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Junior verlässt die Bühne

 
Autor: Erich Kuffer Montag, 14. Juni 2010
 

Ken Griffey Junior, zumindest in Seattle schon zu Lebzeiten eine Legende, erklärte Anfang Juni seinen Rücktritt vom Baseball.

Nach Randy Johnson, Tom Glavine und Frank Thomas trat damit in diesem Jahr bereits der vierte ehemalige Superstar und potentielle Hall of Famer von der großen Major-League-Bühne ab.

Junior, mit einer großen Bürde geboren und beinahe daran gescheitert, entwickelte sich zum besten Allroundspieler der 1990er Jahre.

Die Griffeys und eine Legende

Schon seine Geburt stand unter einem guten Stern. Denn George Kenneth "Ken" Griffey jr. wurde am 21. November 1969 im Städtchen Donora in Pennsylvania geboren. In jenem Donora wurde nämlich auf dem Tag genau 49 Jahre zuvor die Cardinals-Legende Stan Musial geboren. Dazu war Ken Junior der Sohn eines begabten Baseballspielers, denn Ken Griffey Senior spielte von 1973 bis 1991 in der Major League. Während seiner Karriere schlug Griffey Sr. 152 Home Runs bei einen Schlagdurchschnitt von .296 und als Höhepunkt gewann er 1975 und 1976 die World Series mit den Reds. Großvater Buddy Griffey spielte immerhin an der Seite von Musial in der Donora-High-School-Mannschaft.

Ken Griffey Junior wurde 1987 als allererster Nachwuchsspieler überhaupt von den Seattle Mariners gedraftet. Allerdings hätte der immens hohe Erwartungsdruck beinahe tödliche Folgen gehabt. Denn Ken schlitterte in eine Depression und wollte sich deswegen 1988 mit einer Überdosis Tabletten das Leben nehmen. Glücklicherweise scheiterte der Versuch, so dass er 1989 als 19-Jähriger und damit jüngster MLB-Spieler bei den Mariners seine großartige Karriere starten konnte. Junior, wie ihn seine Fans liebevoll nannten, avancierte daraufhin zu einen der besten Spieler der letzten 20 Jahre.

Aber nicht nur das. Bei den Mariners, die erst 1977 gegründet wurden, war er der erste Superstar überhaupt und es gibt bis heute wenige Spieler, dessen Namen so eng mit einem Club und einer Stadt verknüpft sind wie der von Ken Griffey Jr. mit den Mariners und Seattle. Aber auch außerhalb Seattles erfreute sich Junior immenser Beliebtheit, so wurde er 1994 mit über sechs Millionen Stimmen in das All-Star-Team gewählt. Die bisherige Bestmarke hielt Rod Carew, der 1977 vier Millionen Stimmen erhielt.

griffey_senior
Senior und Junior - Foto von popofatticus (CC-BY)

In der Saison 1990 ging für Griffey Junior ein weiterer Traum in Erfüllung, denn sein Vater wechselte von den Reds zu den Mariners. Damit spielten zum ersten Mal Vater und Sohn in einem Team, ein Erlebnis, das den Junior schwer beeindruckte:

"That's the biggest thing that ever happened to me other than the days my kids were born. That's bigger than any record I'll ever set.... To play alongside him was the best."

In den zwei Jahren wo sie gemeinsam spielten, gelangen ihnen dann auch einige Familienrekorde. So waren sie das erste Vater-Sohn-Duo, dem Back-to-Back Home Runs gelangen.

Aufbruchstimmung in Seattle

In seinen ersten Karrierejahren war Juniors Home-Run-Ausbeute noch bescheidener Natur. Aber neben seiner Power zeichnete ihn seine Treffsicherheit sowie die Schnelligkeit zwischen den Bases aus. So erzielte er in seinen ersten vier Major-League-Jahren durchschnittlich 22 Home Runs, 15 Stolen Bases sowie einen Batting-Average von .300. Begeistert hatte er die Fans aber auch - oder vor allem - durch seine Defensivqualitäten. Durch seine Schnelligkeit konnte er einen großen Spielfeldbereich verteidigen, tollkühne Hechts nach Bällen und spektakuläre Über-den-Kopf-Fänge machten ihn bald zum Publikumsliebling in Seattle. So erhielt Griffey 1990 seinen ersten Golden Glove, eine Auszeichnung die er bis 1999 jedes Jahr einheimste. 1990 war auch das Jahr, in dem er zum ersten Mal in das All-Star-Team gewählt wurde. Bei dieses alljährlichen Sommerspektakel war er dann bis 2000 regelmäßiger Teilnehmer.

1993 stieß Griffey mit 45 geschlagenen Home Runs in neue Dimensionen vor, denn seine bisherige Saisonbestleistung lag bis dahin bei 27 Home Runs. Dazu holte er über 100 Runs und RBIs und erzielte einen beachtlichen Schlagdurchschnitt von .309. 1995 fiel Griffey einen Teil der Saison aus und als er Mitte August zurückkehrte, führte er das Team mit einen starken Endspurt in die Playoffs. Dort trafen die Mariners in einer denkwürdigen ALDS auf die Yankees. Nachdem die ersten beiden Spiele verloren wurden und das Team mit dem Rücken zur Wand stand, gewann man die folgenden zwei Spiele. Das alles entscheidende Spiel ging in das elfte Inning. Dort kam Griffey auf Base und erzielte nach einem Double von Teamkollege Edgar Martinez den siegbringenden Run. Griffey schlug in der Serie fünf Home Runs und einen AVG von .391. Für Schlagzeilen sorgten jedoch seine negativen Äußerungen über die Yankees. Denn Griffey erklärte, dass er nie für die New Yorker spielen würde, nachdem diese seinen Vater schlecht behandelt hatten und ihn als Kind aus dem Clubhaus geschmissen hätten.

Höhepunkt in Juniors Karriere war dann das Jahr 1997, als er die meisten Home Runs (56), die meisten Runs (125) und die meisten RBIs (147) erzielte und folgedessen zum MVP der American League gekürt wurde. Dies war zugleich sein einziger Award, auch wenn er im Folgejahr fast identische Leistungen erbrachte.

Back to the Roots

Nach dem Tod des Golfprofil Payne Stewart, mit dem er gut befreundet war, suchte Griffey die Nähe zu der Stadt, in der er aufgewachsen war. So wechselte Griffey nach elf Jahren bei den Mariners 2000 zu den Cincinnati Reds. Dort sollte seine erste Saison zugleich seine Beste sein. Denn 2000 war das letzte Jahr in seiner Karriere, wo er dreistellige Werte bei den Runs und RBI erreichte und an seine 40 geschlagenen Home Runs kam er nur noch 2007 mit 35 annähernd heran. Ken Griffey wurde einfach zu oft von Verletzungen geplagt, die es ihm unmöglich machten, eine Saison komplett durchzuspielen. Nur 2007 konnte er zu mehr als 600 At-Bats an das Schlagmal treten. Trotz dieser schwierigen Zeit gelang es ihm 2004, als 20. Spieler der Geschichte den Ball zum  500. Mal aus einen Major-League-Stadion zu befördern.

Highlight der Saison 2007 war dann eine Drei-Spiele-Serie zwischen den Mariners und den Reds. Die Zuschauer empfingen ihren verlorenen Sohn und Publikumsliebling trotz siebenjähriger Abwesenheit mit frenetischem Beifall. Es war zugleich die letzte gute Saison einer ansonsten herausragenden Karriere, denn Griffey schlug noch 30 Home Runs bei einen passablen Schlagdurchschnitt von .264 in 144 Spielen. Im gleichen Jahr nahm er auch zum letzten Mal am All-Star-Spiel teil, beim Voting erreichte er dabei die meisten Stimmen aller National-League-Spieler.

Intermezzo in Chicago

Obwohl seine Leistungskurve 2008 stark nach unten zeigte, sahen die Chicago White Sox in Junior die notwendige Verstärkung beim Kampf um die begehrten Playoffplätze und holten ihn deswegen zur Tradingdeadline wieder in die AL. Allerdings konnte Ken mit nur drei Home Runs und 18 RBIs in 41 Spielen nicht die notwendigen Impulse geben.

Ein alte Liebe rostet nicht

Zur Saison 2009 stand er kurz vor einem Wechsel zu den Braves. Dann jedoch entdeckte Junior seine Liebe zu den Mariners wieder und wechselte deswegen kurzentschlossen an die Pazifikküste. Seine alte Leistung fand er jedoch in Seattle nicht annähernd wieder. Er schlug zwar noch beachtliche 19 Home Runs, sein Schlagdurchschnitt sank jedoch rapide auf nur noch .214. 2010 folgte dann der Tiefpunkt, der den mittlerweile 40-Jährigen zum Rücktritt zwang. In 33 Spielen schlug er nur 18 Hits (.184), dazu sechs Runs und sieben RBIs. Seine ehemalige Stärke, nämlich den Ball aus dem Spielfeld zu schlagen, war hingegen gänzlich verschwunden. Null Home Runs standen letztendlich zu Buche. Nachdem er während eines Spiels im Clubhaus eingeschlafen und deswegen als Pinch-Hitter nicht zu gebrauchen war, geriet er trotz seines hohen Ansehens in der Stadt in die Kritik. Junior sah Anfang Juni 2010 schließlich ein, dass seine großartige Karriere vorüber ist und verkündete seinen Rücktritt vom aktiven Baseball.

The King of Seattle

Während seiner Karriere schlug Ken Griffey 630 Home Runs, womit er auf Platz fünf der ewigen Bestenliste liegt.

Ken Griffey war der erste Mariners, der die Auszeichnung des Most Valuable Players, des wertvollsten Spielers einer Liga, gewann (Ichiro Suzuki der zweite).

Ken Griffey war der letzte aktive Spieler, der 400 Home Runs bei einem Club erzielt hat.

Der 1999 eingeweihte Ballpark Safeco Field wird auch als "The House That Griffey Built" bezeichnet. Denn der Erfolg, den Ken Griffey nach Seattle brachte, gab den nötigen Impuls für den Neubau des Stadions.

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