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Sidearm Slider - Ladegerät ohne Leistung

 
Autor: Johannes Knuth Dienstag, 24. November 2009
 

sliderWinterpause. Jetzt ist es an der Zeit für die sportbegeisterten New Yorker, über die nächste Schnapsidee von Manager Omar Minaya zu diskutieren. Holt er Moises Alou aus dem Ruhestand zurück zu den Mets? Wie viele lateinamerikanische Mütter muss er dieses Mal verführen, um den nächsten Sammy Sosa zu entdecken? Und wann ernennt er Adam Rubin endlich zu seinem Pressesprecher?

Doch Minaya hat derzeit wahrlich andere Sorgen...

buchstabeer  römische Philosoph, Dramatiker, Naturforscher und Politiker Seneca war im alten Rom eine ziemlich große Nummer, das verrät allein die Tatsache, dass er ab einem gewissen Punkt für die politische Erziehung des späteren Kaisers Nero zuständig war. Mit dieser Beraterrolle war Seneca jedoch bald unzufrieden, er zog sich freiwillig vom Staatsdienst auf ein Weingut nahe Roms zurück, und spätestens als sein Schüler zwei Jahre später die eigene Hauptstadt abfackelte, war auch Senecas politischer Ruf ziemlich angekokelt.

Auf dem philosophischen Parkett richtete Seneca deutlich weniger Schaden an, im Gegenteil: Er brachte seine Zunft damals ganz entschieden voran. Wenn wir 2000 Jahre nach Seneca  über unsere Körpersprache philosophieren, dann tun wir das größtenteils mit dem Wissen, das sich der alte Römer damals zusammengereimt hat.

„Deine Miene spricht aus, was auch immer du verheimlichst“, soll Seneca einst gesagt haben.

Und wenn das stimmt, hat Omar Minaya ein ziemlich großes Problem.

„Er sah alt, geschlagen und planlos aus“, behauptete ein Berater vor ein paar Tagen nach einer Unterredung mit dem General Manager der New York Mets.

Aber was genau spricht aus der müden Miene des Omar Minaya?

Sinflut im Garten Eden

Gründe fürs Müdesein und Altaussehen hätte Minaya ja reichlich. Erst kürzlich hat es eine von ihm zusammengeschusterte Mannschaft voller teurer Superstars tatsächlich vollbracht, die Meisterschaftsendrunde, das gelobte Land des Baseballs also, grandios zu verfehlen. Zwar wurde der Erzfeind aus Philadelphia, der den Garten Eden wieder einmal anstelle der Mets erreicht hatte, später von der sinflutartigen Stärke der New York Yankees überrollt, doch diese Plage hätten die Mets wenn schon dann gerne am eigene Körper erfahren.

Anschließend kürzten die Vereinsoberen dem kleinen Omar im Stile eines strengen Vaters das Taschengeld für die Personaleinkäufe. 20 Millionen Dollar darf er angeblich für seinen neuen Kader verjubeln. Vor der just abgelaufenen Spielzeit nahm Minaya allein 37 Millionen Dollar in die Hand, um Closer Francisco Rodriguez nach New York zu locken. 

Doch diese Gründe waren wenn nur die Präambel für die große Rede über den Zustand des Omar Minaya, die der gewisse Agent vor ein paar Tagen einem Reporter der New York Post in den Block diktierte.

Kein Taschengeld für den Rotzbengel

Die Mets würden Minaya nicht nur das Taschengeld kürzen, sinnierte der Funktionär. Nein, der kleine Rotzbengel müsse zuletzt so ungezogen im Umgang mit Mannschaft und Menschen in New York gewesen sein, dass er jetzt stets die Eltern für die kleinste Unternehmung um Erlaubnis bitten müsse.

Wie er darauf komme? Naja, derzeit verginge sehr viel Zeit zwischen Anfragen bei Minaya und seinen Antworten. Das sei beim aggressiven Lateinamerikaner, der seine Mitmenschen stets mit Energie fülle wie ein Ladegerät den Laptop-Akku, sonst nie der Fall gewesen  – und deute darauf hin, dass Minaya sein Anliegen erst einem Komitee vorlegen müsse.

Ist es das Komitee, ein geheimer Rat der Alten und Weisen, der sich hinter Minayas geplagter Maske versteckt?

Stieren im Staccatotakt

Als Antwort sei folgende Geschichte erzählt. Vor ein paar Jahren hielt ein Dozent ein Vortrag an einer fremden Uni. Er war noch jung, ein wenig nervös, und so trug es nicht gerade zu seiner Sicherheit bei, dass in der ersten Reihe ein junger Mann vor ihm saß, der während des Vortrags im Staccatotakt auf seine Uhr stierte. Nach dem Vortrag nahm der Dozent seinen Mut zusammen und fragte den Mann trotzig, ob der Vortrag denn tatsächlich so langweilig gewesen sei, als dass er ständig auf sein Zeiteisen habe schauen müssen.

„Nein nein“, antwortete der Mann ruhig, „ich habe nur gestern diese tolle neue Uhr bekommen und muss sie einfach die ganze Zeit anschauen.“

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Kolumnen

Johannes Knuth

 
johannes65x90Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider.
Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.