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Sidearm Slider - Köstlich und Kostenlos
Das pompöse Allstar-Game liegt nun knapp einen Monat zurück. Das bietet die Gelegenheit, alte Erinnerungen ein wenig aufzufrischen.
ir neigen mittlerweile ja gerne dazu, die Vergangenheit in ein allzu schönes Licht zu rücken. Das fängt bei dem üblichen „…früher war ja eh alles besser“-Gejammer an und hört bei den Persönlichkeiten der Republik auf. Sobald ein Politiker, Schauspieler oder Fußballkaiser sich zur Ruhe gesetzt hat, erinnern wir uns sofort an den großen Willy Brandt, den großen Heinz Rühmann oder auch den großen Journalisten Hanns Joachim Friedrichs. Dabei war Friedrichs gar nicht so groß: Er maß kaum mehr als der Großteil seiner Interviewpartner, von deren Sorte er jede Menge vors Mikrofon bekam. Nein, wahre Größe erreichte er erst an dem Tage, als er seiner Gilde kurz vor seinem Krebstod jenes große Journalistenzitat mit auf den Weg gab:
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“
Friedrichs bescherte sich damit den wohl schönsten und treffendsten Nachruf auf sein eigenes, erfülltes Journalistenleben. Natürlich schwingt in diesem Satz auch ein wenig Frust darüber mit, dass die Kollegen in den heimischen Redaktionsstuben längst nicht immer nach diesem Ideal handelten. Friedrichs, der seine Laufbahn bei der BBC in London begonnen hatte und langjähriger Amerika-Korrespondent des öffentlich-rechtlichen Fernsehnens war, zeigte dann gerne mit dem Finger auf die Kollegen in Übersee, die seiner Meinung nach seriösen, unabhängig und somit professionellen Journalismus betrieben.
Aber Ausnahmen bilden ja bekanntermaßen die Regel.
Vor ein paar Wochen las ich einen interessanten Artikel auf einer amerikanischen Sportseite. Der junge Autor hatte vom 79. Allstar-Spiel der Major League Baseball (MLB) für seinen Arbeitgeber berichtet. Und was mir als Produkt seiner Mühen entgegenschwappte, war eine große Lawine, aufgeladen mit Pathos und blinder, beinahe schon fahrlässiger Begeisterung.
Zielloser Hamster im Laufrad
Den ersten Höhepunkt erlebte unser Autor, als er Derek Jeters Eltern im Fahrstuhl begegnete. Wie ein "Hamster im Laufrad“ rannte er "ziellos" zwischen den anwesenden „All-Stars“ umher, um möglichst viele Hände zu schütteln. Zum Glück verfiel er nicht in eine Schockstarre, als er Alex Rodriguez begegnete. Stolz berichtet er von seinem Gespräch mit dem derzeit „vielleicht besten Baseballspieler und größtem Ziel der Klatschpresse.“ Wo er schon mal in der designierten Baseballkathedrale war, ließ er gleich ein bisschen heiligen Aschesand mitgehen, als er seinen Stift aufhob, den er zuvor rein zufällig verloren hatte. Dann ließ er sich beim „köstlichen und kostenlosen Presse-Essen“ schmecken und schwelgte schon mal ein bisschen in den ewigen Erinnerungen, die ihm von den unvergesslichen zwei Tagen bleiben würden.
Sind es die unvergesslichen Erlebnisse, die mich neidvoll erbosen lassen? Sicherlich nicht! Der Autor beschreibt sich in diesem Artikel als „Journalisten und fanatischer Anhänger.“ Ein bisschen Begeisterung für sein Metier hat sicherlich noch keinem geschadet. Aber unser Schreiberling erinnert mich an ein kleines Kind, das mit Gänsehaut und offenem Mund die Artisten unter dem Zirkuszelt bewundert. Hier läuft jemand Gefahr, sich mit einer (guten) Sache gemein zu machen, unbedingt dazugehören zu wollen.
Wobei ich ihm diesen Lapsus durchaus verzeihe. Sogar den großen Hajo Friedrichs juckte es manchmal ganz arg in den Fingern, das enge Korsett der personifizierten Glaubwürdigkeit abzulegen.
Nach seinem Journalistenleben machte Friedrichs Wahlwerbung für die SPD.
Übrigens: Den von mir erwähnten Artikel findet Ihr hier.
Johannes Knuth
Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider. Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.
Klar kann bei Hamelsmehr passieren, wenn sich Harper blöd wegdreht oder der Pitch nicht ganz dort...
(19-05-2012 06:34)Rene
Kann man doch nicht vergleichen, oder?! Nen Helm wegwerfen und einen Ball mit über 150 km/h auf
Da geht's sowieso nur um heurige Saison, da der Terminplan mit dem alten Playoffmodus gemacht wur...
(18-05-2012 17:35)Rene
Nee Joey das ist falsch, Hamels hat bewusst auf den Rücken gezielt. Da muss es schon mit dem Teuf...
(18-05-2012 13:30)Basti
Hallo Ihr Beiden, mal wieder ein sehr gelungener Podcast. Zu den Yankees. Da stimme ich euch zu,<...
(18-05-2012 11:36)Erich