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Sidearm Slider - Staubfänger, Sperrmüll, Selbstmord
Obwohl die Saison noch knapp zwei Wochen vor sich hinköcheln wird, machen einige Klubs schon jetzt Kassensturz - und rechnen dabei gleich mit ihren Spielern ab.
er Weg ins Paradies führte durch die Dunkelheit, über eine kleine Holztreppe, hinab in den Keller. Wir schritten andächtig hinab. Niemand gab einen Mucks von sich. Es war wie bei einer feierlichen Abendmahlsprozession.
Dann ging die Tür auf. Licht. Stille. Das Paradies.
Der Garten Edens erstreckte sich über vielleicht nur fünf Mal fünf Meter, doch auf ihm ruhte eine schier unüberschaubare Welt. Überall waren Gleise, die sich kreuzten, alle in eine andere Richtung liefen, und doch alle irgendwie miteinander verbunden waren.
Da holten kleine Passagierzüge kleine Menschen auf kleinen Bahnsteigen in kleinen Städten ab. Die Plastikfiguren rührten sich nicht vom Fleck, aber irgendwie schien es doch so, als würden sie gleich ganz selbstverständlich in den Zug einsteigen. Fünf Städte weiter hielt eine schwarze Dampflok vor einem Silo, so dass ihre Anhänger genau unter dem langen Schlauch ausharrten, aus dem dann schwarze Steine in die Anhänger rieselten.
Zufriedenes Schnaufen
Hinter dem Silo wuchs ein Berg empor, an dessen Felswand sich eine Zahnradbahn mühsam hinaufratterte. Als sie oben angekommen war, schwor ich, dass die Achsen der Bahn leise vor Erschöpfung ächzten, ehe der Zug zufrieden um die Kurve fuhr und in einem dunklen Tunnel-Loch verschwand.
Der Entschluss war gefasst. Ich wollte eine Modelleisenbahn-Anlage.
Und ich bekam sie. Vier Jahre später vererbte mir mein Onkel sein Märklin-Heiligtum. Was ich nicht bedacht hatte: Das teure Zubehör, das nervtötende Zusammenbasteln der Requisiten und natürlich die elektrischen Kabel, die bald so verworren waren wie eine Rede Edmund Stoibers, würden mich für die nächsten Monate zur Verzweiflung treiben.
Fast alle präpubertäre Jungs kennen dieses Phänomen, wenn durch reines Zuschauen Wünsche aus dem Boden wuchern wie wildes Unkraut - ehe der Wunsch jäh an der Realität zerschellt wie ein Seemann vor der berüchtigten Loreley.
Zu ihnen gehört spätestens jetzt auch David Forst.
Trügerische Verpackung
Nun hat Forst das Stadium der Adoleszenz mit seinen 32 Jahren schon eine Weile hinter sich gelassen. Auch das Eisenbahnspielen kennt er wohl nur als glücklichen Jugendtagen, schließlich fordert das Amt des stellvertretenden Geschäftsführers der Oakland Athletics seine volle Aufmerksamkeit. Aber gerade in dieser Funktion musste Forst nun feststellen, dass der Inhalt eines Geschenks nicht immer so schön ist wie die bunte Verpackung.
Vor ein paar Monaten schien Forst sein Geschenk gefunden zu haben. Seine Athletics würden sich den schlagstarken Scott Hairston von den San Diego Padres schnappen. Oakland übernähme Hairstons lächerliches Jahresgehalt von 1,5 Millionen Dollar, überließe den Padres zudem zwei der unzähligen jungen Werfer aus Oaklands Talentschuppen.
Forst bekam Hairston. „Wir wollten ihn schon lange, unabhängig von allen anderen Transfers“, betonte Forst damals. Doch in seiner Ode an den routinierten Outfielder gingen einige Dissonanzen im Jubelgeschrei unter. Zum Beispiel Hairstons ansprechend gefüllte Krankenakte. Seine bescheidenen Auftritte vor der glänzenden 2009er-Saison mit den Padres. Seine vielen Strikeouts. Und sein Wunsch – und diesen Wunsch hegen nicht viele Spieler – unbedingt in San Diego spielen zu wollen. Hairston kamen fast die Tränen, als er seinen Wechsel nach Oakland vor den Reporten kommentieren sollte.
So überrascht es kaum, dass Hairston in Oakland prompt versagte. Hairstons Schlagdurschnitt der vergangenen 24 Spiele liegt bei .178, sein Durchschnitt als A’s-Mitarbeiter beträgt .231. In der Verteidigung wirkte er überfordert, wenn auch beeinträchtigt durch eine Oberschenkelverletzung.
Schwach und langsam
Am Sonntag fand sich Hairston erstmals an Position acht von neun in der Schlagreihenfolge wieder. Position acht belegen in aller Regel die Schlagmänner, die zu schwach für die mäßig bedeutsamen Positionen sechs und sieben und zu langsam für die Position neun sind. „Er hat zuletzt zu kämpfen gehabt“, untertrieb A’s-Trainer Bob Geren.
„Die Hairston-Verpflichtung war Selbstmord“, sagte ein Scout einer Reporterin des San Francisco Chronicles.
Mittlerweile steht fest, dass Hairston mindestens für den Rest der Saison ausfällt. Somit droht im ein ähnliches Schicksal wie einst meiner Modelleisenbahn. Vom Liebesobjekt avancierte sie erst zum Staubfänger - und wurde schließlich auf dem Sperrmüll entsorgt.
Johannes Knuth
Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider. Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.


Klar kann bei Hamelsmehr passieren, wenn sich Harper blöd wegdreht oder der Pitch nicht ganz dort...
(19-05-2012 06:34)Rene
Kann man doch nicht vergleichen, oder?! Nen Helm wegwerfen und einen Ball mit über 150 km/h auf
Da geht's sowieso nur um heurige Saison, da der Terminplan mit dem alten Playoffmodus gemacht wur...
(18-05-2012 17:35)Rene
Nee Joey das ist falsch, Hamels hat bewusst auf den Rücken gezielt. Da muss es schon mit dem Teuf...
(18-05-2012 13:30)Basti
Hallo Ihr Beiden, mal wieder ein sehr gelungener Podcast. Zu den Yankees. Da stimme ich euch zu,<...
(18-05-2012 11:36)Erich