My Insider
Neue Kommentare
Sidearm Slider - Geschwür in Pink
Am vergangenen Sonntag trug die MLB mal wieder pink und ehrte die Mütter ihrer Baseballsöhne. Welch willkommener Anlass, das bunte Treiben einmal ohne die pinke Brille zu betrachten.
elbst in ihrer schwersten Stunde dachte Suzy noch an das Wohl ihrer Mitmenschen. Mit ihrer humorvollen Art hatte sie stets versucht, ihre eigene Hoffnungslosigkeit und die ihrer Mitmenschen ein bisschen zu lindern. Doch beim Anblick dieser scheußlich kalten Wände, die so viel Leere und Einsamkeit ausstrahlten, lief es ihr eiskalt die brüchige Haut hinunter. „Nan”, sagte sie zu ihrer Schwester, „ich möchte, dass wir dieses Wartezimmer für alle Patientinnen schöner gestalten. So wie es ist, ist es eine Schande.”
Zwei Jahre nachdem Suzy ihrer Schwester Nancy ihre gemeinsamen Zukunftspläne eröffnet hatte, starb sie an Brustkrebs, im Alter von 36 Jahren. Der Verlust ihrer Schwester stürzte die kleine Schwester in ein großes Loch, aus dem sie erst langsam wieder herauskrabbelte. Nancy hatte sich nächtelang das Hirn zermartert und gefragt, ob und wie ein unbedeutendes Mädchen wie sie den großen Wunsch ihrer toten Schwester erfüllen konnte. Denn Suzy hatte an jenem Tag im sterilen Wartezimmer eines Houstoner Krankenhauses auch die Absicht geäußert, für bessere Forschungsmethoden gegen Brustkrebs kämpfen zu wollen, die sie selbst viel zu spät erhalten hatte. Das kleine Mädchen handelte und gründete 1982 die „Susan G. Komen Wohltätigkeitsorganisation”. 26 Jahre später hat sich die Stiftung zur größten ihrer Art in den Staaten entwickelt und ihre Gründerin laut Biography Magazine zu einer der 25 mächtigsten Frauen Amerikas.
Nancy Brinker, ehemalige Komen, verdient ihre Brötchen mittlerweile als Amerikas Botschafterin in Ungarn und hat viele reiche, einflussreiche Freunde. Die dürften eine nicht unwichtige Rolle gespielt haben, als Brinkers Stiftung vor zwei Jahren eine Kooperation mit der Major League Baseball (MLB) ins Leben rief. Seitdem hat es sich zur schönen Tradition für alle Profibaseballer entwickelt, am alljährlichen Muttertag so viele pinke Ausrüstungsgegenstände wie nur möglich zu tragen, um auf den schweren Kampf gegen Krebs aufmerksam zu machen.
Kurzer Einschub: Wenn wir alle unsere Mütter derart lieben, warum benötigen wir dann eigentlich alle Jahre wieder eine Sondereinladung, um an unsere unendliche Liebe erinnert zu werden? Ist es nicht ein bisschen unfair, unseren Müttern lediglich einen Tag von besonderer Zuwendung zu schenken, wenn sie uns derer 365 schenken?! Aber dies nur am Rande...
Am vergangenen Sonntag war es wieder so weit. Jimmy Rollins bestach mit einer eleganten pinken Sonnenbrille. Diamondbacks-Catcher Miguel Montero peppte seine knallrote Uniform mit einem dezent pinken Brustschutz auf. Und die Herren in Schwarz und Blau schwangen ihre Fäuste mit einem pinken Armband.
Ich hoffe, dass jede Menge Geld gesammelt wird. -Derek Jeter
Denn Brustkrebs ist insbesondere an einem Tag, an dem die Mütter geehrt werden, auch für das Baseballgeschäft ein sensibles Thema. Matt Thorntons Mutter überlebte Brustkrebs vor mehr als 20 Jahren und darf nun miterleben, wie ihr Sohn für die Chicago White Sox spielt. „Es macht mir richtig Spaß, ihr für alles zu danken, was sie für mich getan hat”, sprach Thornton Junior stellvertretend für den Rest seiner Gilde. Und Derek Jeter lobte ausdrücklich die Versteigerungen der pinken Baseballschläger der Baseballprofis, deren Erlöse ausschließlich dem Komen-Programm „Going to Bat Against Breast Cancer” zugute kommen. „Eine großartige Idee. Ich hoffe, dass jede Menge Geld gesammelt wird”, sagte der Yankees-Käpt'n, dessen Schwester ebenfalls eine Brustkrebskrankheit überstand.
Nun wären die Amerikaner ja nicht Amerikaner, wenn sie alles und jeden in ein profitables Geschäft verwandeln würden. Bei allem aufrichtigen Respekt für ihre Spendenwilligkeit, die natürlich auch das noble Anliegen der Komen-Stiftung trägt: Diese unbändige Profitgier, die sich wie ein Krebsgeschwür durch einen lebendigen Organismus frisst, droht nun langsam auch dem pinken Engagement der MLB in den Rücken zu fallen.
Seit längerem kritisieren zahlreiche Experten die Mannigfaltigkeit der pinken Produkte, deren Vertreiber einen Teil der Erlöse wohltätigen Organisationen wie der Komen-Stiftung spenden. Dass die gespendeten Erlöse jedoch längst nicht immer in Relation zu dem urplötzlich überteuerten Preis stehen, lässt jedoch vermuten, dass manche Firmen die Spendierfreudigkeit ihrer Kunden eiskalt ausnutzen. „Pink Washing” nennt der aufgeklärte Konsument die Flut an vermeintlich selbstlosen Spendenaufrufen. Auch MLB.com verkündete fröhlich auf seiner Internetseite, allen Fans eine personalisierte „Mother's Day 2008”-Keule für 79 Dollar anzubieten. 10 Dollar flössen an die Komen-Institution. Was passiert mit dem lieben Rest?
Zudem muss sich die MLB tunlichst hüten, den pinken Enthusiasmus nicht zu einem schicken Modetrend verkommen zu lassen. Denn vielerorts suggeriert das trendige Pink der Hilfsorganisationen eine gefährliche Illusion: Das Brustkrebs heutzutage keine wirkliche Gefahr mehr darstellt. Das Gegenteil ist der Fall, wie steigende Erkrankungszahlen allein in Amerika beweisen.
Und das entspricht wahrlich nicht der großartigen Idee, die Susan Komen vor langer Zeit in einem kargen Warteraum gebar.
Johannes Knuth
Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider. Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.
Klar kann bei Hamelsmehr passieren, wenn sich Harper blöd wegdreht oder der Pitch nicht ganz dort...
(19-05-2012 06:34)Rene
Kann man doch nicht vergleichen, oder?! Nen Helm wegwerfen und einen Ball mit über 150 km/h auf
Da geht's sowieso nur um heurige Saison, da der Terminplan mit dem alten Playoffmodus gemacht wur...
(18-05-2012 17:35)Rene
Nee Joey das ist falsch, Hamels hat bewusst auf den Rücken gezielt. Da muss es schon mit dem Teuf...
(18-05-2012 13:30)Basti
Hallo Ihr Beiden, mal wieder ein sehr gelungener Podcast. Zu den Yankees. Da stimme ich euch zu,<...
(18-05-2012 11:36)Erich