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Von Golfspielern, Weihnachtsgeschenken und Zirkuskünstlern
Ein Veteran veredelt seine Pitching-Bilanz mit einem No-Hitter. Ein Rookie glänzt bei seinem ersten Major-League Auftritt. Mike Scioscia gewinnt sein 1000. Spiel als Manager und jagt anschließend seinen eigenen Outfielder durchs Stadion. Andre Ethier schwingt auch mal daneben. Die Brewers freuen sich über ihr neues Spielzeug und führen in der Verteidigung eine akrobatische Zirkusnummer vor. Und die vermutlich schlechteste Sportmannschaft, die Gott jemals erschaffen hat, kann manchmal doch mehr Spiele gewinnen als verlieren. Diese und weitere Erkenntnisse der vergangenen Tage in der neuen Ausgabe unserer Spielberichte.
1. Inning
Die meisten Pitcher jagen einem sogenannten No-Hitter ein Leben lang hinterher. Wer es doch schafft, darf sich zumindest zu den Könnern der Zunft zählen. Spätestens ab zwei No-Hittern hat es ein Pitcher dann wirklich das Prädikat „Meister seines Fachs“ verdient. Am vergangenen Samstag erhielt Justin Verlander von den Detroit Tigers offiziell Zugang zur Meistergilde: Die Gegner aus Toronto rangen dem 28-Jährigen einen Walk und zwei hart geschlagenen Bälle ab, die seine Defensive gekonnt entschärfte. Ein Hit brachte kein Angreifer der Blue Jays zustande, es war Verlanders zweiter No-Hitter seiner Karriere. Den ersten hatte er gegen die Milwaukee Brewers eingefahren, das war vor vier Jahren. Zumindest für den MLB-Rekord sollte er sich also sputen: Der steht bei sieben No-Hittern, aufgestellt von einem gewissen Nolan Ryan.
2. Inning
Brandon Guyer ist 25 Jahre alt, der Outfielder der Tampa Bay Rays hat also noch ein wenig Zeit, sich auf der großen Profibühne zurechtzufinden. Als Guyer am vergangenen Freitag im zweiten Inning der Partie zwischen seinen Rays und den Baltimore Orioles zum ersten Mal MLB-Luft schnupperte, hatte er es trotzdem eilig. Baltimores Pitcher Zach Britton warf einen tiefen Fastball, Guyer traf den Ball knapp über dem Boden, es sah aus wie beim Golfen. Aber der Ball flog weit, als er sich den Zuschauerrängen näherte, flog er noch immer – erster Homerun im ersten At-Bat, Gyuers Familienmitglieder auf den Rängen schrien und hüpften. Guyer wäre wohl gerne auf ähnliche Weise ausgeflippt, der 25-Jährige hatte jedoch zunächst andere Sorgen: „Bloß nicht hinfallen“, dachte er sich, als er die Bases umrundete. Auch dieses Unterfangen sollte ihm an diesem Tag gelingen.
3. Inning
Mike Scioscia hat sich lange nicht für den Manager-Posten interessiert. Der 52-Jährige war einst ein passabler Catcher, er wollte sein Wissen nach seinem Karriereende an die jungen Catcher weitergeben. Irgendwann muss Scioscia dann doch einmal über den diesen ominösen Posten nachgedacht haben. Am Sonntag feierte er beim 6:5-Erfolg über die Cleveland Indians seinen 1000. Sieg als Manager einer MLB-Mannschaft. Der 52-Jährige, der seit seinem Debüt 2000 ununterbrochen die Los Angeles Angels betreut, ist der 23. Manager in der MLB-Geschichte, der diese Marke geknackt hat. Angels-Outfielder Torii Hunter schüttete Scioscia zur Belohnung den Inhalt eines Getränkebottichs über den Kopf, dann verlor der Manager an diesem Tag doch noch: das Laufduell gegen Übeltäter Hunter.
4. Inning
On Top: Die Philadelphia Phillies (23 Siege, 12 Niederlagen) gewinnen weiterhin die meisten Spiele in der National League. Derzeit ist es völlig egal, wer sich dem Titelkandidaten in den Weg stellt, die Phillies siegen derzeit, und sei es mit einem halbkranken Joe Blanton auf dem Mound (wie am Montagabend beim 6:4-Erfolg über die Florida Marlins). In der American League bleiben die Cleveland Indians (23 Siege, elf Niederlagen) weiterhin das Maß aller Dinge, weil sie im heimischen Indianerbau derzeit einfach nicht verlieren – seit 14 Spielen ist Cleveland zu Hause ungeschlagen. So konnten es sich die Indians am Montag sogar leisten, bei Mike Scioscias 1000. Sieg (siehe 4. Inning) freundlich zu assistieren.
5. Inning
On Stop: Andre Ethier hatte seinen Spaß gehabt. „Das war ein lustiger kleiner Ritt“, sagte der 29-Jährige von den Los Angeles Dodgers am Samstag über das Ende seines Ritts, der jedoch alles andere als eine kleine Errungenschaft darstellte. In den vergangenen 30 Spielen hatte Ethier mindestens einmal einen Hit erzielt, solche langen „Streaks“, wie die Amerikaner diese Serien nennen, schaffen nur die besten Angreifer. Allerdings bleiben diese Streaks auch selten ohne Folgen, Ethier hatte irgendwann angefangen, sich mehr auf seine eigene Leistung als auf das Wohlergehen seiner Mannschaft zu konzentrieren, und das hatte sich wohl auch auf die Bilanz seiner Dodgers ausgewirkt: Acht der letzten 13 Spiele haben sie verloren, was angesichts Ethiers langer Erfolgsserie jedoch niemand richtig mitbekommen hatte. Letzteres dürfte sich ab sofort ändern. Am Samstag blieb der 29-Jährige gegen die New York Mets zum ersten Mal seit einem Monat wieder ohne Hit.
6. Inning
Nachdem zu Saisonbeginn die Offensivabteilungen im Vordergrund gestanden hatten, drängeln sich nun die Pitcher langsam in den Vordergrund. Francisco Liriano und Justin Verlander warfen die ersten No-Hitter der Saison, in der American League haben mittlerweile drei Pitcher sechs Siege gesammelt: Jered Weaver, der zuletzt pausieren musste, Max Scherzer von den Detroit Tigers und Trevor Cahill von den Oakland Athletics. Nicht immer allerdings sind viele Siege auch gleichbedeutend mit brillianten Leistungen, wie Scherzers jüngster Auftritt vom vergangenen Montag zeigt. Sein Arbeitstag war nach fünf Inning schon wieder beendet (zwei Runs, fünf Hits), seine Bilanz blieb jedoch weiterhin perfekt (noch keine Niederlage in dieser Spielzeit).
7. Inning
Milwaukees Catcher Jonathan Lucroy fühlte sich wie ein kleines Kind bei der Weihnachtsbescherung: „Das war, als hätte ich ein neues Spielzeug bekommen“, sagte Lucroy über das Spiel seiner Brewers gegen die San Diego Padres am Montagabend, als er Pitcher Zack Greinke zum ersten Mal vor heimischer Kulisse hatte dirigieren dürfen. Die meisten der 27.000 Zuschauer hatten diesem Tag entgegengefiebert, Milwaukee war schlecht in die Saison gestartet, mit dem zu Saisonbeginn verletzten Neuzugang sollte alles besser werden. Greinke pitchte dann auch ganz hervorragend, er warf neun Strikeouts in sechs Abschnitten, seine Fastballs erreichten 94 Meilen, die Brewers gewannen mit 4:3. „Der nächste Start wird hoffentlich noch besser“, drohte Greinke den kommenden Gegnern.
8. Inning
Greinkes Vorstellung vom Montagabend (siehe 7. Inning) geriet beinahe in Vergessenheit, als Milwaukees Shortstop Yuniesky Betancourt im achten Durchgang in der Verteidigung einen Spielzug vorführte, mit dem er und Teamkollege Rickie Weeks auch im Zirkus hätten auftreten können. Betancourt fing einen Groundball in letzter Sekunde mit seinem Handschuh, er hatte nicht mehr genug Zeit, um den Ball mit der Hand aus dem Leder aufzulesen, also schwang er den Handschuh einfach hinter seinen Rücken, woraufhin der Ball aus dem Handschuh hervorschnellte und zu Rickie Weeks segelte, der das Spiegerät mit bloßer Hand fing und zwei Outs besorgte. Ein paar Tage zuvor hatte Cincinnatis Second Baseman Brandon Phillips ein ähnliches Kunststück vollführt, als er einen Ball im Sprint durch seine Beine zum ersten Base geschmissen hatte. Jeder andere hätte sich dabei wohl den Arm gebrochen, Phillips besorgte das letzte Out des Innings.
9. Inning
Eine Mannschaft, die zuletzt überraschend mehr Siege als Niederlagen auf dem Konto hatte? Die Pittsburgh Pirates. Nach dem 2:1-Erfolg über die Los Angeles Dodgers am Montag hatten die Pirates 18 Siege und 17 Niederlagen eingefahren, eine derart positive Bilanz zu einem derart späten Saisonzeitpunkt war Pittsburgh zuletzt 2004 gelungen. Damals hatte Neil Walker gerade seinen Schulabschluss hinter sich gebracht und bei den Pirates unterschrieben, es folgte eine Pleiten-Saison nach der nächsten. Am Montag war es dann jener Neil Walker, der mit einem RBI-Double den Erfolg über die Dodgers besiegelte. Der Erfolg hielt übrigens nur einen Tag, am Dienstag geschah das, was die Fans aus Pittsburgh die vergangenen Jahre gewohnt waren: Die Pirates verloren, 3:10 gegen die Dodgers.
Extra-Inning
Eine Mannschaft, die derzeit überraschend weniger Siege als Niederlagen auf dem Konto hat? Die Boston Red Sox! Die hochgehandelte Truppe aus New England erwischte einen völlig missratenen Start in die Saison, symptomatisch dabei die völlig missratene Leistung des hochgehandelten und hochbezahlten Neuzugangs Carl Crawford. Mittlerweile haben sich die Sox ein wenig gefangen (17 Siege, 19 Niederlagen), auch Crawford findet langsam seinen Rhythmus. Während der letzten Heimauftritte schlug er zwei Walk-Off-Hits, den vorerst letzten am Montagabend im elften Inning gegen die Minnesota Twins. Sein Batting Average der vergangenen neun Partien liegt bei .361.
Früher durfte man absichtliche Hit By Pitches durchführen und es gab gar keine Strafen...das war<...
(19-05-2012 11:46)Basti
Klar kann bei Hamelsmehr passieren, wenn sich Harper blöd wegdreht oder der Pitch nicht ganz dort...
(19-05-2012 06:34)Rene
Kann man doch nicht vergleichen, oder?! Nen Helm wegwerfen und einen Ball mit über 150 km/h auf
Da geht's sowieso nur um heurige Saison, da der Terminplan mit dem alten Playoffmodus gemacht wur...
(18-05-2012 17:35)Rene
Nee Joey das ist falsch, Hamels hat bewusst auf den Rücken gezielt. Da muss es schon mit dem Teuf...
(18-05-2012 13:30)Basti