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Sidearm Slider - Die Friedensbringerin

 
Autor: Johannes Knuth Montag, 04. August 2008
 

Was am vergangenen Donnerstag in der MLB passierte, ließ sich spontan kaum in Worte fassen. Mit klassische Musik ging's schon eher...

buchstabef.jpgür diejenigen unter Euch, die noch nicht in den Hörgenuss von Gustav Holsts Planetensuite gekommen sind, möchte ich einmal den ersten Teil des fünfteiligen Werks vorstellen. Er ist nach dem römischen Kriegsgott Mars benannt. Warum, werdet ihr gleich lesen.

Leise aber bestimmt kündigen die zupfenden Streicher eine große Armee an, die sich festen Schrittes aus den Tiefen einer Sumpflandschaft dem Schlachtfeld nähert. Ihr Schritt wird immer forscher, bis sich auch die Bläserstimmen aus der Stille erheben. Bedrohlich summen sie auf und ab wie ein nervöser Bienenschwarm, blasen immer lauter um die Wette, bis sich alle Stimmen zu einem kräftigen Chor vereinigen, der wie eine monströse Welle mit mechanischer Brutalität auf den Gegner zurollt. Für wenige Momente verstummt der Chor – dann verkünden die Trompeten mit ihrer hellen, klaren Stimme ihre Botschaft, sie klingt nach Sieg – bis die Armee plötzlich zum Stillstand kommt und den Atmen anhält: Da stehen die Barbaren, Auge in Auge mit ihren Widersachern. Der Moment der Schlacht ist gekommen.

Doch in einem kleinen Waldstück hat der Barbarenführer eine List ersonnen. Die Streicher künden von seiner kleinen Truppe, die sich wie eine Schlange durchs Unterholz schlängelt, um dem Gegner in den Rücken zu fallen. Immer schneller wird sie, immer aufgeregter, sie kann den Schlachtlärm bereits hören. Denn auf der großen Weide ist der Kampf bereits entbrannt. Die Trompeten und Trommeln der großen Armee rufen nervös, sie ringen mit den tiefen Bassstimmen der Einheimischen, die Schlacht hat ihren Höhepunkt erreicht. Da preschen die Truppen der Barbaren hervor. Mit ihrer ganzen Kraft ringen sie den großen Feind nieder, die Bläser kreischen, als werde ihnen ein Messerstich nach dem nächsten versetzt, und schließlich fällt die so große Armee wie ein torkelnder Riese mit einem kräftigen Trommelschlag zu Boden. 

Man sollte als Sport-Schreiber ja vorsichtig mit Kriegsbegriffen und dergleichen umgehen, aber was sich bis vergangenen Donnerstag in der hochdotierten Baseball-Profiliga abspielte, dürfte getrost als eine der großen „Trade-Deadline-Schlachten“ in die Annalen eingehen.

Da provoziert ein rebellischer Leftfielder ganz offen einen Konflikt mit seinem Arbeitgeber, bis der so genervt ist und sogar noch draufzahlt, damit ihn sein neuer Klub aufnimmt. Ein großer Homerun-Meister verlässt seinen Verein, um seinen Traum vom großen Wurf im Alter von 38 Jahren zu erfüllen. In der American League sagen die Spieler mit dem Heiligenschein den etablierten Playoff-Rivalen den Kampf an. Der Rekordmeister kontert mit reichlich Verstärkung aus dem Piratennest und dem Tigerkäfig. Und im Lager der National League rüsten zwei Westvereine ihre Pitching-Reihen mit zwei erprobten Schlachtrössern auf.

Einige Tage nach dem gewaltigen Beben erschüttern jetzt nur noch einige kleine Nachbeben den Liga-Alltag.

Twins-GM Bill Smith warf Livan Hernandez und Craig Monroe am Freitag aus dem Kader, nachdem er am Donnerstag für die beiden keine Abnehmer gefunden hatte. Angeblich stand Hernandez kurz davor, Extrazahlungen für eine bestimmte Anzahl an von ihm geworfenen Innings einzustreichen. Das habe bei Hernandez Entlassung aber nie eine Rolle gespielt, betonte Smith.

Die Nationals setzten mit Paul LoDuca, Johnny Estrada und Felipe Lopez gar drei Spieler vor die Tür. Man wolle sich in den verbleibenden zwei Monaten verjüngen, kündigte Manager Manny Acta an. Der Hauptstadtklub lässt sich die Verjüngungskur elf Millionen Dollar kosten. So viel schuldet  man dem gefeuerten Spielertrio noch in dieser Spielzeit.

Unterdessen leckt man in New York die Wunden, nachdem man (mal wieder) zu den Geschlagenen im Transfer-Kampf um Manny Ramirez gehört. Diesmal scheiterte ein Tauschgeschäft am „Major League-fähigen Outfielder“, der im Mets-Kader nur schwer zu finden ist, den Epstein aber als Ersatz für seinen Ex-Superstar dringend benötigte.

Wenn dann auch die letzten Erschütterungen verhallt sind, wird die Liga wieder ruhigeren Zeiten entgegensehen. Das ist so sicher, wie auf Gustav Holsts Kriegsmarsch ein Stück folgt, in dem eine melancholische Posaunenstimme mit den Holzbläsern um die Wette seufzt.

Es ist benannt nach Venus, der Friedensbringerin.

 

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Kolumnen

Johannes Knuth

 
johannes65x90Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider.
Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.