Southpaw On The Sound - Die bisherige Saison (Teil 2)
In der ersten Ausgabe meiner Kolumne habe ich die Off-Season und den ersten Monat der Saison aus Sicht der Seattle Mariners beleuchtet. Im Folgenden werde ich weiter versuchen, eine Bilanz der bisherigen Saison zu ziehen und besonders Gewinner und Verlierer zu benennen und zu überlegen, welche Strategie das Clubhouse bezüglich der restlichen Saison fahren sollte.
Eine Bilanz am Abend des Samstag, 26. Juli: 51 Siege, 45 Niederlagen. 6,5 Spiele Rückstand auf die Angels als Führende, drei Spiele Rückstand auf die Texas Rangers als Zweitplatzierte der AL West. Der Rückstand im Wild Card Race beträgt auf die Red Sox momentan 5,5 Spiele. Wer glaubt in diesem Moment, zwei Monate vor Ende der Saison in und außerhalb Seattles noch an die Postseason? Daran, die Boston Red Sox oder die Angels noch zu überholen? Wäre es nicht an der Zeit, an die kommende Saison zu denken und einige der potenziellen Free Agents besser noch vor der Trading Deadline loszuwerden und sich dafür mit Prospects oder Offensivspielern zu verstärken? Jarrod Washburn, Erik Bedard anyone? Ist die Saison schon gelaufen?
Aus meiner Sicht ist die Bewertung der ersten vier Monate ganz einfach: Es ist beeindruckend, was das Team nach einer desaströsen Saison und immensen Veränderungen innerhalb des Teams und in der Vereinsstruktur leistet. Nach einer Saison mit 101 Niederlagen ist ein Zwischenstand, in dem die Mariners sechs Spiele über der magischen .500-Grenze stehen, ein riesiger Fortschritt. Aber nicht nur die sportliche Leistung zählt. Honorieren das auch die aus dem vergangenen Jahr tief enttäuschten ZuschauerInnen?
Die bisher 44 Heimspiele der Mariners besuchten im Schnitt 27.475 ZuschauerInnen (Platz 17 in der MLB), im Vergleich zur Vorsaison, in der durchschnittlich 28.761 Fans (Platz 20) Safeco Field besuchten, ist das nur ein Rückgang von 4,5 %. Mit diesen Zahlen liegt Seattle zwar im unteren Mittelfeld der MLB, wenn man aber bedenkt, dass in Seattle seit dem Frühjahr mit den Seattle Sounders ein Expansionsteam der Major League Soccer direkt neben Safeco Field spielt, dessen Spiele bisher im Durchschnitt 29.983 ZuschauerInnen besuchten, dann kann der nur geringfügige Rückgang der Zuschauerzahlen im Baseballstation durchaus dafür als Beweis betrachtet werden, dass sich das Team durch gute Spiele Vertrauen zurückgewinnt. Den größten Anteil daran würde ich der ruhigen Arbeit im Clubhouse um General Manager Jack Zduriencik und Manager Don Wakamatsu geben, ein anderer Faktor aber ist die Rückkehr des besten Franchise-Spielers aller Zeiten, Ken Griffey Jr. Zwar schlägt Griffey bisher nur .211 mit zehn Homeruns und 28 RBI und schlägt sich regelmässig mit Knieverletzungen herum, nicht zu unterschätzen ist aber seine positive Auswirkung auf die Stimmung innerhalb der Mannschaft und seine Ausstrahlung in der Stadt. Trotzdem bieten die bisherigen Leistungen Anlass zur Hoffnung.
Gewinner und Verlierer
Pitching
Der gesamte Pitching-Staff gehört zu den Gewinnern der Saison. Mit einem Team-ERA Von 3.71 liegen die Mariners in der MLB nur hinter den NL-Teams aus Los Angeles und San Francisco. 2008 lag der gemeinsame ERA des Pitching Staff noch bei 4,73 und damit am unteren Ende der MLB. Die Starting Rotation ist besonders auf den ersten drei Plätzen hervorragend besetzt. Es ist leicht zu vergessen, dass Félix Hernández erst 23 Jahre alt ist und trotzdem mit einem ERA von 2.45 auf Platz 2 der American League liegt. In 20 Spielen kommt er auf eine Bilanz von elf Siegen bei nur drei Niederlagen. Erik Bedard und insbesondere der 34-jährige Veteran Jarrod Washburn haben ebenfalls hervorragende Saisons. Leider verbrachte Bedard längere Zeit auf der DL und kommt daher bisher nur auf 14 Starts. Sein ERA von 2.70 ist dennoch hervorragend. Washburn, wie Bedard im letzten Jahr seines Vertrags, gewann die letzten vier Spiele in Folge und hat ebenfalls einen ERA von unter 3. Im Vergleich zum Vorjahr lässt Washburn je neun Innings zwei Runs weniger zu. Stichwort Starting Rotation. War da nicht noch jemand? Ach ja! Leicht zu vergessen ist, dass sich Carlos Silva immer noch auf der Payroll der Mariners befindet. Knapp $12 Mio. bekommt er in diesem Jahr für bisher sechs Spiele. Ein Sieg, drei Niederlagen, ein ERA von 8.48 und ein längerer Aufenthalt auf der DL mit Schulterproblemen sind die bisherige Bilanz eines katastrophalen zweiten Jahrs in Seattle.
Im Bullpen sind insbesondere Mark Lowe (ERA 3.18) und Sean White (ERA 2.47) hervorzuheben, aber auch Miguel Batista bietet mit sechs Siegen, drei Niederlagen und einem ERA von 4.13 konstante Leistungen. Mit 24 Saves in 26 Save-Möglichkeiten ist David Aardsma, von den Red Sox verpflichtet, aber eine der ungewöhnlichsten Erfolgsgeschichten der bisherigen Saison. Erst kurz vor der Saison als Closer ausgewählt, besticht Aardsma, der bereits im College als Closer pitchte, mit Nervenstärke und einem ERA von 1.75 bei zwei Siegen und drei Niederlagen. Sein ERA als Reliever bei den Red Sox lag im vergangenen Jahr in 47 Spielen noch bei 5.55.
Für das Pitching und die Defensive spricht ganz besonders der Fakt, dass die Mariners knappe Spiele für sich entscheiden konnten. Von 36 One-Run-Games gewannen die Mariners 23. Liegt die deutliche Leistungssteigerung im Pitching-Bereich daran, dass der neue Bullpen-Coach John Wetteland selbst als Closer pitchte, oder ist es seinen spirituellen Fähigkeiten als wiedergeborenem Christen zu verdanken, dass der beste Pitching Staff der American League aus Seattle kommt? Frischen Wind haben Pitching Coach Rick Adair, John Wetteland sowie der Rest des Coaching Staff um den ruhigen Don Wakamatsu aber auf jeden Fall in das Team gebracht.
Catcher
Die Antwort ist einfach. Kenji Johjima, in der Off-Season offensichtlich auf Druck der Eigentümer mit einem neuen Vertrag ausgestattet, hat deutlich das Nachsehen gegenüber Rob Johnson. Dafür sprechen nicht nur die Einsatzzeiten. Mit Johnson als Catcher musste die Rotation der Mariners in der bisherigen Saison im Schnitt 2.89 Runs per neun Innings hinnehmen, zwei weniger als mit Johjima. Insbesondere Félix Hernandez äußert sich euphorisch über die Zusammenarbeit mit Johnson.
Infield
First Base und Second Base "gut", Shortstop und Third Base "ausreichend". Dies scheinen mir die passenden Noten für das Infield der Mariners zu sein. Immerhin ist einer der schlechtesten Spieler auf der Position des Shortstop, Yuniesky Betancourt im Tausch gegen zwei Minor-League-Pitcher nach Kansas City verschifft worden, sowohl Ronny Cedeño (SS) als auch Chris Woodward oder Jack Hannahan an der dritten Base offenbaren ihre Qualitäten aber vor allem in der Defensive. José López fehlte zwar als Second Baseman für einige Spiele, da er aufgrund des tragischen Todes seiner Schwester nach Venezuela reisen wollte, aber gemeinsam mit Russell Branyan bildet er ein sowohl defensiv als auch offensiv wertvolles Duo. Dabei führt Branyan die Mariners in den Kategorien Home Runs (24), RBI (54) und Runs (51) an. Gemeinsam mit Carlos Peña (TB) und Justin Morneau (MIN) liegt Branyan auch in der American League im Bereich Home Runs ganz vorne. Schmerzlich vermisst wird an der dritten Base natürlich der etatmäßige Spieler auf dieser Position, Adrián Béltre, der sich seit dem 29. Juni wegen einer Schulteroperation auf der Disabled List befindet und mindestens bis Ende August ausfallen wird.
Outfield
Endy Chavez war aus meiner Sicht einer der Hoffnungsträger für die neue Saison. In meiner Erinnerung geblieben ist dabei sein spektakulärer Catch im siebten Spiel der NLCS (Video) für die New York Mets im Jahr 2006. Am 19. Juni jedoch prallten Wladimir Balentien und Chávez beim Versuch, den Ball zu fangen, gegeneinander (Artikel und Video). Für Endy Chavez war die Saison mit einem gerissenen vorderen Kreuzband zu Ende. Wladimir Balentien und Ryan Langerhans versuchen, Chavez zu ersetzen. Beide sind jedoch eher defensiv eine Verstärkung.
Centerfielder Franklin Gutiérrez, in der Offseason aus Cleveland gekommen, ist eine der großen Überraschungen der Saison. Sein Average ist mit bisher .292 deutlich besser als zuvor bei den Indians. In 88 bisherigen Spielen konnte er 42 RBI verzeichnen, bereits mehr als in der vergangenen Saison in 134 Spielen. Überragend jedoch sind seine Laufwege und seine spektakulären Sprünge in der Defensive.
Ohne Ichiro Suzuki, dessen Leistungen ob Gewöhnung so häufig in Vergessenheit geraten, würde die etwas lahme Offensive der Mariners noch viel seltener in Fahrt geraten. In seiner neunten Saison in den Major Leagues wurde er nicht nur zum neunten Mal ins All-Star-Team gewählt, sondern konnte bisher auch seinen Schlagdurchschnitt gegenüber der Vorsaison (.311, 213 Hits) nochmal verbessern. Der Leadoff-Hitter liegt mit einem Average von .358, sechs Home Runs, 25 RB, 50 Runs und 21 Stolen Bases auf Platz 2 in den Major Leagues im Batting Average. Er steuert geradewegs auf seine neunte Saison in Folge mit einem Average von über .300 und seinen 2.000 Hit in den Major Leagues zu.
DH
Sowohl Ken Griffey Jr. als auch Mike Sweeney stechen nicht unbedingt als große Run-Produzenten hervor. Sie stehen wie so viele andere für das Hauptproblem in Seattle: In der Offensive liegen die Mariners in der American League in allen Kategorien im unteren Bereich: Sowohl der Team-Batting Average von .259 als auch die Anzahl der RBI (359) und Extra-Base-Hits ist stark verbesserungsfähig. Ohne eine bessere Offensive werden die Mariners die Postseason ganz sicher nicht erreichen.
Ryan Rowland Smith
Der 26-jährige Australier war eine der erfreulichen Überraschungen in einer an Enttäuschungen reichen Saison 2008 für die Mariners. Zwölf Starts, fünf Siege und ein ERA von 3.42 sprachen für den Southpaw, dessen Ziel es vor der Saison war, sich direkt aus dem Spring Training einen Startplatz in der Rotation zu sichern. Gleich nach seinem ersten Spiel in dem er nach 3 1/3 Innings in Oakland mit Ellenbogenproblemen aus dem Spiel genommen wurde, ging er auf die Disabled List und versuchte, sich über das Triple A-Team im nahen Tacoma zurück nach Seattle zu spielen. Im dritten Spiel seines Reha-Programms hatte er jedoch ein albtraumhaftes Outing, in dem er in 4 2/3 Innings 14 Hits und zwölf Earned Runs hinnehmen musste. Glücklicherweise konnte er in seinen restlichen sieben Spielen in der Pacific Coast League stabile bis sehr gute Leistungen erzielen und empfahl sich mit einer Bilanz von fünf Siegen, drei Niederlagen bei zehn Starts und einem ERA von 4,37 für einen weiteren Versuch in den Big Leagues. In der Seattle Times erschien gestern (24.07.09) anläßlich seines zweiten Saisonstarts, den die Mariners mit 9:0 gegen Cleveland trotz einer ordentlichen Leistung des sympathischen Australiers verloren, ein sehr guter Artikel über seinen hürdenreichen Weg zurück in die MLB.
James McOwen
Die Story der bisherigen Saison in den Minor Leagues ist die des 23 Jahre alten Rightfielders James McOwen (Statistiken). Der Spieler, der bei den High Desert Mavericks in der California League (Single A Advanced) spielt und 2007 in der sechsten Runde des Drafts von den Mariners ausgewählt wurde, spielt eine außergewöhnliche Saison. In 82 Spielen mit den Mavericks liegt sein Schlagdurchschnitt bei stolzen .334 mit sechs Home Runs, 57 RBI und fünf Stolen Bases. Im Vergleich zur vorigen Saison, in der er beim selben Team einen Average von .263, sieben Home Runs, 51 RBI und 30 Stolen Bases erzielte, ist dies eine deutliche Verbesserung. Am 28. Juni gelangen James McOwen und den Mavericks zwei historische Rekorde. Im Spiel gegen Lake Elsinore Storm erzielten beide Teams in einem Spiel insgesamt 51 Runs - Rekord in der California League. Lake Elsinore gewann mit einem Handball-Ergebnis von 33:18. James McOwen setzte im selben Spiel einen neuen Rekord in der California League, in dem er in 36 Spielen in Folgen mindestens einen Hit erzielte. Beendet war der historische Hitting Streak, der McOwen viel mediale Aufmerksamkeit bescherte, erst am 10. Juli in Modesto, Ca im 46. Spiels . Am Ende waren es 45 Spiele in Folge, die den längsten Hitting Streak in den Minor Leagues seit Roman Mejias 55 Spielen in Folge mit mindestens einem Hit, bedeuteten. Ob James McOwen es in die Major League schafft ist natürlich fraglich. Seine zwei Monate Ruhm jedenfalls haben ihm, das ist seinen Statistiken anzusehen, offenbar spielerisch nicht geschadet.
Resumée
Die Zeit läuft davon. Das Näherrücken der Trading Deadline sollte GM Jack Zduriencik zwar nicht in Panik versetzen, einige Überlegungen, ob es lohnenswert wäre, mit dem Tausch einiger zukünftiger Free Agents zum Ende der Saison in der Payroll zu sparen, um vielleicht noch einen schlagstarken Akteur zu verpflichten, wird er sich dennoch machen. Bedard, Washburn oder Aardsma kämen spontan in Frage, auch Wladimir Balentien wird immer wieder als möglicher Abgang genannt. Natürlich wären insbesondere die drei genannten Pitcher eine Schwächung, offensiv jedoch wären ein oder zwei schlagstarke Spieler mit einem Vertrag auch für 2010 dringend notwendig. Eventuell haben ja auch die Angels oder die Rangers mal eine Schwächephase und es passieren noch erstaunliche Dinge in der AL West.
In den nächsten zwei Wochen werde ich nicht nur an einer neuen Ausgabe dieser Kolumne arbeiten, sondern mit beiden Augen in zwei unterschiedliche Richtungen schielen. Das eine Auge wird die kommenden Spiele beobachten. Nach der Wochenendserie gegen Cleveland kommen die Toronto Blue Jays nach Safeco Field, anschließend führt der Road Trip die M's zunächst zum direkten Kontrahenten nach Arlington zu den Texas Rangers und anschließend für drei Spiele nach Kansas City. Zeitgleich richtet sich nicht nur mein Blick auf die Trading Deadline, die ausläuft, während das Team von Don Wakamatsu in Texas spielt. In der nächsten Woche wird sich stärker abzeichnen, wohin die Reise geht. Bis dahin freue ich mich über Diskussionen hier oder im Team-Thread im Forum.
Alle Angaben: Stand 25.07.09.
auch nicht älter ist und dabei schon seine vierte volle MLB-Saison spielt.
Und Ken Griffey sollte wirklcih schnellstmöglich seine herausragende Karriere beenden.
An Stelle der Mariners würde ich traden. Bedard für ein paar gute schlagstarke Nachwuchsspieler.
Denn die AL-West gewinnen sie dieses jahr nicht mehr.
ich kann mir gut vorstellen, dass griffey am ende der saison seine karriere beenden wird. offensiv
bringt er nicht mehr viel, seine rolle als maskottchen kann er auch weiterhin wahrnehmen. und er
wird der erste mariner in der hall of fame werden, da bin ich mir sicher. ich denke rickey henderson
ist da ein warnendes beispiel, oder?
nachdem balentien nun schon designated for assignment ist und vielleicht getradet wird, hoffe ich,
dass sie auch bedard loswerden. irgend ein team wird sich schon finden, oder?
gruss,
markus
Baldige Free-Agents zu Teams traden die dieses Jahr noch was vorhaben und sich dafür das eine oder
andere Talent sichern. Interessentan sollten eigentlich genügend da sein.
Markus Kampschnieder
Markus Kampschnieder ist 28 Jahre alt, lebt in Tübingen und verfolgt Baseball in den USA und in Deutschland seit vier Jahren. Für Baseballinsider.de schreibt er in seiner zweiwöchigen Kolumne Southpaw On The Sound vor allem über die Seattle Mariners. In seiner Freizeit interessiert sich der Fan der Mets und Mariners für Literatur, verbringt Zeit mit seiner Katze, die nicht nach Coco Crisp benannt wurde und spielt mit abnehmendem Erfolg Slowpitch Softball.

