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Sidearm Slider - Dienst nach Vorschrift

 
Autor: Johannes Knuth Montag, 24. August 2009
 

Wer sich als Baseballprofi in so schweren Zeiten wie jetzt freiwillig um sein üppiges Gehalt redet, hat definitiv einen Schaden. Oder erstaunlich selbstlose Absichten.

buchstabeer ganz große Knall ist noch nicht erklungen. Eine ganze Nation wartet ja seit Wochen darauf, wartet und wartet auf die schallernden Auswirkungen der viel zu oft zitierten Finanzkrise, doch passiert ist bisher reichlich wenig. Gut, ein paar brave Bürger haben ein paar Milliönchen in die gierigen Schlünde einiger raffgieriger Bankiers gepumpt – auf Nimmerwiedersehen versteht sich – aber wer seine Kröten blindlings einem System anvertraut, das er selbst nicht durchschaut, ist eigentlich auch selbst Schuld. Also warten wir alle weiter auf den großen Knall.

Erst die Flut, dann der Schimmel
Doch vielleicht kommt dieser ja gar nicht. Vielleicht nistet sich die Krise vielmehr still,  langsam und doch beständig in unserer Gesellschaft ein? Ganz wie ein Keller, der peu a peu mit Wasser vollläuft und am Ende auf alle Zeiten vom Schimmel befallen ist? Der Verdacht erhärtete sich, als ich heute bei einer bekannten Schreibwarenkette einkaufte. Gerade wollte ich die Kassiererin fragen, ob ich nicht einen Rabatt verdient hätte, wenn ich drei Tintenkiller der gleichen Marke in einem Schwung kaufen würde, als mir die Anrede im Hals stecken blieb. Auf ihrem Namensschild stand nämlich in Computerschrift: Auszubildende. Wäre ja auch viel zu teuer, jeder Angestellten auch noch eine persönliche Plakette anzufertigen. Ich verwette drei Tintenkiller darauf, dass dies ein echtes Finanzkrise-Sparsyndrom ist!


Diese Art von Sparzwang hat eine weitere schlimme Nebenwirkung:  Ein Angestellter, dem der Arbeitgeber im Dienst wortwörtlich die Identität raubt, kann kein motivierter Arbeitgeber sein. Vielmehr wird er nur noch Dienst nach Vorschrift verrichten, schlimmer noch, wohlmöglich gönnt er dem Kunden auch noch großzügige Rabatte auf Tintenkiller. Schadet ja schließlich dem fiesen Arbeitgeber. In Deutschland handeln immerhin sieben von zehn Arbeitnehmern nach diesem Muster, fanden Berliner Meinungsforscher Anfang des Jahres mal wieder heraus.

Umgeworfene Getränkemaschinen, kaputte Wasserkühler
Damit liegen die Deutschen aber durchaus noch vor der ausländischen Konkurrenz. Die Amerikaner, insbesondere die Baseballer der Chicago Cubs, müssen sich seit einiger Zeit beispielsweise mit einem ganz hartnäckigen Fall von „Dienst nach Vorschrift“ herumschlagen. Vergangene Woche gab ihr nicht gerade unterbezahlte Werfer Carlos Zambrano bekannt, dass er es mit seinem Rehaprogramm während seiner Verletzungspause nicht ganz so genau nehme und schlichtweg „faul“ war. Im Gegenzug ließ die entzürnte Anhängerschaft im Internet verlauten, dass sie gerne auf einen Spieler verzichten könne, der Getränkemaschinen umschmeisst, auf Wasserkühler mit der Holzkeule einprügelt, den allmächtigen Babe Ruth im Schlagtraining imitiert und dann nicht einmal versucht, für seinen nächten Auftritt richtig in Form zu kommen.

Doch eigentlich sollte die erboste Fangemeinde Zambrano dankbar sein. Welcher faule Angestellte, ausgestattet mit einem schwindelerregendem Jahresgehalt, gibt denn freiwillig zu, ein fauler Angestellter zu sein? Dank Zambranos schlechtem Gewissen können die Cubs-Vernatwortlichen ihn nun besten Gewissens abschieben.

Und falls sich tatsächlich die Möglichkeit dazu bietet, sollten sie dies unbedingt tun. Meinungsforscher fanden nämlich schon vor drei Jahren heraus, dass Unternehmen mit unmotiverten Mitarbeitern in aller Regel Umsatzeinbußen bis zu 33 Prozent hinnehmen müssen. Für die Cubs hieße das: Drei Niederlagen in Folge und damit das Aus in der ersten Playoff-Runde im Oktober diesen Jahres. Oder noch besser: 33 Spiele Rückstand auf die Divisionsspitze, bevor die Endrunde überhaupt angefangen hat. Das wäre dann wirklich der große Knall.

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Kolumnen

Johannes Knuth

 
johannes65x90Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider.
Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.