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Sidearm Slider - Drückende Herbstblase
Heute: Auf der Zielgeraden der Spielzeit sehen sich die New Yorker Baseballvereine mit neuen Sicherheitsherausforderungen konfrontiert. Außerdem: Die Gründe für das rätselhafte Herbst-Trauma von Alex Rodriguez.
s ist irgendwie bezeichnend, dass Friedrich Schiller eines seiner größten Werke als Schüler einer Militärakademie in Stuttgart verfasste. Die wüsten Winde des Sturm und Drang hatten den großen Meister in die kleinliche Welt der Zucht und Ordnung verweht, und da der stürmische Schiller für das Militär anscheinend so empfänglich war wie ein Offizier für den Friedensnobelpreis, schwänzte er den Unterricht wo es nur ging, um seine Eindrücke alsbald auf Papier festzuhalten. Ein klein wenig muss er dann aber doch im Unterricht aufgepasst haben. Ansonsten hätte er wohl kaum ein verblüffend echtes literarisches Abbild der Militärs gezeichnet. Genau, es handelt es sich um das Theaterstück „die Räuber.“
Die Handlung ist dramatisch und verworren, undurchsichtiger als das undurchsichtigste Funktionärsgremium. Sie schildert die Wandlung des Karl Moor vom lebensfrohen Studenten zum Räuberhauptmann. Karl führt in Leipzig ein sorgenfreies, studiengebührenfreies Studentenleben, bis sein stets vernachlässigter Bruder Franz den Vater mit einer List überzeugt, den Schlendrian zu enterben. Karl trifft der Schlag und schließlich die Entscheidung, seine Wut an der wohlhabenden Menschheit als Kopf einer Räuberbande auszuleben. Der Rächer der Geächteten ist mit dieser anspruchsvollen Aufgabe aber bald überfordert und flieht zum elterlichen Schloss, wo der hinterlistige Bruder mittlerweile das Familienzepter an sich gerissen hat und zu allem Übel auch noch Karls Geliebte anbaggert. Der Räuberhauptmann setzt also seine Bande auf den Bruder an, der begeht Selbstmord, Karls Vater stirbt vor Schreck, seine Geliebte freiwillig voller Schamgefühle, als sie herausfinden, dass ihr lieber Karl ein unbarmherziges Banditenpack befehligt, woraufhin der Räuberoffizier endgültig die Lust am Räuberleben verliert und sich dem Gesetz stellt.
Wahrscheinlich hatte Schiller ursprünglich eine noch viel verwirrendere und stürmischere Handlung gesponnen, die aber der Zensur der Intendanten vor der Uraufführung zum Opfer fiel. So erlebten die Räuber eine gezügelte Bühnengeburt, was der Begeisterung der vornehmlich jungen Zielgruppe im Publikum freilich keinen Abbruch tat.
This is a part of history! - New York Yankees-Sprecher
Nicht überall löst das kriminelle Schaffen einer wilden Räuberbande derartige Begeisterungsstürme aus. Schon gar nicht bei den Baseball-Stadionbesitzern aus New York. Eigentlich wollten die Yankees und Mets ihre ausrangierten Gemäuer pünktlich nach dem letzten Vorhangfall auseinanderpflücken. Manchen Anhängern geht das anscheinend nicht schnell genug. Sie helfen den Abrissmeistern, indem sie die Spielstätten um ein wenig Innenausstattung erleichtern. Dumm nur, dass die Klubbesitzer diese Art der Hilfestellung überhaupt nicht gutheißen. Sie werten die Abrissbemühungen als Vandalismus und Diebstahl. Wer ein Stück Stadiongeschichte mitgehen lässt, erhält als Andenken ein paar nagelneue Handschellen als Souvenir dazu. „We're going after this like a World Series game. This is a part of history”, sagte ein Sprecher der Yankees vor ein paar Tagen. Soll heißen: Wenn die Yankees schon nicht in der World Series glänzen, dann wenigstens bei der Verbrechensprävention!
Irgendwo muss man den Eigentümern dann aber doch das Recht zustehen, die listigen Diebe knallhart einzulochen. Niemand möchte das altehrwürdige Yankee Stadium mit zerrupfter Dekoration und zertrümmerten Sitzen in den Ruhestand verabschieden. Genau diese Möblierung, Fahnenschmuck und Plastiksitze gehörten bisher zu den beliebtesten Erinnerungsstücken der Langfinger. Aber auch bei so geschichtsträchtigen Memorabilia wie einem fast geklauten Toilettendeckel griffen die Ordnungshüter erbarmungslos zu.
Wir wollen ja nicht, dass Alex Rodriguez die letzten Herbstspiele mit voller Blase bestreiten muss und letztlich wieder unter dem zu hohem Druck versagt.
Johannes Knuth
Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider. Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.
Klar kann bei Hamelsmehr passieren, wenn sich Harper blöd wegdreht oder der Pitch nicht ganz dort...
(19-05-2012 06:34)Rene
Kann man doch nicht vergleichen, oder?! Nen Helm wegwerfen und einen Ball mit über 150 km/h auf
Da geht's sowieso nur um heurige Saison, da der Terminplan mit dem alten Playoffmodus gemacht wur...
(18-05-2012 17:35)Rene
Nee Joey das ist falsch, Hamels hat bewusst auf den Rücken gezielt. Da muss es schon mit dem Teuf...
(18-05-2012 13:30)Basti
Hallo Ihr Beiden, mal wieder ein sehr gelungener Podcast. Zu den Yankees. Da stimme ich euch zu,<...
(18-05-2012 11:36)Erich