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Sidearm Slider - Schmerzen im siebten Inning
Bud Selig hat seine Sicherheits- und Gesundheitspolizei alarmiert. Ein unscheinbares Gewächs ist schuld!
anft schaukelt sein mildgrünes Blatt durch den Sommerwind. Wir finden ihn in unseren Schlafzimmern und unseren Treppenhäusern. In Hinterpommern kleidet man Türschwellen und Stuben mit seinem Gewand, um sich vor gemeinen Hexenmeistern und -meisterinnen zu schützen. Er verschafft uns morgen für morgen einen süßen Start in den Tag. Eine nordamerikanische Republik hat ihm sogar eine Hofinsignie gewidmet.
Die Rede ist vom Ahorngewächs, von seinem Holz, seinen Zweigen, seinem Sirup und der kanadischen Nationalflagge.
Der Arhorne – ja, so lautet die biologisch korrekte Gebrauchsform – ist tatsächlich überall. Sogar im Baseball. Als Barry Bonds anfing, Basebälle mit atemberaubender Frequenz aus den Stadien zu dreschen, glaubten seine Spielerkollegen sogar noch, Bonds Ahornschläger verhälfe ihm zu neuen Homerun-Rekordmarken. Heutzutage nutzen rund 60 Prozent aller Profis Schläger aus Ahorn. Nur noch eine Minderheit vertraut dem guten alten Eschenholzknüppel.
Aber irgendwann ist dann auch einmal genug. Das sagten sich jetzt jedenfalls die Mitglieder des Sicherheits- und Gesundheitsausschusses der Major League Baseball-Vereinigung (MLB). Denn neben der stärkeren Holzkonsistenz, den von den Spielern beliebten dünneren Griffen und der größeren Haltbarkeit, hat der Ahornprügel eine weitere Eigenschaft, welche die Regelhüter auf den Plan gerufen hat. Ahornschläger zerbersten im Unglücksfall nicht homogen und unspektakulär, sondern äußerst unkontrolliert in alle möglichen Richtungen.
Ich erinnere mich an Schmerzen...Das mag zuweilen spektakulär anmuten, vor allem für die zahlenden Gäste auf den Rängen. Doch Susan Rhodes aus dem beschaulichen Los Angeles, Kalifornien, Amerika, wird alle Holzzertrümmerungsfanatiker eines Besseren belehren. Als Rhodes vor einigen Wochen beim Spiel der Los Angeles Dodgers gegen die Colorado Rockies im siebten Inning einem Foulball von Colorados Todd Helton hinterherstarrte, raste ein Stück Holz, was ein Hersteller später als Ahronschläger identifizieren würde, mit voller Wucht auf sie zu. Als Rhodes aus wieder Bewusstsein erlangt hatte, kämpfte sie mit Gedächtnislücken: „Ich erinnere mich nur noch an einen heftigen Schlag ins Gesicht und Schmerzen”, sagte sie.
Susan Rhodes ist eine alleinerziehende Mutter zweier Kinder. Seitdem ihr ein zerbrochener Ahornschläger den Kiefer demolierte, hat sie Migräneattacken. Sie schläft wenig, ernährt sich von flüssiger Nahrung und kann nicht mehr richtig zubeißen, weil sich ihre Zähne verschoben haben. Die Ärzte drücken sich um eine Prognose, wann und ob Rhodes sich von dem Unfall je wieder vollständig erholen wird. Sie ist erschöpft.
Fröhlicher Zuschauer von Ahornschläger perforiert? Endlich greift Bud Selig ein. Der allmächtige Baseball-Zar hat sich der Sache angenommen und seine Sicherheitsschergen beauftrag, Maßnahmen gegen die gefährlichen Ahornkeulen einzuleiten. „Wir werden schauen, ob etwas unternommen werden muss, was machbar ist und welche Optionen wir haben”, sagte Ausschussmitglied Aaron Heilman (New York Mets). Wer hätte das gedacht!?
Nun haben Selig und Heilman mit ihren Bestrebungen natürlich Recht. Niemand möchte sich den schönen Baseballnachmittag von einem Holzgewächs vermiesen lassen, das man überhall gerne hat, außer in der Visage. Aber Selig sollte seine Kommission zur Eile drängen. Denn dem brummenden Baseballzirkus droht ein treuer Fan verloren zu gehen.
Ab jetzt”, sagte Susan Rhodes gegenüber Yahoo.com, „gehe ich nur noch zu Spielen der Lakers.”
Mit den Lakers ist der örtliche Basketballverein gemeint, der derzeit im Gegensatz zu den Dodgers eine vorzügliche Spielzeit verlebt. Zum Glück haben die Jungs vor einiger Zeit ihren 500-Kilo-Koloss Shaquille O'Neal abgegeben. Der zerdrückt jetzt per Hechtsprung ins Publikum die Brustkörbe der Zuschauer in Phoenix.
Johannes Knuth
Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider. Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.
Klar kann bei Hamelsmehr passieren, wenn sich Harper blöd wegdreht oder der Pitch nicht ganz dort...
(19-05-2012 06:34)Rene
Kann man doch nicht vergleichen, oder?! Nen Helm wegwerfen und einen Ball mit über 150 km/h auf
Da geht's sowieso nur um heurige Saison, da der Terminplan mit dem alten Playoffmodus gemacht wur...
(18-05-2012 17:35)Rene
Nee Joey das ist falsch, Hamels hat bewusst auf den Rücken gezielt. Da muss es schon mit dem Teuf...
(18-05-2012 13:30)Basti
Hallo Ihr Beiden, mal wieder ein sehr gelungener Podcast. Zu den Yankees. Da stimme ich euch zu,<...
(18-05-2012 11:36)Erich