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TWIBB - This Week in Braves Baseball (5-11)

 
Autor: Frank Schildheuer Sonntag, 08. Mai 2011
 

braves_smallDie National League East ist wieder etwas näher zusammen gerückt. Die drei Kellerkinder aus Atlanta (6:1), Washington (4:3) und New York (4:2) beendeten die erste Maiwoche allesamt mit einer positiven Bilanz, während der Überraschungszweite aus Florida zuletzt ein wenig schwächelte (3:4). Nur den Klassenprimus aus Philadelphia interessiert das Geschehen hinter ihm wenig, die Phillies siegen und siegen (4:2), wodurch sie zusammen mit den Cleveland Indians mittlerweile die beste Bilanz in der Major League Baseball haben.

Die Division 

Platz  Team           Siege   Niederlagen   Streak
1      Philadelphia   22       10           7-3
2      Florida        19       13           4-6
3      Atlanta        19       16           7-3
4      Washington     12       14           6-4
5      NY Mets        11       16           5-5 


Wie man sieht, haben sich die Ränge im Vergleich zur Vorwoche nicht verschoben. Besonders beeindruckend ist, mit welcher Selbstverständlichkeit die Phillies vorneweg marschieren. Da haben sie mit Chase Utley und nun auch noch Roy Oswalt zwei Schlüsselspieler auf der DL, und trotzdem beenden sie auch die fünfte Woche der Saison mit einer positiven Bilanz. Wenn man sich die erzielten Runs ihrer Gegner ansieht (2, 1, 4, 3, 5, 0), dann muss man sich noch wundern, dass sie überhaupt zwei Spiele verloren haben.

So langsam sieht man die absolute Dominanz der Phillies beim Pitching auch in der Statistik: Ihre 103 "Runs Allowed" sind absolute Spitze in der MLB. Zum Vergleich: Im letzten Jahr hatten die Phillies zum selben Zeitpunkt immerhin 117 Runs abgegeben - auch sehr gut, aber damals waren noch sechs Teams besser. 

Da können die Marlins nicht mehr ganz mithalten. Selbst Josh Johnson schwächelte am Donnerstag gegen die Cardinals (L, 7.1 IP, 8 H, 5 ER, 4 BB, 7 K). Sein ERA verdoppelte sich fast von 0.88 auf 1.68. Dennoch werden die Marlins mit der Auswärtsserie gegen die Cardinals nicht unzufrieden gewesen sein, ein Split von 2:2 aus vier Spielen beim unangefochtenen Spitzenreiter der NL Central ist aller Ehren wert. Weniger glücklich sind sie mit Sicherheit über die folgenden beiden Heimniederlagen gegen die Nationals (2:3, 2:5).
 
Überragend ist aber nach wie vor ihre Bilanz in knappen Spielen (8:4 Siege mit einem Run), nur San Francisco ist hier noch besser (9:3). Schon in der letzten Woche wies ich darauf hin, dass es den Marlins irgendwie gelingt, immer gerade gut genug zu sein um zu gewinnen. Dieser Trend hat sich nun zwar etwas verlangsamt, eine Wochenbilanz von 3:4 ist aber alles andere als der Anfang vom Ende.
 
Die Nationals hatten eine unglaubliche Woche: Zwei Siege gegen den Titelverteidiger San Francisco, danach wurden sie von den Phillies mit 0:3 weggefegt, und anschließend gewannen sie wieder zwei Spiele bei den Marlins. Gegen diese Konkurrenz eine Wochenbilanz von 4:3 zu erzielen, ist mehr als beachtlich. Zu verdanken haben sie diesen Erfolg ihren Pitchern, die in den vier Siegen nur 2, 0, 2 und 2 Runs zuließen. Das sind sechs Runs in 36 Innings! (Hier zeigt sich übrigens einmal mehr die Klasse der Phillies, die gegen eben jene Nationals bei ihren drei Siegen nicht weniger als 18 Runs in 27 Innings erzielten).
 
Bester unter den Guten war Tom Gorzelanny, der beim Shutout gegen die Giants am Dienstag in 8 Innings nur 3 Hits zuließ und am Samstag gegen die Marlins sieben Innings mit 2 ER nachlegte. Wirklich eine gute Woche für ihn. 
 
Am Schlag sind die Nationals hingegen noch immer grottenschlecht: Vorletzte der NL beim AVG (.227), Drittletzte bei Home Runs (24), Doubles (45) und SLG (.348), Letzte gar in der OBP (.298). Auf die Dauer wird das nichts!

Und was machen die Mets? Nun, nach schwachem Saisonstart haben sie sich mittlerweile ganz gut erholt. Auch die Jungs aus der Hauptstadt hatten mit den Phillies, Giants und Dodgers nicht eben gegen Laufkundschaft zu spielen, und zumindest die Dodgers haben sie bisher klar beherrscht (6:3, 4:2). Grund für die Erfolge zuletzt war auch bei den Mets das Pitching: 1, 7, 2, 2, 3 und 2 Runs in sechs Spielen oder 54 Innings ergeben einen Wochen-ERA von 2.73. Nicht schlecht für ein Team auf Platz 5.  
 
Am Schlag macht sich vor allem bemerkbar, dass Jose Reyes wieder richtig fit ist: ein .329 AVG und eine .378 OBP sind sehr gute Werte für einen Leadoff Hitter. 
 
Die Braves
Als ich meine letzte Kolumne schrieb, hatten die Braves gerade den Monat April mit einer Bilanz von 13:15 Siegen und einer katastrophalen Schlagbilanz abgeschlossen (und lagen im laufenden Spiel gegen die Cardinals bereits im 2. Inning wieder mit 0:3 zurück). Ein 13:16 zum Beginn des Monats Mai schien also mehr als wahrscheinlich. Aber dann geschah das Unglaubliche: Nicht nur wurde jenes Spiel gegen die Cards noch gedreht (6:5), nein, die Braves rafften sich zu einer Siegesserie von sechs Spielen auf, bevor sie am Samstag in Philadelphia ihr erstes Spiel im Monat Mai verloren (0:3). Jene Niederlage war übrigens der erste Auftritt von Supertalent Julio Teheran in den Major Leagues. Mit 4.2 IP, L, 3 ER und nur einem Strikeout legte er zwar ein sehr durchwachsenes Debut hin, doch was heißt das schon? (Kleiner Vergleich gefällig: Tom Glavine 3.2 IP, 10 H, 6 ER, 5 BB, 1 K, 14.73 ERA).
 
Aber das Unglaubliche am Unglaublichen war, dass die Braves nicht nur ihr ohnehin hervorragendes Pitching noch einmal verbesserten, nein, auch am Schlag erwachten sie plötzlich zum Leben! 35 Runs erzielten sie in 7 Spielen, also genau 5 im Schnitt. Wenn man gleichzeitig nur 14 Runs abgibt, gewinnt man eben so gut wie alles!

Team Hitting
Ist das die Wende? Die Braves haben sich in nur einer Woche in so gut wie allen Schlagkategorien deutlich verbessert. Zwar belegen sie in vielen Bereichen noch immer hintere Plätze, aber der Trend zeigt klar nach oben, wie folgende Tabelle verdeutlicht (in Klammern der Rang in der NL unter 16 Teams):

Stat  30.04.2011   07.05.2011
AVG   .231 (13)    .240 (11)
OBP   .302 (15)    .308 (13)
SLG   .377 (13)    .384 (8)
OPS   .679 (13)    .692 (12)
TB     344 (10)     452 (4)
HR      28  (4)      34 (3)


Was man sieht: Die Braves nähern sich am Schlag langsam aber sicher dem Durchschnitt. Und das mit Riesenschritten, denn trotz des 0:3 gegen die Phillies am Samstag war ihr Schlagdurchschnitt in der letzten Woche (.286) der beste der gesamten NL.
 
Team Pitching
Und Durchschnitt am Schlag für den Rest der Saison würde bedeuten, dass die Braves ab sofort extrem erfolgreich spielen würden, denn ihr Pitching ist überragend - sogar noch etwas besser als das der Phillies. Nachstehend die Pitching-Statistiken der MLB (also von 30 Teams), Stand 7.5.2011:

Stat  Braves  Rang  MLB    NL
ERA   2.87    1.    3.83   3.80
SHO   6       1.    2      2
IP    316.2   1.    296    296
BB    90      2.    108    109
QS    23      2.    18.5   18
K     272     3.    233    243

Besser geht es nicht. 

Who's hot
- Tim Hudson. Sein komplettes Spiel gegen die Milwaukee Brewers war so dominant, wie ein Starting Pitcher nur sein kann (9.0 IP, 1 H, 0 R, 1 BB, 6 K). Schade für Tim, dass angesichts der No-Hitter von Liriano und Verlander kaum jemand von seinem 1-Hitter Notiz nahm. Derek Lowe muss ich an dieser Stelle natürlich auch erwähnen, der in Philadelphia - dem vielleicht heißesten Pflaster der gesamten NL - einen No-Hitter im 7. Inning verlor und am Ende immerhin ein "W" für einen 5:0-Sieg gutgeschrieben bekam.
 
- Dieses "W" hat Lowe übrigens vor allem Eric O'Flaherty zu verdanken, der beim Stand von 3:0 in jenem 7. Inning bei keinem Aus und Läufern auf den Bases 2 und 3 ins Spiel kam. Natürlich kamen passend die besten Schlagmänner der Phillies an die Platte. Und so wäre man aus Sicht der Braves schon froh gewesen, wenn am Ende des Innings noch eine knappe 3:2-Führung gestanden hätte. Doch 15 Pitches und drei Strikeouts später stand es noch immer 3:0. Besser als Eric O'Flaherty in diesem Inning kann man unter Druck einfach nicht pitchen. Eigentlich gilt das für seine ganze Woche (4.1 IP, 8K, 0 BB, 0 R). 
 
- Eine bessere Woche als Eric O'Flaherty kann ein Reliever eigentlich gar nicht haben. Aber Jonny Venters stand ihm in nichts nach: 3 IP, 5K, 0 R, 0 BB. Venters' ERA steht jetzt bei 0.51, er hat im ganzen Jahr einen (!) Runn abgegeben - am 2. Spieltag bei einem 11:2-Sieg.

- Martin Prado. Nach 10 Spielen blieb er gegen die Phillies am Samstag erstmals wieder ohne Hit. In dieser Zeit verbesserte er seinen Schlagdurchschnitt von schwachen .240 auf respektable .268. Zudem gelang ihm beim 2:1 gegen Milwaukee am Mittwoch ein entscheidender Home Run. 
 
- Alex Gonzalez. Auch er hatte keine schlechte Woche am Schlag, aber ich erwähne ihn an dieser Stelle einmal, weil er schon die ganze Saison hindurch überragende Defense spielt. Und damit meine ich nicht nur Highlight Plays, wie sie jedem Spieler irgendwann einmal gelingen, sondern die Selbstverständlichkeit, mit der er Bälle erreicht und kontrolliert zur 1B wirft, nach der sich andere Shortstops nicht einmal gestreckt hätten. 
 
Who's not
- Jason Heyward. Heyward hat offensichtlich das Ziel, in jeder TWIBB-Folge als "Hot" oder "Not" aufzutauchen. Diesmal hat er es wieder geschafft, nur leider auf der dunklen Seite der Macht. Völlig gegen den Trend hat er in der letzten Woche total abgebaut. Zwei mickrige Hits gelangen ihm in 22 AB. Unter seinen 20 Outs waren zudem 9 Strikeouts. Man fragt sich, ob er wieder verletzt ist oder was eigentlich nicht stimmt. Ein AVG von .231 ist jedenfalls nicht gut genug (auch wenn die etwas wichtigeren Stats wie .785 OPS und .455 SLG besser aussehen). Bei seinem Talent muss da einfach mehr kommen.

- Freddie Freeman. Auch "Franchise Freddie" hatte keine gute Woche. Zwar gab er am Schlag ein nicht ganz so schwaches Bild ab wie Heyward (4 Hits in 16 AB, alle Singles), aber sein AVG von .222 ist auch inakzeptabel für einen First Baseman. Wäre schön, wenn er seiner hervorragenden Defense zeitnah auch etwas Offense hinzufügen würde. 
 
Fazit
Letzte Woche schrieb ich, dass die Braves schnell den Turnaround am Schlag schaffen müssen, wenn sie in diesem Jahr noch etwas reißen wollen. Kaum standen diese Zeilen, taten sie eben dies in beeindruckender Weise, wobei sie gleichzeitig ihr exzellentes Pitching noch weiter verbesserten (böse Zungen sagen: nicht trotz, sondern wegen der Sperre von Pitching Coach Roger McDowell). Es bleibt abzuwarten, ob diese 6:1-Woche der Auftakt zu einer glänzenden Restsaison ist oder ein Strohfeuer bleibt. Die kommenden Gegner heißen 3x Nationals und 3x Phillies. Ein 4:2 aus diesen Spielen würde ich sofort mitnehmen, wenn man es mir heute anböte. Ehrlich gesagt auch ein 3:3.
 
Nächsten Sonntag wissen wir mehr.

Kommentare
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JFBraves
(Registered) 09-05-2011 17:07
2 Spiele bei den Phillies geklaut, das ist schon aller Ehren wert. Freddie Freeman muss Deine Zeilen
gelesen haben, denn am Abend machte er dann Nägel mit Köpfen. Heyward ist mir schon ein Rätsel, aber
wenn er diese Woche wieder trifft und die Braves ihre letzte Woche annähernd wiederholen können,
soll´s mir recht sein.

Wichtig waren die 2 Siege bei den Phillies, für´s Selbstvertrauen allemal. Julio Teheran
ausgerechnet gegen die Phillies debütieren zu lassen, ich weiss nicht, ob das dem Jungen gutgetan
hat. Sehen wir mal seinen nächsten Start entgegen, aber bloß nicht wieder gegen die Phillies!
 
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Basti
(Administrator) 10-05-2011 09:25
Das Pitching der Braves ist sogar (noch) besser als das der Phillies aktuell! Hätte man vorher wohl
eher nicht so gedacht - mal abwarten ob das ne Momentaufnahme ist, oder ob sie sich weiterhin so
stark präsentieren...
 
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