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Sidearm Slider - Weiße Bohnen mit Leber

 
Autor: Johannes Knuth Donnerstag, 12. Juni 2008
 

So langsam gehen Barry Bonds die potentiellen Vereine aus, die angeblich an ihm interessiert sein sollen. Da werden auch alte Feinde plötztlich zu interessanten Gesprächspartnern.

buchstabee.jpgs gibt so Dinge im Leben, die einfach nicht zusammenpassen. Neben den ganz alltäglichen Gegensätzen – Mann und Frau, Pünktlichkeit und Deutsche Bahn oder auch Mark van Bommel und ein Fairnesspokal – ruft einem die englische Literatur vor allem eine Geschichte ins Gedächtnis, in der zwei Liebende einen unüberwindbaren Gegensatz zu überwinden versuchen. „Oh, Wunderwerk! Ich fühlte mich getrieben / Den ärgsten Feind aufs Zärtlichste zu lieben”, schmachtet Romeos Julia, bevor beide von ihrer verbotenen Liebe getrieben ins Verderben rennen.

Jetzt hat auch die Major League Baseball  ihren Romeo. Und zwar keinen geringeren als Barry Bonds. Der ungeliebte Sohn brach im vergangenen Jahr die heilige Homerunmarke des Baseballs und weil er dabei das eine oder andere verbotene Mittelchen zu sich genommen haben soll, verweigerten ihm viele Baseballanhänger einfach die feierliche Würdigung.  Zuletzt hielt sich der Vereinslose vornehmlich in Gerichtssälen anstelle von Baseballplätzen auf. Das scheint den Kraftprotz nun aber zu langweilen, so dass die Baseball-Gerüchteküche vor einigen Tagen wild zu brodeln begann und schließlich die Julia ausspuckte: Barry Romeo Bonds soll bei den verletzungsgebeutelten Red Sox den verletzten David Ortiz ersetzten.                                                               

Boston ist eine rassistische Stadt. - Barry Bonds  Nun verhält es sich natürlich nicht unbedingt so, dass beide Parteien einander auf Teufel komm raus begehren. Da wäre nämlich auf der einen Seite der schweigsame, etwas eigenbrötlerische Bonds, dessen Auswärtsauftritte in der abgelaufenen Spielzeit manchmal einem Steinigungsmarsch ähnelten. Sein Gegenpart bilden diese harmonischen, auf Zusammenhalt und Fleiß geeichten Rotsocken, deren treue Fans fast überall in der großen Nation die gegnerischen Arenen füllen (und dabei den Zuschauerschnitt oft mehr als verdoppeln). Nicht zuletzt beschimpfte Bonds die Heimat der Red Sox einst als „rassistische Stadt”, auch wenn er dieses Urteil im vergangenen Jahr revidierte.

Die verhärteten Fronten verbieten somit eigentlich jeden Liebesflirt. Eigentlich. Doch es sind ja bekanntlich die Gegensätze, die verbinden. Für beide Seiten wäre eine mittsommerliche Affäre durchaus von Vorteil.

Boston ist wie ein selbstbewusster Champion in die Saison gestartet, spielt auswärts aber wie eine Gurkentruppe. Jetzt steht auch noch ein mehrtägiger Ausflug in die National League an, wobei pünktlich zur nächsten Interleague-Runde ein großes Verletzungsloch inmitten der Aufstellung klafft. Terry Francona hat jetzt zwei Möglichkeiten: Auf die Schlagstärke seiner Pitcher hoffen oder  die personifizierte Schlagstärke einkaufen. Die Fans würden den Austausch Ortiz-Bonds ohnehin wohl kaum bemerken: Bonds hat durch hartes Training, gesunde Ernährung und den Gaben von Mutter Natur in den vergangenen Jahren David Ortiz' Körpermaße mit Leichtigkeit eingeholt. Fehlen nur noch die fein dressierten Stoppeln um das Kauwerk und der lebhaft-schroffe Akzent – fertig ist der Ersatz-Papi.

Wie war das noch mit den bösen Bonds-Worten gegen Boston? Unsinn, Boston ist eine „wunderhübsche Stadt”, gab er während seines letztjährigen Gastspiels zu Protokoll. Überhaupt ist ihm die Umgebung wie auf den ständig wachsenden Leib geschneidert: Sein Sohn besuchte einst eine noble Privatschule in North Brookfield, Massachusetts, das Ego seines Papas kommt dem Selbstverständnis des typischen Amerikanischen Privatschülers beängstigend nahe. Außerdem schlug Bonds bei seiner ersten Spielserie im Fenway-Park einen Homerun gegen die gastgebenden Weltmeister. Dessen Spieler haben seit Ende Oktober, was der 43-Jährige schon lange begehrt: Einen Weltmeisterring.

Leider wird aus dem geplanten Transfercoup dann doch nichts. Denn die Fans haben das Ortiz-Double durchschaut, bevor es überhaupt einen Fuß in die heilige Stätte des nordengländischen Ballsports zu setzen vermochte.

Seine Mutter habe ihm früher immer weiße Bohnen und Leber zugleich aufgetischt, erinnert sich ein Internetnutzer: „So in etwa stelle ich mir Barry Bonds und die Boston Red Sox vor.”

 

Kommentare
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freshprince85
(Registered) 12-06-2008 10:30
BITTE NICHT DIESEN SCHWACHMATEN NACH BOSTON!
 
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Johannes
(Publisher) 12-06-2008 12:42
Glaub kaum, dass er kommt. Ortiz fällt ja nicht so lange aus, als dass sich eine Verpflichtung von
Bonds lohnen würde. Das würde die Lineup, die Mannschaft, das ganze Umfeld total
durcheinanderwürfeln...
 
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Kolumnen

Johannes Knuth

 
johannes65x90Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider.
Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.