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Karrieren mit Fehlern: Darryl Strawberry und Doc Gooden

 
Autor: Philipp Würfel Sonntag, 24. Januar 2010
 

0227_large2Darryl Strawberry und Dwight Gooden werden in diesem Jahr zusammen mit Davey Johnson und Frank Cashen in die New York Mets Hall of Fame aufgenommen. Diese wird nun auch einen Platz im neugebauten Citi Field erhalten.

Strawberry und Gooden waren zusammen mit Manager Davey Johnson, Keith Hernandez, Ron Darling und Gary Carter hauptverantwortlich für den Erfolg der Mets in der National League zwischen 1984 und 1990 mit der Krönung des Gewinns der World Series 1986.

Beide Spieler hatten so viel Talent wie nicht viele vor und nach ihnen. Doch ihr ausschweifender Lebensstil abseits des Platzes machte eine potentielle Hall-of-Fame-Karriere zunichte.

Darryl Strawberry

Darryl Eugene Strawberry wurde am 12. März 1962 in Los Angeles/Kalifornien geboren. Er besuchte die Crenshaw-High-School in LA bevor er 1980 von den Mets als Nummer eins im Draft ausgewählt wurde. Er unterschrieb wenige Wochen später und marschierte in der Folge durch die diversen Minor-League-Teams, ehe er im Mai 1983 sein Debüt in der MLB feierte.

Strawberry schlug .257 (OBP .336/SLG .512) mit 26 Home Runs, 63 Runs und 74 RBI in 122 Spielen und wurde am Ende des Jahres zum Rookie of the Year ernannt. Seine beste Zeit hatte er wohl 1987 und 1988, als ihm jeweils 39 Home Runs, mehr als 100 Runs, sowie mehr als 100 RBI gelangen. Beim MVP-Voting 1988 und 1990 landete er in den Top drei.

Der Outfielder spielte in seiner 17-jährigen Karriere neben den Mets auch für die Los Angeles Dodgers, San Francisco Giants und die New York Yankees. Achtmal wurde er zum All-Star-Spiel eingeladen. Zweimal schlug er jeweils drei Home Runs in einem Spiel, 1985 gegen die Cubs und 1996 gegen die White Sox. Insgesamt hatte er einen Schlagdurchschnitt von .259 (OBP .357/SLG .505) mit 1.401 Hits, 335 Home Runs, 898 Runs und 1.000 RBI in 1583 Partien.

Dwight Gooden

Dwight_Gooden
Dwight Gooden (CC-BY - Foto von slgckgc)

Dwight Eugene Gooden, oder auch unter Doc Gooden oder Dr. K bekannt, wurde am 16. November 1964 in Tampa/Florida geboren. Er wurde 1982 von den Mets aus der Hillsborough High School heraus  als Nummer-fünf-Pick gedraftet. Schon zwei Jahre später feierte er im Alter von 19 Jahren sein Debüt in der MLB und gewann mit einer Bilanz von 17 Siegen, neun Niederlagen, einem ERA von 2.60, sowie 276 Strikeouts (73 Walks) in 218 Innings den Rookie-of-the-Year-Award und landete auf Rang zwei im Cy-Young-Award-Voting.

1985 gewann er schließlich mit einer der dominantesten Leistungen in der Geschichte des Baseballs seinen einzigen Cy-Young-Award. Er verbuchte 24 Siege, bei nur vier Niederlagen und einem ERA von 1.53 (ERA+ 228). In 16 Partien ging er über die volle Distanz, achtmal via Shutout. In 276 2/3 Innings gelangen ihm 268 Strikeouts bei 69 Walks. Er führte die Liga zum zweiten Mal bei den Strikeouts an und lag auch beim ERA, sowie den gepitchten Innings auf Platz eins, die Triple Crown war perfekt.

In der Folgezeit blieb er ein sehr guter Pitcher, auch wenn seine Dominanz nur noch selten aufblitzte. 1994 beendete eine Suspendierung aufgrund von Kokain-Missbrauchs seine Mets-Karriere. Nach Ablauf der Sperre erhielt er bei den New York Yankees 1996 eine neue Chance und pitchte bis zu seinem Rücktritt nach der Saison 2000 zudem für die Cleveland Indians, Houston Astros und Tampa Bay Devil Rays.

In 16 Jahren MLB gewann der Rechtshänder 194 Siege bei 112 Niederlagen sowie einem ERA von 3.51 (ERA+ 111) in 430 Einsätzen (410 Starts). Er verbuchte 2.293 Strikeouts in 2.800 2/3 Innings (954 Walks). Viermal wurde er zum All-Star-Spiel eingeladen. Fünfmal landete er im Cy-Young-Award-Voting unter den ersten sieben. Seine letzte Sternstunde hatte er im Mai 1996 als ihm ein No-Hitter gegen die Seattle Mariners gelang, nachdem er zuvor aufgrund schlechter Leistungen fast entlassen wurde.

 

World Series 1986 und die Mets der 1980er Jahre

Im Januar 1980 kaufte Nelson Doubleday Jr. die New York Mets nachdem sie zuvor dreimal in Folge auf dem letzten Platz in der National League landeten. Er verpflichtete Frank Cashen, der zuvor als Funktionär bei den Baltimore Orioles an den World-Series-Titeln 1966 und 1970 beteiligt war. Cashen sagte voraus, dass es ungefähr vier bis fünf Jahre dauern würde, bis die Mets konkurrenzfähig würden. Er sollte recht behalten.

Der neue General Manager wählte im Draft neben Strawberry und Gooden auch Lenny Dykstra aus. Des Weiteren verpflichtete Cashen Davey Johnson, Keith Hernandez, Gary Carter, Dave Kingman, George Foster, Ron Darling und Howard Johnson, um ein schlagkräftiges Team um die beiden Jungstars aufzubauen. Dazu kam noch die die Beförderung von Mookie Wilson aus den Minors.

Mit Davey Johnson als Manager und den Strawberry und Gooden neben den etablierten Routiniers Hernandez und Carter gewannen die Mets in jeder Saison mindestens 87 Spiele und landeten zwischen 1984 und 1990 immer auf Rang eins oder zwei in der National League East. Höhepunkt der Ära war der World-Series-Titel 1986, als sie nach 108 Siegen in der regulären Saison, zuerst die Houston Astros und später die Boston Red Sox in die Knie zwingen konnten.

Zwei Jahre später scheiterten sie in sieben Spielen gegen die Los Angeles Dodgers knapp an einer weiteren World-Series-Teilnahme. Das Talent und Potential für eine Dynastie war durchaus vorhanden. Doch Disziplinlosigkeiten, Drogen, Alkohol und ein paar unglückliche Trades von Cashen verhinderten dieses Vorhaben.  

Alkohol, Drogen, Gefängnis

Was der Alkohol in den 1960er, bzw. 1970er war (eigentlich durchweg bis heute) und die Steroide der 1990er, das war der Kokain- und Drogenmissbrauch in den 1980er. Nicht nur im Baseball, sondern auch in anderen Profisportarten. Als populäre Jungstars in New York kamen Strawberry und Gooden schon früh in Kontakt mit Drogen, Alkohol und anderen Versuchungen.

Es half auch nicht, dass sie bei den Mets unter Vertrag standen, die zu der Zeit nicht nur bei den Siegen auf Platz eins standen, sondern wohl auch bei Dealern und Zuhältern ganz oben im Kurs standen. Jeff Pearlmans „The Bad Guys Won – A Season of Brawling, Boozing, Bimbo-chasing and Championship Baseball with….” beschreibt nicht nur die Saison 1986, sondern gibt Einblick in die Kultur der Mets zu dieser Zeit. Als schockierendes Ereignis Nummer eins gilt dabei wohl der Rückflug des siegreichen Teams nach der NLCS in Houston, bei dem nicht nur die Innenausrichtung auseinandergenommen wurde, sondern Drogen offen konsumiert wurden. [Einen Auszug aus Jeff Pearlmans Buch gibt es bei ESPN.com]

Jahrelang gab es Spekulationen, dass Goodens abfallende Leistungen mit Pitching Coach Mel Stottlemyre, sowie den vielen Innings am Anfang seiner Karriere im Zusammenhang standen. Doch im Nachhinein betrachtet, dürfte klar sein, dass der extensive Drogenkonsum hauptsächlich dafür verantwortlich war. Im Dezember 1986 geriet der Pitcher nach einer Schlägerei zum ersten Mal in Konflikt mit dem Gesetz. Erste Gerüchte über die Drogenprobleme von Gooden folgten in den Medien, die im Spring Training darauf bestätigt wurden, als er positiv auf Kokain testete. Er unterzog sich einer Entziehungskur, um einer Suspendierung zu entgehen und verpasste die ersten beiden Monate der Saison.

In der Saison 1994 wurde er erneut auf Kokain positiv getestet und wurde für 60 Tage gesperrt. Noch während der Suspendierung fiel er bei einem Drogentest erneut durch und wurde daraufhin für die gesamte Saison 1995 gesperrt. Gooden bekam sein Lebensstil auch nach Karriereende nicht in den Griff. Zwischen 2002 und 2006 wurde er wegen Alkohol und Drogenvergehen, sowie Gewalttätigkeiten gegen seine Lebensgefährtin diverse Male verhaftet und zu Bewährungsstrafen verurteilt. Im Frühjahr 2006 trat er schließlich freiwillig eine Haftstrafe von sieben Monaten an, um „clean“ zu werden.

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Darryl Strawberry (CC-BY-ND - Foto von tonystl)

Auch Strawberry fiel schon in den 1980er mit Disziplinlosigkeiten, Auseinandersetzungen mit Teamkollegen und häuslicher Gewalt auf. Er kam oft zu spät zum Training oder verpasste es komplett. Der Streit mit Keith Hernandez und Wally Backman erreichte die Öffentlichkeit. Vor besagtem Spiel sechs der NLCS gegen die Astros 1986 soll er seine damalige Frau geschlagen haben. 1995 wurde er in Kalifornien wegen dem Nichtbezahlen von Unterhaltzahlungen angeklagt, konnte sich mit der Staatsanwaltschaft aber auf einen Vergleich einigen. Doch wie bei Gooden, folgte der negative Höhepunkt erst nach seinem Karriereende.

Zwischen 1999 und 2004 wurde er wegen Prostitution, Drogenbesitz- und missbrauch zu Bewährungsstrafen verurteilt und verbrachte einige Monate abwechselnd in Entziehungskliniken und im Gefängnis, nachdem er diverse Male gegen Auflagen verstieß. Major League Baseball sperrte ihn 1999 für 140 Tage. Zu allem Überfluss wurde 1998 Darmkrebs bei Strawberry festgestellt, der sich später auch in die Lymphknoten ausbreitete.  Bei einer Operation 2000 wurde Tumor, sowie eine Niere entfernt.

Zweite Chance bei den New York Yankees

Strawberry und Gooden haben aber nicht nur eine gemeinsame Vergangenheit bei den Mets, sondern auch bei den Yankees. Sie sind die einzigen Spieler in der Geschichte, die bisher mit den beiden derzeitigen New Yorker Major League Teams jeweils eine World Series gewonnen haben. Strawberry kam 1995 zu den Bronx Bombers und fungierte bis 1999 mehr oder weniger als Backup-Outfielder. In 231 Spielen schlug er .255 (OBP .362/SLG .502) mit 41 Home Runs, 105 Runs und 114 RBI. 1996, 1998 und 1999 erhielt er einen weiteren World-Series-Ring.

Gooden erhielt nach seiner einjährigen Drogensperre 1996 bei den Yankees eine neue Chance, blieb dort bis Ende 1997, ehe er 2000 noch einmal zurückkehrte. Höhepunkt neben den World-Series-Titeln 1996 und 2000 war der bereits erwähnte No-Hitter gegen die Mariners. Er kam in 67 Partien (53 Starts) zum Einsatz und verbuchte 24 Siege, bei 14 Niederlagen und einem ERA von 4.67 in den drei Jahren.

Keine Chance auf die Hall of Fame

Auf die Hall of Fame hatte das Duo keine Chance. Das Talent für eine großartige Karriere war zwar durchaus vorhanden, doch nur ein paar brillante Jahre in der MLB reichen nicht, um nach Cooperstown zu kommen. Strawberry erhielt 2005 nur 1,2 Prozent der Stimmen bei der Hall-of-Fame-Wahl, Gooden schnitt ein Jahr später mit 3,3 Prozent nur ein wenig besser ab.  

Geläuterte Altstars

Strawberry und Gooden scheinen mittlerweile die Kurve bekommen zu haben. Strawberry, dessen Sohn DJ in der NBA aktiv war und mittlerweile in Italien Basketball spielt, lebt mit seiner dritten Frau Tracy, die er in der Reha kennengelernt hat, in Florida und arbeitet als Teilzeit-TV-Experte bei Spielen der Mets. Gooden, dessen Neffe Gary Sheffield bei ihm aufwuchs, lebt ebenfalls in Florida, tritt aber nur noch selten in der Öffentlichkeit auf. Beide sind regelmäßig als Gast-Coaches beim Spring Training der Mets und Yankees aktiv.

Kommentare
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freshprince85
(Registered) 25-01-2010 16:07
Oh man ... und nun daneben die Mets von heute :(
 
Phil
(SAdministrator) 26-01-2010 17:53
Mehr Hintergrund zu Strawberry und Gooden gibt es bei Tom Verducci und Sports Illustrated http://sportsillustrated.cnn.com/2010/writers/tom_verducc...
 
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