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George Steinbrenner - "The Boss"

 
Autor: Daniel Kroiss Montag, 19. Juli 2010
 

Am Morgen des 13. Juli 2010, dem Tag des 81. All-Star-Spiels der Major League Baseball, an dem die National League ihre Negativserie beenden würde, verlor die Baseballwelt einen der erfolgreichsten Teambesitzer ihrer Geschichte: George Michael Steinbrenner III erlag einem Herzinfarkt.

Diese Ausgabe von Baseballinsider.de - Legenden wird sich mit dem Leben und dem Schaffen des langjährigen Besitzers der New York Yankees beschäftigen und seine größten Momente Revue passieren lassen.

Die Zeit vor den Yankees

Geboren wurde George Michael Steinbrenner III in Ohio. Er erlangte seinen Bachelor of Arts an der Williams Universität in Massachusetts im Jahre 1952. In seiner Studienzeit galt er als durchschnittlicher Student, dessen Fokus eher auf außerschulischen Aktivitäten wie  American Football, Leichtathletik und Klavierspielen lag. Nach dem Ableisten seines Militärdienstes bei der Air Force studierte er noch zwei weitere Jahre an der Ohio State Universität und erlangte so sein Masters-Diplom der Sportwissenschaften. Nur ein Jahr später, im Jahr 1956, lernte er seine zukünftige Ehefrau Elizabeth Joan Zieg kennen, mit der er im Laufe seines Lebens vier Kinder bekam.

Während seiner Studienzeit begann Steinbrenner als Assistent des Football Coaches zu arbeiten und sammelte so seine ersten Erfahrungen mit professionellen Sportteams. 1957 stieg er bei dem Unternehmen seines Großvaters ein, der „Great Lake Shipping Company". Bis ins Jahr 1972 hatte er den Betrieb so weit saniert, dass der Bruttoumsatz mehr als 100 Millionen Dollar betrug.

Bereits im Jahre 1960 stieg der ehrgeizige Steinbrenner gegen den ausdrücklichen Wunsch seines Vaters erstmals in das Sportbusiness ein, in dem er das Basketballteam „Cleveland Pipers" kaufte. Dieses Team gewann die damalige American Basketball League Meisterschaft in den Jahren 1961 und 1962. Nach der Saison 1962 wurde die Liga aufgrund finanzieller Probleme aufgelöst, Steinbrenner und seine Partner verloren eine Menge Geld. Nach diesem Debakel widmete sich Steinbrenner einem anderen Spielzeug: dem Theater. Zwischen 1967 und 1988 finanzierte Steinbrenner mehr als ein halbes Dutzend Shows am Broadway.

Der Boss und die Bronx Bombers

Die New York Yankees gehörten von 1965 bis 1973 dem amerikanischen TV-Netzwerk CBS, richtig glücklich wurden beide Seiten mit dieser Partnerschaft jedoch nicht. Am dritten Jänner 1973 kaufte George Steinbrenner und eine Gruppe von Investoren die Yankees von CBS für 8,8 Millionen Dollar. Steinbrenner hatte ein Jahr zuvor bereits erfolglos versucht, die Cleveland Indians zu kaufen.

Noch im selben Jahr gestaltete Steinbrenner mit dem erfahrenen Baseballfunktionär Gabe Paul die Organisation nach seinen Vorstellungen um, was bedeutete, dass viele ehemalige hohe Tiere den Club verlassen mussten. Schon hier zeichnete sich die aggressive Personalpolitik des „Bosses" ab. In 23 Spielzeiten feuerte er 20 Manager (alleine Billy Martin wurde fünf Mal gefeuert und wieder angestellt) und verbrauchte elf General Managers in 30 Jahren. Aber nicht nur mit seinem Front Office-Personal legte sich Steinbrenner an, auch mit seinen hochbezahlten Spielern kam es oftmals zu Streitereien.

George Steinbrenner führte schnell einige neue Regeln für Spieler, Coaches und männliche Mitarbeiter ein, die er sich beim Militär abgeschaut hatte: Keinem war es erlaubt, unrasiert auf dem Spielfeld zu erscheinen (Schnurrbärte waren davon ausgenommen), außer man hatte einen religiösen Grund dafür. Auch das Kopfhaar wurde auf eine „militärische" Länge reguliert.

Die manchmal etwas eigenen Ansichten des Bosses führten oftmals zu Kontroversen, die von den Medien kontrovers diskutiert wurden, wie zum Beispiel im Jahre 1981, als Steinbrenner veranlasste, dass First Baseman Don Mattingly nicht mehr spielen durfte, bis er sich rasieren würde.

Eine weitere Auseinandersetzung mit einem Spieler brachte George Steinbrenner dann sogar einmal eine Sperre für die Ausübung seiner Tätigkeit als Team-Präsident ein, diese war sogar eigentlich auf lebenslänglich angesetzt. Steinbrenner nahm 1980 den Outfielder Dave Winfield unter Vertrag. Der Kontrakt war damals auf zehn Jahre ausgelegt und war mit 23 Millionen Dollar der höchstdotierte seiner Zeit. Jedoch leistete Winfield nicht das, was sich Steinbrenner von ihm erwartete und so gerieten die beiden aneinander. Am 30. Juli 1990 wurde Steinbrenner schließlich lebenslang von allen Baseballaktivitäten ausgeschlossen, weil er einen Spielsüchtigen damit beauftragt hatte,  „Dreck über Winfield auszugraben". Steinbrenner ließ sich das immerhin stolze 40 000 Dollar kosten. Diese Aktion veranlasste Winfield auch bei seiner Einführung in die Ruhmeshalle des Baseballs, nicht die Uniform der Yankees zu tragen, sondern die seines ersten Teams, den San Diego Padres.

George Steinbrenner (mitte) beim Besuch eines Yankee-Spiels (CC-BY - Foto von chris.ptacek)
George Steinbrenner (mitte) beim Besuch eines Yankee-Spiels (CC-BY - Foto von chris.ptacek)

Die Reibereien mit Spielern und Managern führten dazu, dass viele Spieler nicht für New York spielen wollten. Im Klubhaus wie auch in der Führungsetage der Yankees herrschte eine drückende Unruhe.

1993 wurde Steinbrenners Sperre dann wieder aufgehoben. Im Vergleich zu den Jahren zuvor mischte sich Steinbrenner nicht mehr derart häufig in das Taggeschäft der Organisation ein  und überließ das Ruder seinem Vertrauten Gene Michael und seinem Team von Baseballexperten. Dies ermöglichte es auch Talenten wie Bernie Williams, in der Organisation Fuß zu fassen und nicht sofort im Tausch für etablierte Stars die Stadt wieder verlassen zu müssen.

Von diesem Zeitpunkt an begannen die Yankees nach den Sternen zu greifen, denn es war endlich Ruhe in ihren Reihen eingekehrt. 1993 kämpften sie mit dem späteren Toronto Blue Jays lange um die Playoffs, in der Streik-Saison 1994 führten sie bis zum Ende der Saison die AL East an und 1995 schafften sie den ersten Playoff-Einzug seit 1981. Von dort an gewannen sie die World Series 1996, 1998, 1999 und 2000. Im Jahr 2001 bzw. 2003 scheiterten sie erst in der Finalrunde an den Arizona Diamondbacks bzw. den Florida Marlins. Bis 2007 schafften sie jede Saison den Playoff-Einzug und wie sich im Nachhinein herausstellte, schenkten die Yankees Steinbrenner noch einen letzten Titel, als sie die World Series 2009 gegen die Philadelphia Phillies gewannen.

Ruhestand

Von seinem Rückzug aus dem Baseballgeschäft bis zu seinem Tod verbrachte Steinbrenner den überwiegenden Teil seiner Zeit in Tampa, Florida und ließ seine beiden Söhne Hank und Hal Steinbrenner die Yankees führen. Vor allem Hank wird nachgesagt, er zeige ähnliche Charakterzüge wie sein Vater. Steinbrenner Senior wurde in den letzten Jahren von allen Seiten vor der Außenwelt abgeschirmt, dennoch sickerte durch, dass er an Alzheimer litt und meist auf einen Rollstuhl angewiesen war. Im April 2010 kam zuletzt etwas aus Steinbrenners Privatleben an die Öffentlichkeit. Derek Jeter und Joe Giradi überbrachten ihm seinen World Series-Ring, anschließend beschrieben ihn beide als sehr wortkarg.

George Steinbrenner hinterlässt vier Kinder und ein geschätztes Vermögen von 1,15 Milliarden US-Dollar. Ihm gehörten nicht nur die New York Yankees, sondern er war auch Miteigentümer des NHL-Clubs New Jersy Devils.

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