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TWIBB - This Week in Braves Baseball (4-11)

 
Autor: Frank Schildheuer Sonntag, 01. Mai 2011
 

braves_small

Nachdem nun ein Monat der Saison 2011 vorüber ist, hat sich die Zweiklassengesellschaft in der NL East weiter verfestigt. Die Philadelphia Phillies und - überraschend - die Florida Marlins stehen bereits mit erheblichem Abstand an der Spitze, während sich die Atlanta Braves, Washington Nationals und New York Mets um Platz 3 bis 5 streiten.

Die Division
 
Platz  Team           Siege   Niederlagen   Streak
1      Philadelphia   18        8           8-2
2      Florida        16        9           7-3
3      Atlanta        13       15           5-5
4      Washington     12       14           3-7
5      NY Mets        11       16           6-4 

Dass die Phillies schon wieder eine Woche mit mehr Siegen als Niederlagen beendet haben (diesmal: 4:2), müsste ich eigentlich gar nicht mehr erwähnen, denn das war bisher in jeder Woche der Saison so. Besondere Erwähnung verdient aber Roy Halladay, dessen Wochenbilanz sich wie folgt liest: 17.2 IP, 2-0, 2 ER, 22 K, 2 BB. Bis auf ein Aus waren das also zwei komplette Spiele, jeweils mit nur einem abgegebenen Run.
Nicht meckern kann man auch über die Produktivität von Ryan Howard, der mit 27 RBI die gesamte MLB anführt. Wenn er so weiter macht, kommt er am Saisonende auf 162 RBI - also einen pro Spiel.

Diese überragende Leistung war aber auch nötig, um die Phillies an der Spitze zu halten, denn von hinten drücken die Marlins mächtig nach. Trotz ihres schweren Programms gegen die Rockies, Dodgers und Reds beendeten sie ihre Woche mit einer stolzen Bilanz von 4:2, wobei ihr Ass Josh Johnson in seiner Leistung der von Halladay kaum nachstand: 14.0 IP, 1 ER, 12 K. Schönheitsfehler: Bei einem ERA von 0.88 (!) nach sechs Spielen lautet die persönliche Bilanz von Johnson "nur" 3-0, und die Marlins haben immerhin zwei seiner Spiele verloren, zuletzt gestern Abend gegen die Reds mit 3:4. 
Noch ein Nachtrag: Letzte Woche schrieb ich, dass man die Marlins ernst nehmen muss, wenn sie Ende April noch immer oben stehen. Also nehme ich sie jetzt ernst. Anders als die Braves, die immer genau gut genug sind um zu verlieren (dazu sogleich), sind die Marlins immer genau gut genug um zu gewinnen. In der ganzen Saison haben sie noch nie zweistellig gepunktet, aber auch noch nie mehr als neun Runs abgegeben (und jene neun Runs auch nur einmal, dazu einmal sieben und zweimal sechs; anders ausgedrückt: in 25 von 29 Spielen haben die Gegner fünf Runs oder weniger erzielt). Durchschnitt am Schlag und gutes Pitching - So gewinnt man eine Menge Spiele!

Die wackeren Nationals kommen langsam aber sicher in den Bereich, in dem viele Prognosen sie vor der Saison angesiedelt hatten. Nur drei Siege gelangen in den letzten zehn Spielen. Ihr Problem liegt überwiegend am Schlag, wo sie mit einem Teamdurchschnitt von .226 nur auf Platz 29 von 30 Teams der MLB liegen (sogar noch einen Platz hinter den Braves).
Allerdings gibt es auch immer wieder Lichtblicke, so zum Beispiel den 3:0-Sieg gegen die San Francisco Giants am Freitag, wo Pitcher Jason Marquis ein Shutout gelang (9.0 IP, 5 H, 0 R, 0 BB, 7 K). Alles in allem deuten die Zeichen darauf hin, dass Washington vielleicht keine gute (d.h. in die Playoffs führende), aber zumindest eine respektable Saison spielen wird.

Die Mets überraschten zu Beginn der Woche mit einer Siegesserie von sechs Spielen. Aus der miserablen 5:13-Bilanz wurde so ein 11:13. Allerdings haben sie sich in den letzten drei Spielen wieder schlafen gelegt und stehen nun bei 11:16. Okay, zwei dieser Niederlagen kamen gegen die Phillies zustande, gegen die man verlieren kann. Aber die Siegesserie gelang auch "nur" gegen Houston, Arizona und Washington, also drei der schlechtesten Teams des letzten Jahres. In den nächsten zehn Spielen heißen die Gegner Philadelphia, San Francisco, Los Angeles und Colorado. Danach sprechen wir uns wieder. 

Die Braves
In der letzten Woche schrieb ich, die gute Nachricht bei den Braves sei, dass es nicht mehr schlechter werden könne. Welch ein Irrtum! Dabei fing alles so gut an: Die Verletzung von Chipper Jones am Knie stellte sich nicht als besonders schlimm heraus. Jedenfalls hat er bisher nur ein Spiel verpasst. Auch gewannen die Braves entgegen meiner Prognose das dritte Spiel gegen die Giants und beendeten damit die Dreierserie gegen die World Champions mit einem "Sweep". Und nachdem sie auch bei den San Diego Padres mit 2:1 Siegen die Oberhand behielten, standen sie mit einer Bilanz von 13:13 Siegen wieder ausgeglichen da - zum ersten Mal seit einer 3:3-Bilanz am 6. Spieltag. Aber dann:

- Unter der Woche kam heraus, dass Pitching Coach Roger McDowell sich in San Francisco mit pöbelnden Fans angelegt und einem Familienvater in Gegenwart dessen minderjähriger Töchter angedroht hatte, ihm mit einem Baseballschläger die Zähne auszuschlagen. Besagter Vater nahm sich eine prominente Anwältin, die eine Pressekonferenz veranstaltete, in der er mit seinen Töchtern auftrat und die Sache so öffentlich machte. Ergebnis: McDowell ist für zwei Wochen vom Dienst suspendiert, muss eine Geldstrafe zahlen und ein Anti-Aggressionstraining absolvieren. Damit ist er noch sehr glimpflich davon gekommen, meine ich. Reaktionen auf Äußerungen von Fans - völlig egal, WAS sie rufen - sind ein No-No in jedem professionellen Sport.
 
- Aber damit nicht genug. Donnerstag Nacht lieferte sich zu allem Überfluss auch noch Pitcher Derek Lowe in seinem Porsche Panamera ein Straßenrennen mit einem anderen Fahrer. Beide wurden von der Polizei angehalten, wobei sich herausstellte, dass Lowe angetrunken war. Nach dem Vorfall mit McDowell konnten die Braves einen weiteren Zwischenfall wie diesen natürlich besonders gut gebrauchen.

- Aber nicht nur abseits des Spielfeldes sorgten die Braves für Negativschlagzeilen. Die ersten beiden Spiele daheim gegen die Cardinals gingen nämlich völlig unnötig verloren. Im ersten Spiel führte man 3:2 im 9. Inning, nur um im 11. Inning mit 3:5 zu unterliegen. Und in Spiel 2 reichte ein 2:0 nach sieben Innings nicht - 2:3 hieß diesmal das Endergebnis. Gewohnt schwache Offensive und ungewohnt schwaches Relief Pitching - so verliert man eine Menge Spiele! Selbstverständlich müssen diese Niederlagen nichts mit den o.g. Vorfällen außerhalb des Feldes zu tun haben, aber geholfen haben diese Ablenkungen sicher nicht. 

Team Hitting
Die ersehnte Wende zum Guten ist nach wie vor nicht zu erkennen. In den meisten Schlagkategorien stehen die Braves weiterhin am Ende der Tabelle: Von 30 Teams in der MLB belegen die Braves beim Batting Average Platz 28 (.229), bei der On Base Percentage Platz 27 (.298). Im Power Ranking sieht es etwas besser weniger schlecht aus, Platz 23 steht hier zu Buche. Nur, was nützen Home Runs, wenn nie ein Spieler auf Base ist? Weniger als mit Spielern auf Base, soviel ist mal klar. Das Laufen haben die Braves übrigens ganz eingestellt, bei den gestohlenen Bases sind sie Letzte (fünf Steals). Gut so, sagen viele Fans, denn diesen fünf Steals stehen neun CS gegenüber!

Team Pitching
Dass die Braves die Woche noch mit einer ausgeglichenen Bilanz von 3:3 über die Bühne brachten, haben sie ausschließlich ihrem Pitching zu verdanken. Genauer: Dem Starting Pitching, denn die Reliever schwächelten erheblich. Ganze acht Runs in 41.0 Innings (!) ließen sie zu, das entspricht einem ERA von 1.76. Besonders tat sich Jair Jurrjens hervor, dem ein komplettes Spiel (9.0 IP, 2 ER, W, 2 BB, 4 K) gegen die Padres gelang.
Weniger gut verlief die Woche für die Reliever, die nicht weniger als drei Spiele nach Führung noch aus der Hand gaben. Typisch für die Braves ist, dass sie auf niedrigem Niveau eine Führung erspielen (2:1, 3:2 oder dergleichen), diese dann kurz vor Schluss abgeben und das Spiel dann knapp in Extra Innings verlieren. So allein in der letzten Woche zweimal geschehen, ein weiteres Mal im 9. Inning. Wie gesagt, wenn zu grottigem Hitting auch noch Fehler beim Pitching kommen, kann man keinen Blumentopf gewinnen. Dass Manager Fredi Gonzalez erneut mit mehreren zweifelhaften Entscheidungen während des Spiels keine Hilfe für sein Team war (um es sehr vorsichtig zu formulieren, mehr dazu sogleich), sei hier nur am Rande erwähnt.

Who's Hot
- Jason Heyward. Hätten alle Schlagmänner ihre Leistung so verbessert wie J-Hey, stünden die Braves glänzend da. Unter der Woche gelangen ihm 10 Hits in 29 AB, darunter zwei Doubles und drei Home Runs. Seinen Batting Average verbesserte er von .225 auf .263, seine SLG von .437 auf ausgezeichnete .525. Ihm hat der Wechsel von Platz 6 auf 2 in der Batting Order offensichtlich sehr gut getan (ein Wechsel, den die Fans schon zu Saisonbeginn gefordert hatten, für den Manager Fredi Gonzalez aber knapp 20 Spiele benötigte).
- Brandon Beachy. Im Spring Training stach Beachy überraschend Mike Minor als 5. Starter aus, und nach kleinen Anlaufschwierigkeiten demonstriert er nun, dass er ein sehr guter Pitcher ist, sicherlich nicht nur eine Nummer 5. Man sieht einfach, dass er "nasty stuff" hat, wie die Amis sagen. Nach 13.0 IP in zwei Starts stehen für ihn unter der Woche nur 4 ER zu Buche (2.77 ERA), wobei er für zwei davon nur zum Teil verantwortlich war, denn die entsprechenden Läufer standen noch auf den Bases 1 und 2, als Jonny Venters für ihn am Samstag gegen die Cardinals eingewechselt wurde. 12 K bei nur einer BB sind außerdem hervorragend.
- Jair Jurrjens. Sein oben erwähntes komplettes Spiel gegen die Padres hätte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können, hatten die Braves doch Tags zuvor in 13 Innings nahezu alle Reliever eingesetzt. 16 Strikeouts und ein ERA von 1.23 nach drei Spielen zeigen, dass Jurrjens offensichtlich wieder völlig fit ist.

Who's not
- Craig Kimbrel. In den ersten Saisonspielen schien es nahezu unmöglich, gegen ihn einen Hit zu erzielen. Nach der letzten Woche stehen für Kimbrel nun bereits zwei Blown Saves und eine Niederlage zu Buche. In seinen beiden letzten Spielen hat Kimbrel jeweils Runs abgegeben, die unmittelbar zu Niederlagen für die Braves führten. Gut, seine fundamentalen Werte (15 K in 11.2 IP bei nur 4 BB) sind noch immer extrem gut, aber in den letzten fünf Spielen gelang ihm insgesamt nur noch ein Strikeout.
- Freddie Freeman. Ganze zwei Hits in 27 At-Bats stehen für ihn unter der Woche zu Buche (beides Doubles). Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Freeman zu viel will. Seine Kameraden bringen am Schlag nichts zustande, und ausgerechnet er als Rookie will die Kohlen mit einem Homerun aus dem Feuer reißen. Dadurch verkrampft er. Sein Batting Average liegt nur noch bei .217, seine OBP bei .314, sein OPS bei .695 - alles unterirdisch für einen First Baseman.
- Cristhian Martínez. Bei seinen letzten drei Einsätzen gab er jeweils Runs ab (4.2 IP, 5 ER, 9.64 ERA), darunter drei Home Runs, von denen zwei unmittelbar zu Niederlagen der Braves führten. Zum Teil war an dieser Misere wiederum Fredi Gonzalez schuld, zum Beispiel am Montag in San Diego, als er Martinez nach zwei guten Innings noch für ein drittes Inning aufs Feld schickte. Vorausgegangen war, dass Martinez an den Schlag musste, nach einem - natürlich - verpatzten Bunt auf der ersten Base stand, und sich dort selbst Aus machte, indem er auf ein Flyout hin nicht wieder auf die Base zurückging, sondern einfach zwischen erster und zweiter Base stehen blieb. Dümmer geht's nimmer. Dass er nach dieser Blamage nicht mehr richtig konzentriert sein konnte, musste doch jedem klar sein. Und schon am Ende seines zweiten Innings pumpte Martinez mächtig, das konnte man sehen. Er hatte neben nachlassenden Kräften offensichtlich auch seine Nerven nicht im Griff. Nur Gonzalez kümmterte dies nicht - er wartete in aller Seelenruhe ab, bis Martinez im 13. Inning nach einem Lineout (das schon ein Double hätte sein und allerspätestens zu seiner Auswechslung führen müssen) noch einen Walk und einen Home Run abgab. Game over, 3:5 verloren. Aber neben dem krassen Versagen des Managers bleiben eben auch die 3 HR in 3 Spielen und der Fauxpas auf den Bases stehen.

Dass in dieser Rubrik nicht noch ein halbes Dutzend weitere Spieler auftauchen, liegt nur daran, dass die "üblichen Verdächtigen" sich in der letzten Woche nicht besonders negativ hervorgetan haben, sondern konstant auf ihrem niedrigen Niveau verharrten (Uggla, Gonzalez, Prado, Linebrink.).

Fazit
Die Braves beenden den Monat April 2011 mit einer Bilanz von 13:15 Siegen und bereits sechs Spielen Rückstand auf die Phillies. Während ich diese Zeilen tippe, steht es im ersten Spiel des Monats Mai gegen St. Louis auch schon wieder 0:3. Wenn sich am Schlag nicht rasch Besserung einstellt, wird dies ein verlorenes Jahr für die Braves. Immerhin, zwei Hoffnungsschimmer gibt es: Letztes Jahr lautete die Aprilbilanz sogar 9:14, und dennoch erreichte man die Playoffs, und Freeman und Uggla sind als schwache Starter bekannt. Mögen sie sich zusammenreißen. Schnell.

Nächsten Sonntag wissen wir mehr.

Kommentare
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Basti
(Administrator) 02-05-2011 23:19
Hab ich doch gleich gesagt, dass Heyward weiter oben schlagen muss...alleine schon der Verlust an
Plate Appearances auf die 162 Spiele gerechnet ist zwischen #2 und #5 sehr hoch, bei dem Talent muss
er da auf jeden Fall erstmal bleibem.
 
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Frank
(Registered) 03-05-2011 14:43
Vor allem profitiert er von der Protection durch Chipper, McCann und (hoffentlich irgendwann) Uggla.
An der 6 konnte man ihn leicht umgehen, an der 2 kommen jetzt andere Hochkaräter nach ihm. Da sieht
er schon mal den einen oder anderen netteren Pitch.
Wäre nur schön, wenn Prado auch ab und zu mal auf Base käme, mE ist er - nicht Heywards Position -
der entscheidende Faktor dafür, dass die Offensive nicht rollt.
 
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Basti
(Administrator) 03-05-2011 20:04
Für mein Dafürhalten sollte es Gonzalez mit Heyward auf #3 es mal versuchen und Chipper Jones
Leadoff schlagen lassen. Dahinter Prado, einfach die oberen drei mal wechseln, das wird schon
irgendwann passen. Auch 2010 haben die Braves bisschen gebraucht bis sie ins Rollen gekommen sind.
 
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Frank
(Registered) 03-05-2011 21:11
Chipper nach vorne zu setzen ist hier schon einmal vorgeschlagen worden (warst Du es sogar?). Ich
glaube aber nicht, dass das eine Option ist. Er will auf seine alten Tage sicher nicht mehr aus
seiner 3er-Position raus, in der Offseason hat er sich in diese Richtung auch mal geäußert, und ich
glaube nicht, dass man ihm das antun wird, zumal es Unruhe brächte.

Eine bessere Idee wäre mE, Prado und Nate McLouth zu tauschen, da Nate die wesentlich bessere OBP
hat (Prado .292, Nate .342).
 
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Basti
(Administrator) 03-05-2011 21:23
Dann darf aber Chipper "auf seine alten Tage" nicht auf immer und ewig die #3 sein und muss
halt runter...Mark Grace war auch in den 90er Jahren bei den Cubs auf #3 in Stein gemeiselt und er
erzielte in diesem Jahrzehnt sogar die meisten Hits in der MLB, auch Grace hat zum Ende seiner
Karriere in Arizona eher weiter unten im Lineup geschlagen, sicherlich kein toller Vergleich, aber
ich denke bei Chipper muss man langsam aber sicher das auch mal in Betracht ziehen.
 
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Kolumnen - TWIBB - This Week in Braves Baseball