My Insider
Umfrage der Woche
Neue Kommentare
Sidearm Slider - Go Down Moses
Wenn der Schnee auf der Fensterscheibe schmilzt, der Qualm erloschener Kerzen das Zimmer verpestet und dem Zimmerinsassen vor lauter Lebkuchenverzehr speiübel ist, dann ist wohl wieder Adventszeit. Doch selbst im für den Baseballsport so feindlichen Dezembermonat sollte der Baseballfan nicht nur Lebkuchen, sondern auch mal ein Baseballbuch verschlingen. Daher heute Gast im ersten Teil der Sidearm-Slider-Buchwochen: Walter O’Malley, ehemaliger Besitzer der Los Angeles Dodgers und seine Biografie.
egenden werden auf dem Spielfeld geboren. Die Todfeinde des Sports dagegen, die Verlierer, Sünder und Betrüger, werden gebrandmarkt fernab der Stadien, wo sich die Fans treffen, um über ihre Sportart zu philosophieren. Dort, wo sie das wenige Gute vergessen und das Böse heraufbeschwören.
In deutschen Gefilden fanden diese Gespräche schon in schummrigen Eckkneipen statt. Die Todfeinde des amerikanischen Sports haben das Höllenlicht dagegen nie wirklich neben einem Weizenglas erblickt. Sie wurden geboren zwischen krausen, glatten, dunklen oder hellen Haarbüscheln auf dem glänzenden Linoleumboden. In den barber shops, den Friseurläden.
Man muss natürlich den richtigen Laden erwischen, wenn man ein Gespräch über die Todfeinde des, sagen wir, Baseballs aufschnappen möchte. Ein gutes Pflaster dafür ist der New Yorker Stadtteil Brooklyn. Irgendwo dort, zwischen Sweet Virginias Damenmode und der evangelistischen Missionarskirche, liegt der Unique Barber Shop.
Braun wie Adolf
Sein Innenleben ist braun. Der Linoleumboden, braun wie der Waldboden, aber so eben und glatt, dass sich der dunkelbraune Fernseher auf ihm spiegelt. Daneben steht derWandschrank, kastanienbraun, neben der pechschwarzen Registrierkasse und einem Bild der New Yorker Skyline, mit den Twin Towers darauf natürlich. Das Waschbecken – braun wie der Macchiatokaffe unter der Milchhaube. Selbst das Gesprächsthema zwischen Friseur und Kunde ist braun. Der größte Verbrecher des 20. Jahrhunderts sei ja zweifelsohne Adolf Hitler, sagt der Friseur. Ja, aber gleich danach käme auch schon Walter O’Malley, entgegnet der Kunde schnaufend. Kopf gerade, befiehlt der Friseur.
Walter O’Malley?
Verrat an der Romatik
Kaum ein Eigentümer hat auch Jahrzehnte nach seinem Tod im August 1979 derart viele Friseurkunden in Brooklyn und ganz Amerika entzürnt. O’Malley hatte es zwischen den Spielzeiten 1957 und ’58 gewagt, die Brooklyn Dodgers, das Lieblingsspielzeug der dortigen Anwohner, ins ferne Los Angeles zu verschicken. Der Stadteil fiel fortan in eine tiefe Depression, an der er noch heute leidet. Und O’Malley hatte ganz nebenbei mit einem der ersten Umzüge eines Baseballteams überhaupt die romantische Baseballära an den kühlen Kapitalismus verraten.
So dachten die meisten bisher.
Die Biografie des Walter O’Malley von Autor Michael D’Antonio soll den Ruf des geschmähten Geschäftsmann jetzt reparieren. D’Antonio, der bereits das Lebenswerk eines Schokoladenmoguls zu Papier brachte, wühlte sich durch die Familienarchive und als er fertiggewühlt hatte, stand der neue Todfeind des amerikanischen Baseballs fest: Der ehemaligen Stadtplaner Robert Moses.
Moses zaubert
Moses war damals der Sonnenkönig der New Yorker Baubranche, er sollte das New York der 50er Jahre ins gelobte architektonische Wunderland führen. In diesem Land würde es auch ein nigelnagelneues Baseballstadion geben. Dem Ebbets Field, Spielstätte der Brooklyn Dodgers, drohte der Verfall. Dodgers-Eigentümer O’Malley wollte den Einwohnern Brooklyns, das hatten diese rechtschaffenden Menschen verdient, einen wunderschönen Ballpark vor ihre Tür zaubern. Moses entzauberte O’Malley mit seinem Plan für einen Sporttempel im nördlichen Stadteil Queens.
Als Moses merkte, dass O’Malley hinter seinem Rücken das Stadionprojekt realisieren wollte, schwor er, O’Malleys Projekt für alle Zeiten zu blockieren. Womit er das wahre Todesurteil für die Brooklyn Dodgers fällte.
Verlassen, nicht betrogen
Denn O’Malley sah nicht ein, eine Spielstätte nach Moses' Wünschen für eine Mannschaft aus Brooklyn im Stadteil Queens zu errichten. Anstatt den Fans in New York eine halbgare Fernbeziehung mit ihren Dodgers zuzumuten, beendete er die Beziehung und suchte sich in Los Angeles eine neue Liebe.
Der Stachel bei den, so dachten die meisten, bei den Betrogenen saß und sitzt tief. Ein halbes Jahrzehnt später, Antonios Werk sei Dank, ist nicht nur die Schuldfrage endgültig geklärt – der Autor hat den Beweis erbracht, dass Legenden manchmal erst auf dem Papier erwachen.
Michael D'Antonio: Forever Blue: The True Story of Walter O'Malley, Baseball's Most Controversial Owner,and the Dodgers of Brooklyn and Los Angeles. Riverhead. Erhältlich bei amazon.com
Johannes Knuth
Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider. Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.
News
Aktuelle Kolumnen
Neue Blogs
-
Ultimate Batting Practice
-
Kuriositäten 2011
-
Die Miami Marlins stellen sich vor
-
Tony LaRussa bei Letterman
-
Das Yankee-Dilemma
-
Yankees nicht kleinzukriegen
-
Jair Jurrjens - Under the Radar
-
Fantasy Baseball 2011 #2 Mein Blick in die Kristallkugel
-
Spielberichte in anderer Form
-
Royals haben das beste Farmsystem der MLB

Dann mal gute Nacht Mets, sollten die es wirklich so doll treiben. Aber selbst die werden kein Ge...
(09-02-2012 18:28)Nico
Solche "Bad contract swaps" a la Milton Bradley gegen Carlos Silva gibt's normalerweise n...
(09-02-2012 16:24)Rene
Es branden immer mal wieder Spekulationen auf, wonach die METS Jason Bay für Burnett traden könnt...
(09-02-2012 15:54)USSFSteeler
Ich glaub so einfach geht das gar nicht
(09-02-2012 09:09)Basti
wegen mir kann er nach japan
(09-02-2012 08:59)wordass