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Der "Trade" des Jahrhunderts

 
Autor: Erich Kuffer Montag, 11. Januar 2010
 
legendenAls sich am 15. Oktober 1923 die Yankees-Spieler nach dem letzten Aus jubelnd in die Arme fielen und den ersten World-Series-Sieg des New Yorker Clubs feierten, ahnten sie sicher noch nicht, dass dies erst der Auftakt zu einer Erfolgsgeschichte war, die in Amerika seinesgleichen sucht. Denn die Yankees mauserten sich zum erfolgreichsten Team im Profisport, während der Rivale aus Boston in eine Jahrzehnte dauernde Erfolglosigkeit abglitt.

Und begonnen hatte alles vier Jahre vorher mit einen Trade, der die Geschichte der beiden Baseballclubs nachhaltig änderte.

Boston Red Sox

Die Boston Red Sox waren zu Beginn des 20. Jahrhundert das beste Baseballteam auf dem amerikanischen Kontinent. Bis 1918 hatten sie bereits fünf World Series Titel gewonnen. Ein Garant für den Erfolg war dabei ein junger Spieler, der 1914 zu dem Team stieß und bei den Titelgewinnen 1915, 1916 und 1918 bereits ein Leistungsträger war.

Sein Name war George Herman „Babe" Ruth, welcher heute als bester Baseballspieler aller Zeiten betrachtet wird. In Spiel zwei der World Series 1916 stand Ruth 14 Innings auf dem Mound, dabei ließ er nur einen Run zu und sicherte somit einen wichtigen Sieg. 1918 holte er in der World Series sogar zwei Siege, als er über insgesamt 17 Inning nur zwei Runs kassierte. An den Tagen wo er nicht pitchen musste, spielte Ruth im Outfield und avancierte dort nach und nach zu einen der gefürchtesten Hitter der Liga. So stellte er 1919 mit 29 Home Runs die neue Rekordmarke für die Major League auf.

Harry Frazee und der Colonel

Aber 1919 zogen dunkle Wolken am Red-Sox-Himmel auf. Eigentümer Harry Frazee, der die Red Sox erst 1916 für 675.000 Dollar in Form von Cash und Schuldverschreibungen gekauft hatte, plagten finanzielle Probleme. Sorgenkind war aber nicht nur das Baseballteam, in dem Ruth mit seinem Gehalt von 10.000 Dollar das Budget belastete, sondern vielmehr Frazees Theateraktivitäten.

Denn Frazee hatte seine Wurzeln im Theater und brachte bereits eine Vielzahl von Musicals erfolgreich auf die Bühne. Allerdings war die Zeit für Unterhaltung damals ungünstig. Der erste Weltkrieg war gerade beendet und den Menschen war nicht nach geselligen Zeitvertreib. So sanken seine Einnahmen aus dem Theater, das Interesse an Baseball war mäßig und Ex-Eigentümer Lannan besaß immer noch genügend Schuldscheine, die bedient werden mussten. Dazu hatte er noch vor der Saison den Vertrag mit Babe Ruth um weitere drei Jahre und 30.000 Dollar verlängert. Querelen mit MLB-Commissioner Ban Johnson, mit dem es immer wieder Differenzen gab, machten Frazees Lage auch nicht einfacher.

Frazees Theaterbüro in New York war nur wenige Meter vom Büro der Yankees entfernt. So traf es sich, dass er mit Yankees-Miteigentümer Tillinghast Huston in den New Yorker Clubs den einen oder anderen Drink zu sich nahm und dabei über seine Probleme plauderte. Der ehemalige Colonel und vor allem sein Miteigentümer Jacob Ruppert, der aus einer bayrischen Brauererdynastie stammte, hatten zwar nur ein mittelmäßiges Baseballteam, dafür jedoch jede Menge Geld zur Verfügung. Als sie ihren Manager Miller Huggins eines Tages fragten, wie man das Team verbessern könnte, meinte dieser nur: „Bringt mir Ruth aus Boston."

Der Nährboden für den Deal hätte damit kaum besser sein können.

Der Trade

So kam es am 26.12.1919 zu dem Trade, der die damalige Baseballwelt aus ihren Fugen hob. Babe Ruth, seines Zeichens Superstar der Boston Red Sox, wechselte für die Rekord-Summe von 100.000 Dollar zu den New York Yankees. Während die Eigentümer den Deal perfekt machten und die finanziellen Bedingungen aushandelten, fuhr Huggins nach Los Angeles, um den dort weilenden Star über seinen neuen Arbeitgeber zu informieren. Man wollte mit dem exzentrischen Spieler keine Überraschung riskieren, aber Ruth willige ohne Umschweife ein. Neben dem Bargeld erhielt Frazee von den Yankees-Eignern auch ein Darlehen zur Modernisierung des Fenway Parks. Das einzige ernsthafte Gegenangebot kam von den White Sox, diese boten Shoeless Joe Jackson und 60.000 Dollar. Aber Frazee bevorzugte die reine Cashvariante.

Um den Grund des Trades rankten sich kurz darauf viele Gerüchte und Legenden. Eine davon besagt, dass Frazee mit dem eingenommenen Geld sein Muscial „No, No, Nanette" finanzieren wollte. Dieses wurde jedoch erst 1925 am Broadway aufgeführt. Wahrscheinlicher ist, dass das Stück „My Lady Friends", das bereits im Dezember 1919 uraufgeführt wurde, damit subventioniert wurde.

Ein weiterer Grund, zumindest ein Umstand der Frazee den Verkauf seines besten Spielers erleichterte, war Ruths Charakter. Babe galt als undiszipliniert und jähzornig. So kam es schon mal vor, dass er die Umpires mit Dreck bewarf, was ihm dann eine Sperre einbrachte. Dazu hielt er sich gerne und lange in Nachtclubs auf und trank oft wenige Stunden vor einem Spiel noch Alkohol. Ruth soll zudem während der Saison 1919 eine Verdoppelung seines Gehalts auf 20.000 Dollar gefordert und damit gedroht haben, ansonsten nicht mehr zu spielen.

Obwohl es damals der mit Abstand teuerste Verkauf eines Spieler war, was vor allem in Boston für Entrüstung sorgte, beherrschte der Blacksox-Skandal, in dem Spieler der White Sox Spiele verschoben hatten, immer noch die Schlagzeilen. Da kam der Verkauf von Babe Ruth dem Baseballsport gerade recht. Ein junger dynamischer Spieler in der glitzerndsten Metropole der USA sollte von dem Skandal ablenken.

New York Yankees

yankees1923

Die Yankees 1923 - am Ziel ihrer Träume (CC-BY-ND - Foto von 2eklectik)

Babe Ruth schloss sich also 1920 einen Team an, das bis dahin relativ bedeutungslos war. Die Yankees hatten noch keinen einzigen American-League-Titel, geschweige denn eine World Series gewonnen. Aber Ruth machte seine Sache in seiner ersten Yankees-Saison sehr gut. So pulverisierte er mit 54 Home Runs seinen eigenen Rekord aus dem Jahr zuvor. Und die Yankees formten um ihn ein Gewinnerteam, dass 1921 zum ersten Mal die American League gewann und schließlich 1923 den ersten World-Series-Titel holte. 1927 hatten die Yankees dann mit Babe Ruth, Lou Gehrig oder Tony Lazzeri spätere Hall of Famer in ihren Reihen und eines der besten Teams, welches jemals in der Major League antrat. Zusammen mit Lou Gehrig bildete Ruth dabei das beste Batting-Duo aller Zeiten. Aber die New Yorker verliessen sich nicht nur auf die Baseballkünste der beiden. Selbst nach deren Rücktritt waren die Yankees das dominierende Team der American League. Nachfolgende Stars wie Joe DiMaggio, Yogi Berra oder Mickey Mantle heimsten die World-Series-Titel reihenweise ein.

Der Fluch des Bambinos

Die Red Sox hingegen blieben glücklos. Nach dem Weggang von Ruth hatte das ehemals beste Baseballteam bis 1934 jedes Jahr mehr Niederlagen als Siege auf dem Konto und dümpelte folgedessen meist im Tabellenkeller dahin. Selbst der große Ted Williams konnte den Erfolg nicht nach Boston holen. Da man einige Male in aussichtsreichen Situationen sehr viel Pech hatte, kam in Boston bald die Legende vom „Fluch des Bambino" auf - mit Babe Ruth wurde das Glück nach New York verkauft.

Auch Eigentümer Frazee wurde in Boston nicht mehr glücklich. Der Frust und die damit verbundene Abneigung gegen den Eigentümer saßen tief. Da half es auch nichts, dass Frazee das Team 1923 wieder verkaufte. Er blieb Zeit seines Lebens ein Geächteter in Boston. Die Red Sox konnten den Fluch des Bambino erst 86 Jahre nach ihren letzten World Series Erfolg brechen. In einer dramatischen Playoff-Serie gegen die Yankees konnten sie einen 0-3 Rückstand drehen und anschließend die World Series 2004 gewinnen.

Wie beeindruckend der Fluch des Bambino heute noch ist, zeigt folgende Gegebenheit, die sich 2008 beim Bau des neuen Yankee-Stadium zugetragen hat. Ein Bauarbeiter, der bekennender Red Sox Fan war, betonierte ein Trikot von David Ortiz nahe der Home-Base ein. Allerdings bekamen die Yankees Wind von der Sache; und statt das Ganze auf sich beruhen zu lassen, wurde in einer aufwendigen Aktion das komplette Fundament mit Presslufthammern aufgebrochen, bis das Trikot endlich geborgen werden konnte. Der Fluch des Bambino konnte dadurch abgewendet werden, was wohl der Titelgewinn von 2009 beweist.

 

Im demnächst folgenden zweiten Teil der Legende werden wir uns speziell der Karriere und dem Leben von Babe Ruth widmen.

Kommentare
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Daniel
(Publisher) 13-01-2010 22:36
Dachte das Fundament wurde nur auseinander genommen, aber das Dreß niemal gefunden?
 
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dancariaz
(Registered) 13-01-2010 22:49
doch, dass Trikot wurde gefunden. Zum Dank hat uns das Stadion gleich den Titel geschenkt :)



Ich stell mir nur vor wie "geil" das für den Red Sox Fan gewesen sein muss, das Stadion des
Erzrivalen errichten zu müssen. Da wurde wohl wieder einer vom Fluch des Bambino eingeholt :D
 
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Daniel
(Publisher) 13-01-2010 22:56
Also Busch Stadium wurde mit einem Titel eingeweiht, das neue Yankees Stadium auch, welches ist als
nächstes dran, die Twins bauen glaub ich ein neues oder?
 
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Johannes
(Publisher) 13-01-2010 23:07
Wird auch Zeit, Mauer könnte bald weg sein... B)
 
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Basti
(Publisher) 14-01-2010 09:09
Bin gespannt wie man dort ne World Series spielen möchte im November :P Das kann ech was geben...
 
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Willitouch
(Registered) 14-01-2010 13:01
Der Ausgleich der Red Sox und das Zustandekommen desselben im neunten Inning in Spiel vier der
2004er ALCS ist wohl einer der legendärsten Momente im modernen Baseball!
 
re:
Erich
(Publisher) 14-01-2010 16:51
dancariaz schrieb:
Ich stell mir nur vor wie "geil" das für den Red Sox Fan gewesen sein muss, das Stadion des
Erzrivalen errichten zu müssen.


Der hat sich meines Wissens extra für diesen Bautrupp einteilen lassen, nur um das Trikot verbuddeln
zu können. Dumm nur, dass er sich hinterher verplappert hat und es die Yankees dann erfahren haben.
:P
 
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Cecil_Rhodes
(91.67.247.xxx) 15-01-2010 08:59
Das unglaubliche bei Ruth sind neben den phänomenalen batting-Statistiken auch die Pitchingstats.
Career ERA von 2.28. Sowas traue ich heute höchstens noch Nick Swisher zu B)
Freue mich schon auf den zweiten Teil

@ dancariaz: Ich denke, er war aber auch froh, dass "The House That Ruth Built" damit
endgültig Geschichte wurde ;)

Da fällt mir die neue Simpsonsfolge wieder ein, auch wenn sie durch den World Series Erfolg etwas
Wahrheitsgehalt eingebüßt hat. Homer: "America is the New York Yankees of countries. Powerful
and respected until the year 2000." :lol:
 
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