümmern.
 
Rene
(Publisher) 17-05-2010 13:10
2) All-Star-Game Boykott? Lächerlich - für ein paar Tage zum All Star game wollen die dann nicht
fahren, aber mehr als einen Monat Spring Training in Arizona (sicherlich ein größerer
Wirtschaftsfaktor) sind okay? Abgesehen davon handelt es sich um Millionäre mit Anwälten und
Heerscharen an Bediensteten.
Da wäre ich an deren Stelle nicht so über das angesprochene Gesetz besorgt (von dem einige Sheriffs
schon gesagt haben, sie setzen es sowieso nicht um), sondern, daß wenige Kilometer südlich der
Grenze ein gnadenloser Drogenkrieg tobt, der schon beginnt nach Arizona rüberzuschwappen - in
Phoenix gibt es mittlerweile über hundert Entführungen pro Jahr.
 
re:
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Johannes
(Publisher) 18-05-2010 09:41
jimmy1138 schrieb:
1) Was oben über das Gesetz steht, stimmt einfach nicht. Das ist Wissen aus vierter Hand, das im
Endeffekt von Leiuten stammt, die das Gesetz nicht gelesen haben...


Ich habe das Gesetz nicht gelesen, aber das kann auch keiner verlangen, dafür gibt es Leute, die das
mit vermitteln sollen. Und die Fragen bleiben: Wer bestimmt, was "lawful contact" und
"reasonable suspicions" sind? Doch die Polizisten, oder? Es geht doch darum, dass die Möglichkeitenzur Willkür gestiegen sind. Das halte ich schon für bedenklich. Und viele Amerikaner anscheinend
auch.
 
re: re:
Rene
(Publisher) 18-05-2010 14:33
Diese Begriffe sind meines Wissens keine Neuerfindung, sondern z.T. bis vor den Obersten Gerichtshof
ausjudiziert.
Heißt: der Betroffene muß als Beschuldigter oder Verdächtiger (nicht Zeuge) in eine Amtshandlung
geraten. Zu 90% wohl zu schnelles bzw besoffenes Autofahren (da erledigt sich das Ganze durch den
Vorweis des Führerscheins sowieso) oder irgendwelche domestic violence Geschichten.
Dazu muß der Polizist noch einen begründbaren Verdacht haben, daß es sich um einen Illegalen
handelt, der explizit über Rasse, Nationalität, Hautfarbe hinausgeht.
Ein im Vergleich zu den Reaktionen eigentlich recht harmloses Gesetz und die teilweise recht
künstliche Aufregung hat v.a. im Sport nichts zu suchen.
 
avatar
dancariaz
(Registered) 18-05-2010 12:16
die Möglichkeit zur Willkür gibts aber überall, das musste ich am vergangenen Wochenende zum
wiederholten Male erfahren.
 
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