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Goose Gossage in die Hall of Fame aufgenommen

 
Autor: Christoph May Sonntag, 27. Juli 2008
 

Wenn Richard Michael Gossage, vielen besser bekannt als „Goose“ Gossage, heute in Cooperstown, New York als einziger Spieler in die Baseball Hall of Fame aufgenommen wird, bedeutet das für ihn das Ende eines langen Wartens. Nach acht erfolglosen Anläufen hat es der heute 57-Jährige in diesem Jahr endlich in die Ruhmeshalle des Baseballs geschafft. Damit befindet er sich nun in einem besonders elitären Kreis. Denn er ist erst der fünfte Relief Pitcher, der in der Geschichte der Hall of Fame für Cooperstown-würdig befunden wurde.

Ein Baseball-Pionier

Insgesamt 22 Jahre war Gossage in den Major Leagues unterwegs und spielte dabei für neun verschiedene Teams. Seine beste Zeit verbrachte er in den späten 70er bzw. frühen 80er Jahren bei den New York Yankees und San Diego Padres. Mit den Yankees konnte er 1978 den größten Erfolg seiner Karriere mit dem Gewinn der World Series feiern.  Insgesamt neun Mal war er All-Star. Der Rechtshänder, der ursprünglich aus Colorado kommt und auch heute wieder dort wohnt, war einer der ersten Pitcher, der aus dem Bullpen zu einem der dominierenden Werfer der Liga wurde. Damit stand er am Anfang einer neuen Ära, in der sich der Closer zu einer der wichtigsten Figuren eines MLB-Teams entwickelte. Für viele der heutigen Pitcher kann Gossage immer noch als Prototyp eines herausragenden Closers gelten. Seine beeindruckende Statur, seine furchteinflößende Gestik und sein gewaltiger Fastball machten ihn zu einem der besten Relief Pitcher aller Zeiten. Er gilt als Pionier seines Faches, der maßgeblich zur Entwicklung des Relief-Pitchings wie wir es heute kennen beigetragen hat. Während der Bullpen früher Tummelplatz für abgehalfterte Oldie-Pitcher war, ist er heute der Ort für Spezialisten mit klar festgelegten Rollen. Gossage half dabei, diesen Übergang zu gestalten. Gossage ist sozusagen ein Brückenbauer, denn er hat in seiner langen Karriere beide Phasen erlebt. Daher wurde er nicht nur für seine Leistungen, sondern auch für seine Rolle als Spieler, der den Baseballsport verändert hat, jetzt in die Hall of Fame berufen. Gossages Statistiken können noch heute beeindrucken. Immer noch rangiert er hinter „Co-Hall of Famer“ Hoyt Wilhelm als Relief-Pitcher mit den zweit meisten Strikeouts (1502) in der MLB-Geschichte. Auch in den Kategorien „Meiste Siege“ und „Meiste geworfene Innings“ eines Relief-Pitchers hält er sich weiterhin unter den Top 3 aller Zeiten.

Das Jahr 1978

Das beste Jahr seiner Karriere hatte er wohl 1978 für die Yankees, bei denen er als Free Agent im November 1977 unterschrieb. Dabei wollte er zunächst gar nicht nach New York. Er wäre eigentlich lieber bei den Pirates geblieben, wo sein Entdecker und langjähriger Manager Chuck Tanner die Zügel in der Hand hielt. Da die Pirates aber nicht bereit waren, Gossage ein ordentliches Vertragsangebot zu unterbreiten, riet auch Tanner seinem Schützling zu einem Wechsel. Gossage unterschrieb bei den Yankees und gewann in seiner ersten Saisin gleich 10 Spiele, erzielte 27 Saves und pitchte 134 1/3 Innings, was heute für einen Relief-Pitcher wohl undenkbar wäre. In den entscheidenden Momenten dieser Saison stand er auf dem Mound. Erst gelang ihm der Save im entscheidenden One-Game-Playoff-Spiel gegen die Red Sox um den Titel in der AL East, dann sicherte er den Sieg in der Championship Series gegen die Kansas City Royals und schließlich warf er die letzten zwei Innings der World Series gegen die Los Angeles Dodgers. Man kann wohl sagen, dass die Yankees in diesem Jahr nicht Meister geworden wären ohne Goose Gossage. Verdientermaßen gewann  Gossage wegen dieser Leistungen den American League Rolaids Relief Award.

Späte Berufung

Trotz dieser Leistungen war es lange Zeit unklar, ob es Gossage überhaupt jemals in die Hall of Fame schaffen würde. Als er im Jahr 2000 das erste Mal auf den Wahlzetteln der amerikanischen Baseballjournalisten erschien, votierten nur 33 % für seine Aufnahme in die Hall of Fame. Für Gossage schien diese Ablehnung ungerechtfertigt. Und auch andere Baseballgrößen wie Tony Gwynn oder Cal Ripken Jr. setzten sich für Goose ein, als dieser 2007 immer noch nicht den Sprung in die Ruhmeshalle schaffte. Wie konnte es also passieren, dass einer der besten Relief-Pitcher aller Zeiten so lange links liegen gelassen wurde? Hauptverantwortlich dafür war wohl seine vergleichsweise geringe Anzahl an Saves, dem aus Sicht der Votierenden wichtigsten Gradmesser zur Bewertung eines „Relievers“. Zwar führte Gossage die Liga drei Mal in der Kategorie Saves an, seine höchste Saisonmarke lag jedoch nur bei 33 im Jahr 1980.

„Ich habe immer gesagt: was die heutigen Closer leisten ist einfach verglichen mit dem, was wir damals taten.“ - Goose Gossage


Zum Vergleich, Francisco Rodriguez von den Angels hat Ende Juli, also zwei Monate vor Saisonende, schon 42 Saves auf seinem Konto. Und auch Gossages Marke von 310 Karriere-Saves verblasst gegenüber Trevor Hoffman, der schon 542 in seiner Karriere gesammelt hat. Diese Vergleiche hinken jedoch. „It's apples and oranges“, wie Gossage kürzlich sagte, denn er warf in einer anderen Baseball-Epoche. Damals waren Closer nicht wie heute nur für ein Inning vorgesehen. Sie mussten teilweise bis zu vier Innings werfen, häufig auch in Situationen, wo es keine Möglichkeit gab, einen Save zu erzielen. In seiner Karriere ist Gossage in erstaunlichen 52 Spielen der Save gelungen, in denen er mindestens sieben Outs schaffen musste.  Mariano Rivera, einem von Gossages Nachfolgern als Yankees-Closer, den viele Experten für den besten Closer aller Zeiten halten, ist dies nur ein einziges Mal gelungen. Wie Gossage in einem Interview richtig angemerkt hat, kann man die heutigen Closer nicht mit denen von vor 30 Jahren vergleichen. Fest steht aber, dass Goose Gossage damals über Jahre zu den aller besten seiner Zunft zählte. 2008 hat sich das dann auch unter den Baseballjournalisten herum gesprochen, denn 86 % von ihnen stimmten für Gossage ab. Wie ein Kind freue er sich auf die heutige Zeremonie, bei der er vermutlich auch die eine oder andere Träne verdrücken werde, sagte Gossage im Vorfeld der Veranstaltung.

Fastball, Fastball, Fastball

Gossage war kein sonderlich vielseitiger Pitcher. Er war zwar in der Lage, ab und zu einen Changeup oder Curveball zu werden. Aber letztlich war es doch sein atemberaubender Fastball, dem er seinen Erfolg zu verdanken hatte. Gewöhnlich lag dieser im Bereich zwischen 98 und 100 Meilen, was deutlich macht, warum er seine „secondary pitches“ so selten benötigte. Da er seinen Fastball auch noch gut unter Kontrolle hatte, wurde dieser zur dominierenden Waffe. Kirk Gibson hält Gossages Fastball nach wie vor für „das härteste, das ich jemals gesehen habe.“ Gossage warf frei nach seinem Motto „Nichts schlägt pure Kraft“.

„Er kam aus dem Bullpen wie John Wayne. Er hatte vor niemandem Angst.“ - Chuck Tanner, Gossages ehemaliger Trainer bei den White Sox und Pirates

Gossage wollte es dem Schlagmann so unbehaglich wie möglich machen. Das gelang ihm neben seinen Pitches auch durch seine Statur. Bei seinen über 1,90 Meter Körpergröße und dem enormen Schnäuzer hatten sicher die meisten Hitter ein flaues Gefühl im Magen, wenn sie ihm in den spielentscheidenden Momenten gegenüber standen. Dazu besaß er die Fähigkeit, mit finsterer Miene seine Gegner in Grund und Boden zu starren. Dabei gilt Gossage abseits des Platzes doch als angenehmer, ja sogar sehr bescheidener Zeitgenosse. Es war sein erster Manager in den Major Leagues, Chuck Tanner, der ihn zunächst in den Bullpen steckte und ihm dann den Rat gab, auf dem Mound in die Rolle des Bösewichts zu schlüpfen. Und Gossage war bereit, diesem Rat zu folgen. Bereit, für seine Chance, sich als Junge aus der Provinz in den Major Leagues zu beweisen, alles zu tun. „Ich hätte sogar die Toiletten geputzt. Alles hätte ich gemacht, nur um dort zu bleiben“, veranschaulichte er einmal sehr schön diese Bereitschaft.

Warum eigentlich „Die Gans“?

Nachdem nun so viel über Richard „Goose“ Gossage geschrieben wurde, soll auch noch diese Frage beantwortet werden. Warum wurde Rich Gossage eigentlich „Goose“, also die Gans, genannt? Die Antwort ist simpel. Sein Mannschaftskamerad Tom Bradley, mit dem Gossage damals das Zimmer teilte, fiel auf, dass Gossage, wenn er sich über den Mound beugte, um das Zeichen des Catchers zu bekommen, aussah wie eine Gans. Das fanden die anderen Teamkollegen wohl ebenso und so kam es, dass Rich Gossage Baseballfans von da an nur noch als „Goose“ Gossage bekannt war. Vor geschätzten  15 000 Fans in Cooperstown wird „Die Gans“ durch die Einführung in die Ruhmeshalle des Baseballs heute unsterblich. Herzlichen Glückwunsch, Goooooooooose! 

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