Wer ist online?

 
 

Neue Kommentare

 
 
 

Neuester Insider

 
 
 

Sidearm Slider - Langlebige Lippenbekenntnisse

 
Autor: Johannes Knuth Donnerstag, 01. Mai 2008
 

Sidearm Slider sucht den Super-Vereinsspieler der MLB (Major League Baseball). Heute im Casting: White Sox-Veteran Paul Konerko.

buchstabe_copy_copy.jpg on wegen alles wird teurer. Ein Blick in die Werbung genügt und man weiß sofort, dass man heutzutage gar nicht mehr anders kann, als überall zu sparen und zu profitieren. Wer demselben Petrollieferanten treu bleibt, erhält zur Belohnung ein modisches Handuch, einen Fußball oder ein DVD-Spieler. Wer einem gewissen Elektrofachgeschäft treu bleibt, ist vor teuren Überraschungen sowieso sicher. Und wer am Sonntag Morgen nach einer durchzechten Nacht in seinem Schlafgemach Karussell fährt, hätte am Vorabend lieber einem einzigen Getränk treu bleiben sollen. Ein bisschen Treue zahlt sich also in jeder Hinsicht aus.


Seit vergangenem Dienstag profitiert auch Paul Konerko von seiner langjährigen Kundentreue. Der kräftige Rechtshänder wacht seit mehr als fünf Jahren über das erste Kissen bei den Chicago White Sox und hat nun die höchste Prämienstufe erreicht. Konerkos Vorgesetzten dürfen ihn ab jetzt nicht mehr ohne seine Einwilligung wegtauschen, da ihr Premiummitglied zudem seit zehn Jahren MLB-Prämienpunkte sammelt. Damit erhält Konerko ein automatisches Vetorecht für alle Tauschangelegenheiten, die seine Person betreffen. Ein Privileg, wovon die Deutschen auf der Bühne der Weltsicherheit weiterhin träumen.


Konerkos dürfte sein neu gewonnenes Mitspracherecht umso mehr freuen, wenn man sich die Logik des Baseballgeschäfts einmal vor Augen führt. Baseballprofis sind, wie so viele amerikanische Berufssportler, Tauschware. Die Tauschobjekte werden nach einem knallharten Kosten-Nutzen-Prinzip beurteilt und wechseln manchmal die Uniform, wie Lothar Matthäus seine Lebensgefährtinnen. Dem gemeinen Clubbesitzer kommt dabei die Statistikversessenheit der amerikanischen Baseballer zugute. Er kann an ihr ablesen, ob sich ein linkshändiger Schlagmann mit Asthmabeschwerden besser gegen Rechtshänder mit Hühneraugen oder gegen Linksschmeisser mit Keuchhusten behauptet.

 

"Es war mein Ziel, so lange auf höchstem Niveau zu spielen" - Paul Konerko 

 

 

 

Der Spieler hat auf dieses Vabanquespiel kein Einfluss. Während er am Montag Vormittag noch gemütlich Bälle über das Grüne Monster an der Ostküste drischt, könnte er am Dienstag Abend schon Bälle im Dome zu Toronto fielden. Oder gar in der Baseballhalle in Tokio, Japan. Nichts ist unmöglich. Erst wenn er dieses Spiel lange genug ertragen hat, entbindet ihn sein Lehnsherr vom Status des gefügigen Vasallen. Daher ist es kein Wunder, dass Konerko seine  neugewonnene Freiheit „echt cool” findet. Er sei „stolz” auf seine Langlebigkeit im White Sox-Dress, vor allem vor dem Hintergrund der enormen Spielerfluktuation im heutigen Geschäft: „Bei so vielen talentierten Neulingen war es mein Ziel, so lange auf höchstem Niveau zu spielen”, verriet er dem Chicago Tribune.


Es gibt sie also doch, die treuen Vereinsseelen à la Paolo Maldini, die vom Schülerkader bis zur Seniorenmannschaft ihr heiliges Gelübde der eisernen Treue einhalten?! Zumindest im Fall von Kapitän Paul Konerko fällt die Antwort auf diese Frage leider erneut negativ aus. Denn unter Konerkos respektvolle Treueschwüre mischt sich auch das eine oder andere "negative" Lippenbekenntnis. Sein Wunsch, einem „konkurrenzfähigen Team” angehören zu wollen, spricht eigentlich nicht zwingend dafür, dass er mit ein und derselben Mannschaft durch dick und dünn gehen würde. Auch ein halbjähriger Abstecher zu den Cincinnati Reds passt nicht zwingend in den Lebenslauf einer Vereinslegende. Hinzu kommt, dass Konerko vor drei Jahren heftig mit den Los Angeles Angels flirtete, bevor er ein neues Fünf-Jahres-Angebot der White Sox akzeptierte. Überhaupt scheint Konerko eher sein Ausdauerprofil in aller Öffentlichkeit schärfen zu wollen. Die meisten treuen Vereinsseelen agieren jedoch eher still im Hintergrund. Nämlich im Sinne des Vereins.


Die Werbung bleibt sich also weiterhin treu: Sie hält zumeist dann doch nicht, was sie verspricht.


 

 

Kommentare
RSS
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

Kolumnen

Johannes Knuth

 
johannes65x90Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider.
Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.