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Previews 2010: Baltimore Orioles

 
Autor: Markus Kampschnieder Mittwoch, 03. März 2010
 

oriols_smallNach den Washington Nationals und den Pittsburgh Pirates, die in den vergangenen zwei Tagen vorgestellt wurden, widmen wir uns bei den Previews für die Saison 2010 auf Baseballinsider.de heute den Baltimore Orioles.

1997 - am Ende jener Saison zogen die Baltimore Orioles letztmalig in die Postseason ein, als sie die schwierige American League East mit zwei Spielen vor den Yankees gewinnen konnten und erst in der ALCS in sechs Spielen an den Cleveland Indians scheiterten.

An diese besseren Zeiten - dreizehn Jahre ist es mittlerweile her - versuchen Besitzer Peter Angelos und General Manager Andy McPhail nun schon seit einigen Jahren durch eine Umstrukturierung des Clubs und eine gezielte Förderung des Minor League Systems anzuknüpfen.

Beste Beispiele: Catcher Matt Wieters und Starting Pitcher Brian Matusz, deren Debüts 2009 für Aufsehen sorgten und auf denen auch 2010 die Hoffnungen der Franchise liegen, endlich die Wende zu einer neuen Blütezeit des dreimaligen World Series Champions zu schaffen.

Rückblick auf 2009

Erste Früchte dieser Arbeit konnten trotz eines enttäuschenden Abschneidens in der Saison 2009 bereits im vergangenen Jahr geerntet werden. Zwar endete die Saison für die Orioles mit der schlechtesten Bilanz aller Teams in der American League (64-98, .395) und insbesondere auswärts sah das Team von Manager Dave Trembley wenig Land, gingen doch lediglich 25 der 81 Spielen auf fremden Platz an das Heimteam.

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Heimkehrer Miguel Tejada (CC-BY-ND - Foto von PhilyFn)

An der Offensive lag die schlechte Bilanz am wenigsten. Mit einem Batting Average von .268 und einer On-Base-Percentage von .332 lagen die Orioles auf Platz sieben beziehungsweise 16 aller MLB-Teams.

Right Fielder Nick Markakis lieferte mit einem Schlagdurchschnitt von .293 und mit 101 RBI teamintern die besten Werte ab, sein Teamkollege Luke Scott konnte immerhin 25 Bälle aus den Ballparks befördern.

Das große Problem in 2009 war aber der Pitching Staff, der mit einem ERA von 5.15 mit Abstand den letzten Platz aller 30 Teams einnahm. Lediglich Jeremy Guthrie erreichte zehn Siege in 33 Starts, allerdings auf Kosten eines ERA von 5.04. Seine Nebenmänner in der Starting Rotation waren allesamt nicht besser, lediglich Brad Bergesen (ERA 3.43) und der erfahrene Mark Hendrickson (ERA 4.37) konnten einigermaßen überzeugen.

Für die trotz des zweiten letzten Platzes in Folge besten Nachrichten in "Charm City" sorgten wieder einmal die jungen Spieler der Orioles, von denen mit Catcher Matt Wieters und den Starting Pitchern Brian Matusz und Chris Tillman gleich drei hoffnungsvolle Talente ihre Debüts in der MLB gaben und bei den Fans die Hoffnungen auf bessere Jahre nähren.

Transfers

Zugänge

  • 1B Garrett Atkins (Free Agent, Rockies)
  • RP Armando Gabino (Off Waivers, Twins)
  • RP Michael Gonzalez (Free Agent, Braves)
  • C Michel Hernandez (Free Agent, Rays)
  • SP Kevin Millwood (Trade, Rangers)
  • C Craig Tatum (Off Waivers, Reds)
  • 3B Miguel Tejada (Free Agent, Astros)

Abgänge

  • RP Danys Baez (Free Agent, Phillies)
  • RP Brian Bass (Free Agent, Pirates)
  • CF Jeff Fiorentino (Free Agent, Hiroshima Toyo Carp)
  • SP Rich Hill (Free Agent, Cardinals)
  • SP Radhames Liz (Off Waivers, Padres)
  • RP Chris Ray (Trade, Rangers)
  • 3B Melvin Mora (Free Agent, Rockies)
  • RP Jamie Walker (Free Agent)

Mit Kevin Millwood als erfahrenem Starting Pitcher und Closer Mike Gonzalez als Hoffungsträger, George Sherrill langfristig ersetzen zu können, versuchen die Orioles, einerseits ihren in der Addition katastrophalen Pitching Staff aus dem Jahr 2009 zu stabilisieren und andererseits ihren jungen Pitchern erfahrene Mitspieler an die Seite zu stellen, die ihre Entwicklung 2010 begleiten sollen. Wie weit der Verlust der Free Agents Danys Baez (4-6, ERA 4.02 in 2009), von Rich Hill (3-3, ERA 7.80) und Brian Bass (5-3, 4.90) wiegt, wird sich ebenso zeigen wie, ob Mike Gonzalez eine ganze Saison lang als Closer bestehen kann, ohne zu implodieren.

Nach mehr als neun Jahren hat Third Baseman Melvin Mora die Orioles in Richtung Rockies verlassen. Die Orioles konnten mit dem Abgang des 38-jährigen Venezolaners acht Millionen Dollar freisetzen und im Gegenzug für Mora, dessen Schlagdurchschnitt und Defensivleistungen in den vergangenen Jahren stetig nachgelassen hatten, Miguel Tejada zurück nach Baltimore holen. Der Dominikaner, der 2008 nach vier Jahren in Baltimore nach Houston wechselte, schlug 2009 noch immer einen beachtlichen Durchschnitt von .313 mit 14 Home Runs und 86 RBI.

Ob Garrett Atkins als First Baseman und nach einem Jahr, in dem er in 126 Einsätzen für Colorado lediglich einen Schlagdurchschnitt von .226 mit neun Home Runs und 48 RBI erreichte, eine Verstärkung sein kann, wird sich zeigen. Für den 29-jährigen bietet der Einjahresvertrag bei den Orioles die Chance auf einen Neuanfang.

Starting Lineup

  • 2B Brian Roberts
  • LF Nolan Reimold
  • RF Nick Markakis
  • CF Adam Jones
  • C Matt Wieters
  • SS Miguel Tejada
  • DH Luke Scott
  • 1B Garrett Atkins
  • SS Cesar Izturis

Eine Wiederholung der durchaus beachtlichen Offensivleistungen der Saison 2009 dürfte ganz oben auf dem Wunschzettel von Manager Dave Trembley stehen. Dies scheint bei einem Blick auf das Starting Lineup durchaus möglich, wenn Leadoff Hitter Brian Roberts und die jungen Outfielder um den 23 Jahre alten Adam Jones und die 26 Jahre alten Nick Markakis und Nolan Reimold nur annähernd ihre Leistungen von 2009 reproduzieren können. Auch Designated Hitter Luke Scott konnte 2009 seine Produktivität mit 25 Home Runs erneut unter Beweis stellen.

Die wichtigste Frage im Lineup aber ist die nach dem Cleanup-Hitter, nach der Position vier in der Schlgreihenfolge. Momentan scheint Center Fielder Adam Jones die beste Lösung zu sein, Manager Dave Trembley wird im Spring Training aber auch andere Varianten, beispielsweise Miguel Tejada, Nolan Reimold oder Nick Markakis, an dieser so wichtigen Position ausprobieren. Bei einer Renaissance seiner Schlagstärke könnte auch Garrett Atkins an Position vier schlagen. Diese Schwäche, die mögliche Unausgeglichenheit der Batting Order könnte sich aber auch als Stärke erweisen, wenn der Coaching Staff verschiedene Möglichkeiten besitzt, die Batting Order zu strukturieren.

Bank

  • C Chad Moeller
  • IF Ty Wigginton
  • OF Felix Pie
  • SS Robert Andino
  • IF Justin Turner

Ty Wigginton und Felix Pie scheinen ihre Plätze auf der Bank aufgrund ihrer Vielseitigkeit sicher zu haben, da sie auch 2009 gute Leistungen am Schlag zeigten. Ob Andino und Turner viel Spielzeit erhalten, oder letzterer beispielsweise durch den nachdrängenden Michael Aubrey ersetzt wird, werden das Spring Training und der Beginn der Minor-League-Saison zeigen.

Chad Moeller könnte sich als Mentor für Matt Wieters als wichtig erweisen, schließlich agierte der 35 Jahre alte Kalifornier bereits als Catcher für Randy Johnson, Johan Santana, Curt Schilling, Ben Sheets oder Brandon Webb und konnte 2009 bereits als Backup sowohl Wieters entlasten als auch einen jungen Pitcher wie Linkshänder Brian Matusz  mit seiner Erfahrung unterstützen. Moeller wird seinen Platz als zweiter Catcher aber gegen Craig Tatum und Michel Hernandez verteidigen müssen, die zum Spring Training eingeladen wurden.

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Camden Yards, Heimstätte der Orioles (CC-BY-SA - Foto von laurapadgett)




 

 

Starting Rotation

  • Kevin Millwood
  • Jeremy Guthrie
  • Brian Matusz
  • Brad Bergesen
  • Chris Tillman

Mit dem erfahrenen Kevin Millwood, der in den letzten vier Spielzeiten für die Texas Rangers 125 Spiele als Starter absolviert hat (Bilanz 48-46, ERA 4.61) erhält die Starting Rotation der Orioles das, was ihr 2009 noch so sehr fehlte: Eine verlässliche Nummer eins, die hoffentlich den Druck von den noch jungen Matusz, Bergesen und Tillman nimmt, ihnen zudem als Mentor zur Seite steht und dem als letztjähriger Nummer eins häufig überfordert scheinenden Jeremy Guthrie erlaubt, sein vorhandenes Potential besser auszuschöpfen.

Gemeinsam mit der zu erwartenden Weiterentwicklung der Eigengewächse Matusz, Bergesen und Tillman könnte der von Grund auf überholten Rotation der Orioles eine bessere Saison als 2009 und die eine oder andere Überraschung gelingen. Letztere gelang Brad Bergesen übrigens bereits im Dezember, als der Starting Pitcher eigentlich nur für einen Werbefilm der Orioles werfen sollte, sich dabei aber eine Kapselverletzung an der Schulter zuzog. Manager Dave Trembley ist aber zuversichtlich, den 24-jährigen Rechtshänder zum Saisonstart einsetzen zu können.

Bullpen

  • CL Michael Gonzalez
  • SU Jim Johnson
  • RP Koji Uehara
  • RP Cla Meredith
  • RP Dennis Sarate
  • RP Mark Hendrickson
  • RP Will Ohman

Auf den 31 Jahre alten Closer Michael Gonzalez, der als Free Agent aus Atlanta nach Baltimore wechselte, liegen große Hoffnungen, dass er George Sherrill, der Mitte 2009 nach LA zu den Dodgers wechselte, vergessen machen kann. Er möchte seinen ERA aus Atlanta wiederholen, wo er in 80 Spielen und 74 1/3 Innings lediglich 56 Hits und 20 Earned Runs erlaubte sowie auf zehn Saves kam, allerdings auch sieben Blown Saves verbuchte.

Johnson, der Ende 2009 als Closer fungierte, wird als Setup-Man das achte Inning übernehmen. Von Uehara und Hendrickson werden viele Innings und stabile Leistungen zu erwarten sein. Was den Rest des Bullpens angeht, so könnte sich dieser als Wundertüte entpuppen.

Talente

Nachdem Matt Wieters als Nummer eins des Rankings von Baseball America von 2009 bereits einen Stammplatz als Catcher sicher hat und im vergangenen Jahr mit den Starting Pitchern Chris Tillman und Brian Matusz gleich zwei weitere Talente aus dem Farmsystem der Orioles nachrückten, richten sich die Augen der Beobachter auf zwei weitere Nachwuchsspieler, die gute Chancen haben, im Verlauf der Saison in den Major League-Kader berufen zu werden.

Josh Bell, die Nummer 37 der Prospect-Liste von Baseball America, kam im vergangenen Jahr im Tausch für Reliever George Sherrill von den Dodgers nach Baltimore. Zwar ist seine Position, Third Base, zunächst durch die Verplichtung von Miguel Tejada blockiert, das gibt dem Switch Hitter aber die Gelegenheit, seine sehr gute Saison in Double-A (.295, 20 HR, 76 RBI) auch im Triple-A-Team in Norfolk zu bestätigen. Erste Berichte aus dem Camp der Orioles deuten aber an, dass die Verantwortlichen in Baltimore goße Stücke auf den 23-jährigen halten, der bei einer Verletzung von Tejada schon in absehbarer Zeit sein Debüt im MLB-Team feiern könnte.

First Baseman Brandon Snyder, First Round-Pick in 2005, konnte sein Potential in Triple-A nicht bestätigen. Wenn er sich aber in einer weiteren Saison in Norfolk positiv entwickelt, könnte er Ende 2010 oder Anfang 2011 so weit sein.

Mit dem rechtshändigen Starting Pitcher Jake Arrieta steht ein weiteres Talent in den Startlöchern. Der 23-jährige erreichte 2009 in Double-A und Triple-A einen ERA von 3.40 und 148 Strikeouts in 150 Innings. Auch wenn im Moment kein Platz in der Starting Rotation der Orioles ist, wird er zu gegebener Zeit seine Chance erhalten.

Linkshänder Zach Britton ist ein weiterer Starting Pitcher in der Warteschlange, der sich aufgrund der Tiefe im Farmsystem eine gezielte Entwicklung erlauben kann. Es wird erwartet, dass er nach einem ERA von 2.70 und neun Siegen in der Carolina League in Double-A beginnen wird.

Ausblick auf 2010

Der Traum von der ersten Playoff-Teilnahme seit 1997, sie dürfte auch 2010 genau dies - ein Traum - für die Baltimore Orioles bleiben, die trotz der tollen Nachwuchsarbeit und einer schlauen Transferpolitik in der Offseason das Pech haben, in der östlichen Division der American League zu spielen.

Dennoch erlaubt die Entwicklung der Orioles in den vergangenen Jahren zarte Hoffnungen, dass die Identifikation des Publikums in Camden Yards mit dem jungen und durch erfahrene Spieler ergänzten Kader weiterhin wächst und möglicherweise in zwei, drei Jahren ein Team auf dem Platz steht, das den Yankees oder Red Sox trotz der deutlich geringeren Payroll das Wasser reichen kann.

Zunächst einmal wäre das Überschreiten der magischen .500-Marke schon ein kleiner Erfolg für die Baltimore Orioles, die das Heranführen ihrer Eigengewächse zunächst über das Erreichen des kurzfristigen Erfolgs stellen. Dennoch: Für Fans der Orioles dürfte die kommende eine der spannendsten Spielzeiten der letzten Jahre werden.

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