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Sidearm Slider - Wer einmal brüllt...

 
Autor: Johannes Knuth Dienstag, 04. August 2009
 

Öffentliche Kritik hassen Trainer und Teamverantwortliche mindestens so sehr wie saftige Niederlagenserien. Und doch heulen sich Sportler immer mal gerne bei den Medien aus. Ein berechtigter Reflex mit Folgen.

buchstabe_jude Law hat sich bei einem Aufenthalt in der britischen Hauptstadtmetropole vor ein paar Tagen mächtig erschreckt. Nun gibt es ja so einige britische Eigenheiten, die einen Hollywoodschauspieler wie Jude Law erschrecken könnten. Viele Amerikaner zucken schon zusammen, wenn ein Engländer seinen Mund öffnet, nur, weil dessen Beißerchen die Farbe der Hexe im Märchen Hänsel und Gretel tragen. Den nächsten Schreck erlebt der Ami, sobald der Engländer in einem unverständlichen Akzent lospoltert und schließlich dem armen Amerikaner doch tatsächlich weißmachen will, dass die Engländer auf gar keinen Fall David und Victoria Beckham zurückhaben wollen.

Aber dann fällt einem ja ein, dass  Jude Law ja eigentlich geborener Brite ist und mit den Gepflogenheiten seines Landes bestens vertraut sein müsste.

Blitzreaktion im Blitzlichtgewitter
Tatsächlich hat sich Law dann auch vor einem Blitzlicht erschreckt. Zu später Stunde hatte er ein wenig mit  Schauspielkumpel Leonardo diCaprio in einer noblen Londoner Lokalität gefeiert, sich angeblich  mit diCaprio um eine Dame gezankt und war dann bei Verlassen des Clubs einer Horde Fans in die Arme gelaufen. Die Fans waren beim bloßen Anblick ihres Idols verzückt, zückten ihre Fotoapparillos und ließen ein Blitzlichtgewitter über den perplexen Law ergehen. Instinktiv riss Law seine Hand vor sein Gesicht, um sich vor den grellen Blitzen zu schützen. Wie der Zufall es so wollte, traf er dabei eine weibliche Verehrerin am Kopf, die sich ihrem Liebling bis auf wenige Zentimeter genährt hatte. Law entschuldigte sich vielmals und schlich von dannen.

Das behauptet jedenfalls Laws Anwalt. Ein stets umfassend informiertes deutsches Klatschblatt veröffentlichte kurz nach dem Vorfall zwei Bilder, die eine andere Geschichte erzählen. Demnach befand sich Laws Hand nicht schützend vor dessen Gesicht sondern vielmehr im Gesicht der jungen Dame, deren schwere Fotoausrüstung verdächtig an die eines professionellen Paparazzo erinnerte. Niemand glaubte die Version von Laws Anwalt mehr. Wohl auch, weil es nicht der erste Ausraster des Schauspielers gewesen wäre.

Ob Law sich nun schützen wollte oder kräftig austeilte ist, das ist aus der Ferne nicht mehr endgültig zu klären. Es steht aber zu vermuten, dass der Schauspieler austeilte, um sich zu schützen. Eigentlich ist das ein recht weit verbreiteter Reflex unter Menschen im Fokus der Öffentlichkeit. Wie das Beispiel Melvin Mora belegt.

Wie einst Julius Cäsar
Mora bewacht seit neun Jahren das linke Innenfeld für die amerikanische Profi-Baseballtruppe der Baltimore Orioles. Am Sonntag bewachte er jedoch nur die linke Auswechselbank, zum dritten Mal innerhalb von vier Tagen. Weil er nicht mehr der Jüngste sei und sein Vertrag bald ausläuft, rechtfertigte sich Orioles-Teamchef Dave Trembley. Weil er ihm keinen Respekt entgegenbringe, giftete Mora zurück und fügte sicherheitshalber nochmals an, dass dieser Junge immerhin schon neun Jahre für die Goldspatzen spiele. Mit „diesem Junge“ meinte Mora seine eigene Wenigkeit und das macht schon ein wenig nachdenklich, denn die einzigen Weltbürger, die regelmäßig von sich selbst in der dritten Person Singular sprechen, sind der schrullige Rickey Henderson und der machtbesessene römische Feldherr Julius Cäsar in den Asterix-Comicheftchen des französischen Zeichners René Goscinny.

Und darin besteht dann auch Moras Dilemma. Wie Cäsar und Jude Law klebt nun das Prädikat „akut ausrastgefährdet“ an ihm wie der Frühstückshonig zwischen den Fingern.  Das wird jeder General Manager im Hinterkopf behalten, wenn er beim Frühstücksbrötchen darüber nachdenkt, den unzufriedenen Mora zu verpflichten. Oder frei nach einer unter Müttern äußerst beliebten Predigt: Wer einmal brüllt, dem kauft man nicht.

Kommentare
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Willitouch
(Registered) 05-08-2009 11:24
Bleibt anzumerken, dass Iulius Gaius Caesar nicht nur in Comicheftchen von sich in der dritten
Person sprach, sondern auch in Werken wie dem bei Historikern und Lateinschülern allseits bekannten
und beliebten :s "De bello gallico" (für alle Nicht-Lateinschüler: "Über den gallischen
Krieg" ).
Natürlich hätte das wenige getaugt, um Moras Äußerungen ins Lächerliche zu ziehen ;) .
 
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Basti
(Publisher) 05-08-2009 12:17
Baltimore est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt MORA(E)... B)
 
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Johannes
(Publisher) 05-08-2009 13:53
Goscinny hat De bello gallico ja eigentlich für uns mehr oder weniger in moderne Worte und Bilder
gekleidet ;) . Vor allem in "Die Trabantenstadt": "Cäsar, ER ist großartig"
"Wer?" "Na, Sie!" "Achso, ER!"
 
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Kolumnen

Johannes Knuth

 
johannes65x90Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider.
Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.