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Sidearm Slider - Der Werfer-Jesus

 
Autor: Johannes Knuth Dienstag, 11. August 2009
 

Was hat ein gewalterfüllter Gastronomiebesuch mit den ewigen Erzrivalen des Baseballsports zu tun? Ein Vergleich.

buchstabemanche Dinge sind vom Leben einfach vorgegeben. Das lässt sich immer so toll an den Namen durchspielen, die Eltern ihren Kindern geben. Volksbelustiger Rüdiger Hoffmann („Ich weiß noch nicht, ob sie’s schon wussten,...) fasste dieses Phänomen recht treffend zusammen, als er von einem Besuch mit zwei Freunden in einem italienischen Restaurant erzählte. Einer seiner Freunde hatte seine drei Kinder mitgebracht – Malte, Sören und Torben – und trat damit den Beweis an, dass alle Maltes, Sörens und Torbens von Natur aus ganz ungehörig ungezogene Rotzbengel sein müssen.

Den Beweisführung stützte sich dabei auf die Beobachtung, dass eines der Kinder – Sören – zunächst unter den Tisch kletterte, um Hoffmanns zweiten Begleiter von dort aus das Rotweinglas aus der Hand zu schlagen, so dass sich der Rotwein auf das Lieblingssakko des Begleiters verteilte. Während sich Hoffmanns Begleiter panisch Salz über den Rotweinflecken schüttete, geriet er mitten in einen wilden Fechtkampf, den die anderen beiden Rotzlöffel Malte und Torben mit zwei Billiardstöcken austrugen. Hoffmans Freund trug eine Platzwunde davon, die sich flugs auf seinem Hemd ausblutete (Vater: Maaalte....du weißt, dass ihr euch mit den Stöcken verletzen könnt..?!). Während sich Hoffmanns Begleiter also einen Pressverband aus Stoffservietten bastelte, hatte Sören in das Kampfgeschehen eingegriffen und einen Bombenteppich aus Billiardkugeln über alle Beteiligten niederprasseln lassen. Eine der Kugeln schlug Hoffmanns verwundetem Freund sämtliche Schneidezähne aus („Sören...du weißt, dass ihr Euch mit den Kugeln verletzten könnt...?!). Wie gut, dass er nur eine Tomatensuppe bestellt hatte, die ließ sich schließlich auch ohne Schneidezähne schlürfen.

Landesweite Verschwörung der Brauerei-Industrie
In der Major League Baseball gibt es keine Maltes, Torbens und Sörens – am nähesten kommt ihnen noch der ungezogene Prügelknabe mit dem Namen Kevin  – doch auch hier scheinen manche Dinge vom Baseballgott vorgegeben zu sein. So sind die Boston Red Sox und New York Yankees anscheinend auserkoren, sich in jedem ihrer Aufeinandertreffen eine epische Auseinandersetzung zu liefern. Das Wall Street Journal hat das in der vergangenen Woche in Zahlen gefasst: Im Durchschnitt dauerte ein Spiel zwischen beiden Mannschaften im Jahr 2009 sagenhafte 223 Minuten – 20 Prozent länger als die Durchschnittsspieldauer aller übrigen Spiele. Bei der Begründung kam das Journal derweil nicht so recht über die Erklärung hinaus, dahinter stecke eine landesweite Verschwörung der Brauerei-Industrie, mehr Gerstensaft an Mann und Frau zu bringen.

Vielleicht liegt die Spieldauer ja in den Namen der Spieler selbst begründet? So wie manche Kinder von Namen aus böse werden sind manche Namenträger vielleicht dazu bestimmt, lange und epische Kämpfe auszutragen?! Besonders lohnenswert wäre in diesem Zusammenhang eine Analyse der Vornamen „Josh“ und „Allan“. Denn es waren Bostons Josh Beckett und New Yorks Allan James Burnett, die vergangene Woche Hauptdarsteller eines 333-minütigen Defensivkrimis waren.

Wütende Wellen, kühle Klippen
Und tatsächlich. Der Name Alan kommt aus dem bretonischen Raum und bedeutet so viel wie „kleiner Fels“. Volltreffer. Schließlich zerschellten die Offensivbemühungen der Red Sox an Burnett wie eine wütende Welle an einer kühlen, ewig währenden Meeresklippe. Josh oder Joshua kommt aus dem Hebräischen und heißt sinngemäß „Jesus ist die Erlösung“. Passt wie die Faust aufs Auge, schließlich wartete ganz Boston auf ein Wunder ihres Werfer-Jesus', um die Red Sox von einer verflixten Niederlagenserie zu heilen.

Die Entscheidung über den Ausgang einer derartigen Partie obliegt natürlich nur dem Baseballgott. Wie treffend, dass ausgerechnet Alexander Rodriguez an jenem Abend das Spiel mit einem Homerun beendete. Seinem Namensvetter Alexander der Große wurde ja bereits eine göttliche Abstammung nachgesagt und auch Rodriguez wurde zumindest zeitweise in den Tempeln der selbstverherrlichenden Kabbalah-Prediger gesichtet.

Kommentare
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Basti
(Publisher) 16-08-2009 22:52
Ich finde die Marathon-Partie war die letzte Chance der Bo Sox nochmal aktiv in den Kampf um die
Divison einzugreifen...ITS OVER!

Sehr schön geschrieben Johannes, wie immer TOP-LESEMATERIAL :)

LG
Basti
 
re:
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Larsen
(Registered) 17-08-2009 11:53
Basti schrieb:
Ich finde die Marathon-Partie war die letzte Chance der Bo Sox nochmal aktiv in den Kampf um die
Divison einzugreifen...ITS OVER!


Naja, wie sagte Yogi mal
"It ain't over 'til it's over."

Jetzt können sich die Yankees nur noch selbst ein Bein stellen und man sieht ja wie schnell sich
Spieler verletzen können. Und das Starting-Pitching ist das Problem bei den Yankees und da rede ich
von Nummer 4 und Nummer 5.
 
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Basti
(Publisher) 17-08-2009 16:14
Ich denke die Fans der Bo Sox haben innerlich resigniert...man muss doch einfach merken, dass es
diese Saison nichts mit dem Titel wird...ja klar ist es noch zu Ende, aber wer soll die Yankees denn
bitte noch aufhalten.

Die Red Sox müssen selber gegen Texas im Kampf um die Wild Card kämpfen! Das Wochenende war ja nicht
so prickelnd in der Gluthitze von Arlington!
 
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9o9o
(Registered) 18-08-2009 10:11
:X Es ist noch nicht aller Tage Abend ;) also steckt man noch nicht auf :)
lass sich doch mal CC verletzten dan fehlen den yankess schon 3 Starter
 
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Basti
(Publisher) 18-08-2009 10:49
Selbst dann ist das Rennen entschieden...Mitre pitchte wie ein Ace im letzten Start :D
PS: Bei dem Bullpen braucht man keine Rotation...
 
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Kolumnen

Johannes Knuth

 
johannes65x90Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider.
Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.