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Magie des Zuckerstengels
Heute: Warum das Hereinschlagen eines Baseläufers (Fachterminus: Run Batted In) wie Müllsammeln ist. Und wer in dieser Spielzeit bisher am besten seinen Dreck aufgelesen hat.
anche Menschen dürfen sich glücklich schätzen, dass ihnen das Schicksal nach Jahren des Wartens doch noch einen Kindheitstraum erfüllt. Natürlich hat das Schicksal dabei nachgedacht und dem Glücklichen nur einen lang mit seinem Traum beglückt, denn für sehr viel länger hält die Magie der präpubertären Faszination dann doch nicht an. Feuerwehrmann? Unfreundliche Arbeitskleidung (viel zu schwer), unfreundliche Arbeitszeiten (rund um die Uhr), unfreundlicher Arbeitsplatz (Durchschnittstemperatur: 875 Grad Celcius). Lokführer? Freundliche Temperaturen am Arbeitsplatz (höchstens 87,5 Grad), dafür unfreundlicher Bewegungsradius (87,5 Millimeter). Müllmann? Viel Bewegung in regelmäßigen Abständen, Arbeit im Freien, dafür unfreundliches Geruchsambiente (Arbeitsplatz direkt am Müllschlucker des Dienstfahrzeugs).
Schweiß, Kippen, Cola
Aber auch der faule Gestank eines Müllautos, so lange er den Riechkolben nur dezent umweht, hat seinen Reiz. Das beginnt schon beim Einsteigen in die Fahrerkabine, wo der Chauffeur in modischem Unterhemd, beiger Hose und Springerstiefeln in seinem Reich aus Kippen, Cola und verschlissenen Sitzgarnituren thront. Es riecht würzig, nach einer Mischung aus Schweiß, überhitzter Elektronik und Leder. Dann tauchen die ersten Altpapierberge am Straßenrand auf. Der Müllschlucker frisst alles – Anleitungen zur Erkennung von Brustkrebs, Telefonbücher mit privaten Handynummern, zwei Stapel der Preußischen Allgemeinen Zeitung. Der Müllwagen fährt weiter, mit einem Hechtsprung geht es auf das wackelige Trittbrett, Schweiß rinnt den Nacken hinunter. Am Straßenrand staunen die Knirpse im Kinderwagen. Lächeln, so lange sie schauen. Dann fährt der Schmerz in Arme und Rücken.
Und plötzlich wird dem Müllsammler für einen Tag klar, dass die großen Schlagmänner der Major League Baseball beim Hereinschlagen der Baseläufer im Grunde nichts anderes vollbringen, als Dreck aufzuklauben. Sie spüren die Hinterlassenschaften ihrer Vordermänner auf, befördern diese unter großem Einsatz dorthin, wo sie einmal herkamen und lassen sich nach vollbrachter Arbeit den Wind auf einem kleinen Trittbrett um die Nase wehen. Bis zum nächsten Müllhaufen.
In der Major League Baseball gibt es für das Müll-, pardon, das Sammeln von RBIs, eine kleine Gruppe alter Verdächtiger, die ihre Arbeit seit Jahren mit viel Routine und viel Erfolg verrichten. Und es gibt einen Vertreter, der sich in dieser Spielzeit überraschend unter die
großen RBI-Meister gemischt hat: Corey Hart, 100 Kilo schwerer, zwei Meter großer Schlagmann der Brewers mit verwegenem Western-Stoppelbart und wadenbeingroßen, tatoobeflockten Oberarmen, die jeden verwegenen Müllman neidisch machen würden, also jener Corey Hart hat in dieser Saison in 75 Partien 61 Runner von den Bases geräumt. Hart liegt damit vor den RBI-Koryphäen Albert Pujols und Ryan Howard und nur knapp hinter Branchenführern wie Miguel Cabrera, Josh Hamilton oder Alex Rodriguez.
Bestmarke wackelt
Was dabei überrascht ist die Tatsache, dass Hart bisher höchstens Aufmerksamkeit erregte, als er sich der Meinung vieler Beobachter nach vor der Spielzeit erdreistete, von seinem Arbeitgeber statt gebotener 4.1 Millionen Dollar rotzfrech 4.8 Millionen zu fordern (und die vor dem unabhängigen MLB-Schiedsgericht auch noch zugesprochen zu bekommen). Mittlerweile steht Hart davor, seine bisherige Saisonbestmarke von 91 RBIs wie einen schlecht eingesetzten Ahornschläger zu zerschmettern.
Besagter Ahornschläger ist angeblich aber auch verantwortlich dafür, dass Harts Offensivwerte wie die Leberwerte eines Alkoholkranken nach oben schießen. Seit dieser Saison schlägt Hart mit Schlägern aus kanadischem Zuckerahorn, die ein amerikanischer Wissenschaftler entwickelt hat. Natürlich ist dieser Schläger aus diesen und jenen Gründen besser als der Rest, behauptet der Wissenschaftler, ohne zu erklären, warum das so ist. Was er auch nicht tun muss, so lange der Schläger seinem Herren fast jeden Wunsch an der Platte erfüllt. Bleibt bur zu hoffen, dass die Magie des Zuckerstengels länger andauert als die Magie des Müllsammelns.
Johannes Knuth
Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider. Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.
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Dann mal gute Nacht Mets, sollten die es wirklich so doll treiben. Aber selbst die werden kein Ge...
(09-02-2012 18:28)Nico
Solche "Bad contract swaps" a la Milton Bradley gegen Carlos Silva gibt's normalerweise n...
(09-02-2012 16:24)Rene
Es branden immer mal wieder Spekulationen auf, wonach die METS Jason Bay für Burnett traden könnt...
(09-02-2012 15:54)USSFSteeler
Ich glaub so einfach geht das gar nicht
(09-02-2012 09:09)Basti
wegen mir kann er nach japan
(09-02-2012 08:59)wordass