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Sidearm Slider - Mittsommerliche Frostbeule
Für jeden Manager sind sie der Albtraum: Verletzungen, die im besten Fall auch noch unnötigerweise passieren. Es muss aber nicht immer der gezerrte Oberschenkel oder der gedehnte Wurfarm sein, der die Verantwortlichen vor Verletzungssorgen stellt...
ie deutsche Sprache klingt harsch, ist schwierig zu erlernen und daher fernab unserer Gefilde nicht sonderlich beliebt. Aber man glaubt ja gar nicht, wie viele deutsche Wörter sich dann doch in fremdsprachliches Vokabular eingeschlichen haben. Wie würden die Amerikaner ihre vier- bis sechsjährigen Sprösslinge ohne den „kindergarten” betreuen? Wie würden sie ohne „umlaut” unsere äähs, üüüs und ööös bewundern? Wie könnten sie ohne unseren Wortschatz „schadenfreude” empfinden?
Bei Letzterem muss der stolze Linguist allerdings zugeben, dass die Amis „schadenfreude” eigentlich nur verwenden, um sich über uns Deutsche zu mokieren. In dem Broadway-Musical „Avenue Q” singt eine Filzpuppe: „Freude auf Kosten von Missgeschicken anderer? Das ist typisch Deutsch!
Von wegen. Schadenfreude ist auch im Land der unbegrenzten Musicals die größte Freude. Wie lässt sich sonst die Ehrung „Dümmste Verletzung des Jahres” eines amerikanischen Sportmagazins erklären? Doch seien wir ehrlich: Wer den Gang auf die Verletztenliste mit an Kreativität grenzender Dämlichkeit antritt, hat den Spott verdient. Der stolzer Gewinner der 2001er-Ausscheidung findet sich übrigens auch in den Siderarm Slider – Top drei der dümmsten Baseballverletzungen der vergangenen Jahre.
Platz drei: Adam Eaton, 2001, in Diensten der San Diego Padres. Eaton, der mittlerweile seine Bratkartoffeln bei den Philadelphia Phillies verdient, gewann vor sieben Jahren die Auszeichnung „Dumbest Injury of the Year” der Zeitschrift Sports Illustrated. Der Pitcher trug damals stets ein Taschenmesser mit sich herum, das ihm sein Großvater in liebevoller Erinnerung geschenkt hatte. Leider hatte Eaton Senior vergessen, seinem Enkelsohn eine Gebrauchsanweisung auszuhändigen. Als Eaton Junior eine DVD-Packung mit dem geliebten Messer öffnen wollte, rammte er sich die Klinge in den Unterleib. Liebe geht tatsächlich durch den Magen.
Platz zwei: Steve Sparks, 1994, in Diensten der Milwaukee Brewers. Die Klub-Verantwortlichen begrüßten damals im Spring Training eine Gruppe von Motivationskünstler, die Eisenstäbe bogen und faustdicke Telefonbücher zerrissen. Allerdings hatten die Brewers-Offiziellen die Rechnung ohne den eifrigen Sparks gemacht. Der Knuckleball-Werfer motivierte sich am nächsten Tag flugs selbst und stelle seine Gelben Seiten vor die Zerreißprobe. Letztlich brachte er nicht das Telefonbuch, sondern sein Schultergelenk aus der Fassung. Manager Phil Garner belohnte Sparks für seinen originellen Einfall mit einem Freifahrtschein in die Minor Leagues. Das Ticket galt für den Rest der Saison.
Und der Gewinner: Glenallen Hill, 1990, in Diensten der Toronto Blue Jays. Als Hill mitten in einer Nacht mit Schnittwunden an Füßen und Beinen aufwachte, schaute er in das entsetze Gesicht seiner Frau. Die hatte miterlebt, wie Hill im Schlaf durch die Wohnung gestolpert war, weil er sich im Traum auf der Flucht vor einem Rudel Spinnen wähnte. Nachdem Hill die Geschichte publik gemacht hatte, bat er den ungläubigen Reporten sogar an, ihnen die Blutspuren seiner schlafwandlerischen Spinnenphobie auf dem Hausteppich zu zeigen. So freizügig hat sich wohl selten ein Baseballspieler gegenüber der Journaille gezeigt.
Abschließend sei noch ein Geschichte erwähnt - als Hommage an den Erfinder des „Manny Being Manny”, nämlich „Rickey being Rickey.” Rickey Henderson ging unlängst nicht nur wegen seiner außerordentlichen Qualitäten als Baseballspieler und Basestealer in die Geschichtsbücher ein, sondern auch wegen seiner ausgefallenen Persönlichkeit: Eine Legende besagt, dass Rickey eines Abends mit einem Eisbeutel um seinen geschwollenen Fuß einschlief und am Morgen darauf mit einer mittsommerlichen Frostbeule wieder aufwachte, wodurch er einige Spiele pausieren musste. Der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte ist jedoch unklar, wie so viele Henderson-Anekdoten. Deshalb muss über diese Glanztat leider außerhalb der offiziellen Wertung gespöttet werden.
Aber spötten darf man auf jeden Fall. Und zwar Deutsche und Amerikaner zusammen!
Johannes Knuth
Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider. Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.

Klar kann bei Hamelsmehr passieren, wenn sich Harper blöd wegdreht oder der Pitch nicht ganz dort...
(19-05-2012 06:34)Rene
Kann man doch nicht vergleichen, oder?! Nen Helm wegwerfen und einen Ball mit über 150 km/h auf
Da geht's sowieso nur um heurige Saison, da der Terminplan mit dem alten Playoffmodus gemacht wur...
(18-05-2012 17:35)Rene
Nee Joey das ist falsch, Hamels hat bewusst auf den Rücken gezielt. Da muss es schon mit dem Teuf...
(18-05-2012 13:30)Basti
Hallo Ihr Beiden, mal wieder ein sehr gelungener Podcast. Zu den Yankees. Da stimme ich euch zu,<...
(18-05-2012 11:36)Erich