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Schluck den Homerun
Der Akt der Beichte und Sündenvergebung ist in Amerika ein wichtiger Bestandteil des öffentlichen Lebens, das hat die vergangene Woche mal wieder eindrucksvoll gezeigt. Was ebenfalls deutlich wurde: Dieser Prozess ist in Japan merklich schwächer ausgeprägt.
ie Geschichte der Sünde, Beichte und Vergebung füllt ein überaus langes Kapitel in den Chroniken unserer Kirchenhäuser. Zu Beginn des ersten Jahrhunderts kannten die Menschen bereits viele Sünden, leider aber war die Beichte noch nicht erfunden. So kam es, dass manche Gemeiden ihre Sünder einfach vor die Tür schmissen, bestenfalls bekamen die Übeltäter ihren kirchlichen Mitgliedsausweis wieder auf dem Sterbebett ausgehändigt.
Gemopster Eisbecher
Das ist aber ungefähr so, als mopst man einem kleinen Kind den Eisbecher und gibt ihm diesen dann lediglich mit einer angekauten Waffel darin zurück, und weil Gott derartige Missstände nicht duldet, beorderte er seinen Sohn auf die Welt, um das Problem aus der Welt zu schaffen.
Jesus hörte sich fortan das Gejammer der Sünder an und versicherte den Missetätern, er, Jesus, werde das schon irgendwie hinbiegen – die Beichte mit anschließender Sündenvergebung war erfunden. Die katholische Kirche führte diese Praxis nach Jesus Rückkehr ins Himmelreich gegen ein kleines Entgeld pro Sündenerlass fort, seit den regen Protesten gegen die Beichtgebühren dürfen sich die Menschen ihre Seele im Beichtstuhl auch umsonst säubern lassen.
Klatschen für den Sünder
Das gängige Prozedere Sünde-Beichte-Vergebung hat sich bis heute als einigermaßen praktikabel herausgestellt, schließlich begehen wir alle den einen oder anderen Fauxpas, mit dem wir einem Zeitgenossen auf den Schlips treten. Der ehemalige amerikanische Baseballspieler Mark McGwire zum Beispiel hat während seiner Karriere jahrelang verbotene Mittel geschluckt (Sünde), diese Sünde vor ein paar Tagen heulend vor den Fernsehkameras gestanden (Beichte), woraufhin viele Anhänger bei nächsten Mal, als sie McGwire sahen, freudvoll in die Hände klatschten (Vergebung).
Kassieren und Schweigen
Im Beichttheatrer um McGwire ging eine andere Beichte derweil fast unter. Daisuke "Dice-K" Matsuzaka, Angestellter der Boston Red Sox mit einem Jahressalär von rund acht Millionen Kröten, hat zu Beginn der abgelaufenen Saison eine Verletzung verschwiegen (Sünde) und dies erst vor wenigen Tagen einer japanischen Zeitung offenbart (Beichte). Phase drei (Vergebung) ist allerdings noch in der Schwebe, da Matsuzakas eben nicht bei einer japanische Zeitung, sondern bei den Boston Red Sox angestellt ist, und jene Rotsocken hätten die Beichte wenn schon gerne persönlich von ihrer hochbezahlten Fachrkraft entgegengenommen.
Eigentlich dürfte sich Matsuzaka nicht beschweren, wenn ihn die Red Sox wie einen urchristlichen Sünder aus dem Fenway Park verjagt hätten. Stattdessen freut sich John Farrell, Abteilungsleiter der Red-Sox-Schmeißer und somit Matsuzakas direkter Vorgesetzter, dass sich der Japaner auf die neue Saison mit Boston freut.
Und diese Reaktion ist nur angemessen.
Emotionen verboten
Denn so gravierend Matsuzakas Sünde auch sein mag, so sehr er seinem Arbeitgeber verpflichtet ist, Rechenschaft abzulegen, so sehr muss man auch den kulturellen Hintergrund seiner Taten bedenken. Die Japaner, erklärte mir ein japanischer Baseballspieler einst, verlangen von ihren Pitchern ein äußerstes Maß an Beherrschung. Das fängt damit an, nach einer schlechten Leistung keine Emotionen zu zeigen – eine Eigentschaft Matsuzakas, die viele Anhänger der Red Sox nicht selten mit Unverständnis quittiert haben – und hört bei kleineren Zimperlein wie einer Leistenverletzung auf.
Stolz erlaubt
Der 29-Jährige wollte seine Verletzung ignorieren, so wie er sonst auch einen von ihm erlaubten Homerun wegschluckt. Man kann ihm lediglich ankreiden, dass er zu stolz war, dies rechtzeitig zuzugeben.
Die Red Sox haben dies längst erkannt und Matsuzaka wohl auch längst verziehen. Allein die Fans werden ihrem Pitcher erst vergeben, wenn Matsuzaka ihnen wie in alten Kirchenzeiten ein kleines Entgeld ausgestellt hat – eine außergewöhnlich gute Saison nämlich.
Johannes Knuth
Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider. Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.
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Dann mal gute Nacht Mets, sollten die es wirklich so doll treiben. Aber selbst die werden kein Ge...
(09-02-2012 18:28)Nico
Solche "Bad contract swaps" a la Milton Bradley gegen Carlos Silva gibt's normalerweise n...
(09-02-2012 16:24)Rene
Es branden immer mal wieder Spekulationen auf, wonach die METS Jason Bay für Burnett traden könnt...
(09-02-2012 15:54)USSFSteeler
Ich glaub so einfach geht das gar nicht
(09-02-2012 09:09)Basti
wegen mir kann er nach japan
(09-02-2012 08:59)wordass