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Sidearm Slider - Homeruns mit dem Blasebalg

 
Autor: Johannes Knuth Dienstag, 29. Dezember 2009
 

sliderWie Geier über dem Aas kreist die Dopingfrage über der anstehenden Ernennung der neuen Hall-of-Fame-Mitglieder. Im Blickpunkt steht vor allem Mark McGwire. Hat der achtbeste Homerun-Hauer aller Zeiten einen Platz in der Ehrenhalle verdient? Hat er nicht, meint Sidearm Slider.

buchstabees gibt gewisse Aufgaben im Leben, die einfach erledigt werden müssen, die ein Mensch aber nur äußerst widerwillig in Angriff nimmt. Der tägliche Abwasch ist so ein Beispiel. Jeder leidenschaftliche Küchenbesitzer weiß genau, dass er den Tellerberg auf der Anrichte irgendwann abtragen muss, bevor der Gipfel außer Sichtweite gerät. Und dennoch schaut der Mensch dem Tellerberg lieber beim Wachsen zu, schiebt den Abwasch vor sich her. Vielleicht, weil er der täglichen Routine überdrüssig ist, weil er kein Sisyphos in Schürze sein möchte.

Mozarella-Salat in Balsamico-Sauce

Irgendwann aber, wenn die Teller vom Tomaten-Mozarella-Salat zusammenkleben, wenn das Essgeschirr in der Balsamico-Essig-Sauce ein Bad nimmt, wenn der Reis pappt wie Beton am Kochtopf, der es sich in der Pfanne mit dem angebrannten Chili-con-Carne-Teppich gemütlich gemacht hat, gleich neben der Tasse, aus der ein ausgetrockneter Fencheltee-Beutel seinen Geruch verströmt – spätestens dann gibt es für den Sisyphos in Schürze keinen Ausweg mehr.

Eigentlich ist Abwasch wie Anti-Doping-Kampf – beide sind manchmal lästig, aber wenn man sich nicht fortlaufend darum kümmert, ersäuft die ganze Bude in Schimmel, Dreck und Gestank.

Wenig ruhmvoll

In diesen Tagen beschäftigt sich die Major Leauge Baseball mit einer ganz besonders lästigen Anti-Doping-Frage. Was stellt sie bloß mit den Spielern an, die sich vor allem in den 90er Jahren die Spritzen voller Wachstumshormone ins Gesäß jagten, danach einen Ball nach dem anderen aus den Stadien kloppten und jetzt an die Tür zur Ruhmeshalle pochen? Ihre Leistungen auf dem Spielfeld waren ruhmreich genug, als dass sie einen Platz in der Ehrenloge verdient hätten. Viele von ihnen haben aber den wenig ruhmvollen Weg des Betrugs gewählt, um diese Leistungen zu vollbringen.

McGwire
Die 25 war auch Mark McGwires Rückennummer (CC-BY - Foto von Eric Molina)

An Mark McGwire manifestiert sich dieses Problem vorzüglich. McGwire schlug während seinen besten Zeiten Homeruns, die den amerikanischen Begriff "Moonshot" nicht verdient hatten – McGwire feuerte viele Bälle mindestens Richtung Pluto. Insgesamt schlug er in seiner Karriere unglaubliche 583 Homeruns (so viele wie Kollege Alex Rodriguez). Allerdings hatte McGwire dabei geschummelt (wie Kollege Alex Rodriguez). McGwire selbst hat ein bisschen Betrug zugegeben (Habe einen Steroide-Vorläufer genommen), sein damaliger Kollege Jose Canseco bezichtigt ihn großen Betrugs (Habe ihm die Steroide persönlich in den Hintern gespritzt).

Am Dreikönigstag steht McGwire zum vierten Mal auf den Stimmzetteln der amerikanischen Sportjournalisten, die über den Einzug in die Hall of Fame abstimmen. Die Journalisten sollten hinter seinem Namen kein Kreuz machen.

Denn Mark McGwire ist ein Präzedenzfall, an dem die Journalisten der Baseballwelt demonstrieren müssen, dass nachweislich dopingbeladenen Spielern der Zutritt zur Hall of Fame verwehrt wird. Sollten sich die Betrüger Zugang verschaffen, ist die Halle für immer entweiht. Sie wird zu einer Bühne für Schummler, die ihre Knochen, Gelenke und Muskeln aufbliesen wie mit einem Blasebalg – um für ein paar Jahre am Baseball-Firmament sternenhell zu glänzen und dann zu jämmerlich verglühen.

Kostenloser Refill für die Dopingspitzen

Mit der Abweisung McGwires erhielten nicht nur diejenigen eine kleine erzieherische Maßnahme, die sich derzeit aktiv um einen Posten in der Ruhmeshalle bemühen. Die Entscheidung hätte Signalwirkung für jeden Nachwuchsspieler, weltweit. Und für alle Fans, die zu jenen Zeit in die Stadion strömten, um die Bonds, McGwires und Giambis anzufeuern. Mit ihrer Rekordlust haben sie die Spritzen der Dopingtäter immer wieder aufgefüllt.

"Our greed for HR's and money did not stop us from enjoying, Soooo I guess I can't complain to much....I did not try to stop it.....", kommentiert Nutzer "ernestmic" einen Artikel auf mlb.com, in dem der Autor übrigens für eine Aufnahme McGwires in die Hall of Fame plädiert.

Das Gegenteil muss der Fall sein. Es liegt nun auch in den Händen der amerikanischen Baseball-Schreiberlinge, ein bisschen Drecksarbeit im Anti-Doping-Kampf zu verrichten. Denn wenn niemand die Arbeit übernimmt - und sie muss in jedem Fall gemacht werden - wird die Ruhmeshalle des Baseballs irgendwann bis unters Dach schimmeln und stinken.

Kommentare
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Daniel
(Publisher) 30-12-2009 22:51
Ein leidiges Thema, bei dem wohl nie sich eine Seite klar durchsetzten kann.

Also du willst damit sagen dass du allen überführten gejuicten Spielern (BONDS, Big Papi, A-Rod,
Sosa, McGwire, Griffey, Manny, Giambi, Pettite, Clemens, Palmerio, etc. um nur einige zu nennen) den
Zugang nach Cooperstown untersagen willst? So sehr ich diese Maßnahme befürworten würde, jedoch
glaube ich nicht, dass wenn es so weit ist, und es um noch größere Kalieber wie McGwire geht, wie
eben A-Rod oder Clemens, dass dann die BBWAA kneifen und sie erst aufnehemn wird. Ein A-Rod, ein
Clemens, und wie sie alle heißen mögen, sie waren Ikonen einer ganzen Generation, sie haben
unglaubliches geleistet und ohne McGwire und Sos...
 
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Johannes
(Publisher) 31-12-2009 01:36
Fänd ich die einzig richtige Maßnahme, die Leute draußen zu lassen. Irgendwo muss man mal anfangen,
egal, was versäumt wurde oder nicht. Natürlich wird sich nie eine Seite durchsetzen, aber das
Dopingproblem muss ständig behandelt werden, damit die Problematik zumindest eingedämmt wird. Eine
halbwegs saubere Halle (natürlich wurde damals auch geschummelt) ist schon mal besser als eine
völlig verdreckte.

Ob das so geschieht, ist eine andere Frage, aber McGwires geringer Anteil an Stimmen hat ja schon
gezeigt, dass die BBWAA zumindest Gewissensbisse plagen.
 
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Daniel
(Publisher) 31-12-2009 03:35
ja aber mit was rechtfertigst du dann, dass du mcgwire draußen läßt, aber a-rod und clemens
reinlässt.. da seh ich für mich die problematik. die HoF steht für mich an einer Weggabelung:
entweder man entscheidet sich nur pure Leistung (und so mit auch Doping) zu honorieren oder wirklich
herausragende leistungen und talent zu würdigen (keine Juicer in der HoF). Sollte man sich für
erstere Variante entscheiden dann muss man alle oben von mir genannten SPieler reinwählen (incl.
mcgwire), wenn man sich für letzteres entscheidet dann darf auch kein a-rod reingewählt werden.

Jeder kompromiss zwischen diesen beiden lösungen ist für mich inakzeptabel weil inkonsequent und
feige! es ist für mich nicht ok a-...
 
Erich
(Publisher) 31-12-2009 11:37
Im Artikel steht aber nicht, dass McGwire draussen bleiben muss und A-Rod und Clemes reindürfen.
Konsequenterweise müssen alle draussen bleiben. Gerade der Ausschluss von A-Rod und Bonds hätten
Signalwirkung, wenn die beiden besten HR-Hitter aller Zeiten nicht reindürfen.
 
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Daniel
(Publisher) 31-12-2009 12:20
da hast du recht, aber ich bin echt schon gespannt darauf ob es diese konsequenz in der bbwaa gibt.
ich wollte damit eigentlich nur auf die problematik hinweisen, dass wir bald vor so einem problem
stehen werden! wenn mich nicht alles täuscht werden bonds und clemens im selben jar wählbar oder
(2012)?
 
Erich
(Publisher) 31-12-2009 12:42
Dein Einwand ist schon richtig. Es ist leider zu befürchten, dass mit zweierlei Mass gemessen wird,
was dann inkonsequent wäre.
 
Phil
(SAdministrator) 31-12-2009 14:22
2012 ist noch zu lange hin, um darüber zu spekulieren. Da kann noch viel passieren und weitere
Enthüllungen sind zu erwarten.

Allerdings kann man McGwire nicht mit Clemens und Bonds vergleichen. Denn unabhängig davon, dass die
Journalisten bei der Hall-of-Fame-Wahl die Möglichkeit haben die bekannten Dopingsünder zu
bestrafen, gibt es bei McGwire ja schon länger die Diskussion ob er als eindimensionaler Spieler,
der er nunmal war, überhaupt in die Hall of Fame gehört. Ob er da nun nachgeholfen hat oder nicht.
Bei Clemens oder Bonds geht es nur darum, ob man sie auch als Dopingsünder aufnehmen soll oder
nicht. Von der reinen Leistung her, gibt es bei den beiden keinen Zweifel, bei McGwire aber sch...
 
re:
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Johannes
(Publisher) 31-12-2009 16:02
Phil schrieb:
Doch was machst du mit Spielern, die vielleicht auch gedopt haben, bei denen es aber nicht bekannt
ist? Was passiert, wenn sie in die Hall of Fame aufgenommen worden sind und erst danach wird ihre
Dopingvergangenheit bekannt?


Das ist genau das Problem. Aber da kann man eigentlich nur so verfahren, dass man wirklich auch alle draußen lässt, die nachweislichgedopt waren. Wer gedopt war, der hat seinem Sport auch keinen Dienst erwiesen, so dass er etwa
Anspruch auf die HoF hätte.

Verdachtsmomente alleine dürfen nicht herhalten, dann steht irgendwann der ganze Sport in Frage.
Wenn dann jemand nach seiner Aufnahme überführt wird, dann fliegt er halt wieder raus (siehe gedopte
O...
 
Rene
(Publisher) 31-12-2009 16:14
Am Bild dürfte wohl ein Bonds "Fan" (deutlich am Giants Dress zu erkennen) sein, also mit
McGwire gemeint sein. Die #25 - unter Powerhittern sehr beliebt - ist während der Steroid-Ära auch
von vielen bekannten Dopingsündern (bzw -verdächtigen) getragen worden: Bonds, McGwire, Giambi,
Palmeiro... einzig Jim Thome hat von der 25er Partie eine weiße Weste behalten.
 
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Johannes
(Publisher) 31-12-2009 16:23
Ist ja fast beängstigend,...wie ein Verbrechersyndikat :unsure:
 
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Kolumnen

Johannes Knuth

 
johannes65x90Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider.
Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.