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Sidearm Slider - Brücke an die Fleischtöpfe
Die ersten Spiele zweier MLB-Teams auf chinesischem Rasen sind Geschichte. Die Erfolgsgeschichte von Amerikas Traditionssport im Reich der Mitte hat nach dem Willen der Funktionäre dagegen erst begonnen.
Eine Eigenart unser heutigen Konsumwelt ist es, einen Trend oder ein gelungenes Geschäftskonzept so lange auszuschlachten, bis nur noch ein kümmerliches Wrack von ihm übrig bleibt.
Das fing bei uns in der fünften Klasse an, als wir plötzlich sämtliche Jo-Jos in unserer Stadt aufkauften. Natürlich waren das neuartige Jo-Jos, die dank der raffinierten Bauweise nicht mehr auf- und absausten, sondern am Schnurende in statischer Position rotierten, so dass man mit der Schnur und seinen Fingern allerhand Kunstfiguren fabrizierte. Doch spätestens nach ein paar Monaten verstaubten unsere Spielgeräte in irgendeiner Ecke im Kinderzimmer, wie auch die Tamagochis, die Pokemon-Karten und die Baggy-Pants für die 12-jährigen, die von der Größe her aus dem „Modeladen für Mollige” hätten stammen können, der sich in unmittelbarer Nähe unseres Jo-Jo-Ladens befand.
In der Erwachsenenwelt setzt sich dieses Spielchen munter fort. Den Machern des modernen Baseballs sind die aktuellen Trends natürlich nicht verborgen geblieben. Neidisch blickt man nach China, wo die National Basketball League (NBA) mittlerweile mehr als einen Fuß in der Tür hat. Wenn Houstons Yao Ming und Milwaukees Yi Jianlian aufeinander treffen, widmen bis zu 20 chinesische Fernsehsender den beiden ihre Aufmerksamkeit – gleichzeitig, per Liveübertragung wohlgemerkt! Was ließe sich da erst an Fernsehgeldern geschweige denn Fanartikeln verdienen, wenn sich zwei Chinesische Pitcher in einem Major League-Spiel duellieren würden?!
Auch wenn es keiner von den beiden so recht zugeben will: Die Los Angeles Dodgers und die San Diego Padres missionierten vom vergangenen Donnerstag bis Sonntag das Reich der Mitte, um genau dieses Duell zu ermöglichen. Der explizite Auftrag lautet: Der Major League Baseball (MLB) den Weg an die Fleischtöpfe des Riesenreichs zu ebnen. Auf dem Missionarsprogramm standen der Besuch der chinesischen Mauer, zwei Freundschaftsspiele im olympischen Baseballstadion von Wukesong und rührende Fremdenhilfe von Dodgers-Eigentümer Frank McCourt: „Es geht uns nicht ums Geld. Wir bauen Brücken zwischen unseren Nationen, indem wir der Jugend Chinas die Freude am Baseballspiel näher bringen”, säuselte er auf einer Pressekonferenz vor einer Meute chinesischer Reporter in Peking. Inoffiziell bedeutet dies: Spätestens in ein paar Jahren sollen so viele chinesische MLB-Profis wie möglich das chinesische Publikum begeistern, dass Bud Selig am schnell wachsenden chinesischen Sportmarkt mitmischen kann. Der mächtige Geschäftsmann, dem vor Beginn des ersten Freundschaftsspiels vor lauter Rührung über diesen „historischen Moment” beinahe die Tränen in die Augen schossen, kündigte bereits an, die Jugendprojekte der MLB in China weiter auszubauen.
Die Nachwuchsbaseballer durften im Rahmen der diesjährigen MLB-Exkursion jedoch nicht von gestandenen Profis lernen: Dodgers und Padres bestritten beide Vorbereitungsspiele hauptsächlich mit jungen Spielern aus den Minor Leagues. Wenn der aufmerksame chinesische Baseballfan beim ersten Padres-Spiel im chinesischen Staatsfernsehen also vergeblich nach einem Matt Antonelli oder einem Will Venable sucht, liegt das vermutlich daran, dass beide gerade in einem amerikanischen Komfortbus zu ihrer nächsten Auswärtspartie mit den Portland Beavers tuckern.
Das Aufgebot an No-Name-Akteuren war nicht der einzige holprige Eindruck, den die MLB-Gesandten hinterließen. Auf der erwähnten Pressekonferenz flankierten zwei Dodgers-Pitcher Eigentümer McCourt und L.A.-Manager Joe Torre: Chan Ho Park, Korea, und Hong-Chih Kuo, Taiwan, sollten den chinesischen Reportern den internationalen Einfluss der MLB vor Augen führen. Bleibt zu hoffen, dass die Gastgeber dies richtig zu deuten wussten. Mit Korea unterhält man erst seit 1992 vorsichtige diplomatische Beziehungen, Taiwan betrachtet Peking als abtrünnige Provinz, die es notfalls militärisch zu bekämpfen gilt.
Bei so vielen Stolpersteinen und verkappten Schwindeleien tat ein bisschen Ehrlichkeit von Joe Torre wahrhaft gut. „Es leben so viele Menschen in China”, hatte er erkannt, „da ist mit Sicherheit eine Vielzahl zukünftiger Baseballprofis darunter.”
Johannes Knuth
Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider. Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.
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Dann mal gute Nacht Mets, sollten die es wirklich so doll treiben. Aber selbst die werden kein Ge...
(09-02-2012 18:28)Nico
Solche "Bad contract swaps" a la Milton Bradley gegen Carlos Silva gibt's normalerweise n...
(09-02-2012 16:24)Rene
Es branden immer mal wieder Spekulationen auf, wonach die METS Jason Bay für Burnett traden könnt...
(09-02-2012 15:54)USSFSteeler
Ich glaub so einfach geht das gar nicht
(09-02-2012 09:09)Basti
wegen mir kann er nach japan
(09-02-2012 08:59)wordass