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Jungstars in die Minors

 
Autor: Thomas Kuhnert Mittwoch, 26. März 2008
 

Das jetzt sogar alle vier den Sprung in die Major League nicht zum Eröffnungsspieltag schafften, scheint dabei nur auf den ersten Blick überraschend. Denn die Leistung ist dabei nur ein Aspekt. Colby Rasmus gelangen bisher in 43 Spring Training At Bats beachtliche 13 Hits, darunter drei Home Runs, und drei Stolen Bases. Jedoch konnten mit Rick Ankiel, Skip Schumaker, Ryan Ludwick und Brian Barton gleich vier seiner Gegner im Kampf um einen Stammplatz im Outfield der Cardinals ebenfalls überzeugen und Chris Duncan ist trotz bisher schwacher Leistungen wohl gesetzt. Gerade Bartons gute Leistungen sind hier von großer Bedeutung, denn bei ihm besteht nicht die Möglichkeit ihn in die Minor Leagues zu schicken, da er im Dezember im Rule 5 Draft von den Cleveland Indians verpflichtet wurde.

Dazu ein kleiner Exkurs: Der Rule 5 Draft soll verhindern, dass Teams zu viele junge Talente ansammeln, die dann nicht zum Einsatz in den Majors kommen, obwohl sie bei anderen Clubs die Chance dazu hätten. Dabei können alle Spieler eines anderen Clubs ausgewählt werden, die im Dezember nicht in dessen 40-Mann-Kader stehen und mindestens fünf Jahre unter einem Minor-League-Vertrag standen, der vor dem 19. Geburtstag unterzeichnet wurde. Bei Unterschrift danach verringert sich die erforderliche Anzahl an Jahren auf vier. Daraus resultiert auch, dass nur die Clubs, deren 40-Mann-Kader nicht voll ist, auf diesem Wege einen Spieler verpflichten können. Eines der prominentesten Beispiele ist Johann Santana, der 1999 von den Astros zu den Marlins ziehen gelassen wurde, die ihn dann sofort nach Minnesota transferierten. Damit diese Regelung ihren Sinn – eben mehr Einsatzzeit für Talente – auch wirklich erfüllt, muss der erworbene Spieler die gesamte kommende Saison im 25-Mann-Kader oder auf der Disabled List stehen. Will ein Team also den Spieler nicht mehr in seinem aktiven Kader behalten, muss es ihn entlassen oder transferieren. Unter anderem deswegen entscheiden sich die St. Louis Cardinals jetzt zunächst gegen Colby Rasmus, um sich ihre endgültige Meinung über Brian Barton nicht schon jetzt, sondern erst während der Saison bilden zu müssen.

Doch das Besondere an der Situation - und damit komme ich zurück zum eigentlichen Thema -  sind nicht nur Brian Barton und die restliche Konkurrenz im Outfield. Tatsächlich ist es nämlich so, dass Colby Rasmus vom Talent her der beste all jener Outfielder ist und den Sprung wohl recht schnell bewerkstelligen würde. Zudem würde er perfekt in die Aufstellung der Cardinals passen, da er die Rolle des Leadoff-Hitters übernehmen könnte, die in St. Louis quasi unbesetzt ist. Ähnliches gilt für Evan Longoria und Jay Bruce, deren Spring-Training-Bilanz sich nur unwesentlich von der von Colby Rasmus unterscheidet. Zudem werden beide in ihrer Entwicklung als weiter fortgeschritten eingestuft und auch die Konkurrenz in Person von Corey Patterson in Cincinnati und Willy Aybar in Tampa sollte schon zum jetzigen Zeitpunkt keine ernstzunehmende mehr sein.

Ein wenig anders gestaltet sich der Fall bei Cameron Maybin. Sowohl die Einschätzungen der Scouts, als auch seine bisherigen Leistungen lassen den kurzfristigen Rückschritt in die Minors zum jetzigen Zeitpunkt als den einzig richtigen Schritt erscheinen. Im Spring Training erzielte er bisher in 42 At Bats einen Schlagdurchschnitt von .190 und 15 Strikeouts bei nur zwei Walks. Als er letzte Saison in Detroit Major-League-Luft schnuppern durfte, schlug er in 49 At Bats .143 mit 21 Strikeouts und drei Walks. Damit bestand wohl sogar bei den Marlins, die bekannt dafür sind junge Spieler schon früh regelmäßig einzusetzen, kein Zweifel daran, dass die Majors für Maybin noch zu früh kämen. Dennoch wird mit ihm in der Zukunft zu rechnen sein und wahrscheinlich wird er sogar noch in dieser Saison zu den Marlins stoßen. Für die restlichen drei gilt das in noch stärkerem Maße.

Der Hauptgrund für alle diese Entscheidungen, zunächst auf die Spieler zu verzichten, liegt nämlich vor allem darin, dass die Spieler dadurch länger an ihre Vereine gebunden bleiben. Aufgrund des komplexen Vertragssystems der Major League, wird ein Spieler, der in dieser Saison neu in den Majors ist und nicht von Beginn an im Kader steht, nicht schon 2013, sondern erst nach der Saison 2014 – also nach Ablauf von mindestens sechs Jahren - zum Free Agent. Wird er erst im Juni oder Juli ins Team geholt würde sich sogar der Anspruch des Spielers auf ein höheres Gehalt im Schlichtungsverfahren vom Jahr 2010 ins Jahr 2011 verschieben. Bei einem sofortigen Einsatz als Stammspieler könnte das für die Vereine schlimmstenfalls sogar schon 2009 passieren. Somit ist diese Vorgehensweise gerade für Teams vernünftig, die nicht zu den reicheren der Liga gehören und in dieser Saison keine großen Playoff-Chancen haben. Sie können es verschmerzen, nicht die bestmögliche Mannschaft aufzustellen, da man ohnehin keine bedeutende Rolle spielen wird. Zu diesen Teams kann man die Cardinals, Reds, Rays und Marlins allesamt mehr oder weniger zählen. Sie verzichten somit auf eine halbe Saison eines jungen und unerfahrenen Spielers und bekommen dafür später eine Saison mehr von einem dann potenziellen All-Star-Spieler.

Durch die jetzige Versetzung der Spieler ist der Eintritt in den freien Markt sicher im Jahr 2014. Durch die komplizierte „Super Two“-Regel könnten die Vereine allerdings dazu veranlasst werden, ihre jungen Spieler später als die anderen Vereine in die Majors zu berufen, da dabei die Einsatzzeit der Spieler relativ zu den anderen Spielern mit gleicher Erfahrung entscheidend ist. Hat ein Spieler mindestens zwei volle Jahre und weniger als drei volle Jahre in der Major League gespielt, und gehört unter diesen Spielern zu den 17 Prozent mit der meisten Einsatzzeit, dann kann er ins Schlichtungsverfahren gehen. Das bedeutet also, dass es zum einen deswegen erst dazu gekommen sein könnte, dass gleich so viele Teams auf einmal ihr Talente in den Minors lassen, zum anderen könnte es auch im Verlauf der Saison dazu führen, dass man abwartet bis die anderen ihre jungen Spieler zuerst einsetzten. Damit würde man die Chancen erhöhen, dass der eigene Spieler 2010 nicht zu den oberen 17 Prozent gehört.

Sollte aber einer der Spieler in den Minor Leagues derart überzeugen, dass der Schritt nach oben unausweichlich scheint, wird man diese Vorgehensweise den Fans nicht mehr lange als Sorge um den Entwicklungsstand des Spielers vermitteln können. Und wenn eines der Teams überraschenderweise doch um die Playoffs mitspielen sollte, wird man das auch von Clubseite selbst schnell nicht mehr machen wollen.

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Thomas Kuhnert

 
thomas65x90 Thomas Kuhnert ist 29 Jahre alt und seit Beginn an Mitglied der Redaktion von MLBInsider.de. Zusammen mit Michael Koch moderiert er regelmäßig den seiteneigenen Podcast MLBI-Report.
Seine Magisterarbeit schrieb er über die Bedeutung Jackie Robinsons für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und schloss 2008 das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte und Amerikanistik an der Universität Tübingen ab. Bei den Stuttgart Reds spielte er acht Jahre lang aktiv Baseball. Ursprünglich aus Stuttgart stammend wohnt er derzeit in Tübingen.