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Von Eierwärmern, Extrawürsten und einer Portion Rührei
Da hat Amerika Glück gehabt. Nach Watergate und Nipplegate ist den Amis eine Hoodiegate-Affäre erspart geblieben.
Joe Maddon, Manager der Tampa Bay Rays, darf seinen Kapuzenpulli weiterhin im Dugout seiner Mannschaft tragen, hat die Sittenpolizei jetzt doch entschieden - gute (Mode-)Sitten hin oder her.
Es war aber nicht das erste Mal, dass ein Kleidungsstück in der Major League Baseball die Aufmerksamkeit erregt hat. 150 Jahre MLB-Geschichte haben allerlei nützliche wie kuriose Trends hervorgebracht. Ein Rückblick.
s gibt Neuigkeiten von der Seele, der menschlichen. Die existiert nämlich wirklich, haben diverse Quantenforscher neulich herausgefunden. Aber nicht als greifbare Materie, die wir mit unserem Auge erfassen, sondern als unsichtbares Element, ganz wie die Energie, die Zeit oder der Raum. Die nächste Frage wäre dann freilich, wo sich unser unsichtbares Unterbewusstsein denn verbirgt, aber diese Frage hat ein bekannter Literaturkenner bereits vor 400 Jahren beantwortet. "Die Seele des Menschen sitzt in seinen Kleidern", hat William Shakespeare seinem Lafeu einst in den Mund gelegt.
Und irgendwie leuchtet das ja auch ein. Worte bringen wir gegenüber anderen Menschen mit Bedacht hervor, da täuschen und tricksen wir, was das Zeug hält. Doch bei der Kleiderwahl sind wir dann doch meist allein und ehrlich – wer trägt schon etwas, was ihm überhaupt nicht zusagt?
Das geht manchmal so weit, dass manche Modestücke ganze Generationen prägen, in einem Stück Stoff also die Seele von Millionen steckt, und das muss wohl auch Joe Maddon, Baseballmanager der Tampa Bay Rays vorgeschwebt haben, als er vergangenen Dienstag herausfand, er dürfe seinen geliebten Hoodie doch wieder auf der Ersatzbank tragen. Dieser Hoodie, erklärte Maddon sinngemäß, sei nicht nur sein Lieblingsstück, darin stecke auch die Seele der amerikanischen Jugend. Die könne sich viel besser mit dem Baseballsport identifizieren, so lange er das Ding trage.
Maddons Hoodie, den er an kalten Tagen auf dem Ersatzbank-Laufsteg zur Schau stellt, ist aber nur die jüngste Errungenschaft aus 150 Jahren großartiger Modeerscheinungen in der Major League Baseball. Sidearm Slider reist durch die Geschichte und krönt die neun besten Kleidertrends.
Platz 9: Die Cleveland Indians. Eigentlich hatten die New York Yankees im Jahr 1929 ja als Erste die Idee gehabt, die Spielertrikots mit Rückennummern auszustatten. Blöd nur, dass der Saisonauftakt der Yankees buchstäblich ins Wasser fiel. So waren halt die 13 Spieler der Cleveland Indians die ersten durchnummerierten Akteure. Wobei durchnummeriert nicht ganz stimmt. Die Unglückszahl 13 blieb frei. Shortstop Tavener wollte statt der 2 lieber die 22, First Baseman Fonseca die 7 statt der 4, so dass Second Baseman Hedapp, dem eigentlich die 7 zustand, auf die 20 auswich. An dieser Extrawurst-Methode hat sich bis heute wenig geändert.
Platz 8: Joe Maddon. Schon während der Playoffs 2008 outete sich Maddon als Modeexperte, als er an kalten Spielabenden mit Wollmütze und zwei daran befestigten Ohrwärmern auflief. Der Kopfschutz, der aussieht wie ein Eierwärmer, brachte den Rays bis ins Halbfinale Glück – dann legten die Philadelphia Phillies den Rays ein paar Runs ins Nest und wurden Meister.
Platz 7: Die Chicago Cubs. Die wagten es 1940 als erstes Team, eine ärmellose Flannelweste zu tragen, darunter lugte ein dunkler Funktionsunterwäsche-Vorgänger hervor. Die Modeidee bietet Millionen von Baseballspielern bis heute mehr Bewegungsspielraum beim Keulenschwingen, außerdem wurde so die Existenz einer bekannten Funktionswäschefirma gesichert.
Platz 6: Die Philadelphia Phillies. Vor der Spielzeit 1979 kündigte der Ostküstenklub an, seine Spieler werden ab sofort bei jedem Samstags-Heimspiel komplett in Burgundrot auflaufen. Die Premiere stieg am 19. Mai gegen die Montreal Expos. Vier Durchgänge lang brachten die Kleider den Phillies Glück, dann schenkten die Expos den Gastgebern keinen Rotburgunder, dafür aber zehn Runs ein. Die Trikots wanderten in die Mülltonne.
Platz 5: Die American League All-Stars 1938. Beim All-Star-Spiel der damaligen Baseball-Liga trugen die American All-Stars rot-weiße Trikots aus feinem Satinstoff. Weil das Spiel zu später Stunde bei Flutlicht begann, reflektierten die Trikots die Lichtstrahlen sonnenhell. Leider wollte aber kein Zuschauer mit rußgeschwärzter Glasscherbe wie bei einer Sonnenfinsternis ins Stadion kommen, so war den edlen Hemden letztlich kein kommerzieller Erfolg beschieden.
Platz 4: Die New York Knickerbockers. Die wohl erste Baseballorganisation überhaupt lief 1849 in blauen Wollhosen, weißen Flannelhemden und, ja, tatsächlich: Strohhüten auf. Nicht, weil diese Textilien tragkonform, praktisch oder schweißabsorbierend waren. Die Knickerbockers wollten sich, koste es was es wolle, von der armen, baumwollausgerüsteten Arbeiterschicht abheben.
Platz 3: Die Seattle Pilots. Insgesamt war dem Unternehmen nur eine Spielzeit auf der MLB-Bühne gegönnt, nach der Premierensaison 1969 ging der Verein im Insovlenz-Strudel unter. Die außergewöhnlichen Mützen der Pilots wurden aber nicht weggespült – die blieben im Gedächtnis. Zwei goldene Borten, die aussahen wie zwei Portionen Rührei, schmückten den Mützenschirm, erinnerten so tatsächlich an die auf Kopfbekleidung mancher Piloten.
Platz 2: Die Detroit Wolverines. Die gehörten 1882 zu jenen Mannschaften, die unterschiedliche Trikots innerhalb der Mannschaft, abhängig von der jeweiligen Position, verteilten. So trug der First Baseman ein Trikot mit scharlachroten und weißen Streifen, während das Shortstop-Leibchen kastanienbraun gefärbt war. Schnell hatten sich die betroffenen Mannschaften den Spitznamen "Clowns" erarbeitet. Zum Glück blieb der Zirkus nicht lange in der Stadt.
Und die Gewinner....die Chicago White Sox! Die wagten es am 8. August 1976 als erstes MLB-Team doch wahrhaft, die lange Baseballhose durch kurze Shorts zu ersetzen. Der europäische Beobachter hätte sich beim Spiel der Sox gegen die Kansas City Royals sehr wohl gefühlt, die Spieler der Gastgeber hatten verblüffende Ähnlichkeit mit einer Fußballmannschaft. Statt Pele und Katsche Schwarzenbeck spielten dann aber doch Chet Lemon und Clay Carroll, im nächsten Spiel trugen sie auch wieder ihr gewohntes Gewand.
Bei manchen modischen Erscheinungen muss sich der Beobachter also doch fragen, ob das mit der Seele im Stoff, wie Shakespeare behauptet hat, so ganz hinhaut. Aber ob modische Seele oder Shakespeare, über beide ranken sich ja allerhand Gerüchte.
Fotos der erwähnten modischen Errungenschaften findet ihr übrigens hier.
Ob das allerdings gut gehen würde, mit kurzen Hosen an die Bases ranzugleiten
Aber die Yankees mit Stohhüten stelle ich mit nett vor
Milwaukee, heißen Brewers und haben gestern in Pitsburgh 20
ich, ist es von der Bildfläche verschwunden. Auch wenn die Amis das eventuell etwas anders sehen.
Johannes Knuth
Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider. Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.
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Dann mal gute Nacht Mets, sollten die es wirklich so doll treiben. Aber selbst die werden kein Ge...
(09-02-2012 18:28)Nico
Solche "Bad contract swaps" a la Milton Bradley gegen Carlos Silva gibt's normalerweise n...
(09-02-2012 16:24)Rene
Es branden immer mal wieder Spekulationen auf, wonach die METS Jason Bay für Burnett traden könnt...
(09-02-2012 15:54)USSFSteeler
Ich glaub so einfach geht das gar nicht
(09-02-2012 09:09)Basti
wegen mir kann er nach japan
(09-02-2012 08:59)wordass