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This Week in Baseball - Shapiro hat verwachst

 
Autor: Marcus Blumberg Dienstag, 04. August 2009
 

Die Pirates verhökern weiter fröhlich ihre Spieler, die Champions aus Philly bekamen einen Cy-Young-Gewinner, Boston einen neuen Catcher und Roy Halladay bleibt nun doch in Toronto - vorerst.

Willkommen zu This Week in Baseball. Leider Gottes heute einen Tag später als sonst, aber die Recherche für meine Magisterarbeit geht zurzeit vor. Sorry dafür! Doch nun zur Sache: Die Trade-Deadline war am letzten Freitag und so ist es geradezu obligatorisch, dass ich ein paar der getätigten Deals unter die Lupe nehme...

Jake Peavy nach Chicago - schon wieder

Ich verbrachte weite Teile des letzten Freitags in der Nähe meines PCs und hatte meinen Twitter-Client laufen, zudem die MLB-Network-Coverage via MLB.com, um auch ja nichts zu verpassen. Und kurz vor 22:00 Uhr, also kurz vor Ultimo, schrieb Jon Heyman von SI.com, dass Pitcher Jake Peavy schon wieder nach Chicago zu den White Sox getradet wurde. Kurz darauf versicherte er den Lesern, dass dies kein Scherz sei!

Diese Anmerkung war deshalb wichtig, weil es diesen Deal zwischen den White Sox und San Diego Padres vor ein paar Monaten schon einmal gab. Doch damals nutzte Peavy seine No-Trade-Klausel und blockte das Geschäft. Dieses Mal jedoch stimmte er zu. Woher der Sinneswandel, war die Frage, die sich alle stellten. Ich denke, es könnte daran liegen, dass sein präferiertes Ziel, also die Nordseite der „Windy City", eher nicht bereit wäre zu solch einem Trade in naher Zukunft, ebenso wenig die Dodgers, zu denen er auch gern gegangen wäre. Und vor diesem Hintergrund dürfte die „South Side" doch ganz ansprechend auf ihn gewirkt haben. Und wenn man schon zweimal für ein und denselben Spieler tradet innerhalb von so kurzer Zeit, dürfte es ziemlich deutlich sein, dass man ihn unbedingt will!

Man geht jetzt natürlich ein großes Risiko ein, denn vor September dürfte Peavy wohl nicht auf dem Mound stehen, da sein Knöchel noch nicht ausgeheilt ist und er wohl erst Mitte August zur Reha in die Minors gehen kann. Und solange sind die White Sox gezwungen zu improvisieren. Der bisherige Starter Nr. fünf, Clayton Richard, spielt nämlich jetzt in San Diego. Übersteht man diesen Monat aber einigermaßen und sollte Peavy stark zurückkommen, hätte man eine ziemlich gute Rotation mit „Mr. Perfect" Mark Buehrle, Peavy und den jungen John Danks und Gavin Floyd...

Washburn nach Detroit

Bleiben wir in der AL Central, denn nicht nur die White Sox haben eine starke Rotation. Auch die Tigers sind nun noch tiefer besetzt. Mit Jarrod Washburn holte man einen Linkshänder, der in den nächsten zwei Monaten alles für den Erfolg des Teams tun wird - nach der Saison wird er Free Agent und darf sich auf einen großen Zahltag freuen. Er pitcht in diesem Jahr so gut wie lange nicht mehr und ist eine starke Ergänzung zu Justin Verlander, Rick Porcello, Edwin Jackson und Armando Galarraga. Gepaart mit der Tigers-Offensive bestehen hier große Chancen auf einen erfolgreichen Endspurt!

Und der gezahlte Preis ist auch ok, denn Luke French mag gute Ansätze gezeigt haben, doch wird Washburn aktuell deutlich mehr bringen und mit der aktuellen Belegschaft, muss das Ziel sein, jetzt zu gewinnen!

Bostons Transfers

Von den Boston Red Sox erwarteten viele Experten einen großen Transfer. Man war an First Baseman Adrian Gonzalez aus San Diego interessiert, es gab immer mal wieder Gerüchte um Roy Halladay und Cliff Lee und einiges sprach im Vorfeld für Catcher Victor Martinez. Am Ende wurde es eben dieser.

Da ich über die Indians später noch rede, betrachte ich hier nur die Perspektive der Red Sox. Aus deren Sicht ist der Martinez-Transfer ein super Geschäft! Sie halten alle ihre Toptalente und geben im Grunde nur Reliever/Spot Starter Justin Masterson ab. Dieser war zwar ein wertvoller Part des Bullpens, aber die Red Sox haben genug andere starke Relief Pitcher. Dafür bekommen sie mit Martinez eine Offensiv-Waffe. Er ist Switch-Hitter, weist einen hohen Schlagdurchschnitt auf und hat Power. Zudem kommt er für drei Positionen infrage: Catcher, First Baseman und Designated Hitter.

Allerdings kreiert diese Flexibilität auch ein paar Probleme. Denn um Martinez ins Lineup zu kriegen, muss ein arrivierter Spieler auf die Bank. Kandidaten dafür sind der Captain und Catcher Jason Varitek, Third Baseman Mike Lowell, Kevin Youkilis, der auf beiden Ecken im Infield spielen kann sowie David Ortiz, der DH. Irgendwer von diesen großen Namen wird also nun täglich auf der Bank Platz nehmen. Und sowas bietet in jeder Sportart Konfliktpotenzial.

Warum man aber Adam LaRoche gegen Casey Kotchman getauscht hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Außer dem Umstand, dass LaRoche ca. fünf Mio. $ mehr verdient in diesem Jahr, sind beide Spieler vergleichbar. Und so wird Kotchman wohl nur noch die Rolle als defensives Upgrade für die späten Innings bleiben.

Schlussverkauf in Pittsburgh

Schaut man auf die Pirates, könnte man meinen, die Franchise mache am Jahresende zu. Denn ähnlich sieht es zurzeit bei Hertie aus, wo auch alles halbwegs brauchbare gerade zum halben Preis verhökert wird. Das Schlimme ist aber, dass die Pirates planen, auch in Zukunft am Spielbetrieb teilzunehmen!

Es ist zwar normale Praxis, seine teuren Topleute abzugeben, wenn es in einer Saison nicht läuft. Dafür bekommt man Talente und baut für die Zukunft neu auf. Doch was die Pirates machen, geht deutlich darüber hinaus! Sie lassen diesen Zukunftsansatz irgendwie unter den Tisch fallen. Im letzten Jahr gab man schon Jason Bay, Xavier Nady und Damaso Marte ab. Nun gingen u. a. Tom Gorzelanny, Jason Grabow sowie beide Middle Infielder, also Freddy Sanchez und Jack Wilson. First Baseman Adam LaRoche ist auch weg und keiner weiß, wo dieser Weg hinführen soll. Irgendwann muss mal Schluss sein, doch ein Ende dieser Praktik scheint nicht in Sicht. Es ist eher eine Frage der Zeit, bis die nun erhaltene Generation an Spielern wieder abgegeben und gegen noch jüngere Spieler eingetauscht wird. Als Pirates-Fan wäre mir der Spaß an dieser Organisation schon lange vergangenen, ganz ehrlich!

Indians unter Wert verkauft

Die Indians trennten sich in der vergangenen Woche von ihrem Cy-Young-Gewinner Cliff Lee und ihrem All-Star-Catcher Victor Martinez. Zwei Spieler, die sie mittels recht günstiger Vertragsoptionen noch bis Ende 2010 unter Kontrolle hätten haben können. Sie entschieden sich aber jetzt für Trades. Betrachtet man die Vergangenheit, so muss man General Manager Mark Shapiro recht geben, denn das Beispiel Johan Santana hat gezeigt, dass zu langes Warten zu Wertverfall führen kann. Doch der Gegenwert der Spieler, die sie abgaben, beeindruckt eigentlich niemanden so richtig.

Verglichen mit dem, was die Blue Jays für Roy Halladay gefordert hatten, kamen die Phillies und Red Sox sehr günstig weg. Die Phillies bekamen Lee und Outfielder Ben Francisco, ohne dafür ihre Toptalente Pitcher Kyle Drabek und Outfielder Dominic Brown sowie Rookie-Pitcher J.A. Happ abzugeben. Halladay hätten sie so nicht bekommen. Und wie die Red Sox Martinez kriegen konnten, ohne dafür wenigstens Clay Buchholz, Daniel Bard oder Michael Bowden abzugeben, erschließt sich mir auch nach dem Wochenende noch nicht.

Neuaufbau schön und gut, sich dabei aber über den Tisch ziehen zu lassen, spricht nicht für Shapiro. Er hatte hier Premium-Talent und verscherbelte es im Grunde für die zweite Garde aus zwei Minor-League-Systemen...

Blue Jays

Ich habe in den letzten beiden Wochen getippt, dass Roy Halladay nach Philadelphia geht. Doch denen war der Preis zu hoch und wie beschrieben, haben sie einen ähnlich guten Pitcher für deutlich weniger bekommen. Und genau dieses Geschäft hat den Markt für Halladay komplett zerstört. J.P. Ricciardi hätte nie damit gerechnet, dass die Indians Lee für so viel weniger abgegeben hätten als er für sein Ace verlangt hatte. Doch genau so kam es und damit war eigentlich klar, dass Ricciardi Halladay nicht traden würde.

Man muss ihn verstehen, er hat den wohl besten Pitcher im Baseball und wenn er diesen schon eineinhalb Jahre vor Vertragsende ziehen ließe, dann doch bitte für eine fürstliche Entschädigung. Auf der anderen Seite ist aber auch die Reaktion der Konkurrenz verständlich. Wenn man sieht, für welchen Preis man den aktuellen Cy-Young-Gewinner der American League bekommen konnte, dann wird man nicht so viel mehr für den designierten diesjährigen Gewinner dieses Awards ausgeben wollen.

Auf der anderen Seite kann aber Ricciardi nun auch nicht erwarten, im Winter annähernd das zu bekommen, was er nun verlangt hat. Denn im Winter wird Halladay nur noch ein Jahr Vertrag haben und anschließend möchte er dem Vernehmen nach den Free-Agent-Markt testen. All das schreit nicht gerade nach großem Andrang seitens der Konkurrenz...

Überrascht war ich dann aber vom Abgang von Scott Rolen. Ricciardi hatte doch klar gesagt, dass er nur dann seine anderen Topleute verkaufen würde, wenn Halladay ginge. Dieser bleibt aber, wieso gibt er also Rolen ab? Dieser ist derzeit einer der besten Hitter der AL und könnte im nächsten Jahr mit Halladay und den anderen Topleuten beim vielleicht letzten großen Angriff in der AL East für die Jays in den nächsten Jahren gut mithelfen. Wieso also dieser Schlingerkurs? Will er nun im nächsten Jahr besagten Angriff starten - sollten die jungen Pitcher gesund bleiben, wäre dies zumindest im Bereich des Möglichen - oder will er einen Neuaufbau vorantreiben? Bisher ist dies nicht ersichtlich. Hoffentlich verzettelt sich der GM nicht bei diesem Schlingerkurs.

Kommentare
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Basti
(Administrator) 04-08-2009 14:20
@Peavy: Ich hielt es zeurst für einen schlechten Scherz. Vor 2 Monaten hat er ja noch abgelehnt
und nun auf einmal stimmt er einem nicht sonderlich anderem Deal zu. Der Trade kam irgendwie total
aus dem Nichts. Ein kleiner Gamble von Seiten des aggressiven White Sox Managments.
Die Padres stehen natürlich nun wiederum vor einem kompletten Neuanfang. Vor paar Jahren erst das
neue Stadion gebaut und viele Hoffnungen hatte man...nun ist man wohl erstmal die nächsten Jahr das
zweitschlechteste Team der Liga. Auch irgendwie traurig, wie sich die Dinge in ein paar Jahren in
San Diego so ins Negative verändert haben.

@Red Sox: Der Trade für V-Mart verlief eigentlich perfekt....bis auf die Tatsac...
 
Erich
(Publisher) 04-08-2009 18:41
Die Philiies waren wohl bereit zwei der drei Top-Talente für Halladay abzugeben, deswegen ist es für
mich auch unverständlich, dass die Indians einen der besten Pitcher der AL so günstig hergegeben
haben.
Mindestes Drabek oder Happ hätte im paket sein müssen.

Und die Blue Jays, klar inkonsequent. Die könnten nächstes Jahr incl. Halladay eine Super-Rotation
hinstellen und mit der bestmöglichen Offensive wäre dann vielleicht sogar was drin
 
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Willitouch
(Registered) 05-08-2009 11:14
Wenn man sieht, für was Lee weggegangen ist, dann kann man schon enttäuscht sein von Teams wie den
Brewers. Die dümpeln inzwischen zusammen mit den Astros 5 Spiele hinter den Cubs und Cards und haben
in den letzten 6 Wochen auf Grund der schwachen Rotation nur einmal zwei Spiele in Folge gewinnen
können! Die Offensive produziert regelmäßig ausreichend Runs, um das Spiel mit einem Quality Start
gewinnen zu können (gestern 5:17 gegen die Dodgers).

Der Preis für Halladay wäre extrem hoch gewesen und die Entscheidung gegen ihn auf jeden Fall
nachvollziehbar. Aber dass man es nicht geschafft hat, sich in die Gespräche um Lee, Washburn und
Peavy einzuschalten, könnte den Play-Off-Platz gekostet haben (d...
 
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Marcus
(Administrator) 05-08-2009 15:09
Peavy ist immer noch verletzt und Washburn sah zumindest in seiner Tigers-Premiere nicht gut aus...

Was Lee angeht, so wurde wie schon gesagt, unter Wert verkauft...
 
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Marcus Blumberg

 
blumberg2 Marcus Blumberg ist 25 Jahre alt und mit der Leitung der Redaktion bei Baseballinsider.de beauftragt. Des Weiteren bloggt er, aktualisiert das TV-Programm und führt die wöchentliche Kolumne This Week in Baseball.
Neben dem Germanistik- und Philosophie-Studium in Göttingen arbeitet der Yankees-Fan als stellvertrender Chefredakteur für AmericanFootballinsider.de und ist dort für den Inhalt verantwortlich.