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Verträge und Gehälter
Zu Beginn betrachten wir mal die drei zur Zeit wohl besten First Basemen der Major League und ihre jeweiligen Gehälter für diese Saison: Albert Pujols, der dieses Jahr 16 Millionen Dollar verdient, Ryan Howard, der immerhin noch auf 10 Millionen kommt und schließlich Prince Fielder, der sich mit vergleichsweise mickrigen 670000 Dollar begnügen muss. Auf den ersten Blick erscheint die Differenz zwischen diesen Gehältern unverständlich und in keinster Weise gerechtfertigt. Doch ist dem wirklich so? Behalten wir diese Zahlen im Hinterkopf und betrachten nun einmal die von der Major League erlassenen Regeln, die natürlich nur dann gelten, wenn der Club und der Spieler sich nicht vorher auf einen mehrjährigen Vertrag geeinigt haben.
Kommt ein Spieler in die Major League dauert es sechs volle Jahre bis er seinen Vertrag frei aushandeln darf, dann wird er ein Free Agent. Immerhin drei volle Jahre dauert es in der Regel bis er das erste Mal „marktgerecht“ bezahlt wird. Während dieser Zeit nach dem dritten Profijahr und vor Vollendung des sechsten Jahres hat ein Spieler Anspruch auf die sogenannte Arbitration, eine Art Vermittlungsverfahren vor einem Schiedsgericht.
Während der ersten drei Jahre darf alleine der Club bestimmen, wie viel der Spieler verdient. Theoretisch kann das immer das Mindestgehalt der Major League sein, was 2008 bei 390000 Dollar liegt. Um die Spieler allerdings nicht zu verärgern und unzufrieden werden zu lassen, wird besonders guten Spielern in der Regel eine etwas höhere Summe bezahlt, jedoch bisher immer unter einer Million Dollar. Albert Pujols und Ryan Howard sind mit 900000 Dollar die bisherigen Topverdiener unter den Spielern, die noch keinen Anspruch auf Arbitration hatten.
Hat ein Spieler dann drei volle Jahre absolviert, eröffnet sich ihm die Option sein Gehalt durch die Arbitration erheblich zu steigern. Dabei bietet der Verein dem Spieler ein Gehalt, das er gemessen an vergleichbaren Spielern in der Liga für marktgerecht hält. Der Spieler reicht ebenfalls einen Betrag ein, den er als gerecht erachtet. Ein unabhängiger Vermittler (arbitrator) entscheidet dann, welches der beiden Angebote orientiert am Markt das angemessenere ist. Auch hier ist Ryan Howard - zusammen mit Alfonso Soriano und Francisco Rodriguez – der Spieler, der mit zehn Millionen Dollar das bisher höchste Gehalt erzielte. In den meisten Fällen kommt der Schlichter jedoch gar nicht erst zum Einsatz, da Club und Spieler sich vorher auf einen Kompromiss einigen können, was seit 1990 in 88 Prozent der Fälle geschah. Auch langfristige Verträge werden oft nach dem zweiten oder dritten Jahr abgeschlossen, um so den Weg vor das Schiedsgericht zu verhindern.
Einen Sonderfall stellt die „Super Two“-Regel dar, die es einem Spieler unter gewissen Umständen ermöglicht, bereits vor Ablauf der drei Jahre sein Gehalt durch die Arbitration zu steigern: Dieser Fall tritt ein, wenn der Spieler mindestens zwei volle Jahre im Kader eines Major-League-Teams gestanden hat, mindestens 86 Tage der abgelaufenen Saison im Kader stand, und sich unter den Spielern in der Liga, die ebenfalls zwischen zwei und drei Jahren absolviert haben, unter den oberen 17 Prozent befindet, was die bisherige Einsatzzeit in seiner Profikarriere betrifft. Diese etwas komplizierte Regel führt manchmal dazu, dass Spieler, die eigentlich schon reif für die Major League wären, bewusst zu Saisonbeginn in den Minors gelassen werden, damit sie nicht bereits nach zwei Jahren Anspruch auf mehr Gehalt haben. Diese Saison könnten davon z.B. Evan Longoria (Rays) und Colby Rasmus (Cardinals) betroffen sein.
Ich verdeutliche das Ganze einmal am Beispiel von Rasmus: Würde er von Saisonbeginn an regelmäßig spielen, würde er nach der Saison 2013 zum Free Agent werden und spätestens nach 2010, vielleicht sogar schon nach 2009 (wegen „Super-Two“-Regel) Anspruch auf Arbitration haben. Holt man ihn erst im Mai in den Profikader, wird er erst 2014 zum Free Agent, da er 2013 ja noch keine vollen sechs Jahre absolviert hätte. Auch die Arbitration könnte in keinem Fall bereits 2009 fällig werden, da keine zwei Jahre absolviert wären. Beruft man ihn gar erst nach dem All-Star-Spiel ins Team, könnte es sogar sein, dass er erst nach 2011 - also erst nach dreieinhalb Jahren - mehr als das Minimumgehalt verdienen kann. Im Detail hängt das immer von anderen Spielern in der Liga ab, da eben, wie bereits erwähnt, die Einsatzzeit in Relation zu vergleichbaren Spielern entscheidend ist. Dieses Vorgehen lohnt vor sich vor allem dann, wenn der Club in der entsprechenden Saison keine realistischen Playoff-Chancen hat, was man im Falle der diesjährigen Cardinals so sehen könnte. Der Verein würde also auf zwei bis vier Monate Einsatzzeit in diesem Jahr verzichten, um 2014 einen dann vielleicht absoluten Superstar zu einem bezahlbaren Preis zu haben. In jedem Falle gilt aber: Hat ein Spieler erst mal sechs volle Jahre im Major-League-Kader eines Vereins gestanden, kann er ein Free Agent werden und mit jedem Team der Liga frei über einen Vertrag verhandeln. Doch selbst dann geht der abgebende Verein nicht leer aus. Auch nach sechs Jahren kann ein Club dem Spieler ein marktgerechtes Gehalt anbieten. Lehnt der Spieler dieses dann aber ab und unterschreibt bei einem anderen Verein, bekommt sein ehemaliges Team je nach Qualität des Spielers einen Draft-Pick als Kompensation für den Verlust.
Kommen wir nun auf unsere drei Beispiele vom Anfang dieses Artikels zurück. Vor dem Hintergrund des erklärten Vertragssystems der Major League, scheint die ungleiche Bezahlung der drei gar nicht mehr so ungerecht. Vielmehr befinden sich die Spieler einfach in unterschiedlichen Stadien ihrer Karrieren: Pujols befindet sich im fünften Jahr eines langfristigen Vertrages, der ihn bis 2011 an die Cardinals bindet. Auch er musste sich die ersten drei Jahre seiner Karriere mit 200000, 600000 und 900000 Dollar begnügen, und unterschrieb dann einen Achtjahresvertrag mit dem er und die Cardinals die Arbitration umgingen. Ryan Howard verdiente in seinem ersten Jahr 355000 Dollar, 900000 im zweiten und erhielt nun aufgrund der „Super Two“-Regel zehn Millionen in Schiedsgerichtsverfahren zugesprochen. Und Fielder wird nächstes Jahr die Möglichkeit haben ein ähnliches Gehalt zu erzielen oder einen langfristigen Vertrag zu unterschreiben.
Ein Spieler, der dauerhaft Leistung bringt wird ab der Mitte seiner Karriere immer ohne Probleme das Geld verdienen, dass ihm am Anfang entgeht. So verdienen vergleichsweise durchschnittliche Spieler wie Richie Sexson (14 Millionen), Jose Guillen (12 Millionen) und Garret Anderson (12 Millionen) extrem gut, da in der Regel die Gehälter guter Spieler im Laufe der Karriere relativ leistungsunabhängig immer weiter ansteigen; zumindest bis Mitte oder Ende 30. Nicht zuletzt aufgrund dieses Systems erreichten in den letzten sechs Jahren trotz erheblicher Unterschiede bei den Finanzmitteln, die den Teams zur Verfügung stehen, fast immer unterschiedliche Mannschaften die World Series. Lediglich die Red Sox und die Cardinals waren zweimal darin vertreten, insgesamt waren es aber zehn verschiedene Teams, was in der NFL und der NBA trotz Gehaltsobergrenze nicht einmal annähernd erreicht wurde.
Die Vertragsregelungen der Major League sind ein wichtiger Bestandteil eines Systems, das gewährleistet, dass auch finanzschwächere Teams ihre Talente über eine gewisse Zeit zu bezahlbaren Konditionen halten und so wettbewerbsfähig bleiben können.
Thomas Kuhnert
Thomas Kuhnert ist 29 Jahre alt und seit Beginn an Mitglied der Redaktion von MLBInsider.de. Zusammen mit Michael Koch moderiert er regelmäßig den seiteneigenen Podcast MLBI-Report. Seine Magisterarbeit schrieb er über die Bedeutung Jackie Robinsons für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und schloss 2008 das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte und Amerikanistik an der Universität Tübingen ab. Bei den Stuttgart Reds spielte er acht Jahre lang aktiv Baseball. Ursprünglich aus Stuttgart stammend wohnt er derzeit in Tübingen.

Klar kann bei Hamelsmehr passieren, wenn sich Harper blöd wegdreht oder der Pitch nicht ganz dort...
(19-05-2012 06:34)Rene
Kann man doch nicht vergleichen, oder?! Nen Helm wegwerfen und einen Ball mit über 150 km/h auf
Da geht's sowieso nur um heurige Saison, da der Terminplan mit dem alten Playoffmodus gemacht wur...
(18-05-2012 17:35)Rene
Nee Joey das ist falsch, Hamels hat bewusst auf den Rücken gezielt. Da muss es schon mit dem Teuf...
(18-05-2012 13:30)Basti
Hallo Ihr Beiden, mal wieder ein sehr gelungener Podcast. Zu den Yankees. Da stimme ich euch zu,<...
(18-05-2012 11:36)Erich