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Sidearm Slider - Hoffen bis zum Richtfest
Jeder hat dieses Gefühl irgendwie einmal erlebt.
Es verhält sich wie beim jungen Sprössling, der voller Feuereifer den just geräumten Stubenboden mit allerhand bunten Bauklötzen, beweglichen Männchen, Fahnenstangen und Gummirädern eines bekannten dänischen Spielwarenherstellers überflutet. Eifrig macht er sich an die Arbeit, die imposante Polizeistation aus dem Katalog nachzubauen. Wobei Nachbauen wohl nur die halbe Wahrheit ist, schöner, ausladender, gigantischer soll das neue Oberkomissariat erstrahlen. Doch ach, spätestens wenn sich die gespiegelten Plastikfenster mit dem ausgefallenen Schriftzug im unübersichtlichen Chaos verstecken, das gewagte Konstrukt bei der kleinsten Modifikation immer wieder zusammenklappt und es der Mutter beim Anblick des Tohuwabohus nicht viel besser ergeht, setzten für gewöhnlich die ersten größen und kleineren Wutausbrüche ein. Spätestens wenn der große Bruder süffisant feststellt, dass da ja nun überhaupt nichts mehr zu machen sei, möchte unser junge Sprössling die Bauruine unter lautem Geheule am liebsten an der Wand zerschmettern.
Also Kommando zurück, nochmal von vorne anfangen. Mit all seinem geballten Fachwissen eilt der Bruder zuhülf, lässt anfangs ein paar Bauklötze stehen – „guck mal, die kann man doch noch super verwenden”, schwindelt er – und macht sich geschwind an den Neuaufbau.
Als er 2007 den Präsidentenposten der Baltimore Orioles von Joe Foss übernahm, muss sich Andy MacPhail ein bisschen wie ein großer Bruder gefühlt haben, der halb mitleidig, halb belustigt das missratene Bauwerk seines Vorgängers inspiziert. Jene Vorgänger hatten jahrelang die Außenfassade des Gebäudes aufgemotzt – sprich ein unfertiges Nachwuchskonzept mit teuren Veteranen durcheinander gewürfelt – die verhunzte Innenausstattung ließ sich so allerdings nicht kaschieren. Das ließ dem neuen General Manager nur einen Ausweg: Der schnellste Weg, den flügellahmen Goldamseln wieder in höhere Tabellenregionen zu verhelfen sei, möglichst alle Überbleibsel der alten Manschaft zu beseitigen, verkündete er lächelnd bei einer Pressekonferenz anlässlich des Bedard-Wechsels. Für einen der besten „Lefties” im Pitchinggeschäft erhielt MacPhail gleich fünf Grünschnäbel aus Seattle. Zuvor hatte er bereits den vierfachen All-Star und Miguel Tejada für drei Nachwuchspitcher und einen Nachwuchsslugger nach Houston getauscht.
Also Kommando zurück, nochmal von vorne anfangen. Der gewaltige Einschnitt hindert den amerikanischen Geschäftsmann freilich nicht daran, die neuen Bauklötze nach dem Abriss flugs zu sortieren und den fehlerbereinigten Bauplan für eine erfolgreiche Zukunft zu skizzieren. MacPhail hat natürlich etwas mehr Zeit für den Neubau eingeplant, nichtsdestotrotz soll das Projekt ohne größere Verzögerungen vorangetrieben werden. Ungefährlich ist das nicht, denn ganz ohne das alte Fundament wird er nicht auskommen: Für die Stützen Tejada und Bedard, die der Baumeister dem Orioles-Gebilde mit einem süß-saurem Nachgeschmack entriss, muss zumindest kurzfristig adäquater Ersatz gefunden werden. Müssten die jungen Wilden diese Aufgabe bereits 2008 erfüllen, MacPhails Neubau bräuchte den Vergleich mit einer gemeinen italienischen Bauruine bald nicht mehr scheuen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Pläne des Architekten spätestens bis zum Richtfest als gut durchdacht erweisen werden.
Der Unterstützung einer verbliebenden Stütze – oder Altlast, je nach Geschmack – kann sich MacPhail derweil sicher sein: Als Spieler müsse man den Kurs der Führung einfach akzeptieren und die neuen Spieler jetzt bestmöglich unterstützen, gab O's-Veteran Kevin Millar brav zu Protokoll. Wahrscheinlicher ist, dass sich Millar um die Gunst seines Vorgesetzten bemühen wollte, um nicht doch noch für ein Haufen Prospects nach New York abgeschoben zu werden - die Yankees sind ja derzeit im äußerst linken Infield bekanntermaßen chronisch unterbesetzt. MacPhails Philosophie hat Millar jedoch bereits gekonnt adaptiert: Jetzt sei anscheinend die Zeit gekommen, in der man einen Schritt rückwärts gehen müsse, um einige Schritte voranzukommen, so der Mann am ersten Kissen.
„Guck mal”, wird sich Andy MacPhail gesagt haben, „den kann man doch noch super verwenden!”
Johannes Knuth
Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider. Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.
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Dann mal gute Nacht Mets, sollten die es wirklich so doll treiben. Aber selbst die werden kein Ge...
(09-02-2012 18:28)Nico
Solche "Bad contract swaps" a la Milton Bradley gegen Carlos Silva gibt's normalerweise n...
(09-02-2012 16:24)Rene
Es branden immer mal wieder Spekulationen auf, wonach die METS Jason Bay für Burnett traden könnt...
(09-02-2012 15:54)USSFSteeler
Ich glaub so einfach geht das gar nicht
(09-02-2012 09:09)Basti
wegen mir kann er nach japan
(09-02-2012 08:59)wordass