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TWIBB - This Week in Braves Baseball (1-11)
Die MLB-Saison 2011 ist noch jung, erst neun von 162 Partien sind absolviert. Und doch lässt sich bereits jetzt eine erste Tendenz erkennen, wohin die Reise der Atlanta Braves in diesem Jahr gehen könnte. Werfen wir also einen Blick zurück auf die erste (verlängerte) Woche in der Saison 2011 aus Sicht der Mannschaft von Fredi Gonzalez.
Die Division
Sehen wir uns zunächst die aktuelle Tabelle der NL East an:
Platz Team Siege Niederlagen Streak
1 Philadelphia 6 2 6-2
2 Florida 5 3 5-3
3 NY Mets 4 4 4-4
4 Atlanta 4 5 4-5
5 Washington 3 5 3-5
Natürlich sagt diese Tabelle noch nicht viel aus, gerade einmal drei Siege trennen den Ersten vom Letzten. Aber dennoch: Der Favorit aus Philadelphia steht bereits an der Spitze. Nach einem knappen Sieg im Auftaktspiel gegen die Houston Astros (5:4 mit drei Runs im 9. Inning) dominierten die Phillies diese Serie klar (3:0), und auch im folgenden Vergleich mit den Mets behielten sie die Oberhand (2:1). Vor dem letzten Spiel der Dreierserie gegen die Braves - gleichzeitig die ersten Auswärtsspiele für den World-Series-Sieger von 2008 - steht es 1:1. Viel besser hätte der Auftakt für die Jungs von Charlie Manuel nicht laufen können. 56 Runs sind zudem Spitze in der National League (in der American League kommen nur die White Sox aus Chicago auf denselben Wert). Das Fehlen von Chase Utley hat sich also bisher nicht negativ bemerkbar gemacht. Einziger Wermutstropfen könnte vielleicht sein, dass Cliff Lee und Cole Hamels bisher nicht wirklich überzeugt haben. Es bleibt abzuwarten, wann die beiden ihren Rhythmus finden werden.
Die Marlins halten sich mit einer Bilanz von 5:3 bisher wacker. Gut, auch sie durften bereits zweimal gegen die Astros spielen (2:0), die in dieser Saison Kanonenfutter zu sein scheinen (bisherige Bilanz: 1:7), aber in ihren Serien gegen die Nationals (2:1) und gegen die Mets (1:2) haben sie gezeigt, dass sie mithalten können. Hanley Ramirez scheint den Zusammenprall mit Bill Hall an der zweiten Base vom Freitag ganz gut überstanden zu haben, auch wenn es zunächst schlimm aussah. Die Marlins können also darauf rechnen, dass ihnen ihr bester Feldspieler kurzfristig wieder zur Verfügung stehen wird.
Die Mets haben schon sechsmal auswärts gespielt, darunter dreimal gegen die starken Phillies (1:2), und dennoch halten sie eine ausgeglichene Bilanz. Bedenkt man ihre Probleme vor der Saison auf dem Feld und abseits davon, können sie mit diesem Zwischenstand sehr zufrieden sein. Allerdings zeigen sich die Probleme beim Pitching schon recht deutlich: Nur die Kellerkinder aus Houston (56) haben in der National League mehr Runs zugelassen als die Mets (44).
Washington hat bisher beide Serien verloren, jeweils 1:2 gegen die Braves und Marlins. In der dritten Serie gegen die Mets steht es 1:1. Auch hier kann man von einem zu erwartenden Auftakt sprechen: Man ist vielleicht nicht ganz so schlecht wie im letzten Jahr, aber dennoch nicht ganz so gut wie der Rest der Division. Nicht gebrauchen könnten die Nationals eine längere Verletzungspause von Neueinkauf Adam LaRoche, der Schulterprobleme hat.
Die Braves
Atlanta spielt bisher so, wie es die großen Teams in den 90er Jahren um Maddux, Smoltz und Glavine getan haben: Viel Pitching, wenig Hitting. Nur einen Unterschied gibt es - in den 90ern gewannen die Braves meistens knapp, in der Saison 2011 haben sie bisher mehr verloren als gewonnen.
Team Hitting
Schon der Saisonauftakt gegen die Nationals war ein typisches Braves-Spiel: Starter Derek Lowe ließ nur drei Hits in 5 2/3 Innings zu, und die Reliever O'Flaherty, Moylan, Venters und Kimbrel brachten den Shutout relativ locker nach Hause. Dass es dennoch ein knappes Spiel war (am Ende stand es nur 2:0) lag daran, dass die Braves sich am Schlag nicht mit Ruhm bekleckerten - ganze 5 Hits standen am Ende des Tages zu Buche. Immerhin: Jason Heyward erzielte - fast schon traditionell - mit seinem ersten At-Bat wieder einen Homerun. Die folgenden beiden Begegnungen verliefen relativ einseitig zugunsten eines Teams, wobei die Nationals (6:3) das zweite und die Braves (11:2) das dritte Spiel gewannen. Jenes 11:2 markiert gleichzeitig die bisher einzige Begegnung der Saison, in der die Braves mehr als sechs Runs erzielten. Ihre Bilanz am Schlag lautet nach neun Spielen: 2, 3, 11, 2, 0, 4, 2, 6 und 2 Runs. Dass man damit immerhin vier Partien gewonnen hat, ist schon bemerkenswert. Der Schlagdurchschnitt des Teams beträgt nur .236, damit wird man keinen Blumentopf gewinnen können. Natürlich ist es noch früh, und im letzten Jahr zogen die Braves bekanntlich in die Playoffs ein, obwohl sie auch nicht gerade einen erfolgreichen April hatten (Bilanz: 9:14), aber am Schlag muss sich noch einiges tun, wenn man mit den Phillies mithalten will. 32 Runs bedeuten Platz 11 unter 16 Teams der National League.
Team Pitching
Wie erwartet lag hier bisher die große Stärke der Braves. Mit einer Ausnahme (Tommy Hanson in Spiel 2 gegen die Nationals - 4 Runs in 3 2/3 Innings - haben die Starter in jedem Spiel mehr als überzeugt. Selbst bei der jüngsten 2:10-Niederlage gegen die Phillies hatte Starter Brandon Beachy einen guten Abend, als er im 7. Inning ausgewechselt wurde, hatte er lediglich 3 Runs gegen einen guten Gegner abgegeben, also einen „Quality Start“ hingelegt, und seine Mannschaft lag nur mit 2:3 zurück, befand sich also in Schlagdistanz. Allerdings hatten die Reliever Sherril, Linebring und Martinez kollektiv keinen guten Tag. Warum Manager Fredi Gonzalez bei diesem knappen Spielstand die „zweite Garde“ einsetzte und nicht auf seine Stammkräfte für die mittleren Innings wie O’Flaherty, Moylan oder Venters vertraute, wird sein Geheimnis bleiben. Ansonsten ließ sich der Bullpen der Braves aber bisher nichts zu Schulden kommen - besonders Jonny Venters und Craig Kimbrel waren bisher „lights out“, wie man auf Deutsch so schön sagt. Kein Team in der Division hat weniger Runs zugelassen als die Braves - auch die hoch gelobten Phillies nicht.
Who’s Hot
- Craig Kimbrel. Wow, der Junge hat Würfe ‚drauf wie kaum ein anderer Pitcher in der ganzen Liga. Er wirft regelmäßig mit 95-97 mph, und wenn man sich seine Würfe auf Video ansieht, scheint der Ball geradezu zu explodieren, bevor er beim Schlagmann ankommt. Klassisch war das Strikeout gegen Milwaukees Yuniesky Betancourt in Spiel 4, bei dem Betancourt auf einen Pitch schwang (und ihn natürlich um einen Meter verfehlte), der um Zentimeter an seiner Nase vorbei strich. Auch der Slider zum letzten Aus gegen die Phillies im Heimauftakt der Braves schlicht „nasty“, wie der Engländer sagt. Zehn Fastballs mit 95 mph hintereinander, und dann kommt da plötzlich ein Slider am Rand der Strikezone, der zu allem Überfluss auch noch scharf nach unten wegbricht - kein Wunder, dass Schlagmann Pete Orr sich das in Ruhe angesehen hat - Strikeout looking, game over!Kimbrel hat in seiner Karriere jetzt 46 Strikeouts bei 23 2/3 Innings zu Buche stehen, also recht genau zwei Strikeouts pro Inning - eine irre Bilanz. Dass er dabei nur einen einzigen Run abgegeben hat, führt zu einem Karriere-ERA von 0.38. Dazu muss man wohl nichts mehr sagen. Möge er gesund bleiben!
- Jonny Venters. Auch Venters spielt bisher eine unglaubliche Saison. Zwar hat er schon einen (bedeutungslosen) Run abgegeben, aber wenn er im 8. Inning ‚reinkommt, kann man in Ruhe zum Kühlschrank gehen. Absolute Weltklasse, wie er gegen Milwaukee in Spiel 4 beim Stand von 2:1 gegen Price Fielder mit einem Double Play das Feuer austrat, dass sein Vorgänger Peter Moylan angezündet hatte. Fast geht er neben Kimbrel ein wenig unter, aber ich kann mir gegenwärtig keine bessere 1-2-Kombo für die Innings acht und neun vorstellen als Jonny und Craig.
- Tim Hudson. Wenn seine ersten beiden Starts (2-0, 14.2 IP, 1.84 ERA) den Saisonverlauf indizieren, dann haben die Braves ein echtes Ass in ihren Reihen. Klar, Roy Halladay (1-0, 13 IP, 0.69 ERA) ist wahrscheinlich der beste Pitcher in der NL East, wenn nicht im gesamten Baseball, aber Huddy ist immer für einen Sieg gut, und jedes Team braucht so einen Leader. Derek Lowe (1-1, 11.2 IP, 0.77 ERA) war mit Sicherheit nicht schlechter.
- Chipper Jones. Zuerst das Wichtigste: Das Knie hält (bis jetzt)! Ohne Chipper in Bestform sind die Braves eine Klasse schlechter, und bis jetzt sieht es super aus. Im Spring Training langsam aufgebaut, spielt der mittlerweile 38jährige Jones beschwerdefrei. Ein Schlagdurchschnitt von .333 mit vier Doubles und sechs RBI ist wirklich gut für einen Spieler, den im letzten August alle schon abgeschrieben hatten.
- Jason Heyward. Am Supertalent der Braves zeigt sich, wie irreführend der Blick auf den Batting Average ist, besonders nach nur neun Spielen. Ein Schlagdurchschnitt von .259 ist wirklich nichts Besonderes, aber die OBP von .429 ist schon überragend (Chipper: .371), und zwei Home Runs, ein Double und ein Triple zeigen, dass Heyward der Cleanup Hitter der Zukunft für die Braves ist.
- Brian McCann. Auch aus McCanns Statistik kann man etwas lernen, nämlich wie unwichtig die Leistungen im Spring Training sind. Dort hatte der Catcher der Braves alles andere als einen guten Monat, aber seine Werte in der ersten Saisonwoche (.406 BA, .441 OBP) sind die besten des ganzen Teams. Nur die Power fehlt nur etwas, alle 13 Hits waren Singles.
Who’s Not
- George Sherrill. Die Braves hatten ihn als Linkshänder verpflichtet, um gegen Linkshänder eingesetzt zu werden. Kleines Problem: Nicht einmal gegen die bekommt er noch ein Bein an die Erde. In keinem seiner vier Einsätze hat er seinem Team genutzt, in zweien sogar sehr geschadet. Ein ERA von 10.80 ist immerhin mehr als vier Runs höher als der des zweitschlechtesten Relievers (zugegeben, ERA spielt für einen Reliever keine große Rolle, schon gar nicht nach einer Woche, aber immerhin).
- Zweitschlechtester Reliever - damit sind wir direkt bei Scott Linebrink angekommen. Auch Scotty hatte keinen guten Saisonauftakt. Sein Fastball scheint mir sehr schlagbar zu sein (sechs Hits in vier Innings, darunter ein Home Run), zudem hat er keine besonders gute Kontrolle. Man fragt sich, was die Braves mit diesem Spieler wollten. Gut, das hat man sich bei Scott Proctor und George Sherrill auch gefragt - wahrscheinlich wollte man den jungen Kimbrel und Venters einige erfahrene Pitcher an die Hand geben, aber wenn die keine Leistung bringen, nützt es auch nichts, dass sie schon einige Jahre dabei sind.
Eigentlich müsste ich an dieser Stelle auch Dan Uggla und Freddie Freeman nennen, die beide einen Schlagdurchschnitt von unter .200 aufweisen. Aber dennoch haben sie es nicht verdient, in dieser Rubrik zu erscheinen: Uggla hat nämlich schon zwei Home Runs geschlagen, und einer davon brachte den entscheidenden Punkt zum 2:1-Sieg in Spiel 4 gegen Milwaukee. Und Freeman spielt hervorragende Defense an der 1B. Das ist für einen First Baseman der Atlanta Braves eine echte Besonderheit, und es ist sehr wohltuend zu wissen, dass da einer steht, der Dir jeden irgendwie erreichbaren Ball aus dem Dreck pflückt. Seine Reichweite ist bei 1,95m Körpergröße natürlich auch nicht zu unterschätzen.
Fazit
Angesichts des schweren Auftaktprogramms im April dürften die Braves froh sein, wenn sie den Monat mit einer Spielbilanz von knapp über .500 abschließen und der Rückstand auf die Phillies nicht schon zu groß geworden ist. Das ist nach wie vor ein realistisches Ziel, das allerdings nur erreicht werden kann, wenn man sich in der Offensive verbessert.
Nächsten Sonntag wissen wir mehr.
klar, wenn die grad mal in Schwung kommen...
(22-05-2012 15:26)Joey Hollow
Irgendwann sollten die Reds auch sehen, daß sie zumindest einmal ausprobieren, ob Chapman das Zeu...
(22-05-2012 11:27)Rene
Ohje wie lächerlich Sean Marshall den Closerjob wegzunehmen...ein Blown Save und ein BABIP von.500
(22-05-2012 10:36)Basti
Vielleicht sollte man eine Amnestie einführen: Wenn man so schnell fährt, wie man werfen kann, is...
(22-05-2012 09:05)Willitouch
Lawrie ging halt gegen den Schiedsrichter - und der ist nunmal absolut tabu. Das ist nicht nur im...
(22-05-2012 09:03)Willitouch