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Stundenlanges Stöckchenschmeißen

 
Autor: Johannes Knuth Dienstag, 16. März 2010
 

sliderWas haben Sportler und Hunde gemeinsam? Und warum kläffte Baseballprofi Torii Hunter zuletzt wie ein aufgekratzter Yorkshire-Terrier im Mediengarten herum? Antworten in der neuen Sidearm-Slider-Kolumne. 

buchstabeich mag Hunde. Ja doch, ich mag sie wirklich. Welches Lebewesen jagt schon stundenlang halbzerfetzten Baumstöcken hinterher, die es zuvor auch noch höchstpersönlich angesabbert hat? Mehrfach angesabbert hat?

Mit tat es als Kind immer furchtbar Leid, wenn ich Nachbarshund Nelly nach dem 543. Stockwurf Richtung Mittagstisch verlassen musste, während Nelly mit heraushängender Zunge und rhythmischem Hecheln im Allegro-con-moto-Tempo einsam zurückblieb. Aber wahrscheinlich war es dem Köter furzegal, dass ich schweren Herzens abzog, denn als ich wiederkam – ich hatte mich beim Mittagessen eigens beeilt – war die Töle schon längst verschwunden und hatte sich wahrscheinlich einen anderen dummen Stockschmeisser gesucht.

Einbahnstraßen-Kommunikation

Und genau das ist das Problem zwischen uns Menschen und den Hunden. Wir schreiben den Kläffern alle möglichen Eigenschaften und Gefühle zu, die unsere lieben Freude überhaupt nicht besitzen. Das ist eigentlich nicht schlimm, schließlich schätzt der Mensch den Hund als Freund, dementsprechend möchte der Mensch auch mit seinem Freund kommunizieren. Bei dieser Einbahnstraßen-Kommunikation entstehen nur leider viele Missverständnisse wie "Der will doch nur spielen" oder "Guck' mal, wie der sich freut" oder "Guck' mal Hasso, dein Freund, der Briefträger!"

Eine derart besondere Beziehung gibt es übrigens auch zwischen zwei ganz besonderen Menschengruppen: Journalisten und ihren Interviewpartnern, oder genauer: Sportjournalisten und Sportler.

Vergangene Woche war es mal wieder so weit: Torii Hunter, Outfielder in Lohn und Brot bei den Los Angeles Angels, gab ein paar Äußerungen von sich, die Journalisten notieren und berichteten, am Ende kläffte Hunter Richtung Schreibermeute.

Latinos sind Betrüger!

Was war passiert? Die Zeitung USA Today hatte Hunter mit markanten Worten zitiert:  "Lateinamerikaner sind keine Schwarzen, das sind Betrüger." Oder der hier: "Lateinamerikaner sind billiger. Warum einen schwarzen Jugendlichen teuer verpflichten, wenn man einen aus der Dominikanischen Republik für ne' Tüte Chips kriegt?"

Au weia, da ist jemand aber in einen dicken Hundehaufen getappt, so in etwa ließen sich die Reaktionen auf Hunters Einlassungen freundlich zusammenfassen. Das Problem dabei: Hunter will das alles gar nicht gesagt haben. "Alles verzerrt und aus dem Kontext gerissen", schäumte Hunter, "die haben eine Sache sich rausgepickt und die dann aufgeblasen", ätzte er weiter.

Wie entstehen solche Missverständnisse? Na, ganz wie bei Hund und Mensch.

Weltraumnahe Sphären

Die Journalisten (Herrchen) wollen den Sportlern (Hunde) nämlich allzu gern allzu oft alles Mögliche zuschreiben – allerdings keine Emotionen, die auf Freundschaft aus sind, sondern solche, die möglichst negativer und reißerischer Natur sind. Negative und reißerische Aussagen ("Betrüger" und so weiter) treiben den journalistischen Wert einer Geschichte für gewöhnlich in weltraumnahe Sphären – zumindest denken viele Journalisten so.

Was der Hund oder Sportler tatsächlich meinte, was er vielleicht auch nur ironisch reflektieren wollte, das kapiert sein Herrechen viel zu selten.

Übrigens: Was hat Torii Hunter denn nun wirklich gebellt, pardon, gesagt?  Nach Hunters Bekunden hatte er lediglich festgestellt, die amerikanischen Baseballmannschaften stürzen sich notgedrungen auf den lateinamerikanischen Nachwuchs, weil die farbigen Amerikaner lieber Basketball und Football spielen.

Die Wahrheit kann manchmal ganz schön langweilig sein, wie stundenlanges Stöckchenschmeißen.

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Kolumnen

Johannes Knuth

 
johannes65x90Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider.
Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.